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Kritik:
Sabotage


von Christian Westhus

Sabotage
(1936)
Regie: Alfred Hitchcock
Darsteller: Sylvia Sidney, Oskar Homolka

Story:
Mr. Verloc betreibt ein kleines Londoner Kino, ist im Geheimen jedoch als Saboteur unterwegs. Gerade legt ein von ihm verursachter Stromausfall die Stadt lahm, als sein Auftraggeber ihm anordnet, zu extremeren Mitteln zu greifen. Eine Bombe soll gezündet werden. Verloc zögert, während seine Frau ihn für einen treu sorgenden Mann hält. Doch auch die Polizei hat sich schon an Verlocs Fersen gehaftet.

Kritik:
Misstrauen und Angst gingen 1936 durch die Welt. Alfred Hitchcock ließ auf den spaßigen Screwball-Thriller „The 39 Steps“ den weitaus ernsteren Sabotage folgen, der nicht mit dem sechs Jahre später in den USA gedrehten Saboteur zu verwechseln ist. Terrorismus, drohende Kriegsgefahr, Angst vor umtriebigen Fremden und das Gefühl, in der Heimat nicht mehr sicher zu sein – all das waren Themen der Zeit. Hitchcock greift diese Themen auf, ohne explizit zu politisieren. In erster Linie bleibt Sabotage ein Thriller mit Drama-Elementen, doch dass der filmische Unruhestifter Verloc vom Österreicher und Emigranten Oskar Homolka gespielt wurde, also von einem Deutschsprachigen, ist sicherlich kein Zufall.

In arg dunklen Schwarz-Weiß-Bildern machen Drehbuch und Regie gar keinen Hehl daraus, wer für den nächtlichen Stromausfall verantwortlich ist. Verloc wird vom Zuschauer am Tatort gesehen und auffällig genau wird gezeigt, wie er sich zurück in seine Wohnung schleicht, um den Schein zu wahren, er sei nie weg gewesen. Verloc ist ein Saboteur und sicherlich nicht die sympathischste Person unter der Sonne, doch ein Stromausfall fordert keine Leben und so zögert Verloc, als Mr. Auftragsgeber größere Aktionen fordert. Wofür genau die Gruppierung kämpft bleibt ebenso nebulös, wie der Zweck, den die Aktionen haben. Der Terrorismus als MacGuffin, als undefinierter Ausdruck der Schutzlosigkeit einer Gesellschaft.

Verlocs Frau Sylvia wird von Sylvia Sidney als übersympathische Unschuldsverkörperung gespielt. Mit rehäugiger Schüchternheit ist sie die etwas andere Hitchcock Frauenhauptfigur, eher vom Schlage einer Joan Fontaine. „Obstverkäufer“ Ted ist zwar schnell aufdringlich, aber geradezu entwaffnend zutraulich, während Sylvias Bruder ein typischer Rabauke ohne Nervfaktor ist. Mit diesen Figuren, die durchaus gut entwickelt und gespielt sind, entspinnt sich eine Handlung aus Tarnung, Täuschung und Abwägung. Es fehlt jedoch der Fluss, die tatsächliche Spannung und die Finesse in der Haupthandlung, um den Film außergewöhnlich erscheinen zu lassen.

Verloc scheint gar keine Wahl zu haben, was die Bombe betrifft. Die Frage ist, wie die Sache möglichst ohne Kollateralschäden umzusetzen ist. Die Polizei erhält neue Informationen, während der Zeitpunkt des Anschlags immer näher kommt und Sylvia sich gegen jeden Zweifel wehrt. Gelungen ist der Bezug zum Kino, wo gerne mal fiktionale Gefahr gezeigt wird, die die Bürger der Stadt aber nur unterhält, nicht abschreckt, während die zeitgenössischen Zuschauer von Hitchcocks Film die Doppelbödigkeit erkennen sollten.

Dann kommt beim Meister wieder der Hobby-Ornithologe durch, denn Vögel spielen fast in jedem Film eine besondere Rolle. Das große und hoch spannende Suspense-Meisterstück im letzten Drittel – des erschreckend kurzen Films (76 Minuten) – mündet in einer Entscheidung, die Hitch später als einen der größten Fehler seiner Karriere bezeichnen sollte. Trotz erhöhtem Tempo, Mord und ausbrechender Panik, überwiegt im letzten Akt das Drama. Den Film auf die Aussage, Gewalt führt nur zu Leid, zu reduzieren, ist vielleicht zu knapp, aber sicherlich zutreffend..

Fazit:
Sabotage ist ein ordentlicher, aber wenig außergewöhnlicher Thriller, der eigentlich nur für die berühmte Bombenszene gegen Ende berühmt ist. Die Figuren sind gut und auch gut gespielt, doch Spannung und Faszination halten sich in Grenzen. Sehenswert-solider Hitchcock. .

6 / 10 

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