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Sabotage
von Christian
Westhus
Story:
Mr. Verloc betreibt ein kleines Londoner Kino,
ist im Geheimen jedoch als Saboteur unterwegs.
Gerade legt ein von ihm verursachter Stromausfall
die Stadt lahm, als sein Auftraggeber ihm anordnet,
zu extremeren Mitteln zu greifen. Eine Bombe soll
gezündet werden. Verloc zögert, während seine Frau
ihn für einen treu sorgenden Mann hält. Doch auch
die Polizei hat sich schon an Verlocs Fersen
gehaftet.
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Basiert auf einem Roman von
Apocalypse Now-Autor
Joseph Conrad |
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Kritik:
Misstrauen und Angst gingen 1936 durch die Welt.
Alfred Hitchcock ließ auf den spaßigen
Screwball-Thriller „The 39 Steps“ den weitaus
ernsteren Sabotage folgen, der nicht mit dem
sechs Jahre später in den USA gedrehten Saboteur
zu verwechseln ist. Terrorismus, drohende
Kriegsgefahr, Angst vor umtriebigen Fremden und das
Gefühl, in der Heimat nicht mehr sicher zu sein –
all das waren Themen der Zeit. Hitchcock greift
diese Themen auf, ohne explizit zu politisieren. In
erster Linie bleibt Sabotage ein Thriller mit
Drama-Elementen, doch dass der filmische
Unruhestifter Verloc vom Österreicher und Emigranten
Oskar Homolka gespielt wurde, also von einem
Deutschsprachigen, ist sicherlich kein Zufall.
In arg dunklen Schwarz-Weiß-Bildern machen Drehbuch
und Regie gar keinen Hehl daraus, wer für den
nächtlichen Stromausfall verantwortlich ist. Verloc
wird vom Zuschauer am Tatort gesehen und auffällig
genau wird gezeigt, wie er sich zurück in seine
Wohnung schleicht, um den Schein zu wahren, er sei
nie weg gewesen. Verloc ist ein Saboteur und
sicherlich nicht die sympathischste Person unter der
Sonne, doch ein Stromausfall fordert keine Leben und
so zögert Verloc, als Mr. Auftragsgeber größere
Aktionen fordert. Wofür genau die Gruppierung kämpft
bleibt ebenso nebulös, wie der Zweck, den die
Aktionen haben. Der Terrorismus als MacGuffin, als
undefinierter Ausdruck der Schutzlosigkeit einer
Gesellschaft.
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Hitchcock war 5mal für den
Oscar nominiert
und bekam erst einen, als man ihm einen Ehrenoscar widmete |
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Verlocs
Frau Sylvia wird von Sylvia Sidney als
übersympathische Unschuldsverkörperung gespielt. Mit
rehäugiger Schüchternheit ist sie die etwas andere
Hitchcock Frauenhauptfigur, eher vom Schlage einer
Joan Fontaine. „Obstverkäufer“ Ted ist zwar schnell
aufdringlich, aber geradezu entwaffnend zutraulich,
während Sylvias Bruder ein typischer Rabauke ohne
Nervfaktor ist. Mit diesen Figuren, die durchaus gut
entwickelt und gespielt sind, entspinnt sich eine
Handlung aus Tarnung, Täuschung und Abwägung. Es
fehlt jedoch der Fluss, die tatsächliche Spannung
und die Finesse in der Haupthandlung, um den Film
außergewöhnlich erscheinen zu lassen.
Verloc scheint gar keine Wahl zu haben, was die
Bombe betrifft. Die Frage ist, wie die Sache
möglichst ohne Kollateralschäden umzusetzen ist. Die
Polizei erhält neue Informationen, während der
Zeitpunkt des Anschlags immer näher kommt und Sylvia
sich gegen jeden Zweifel wehrt. Gelungen ist der
Bezug zum Kino, wo gerne mal fiktionale Gefahr
gezeigt wird, die die Bürger der Stadt aber nur
unterhält, nicht abschreckt, während die
zeitgenössischen Zuschauer von Hitchcocks Film die
Doppelbödigkeit erkennen sollten.
Dann kommt beim Meister wieder der Hobby-Ornithologe
durch, denn Vögel spielen fast in jedem Film eine
besondere Rolle. Das große und hoch spannende
Suspense-Meisterstück im letzten Drittel – des
erschreckend kurzen Films (76 Minuten) – mündet in
einer Entscheidung, die Hitch später als einen der
größten Fehler seiner Karriere bezeichnen sollte.
Trotz erhöhtem Tempo, Mord und ausbrechender Panik,
überwiegt im letzten Akt das Drama. Den Film auf die
Aussage, Gewalt führt nur zu Leid, zu reduzieren,
ist vielleicht zu knapp, aber sicherlich zutreffend.
Fazit:
Sabotage ist ein ordentlicher, aber wenig
außergewöhnlicher Thriller, der eigentlich nur für
die berühmte Bombenszene gegen Ende berühmt ist. Die
Figuren sind gut und auch gut gespielt, doch
Spannung und Faszination halten sich in Grenzen.
Sehenswert-solider Hitchcock. .
6 / 10 |