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Kritik:
Die Geschwister Savage


von Christian Westhus

The Savages
(2007)
Regie: Tamara Jenkins
Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Laura Linney

Story:
Linney und PSH spielen Bruder und Schwester Savage, die nach einer schlimmen Kindheit wieder zusammenkommen müssen, als ihre Mutter stirbt und ihr entfremdeter Vater allein nicht mehr klarkommt. Bei der Suche nach einer geeigneten Pflegeunterkunft für ihn versuchen sie schließlich, erwachsen zu werden.

Kritik:
Im Kino wollen sich die Meisten für gewöhnlich wohl fühlen, doch nicht immer bietet der Film dies an und wenn dann ein Werk wie „The Savages“ daher kommt, kapituliert man oft schon im Vorfeld vor der erwarteten Schwere des Stoffes. Immerhin geht es hier um zwei Geschwister, die ihren demenzkranken Vater versorgen müssen, der schon bald seine Blase nicht mehr unter Kontrolle hat und nicht mehr sicher weiß, wo er sich befindet. Was nun? Umtransporte, Pflegeheime, Fragen zur Finanzierung und nach dem Verfahren, bei eventuellen Komplikationen. Und das Alles im Angesicht der eigenen, nicht gerade erfüllenden Existenz der zwei Hauptfiguren.

Da kommt man fast nicht umher, sich die unbequeme Frage zu stellen, wie man es selbst machen würde, wie man sich vielleicht fühlen würde und welch unangenehme Dinge vielleicht irgendwann auf einen zukommen. Doch glücklicherweise ist „Die Geschwister Savage“ einer der menschlichsten Filme des Jahres geworden, der vor allem vom grandiosen Schauspiel und einem Drehbuch lebt, welches dem Zuschauer zwar Ernst und Trauer zumutet, aber auch respektvoll ist und dem Leid mit einer gut dosierten Prise Humor entgegen tritt. Immerhin lautet die Genrebezeichnung dieses Films in der Regel auch „Tragikkomödie“ und trifft damit auch eigentlich voll ins Schwarze.

Dabei ist das Schicksal des Vaters nur der Knotenpunkt des eigentlichen Charakterdramas, wo sich Laura Linneys und Philip Seymor Hoffmans Figuren treffen. Sie, eine Enddreißigerin ohne festen Partner, ohne dauerhafte Jobs und dem Drang, ein Theaterstück zu schreiben. Er, Anfang 40, Brechtexperte, Denker und Workaholic, der Angst vor dem Zwischenmenschlichen hat. Und diese beiden Geschwister, die sich sonst nicht sonderlich viel zu sagen hatten, müssen nun ihrem Vater helfen, der in der Vergangenheit wohl so seine Probleme gebracht hatte.

Hoffman und Philip Bosco als Vater sind toll, doch Laura Linney ist einfach fantastisch und wurde völlig zurecht für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert. Sie trifft die Töne, sie harmoniert wunderbar mit ihren Kollegen und gibt ihrer Rolle das nachvollziehbar-menschliche. Der Film schafft es ebenso, sehr feinfühlig seine Geschichte zu erzählen.

Ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken, ohne aufdringlich oder gar klischeehaft zu wirken, sind die Stimmungswechsel realistisch und regen zum Nachdenken an. Überhaupt sind es die leisen Töne und der zaghaft durchschimmernde, ein wenig groteske Humor, wodurch der Film interessant wird. Seien es kleine Gesten, unbeantwortete Fragen, Reaktionen, die für den Zuschauer unbegründet bleiben, oder die feinen Andeutungen über die nicht ganz glückliche Kindheit. Ein Streit im Auto, die anschließende Reaktion des Vaters und ein sehr symbolischer Blick, zeigen sehr anschaulich, wie gut durchdacht Drehbuch und Regie sind.

Unterstützt wird dies durch einen ruhigen Erzählstil, der sich Zeit nimmt für Handlung und Figuren, der kleine, irgendwie bizarr anmutende Montagen präsentiert und eine recht kühle und doch natürliche Bildsprache besitzt. Hinzu kommt ein sehr netter Soundtrack und ein rundum gelungenes Ende, welches, wie der gesamte Film, zwischen Trauer, Humor, Symbolik und Andeutungen schwebt und damit zwischen amerikanischen Dramen und einem eher ernsten, europäischen Stil.

Fazit:
„The Savages“ geht ein schwieriges Thema frisch und in erster Linie sehr, sehr menschlich an. Die Darsteller sind wahrlich fantastisch und ebenso ist es das Drehbuch, welches seine Geschichte wunderbar entfalten kann. Sicherlich kein einfacher Film, jedoch absolut sehenswert.

8 / 10

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