Story:
Linney und PSH spielen Bruder
und Schwester Savage, die nach einer schlimmen Kindheit wieder zusammenkommen
müssen, als ihre Mutter
stirbt und ihr entfremdeter Vater allein nicht mehr klarkommt. Bei der Suche
nach einer geeigneten Pflegeunterkunft für ihn versuchen sie schließlich,
erwachsen zu werden.
regie :
tamara jenkins
cast :
laura linney, philipp seymour hoffman
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Im Kino wollen
sich die Meisten für gewöhnlich wohl fühlen, doch nicht immer bietet der Film
dies an und wenn dann ein Werk wie „The Savages“ daher kommt, kapituliert man
oft schon im Vorfeld vor der erwarteten Schwere des Stoffes. Immerhin geht es
hier um zwei Geschwister, die ihren demenzkranken Vater versorgen müssen, der
schon bald seine Blase nicht mehr unter Kontrolle hat und nicht mehr sicher
weiß, wo er sich befindet. Was nun? Umtransporte, Pflegeheime, Fragen zur
Finanzierung und nach dem Verfahren, bei eventuellen Komplikationen. Und das
Alles im Angesicht der eigenen, nicht gerade erfüllenden Existenz der zwei
Hauptfiguren.
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"Hey, nur weil dieser Rollstuhl nach Benzin
riecht,
ist das noch lange kein schlechtes Omen."
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Da kommt man fast nicht umher,
sich die unbequeme Frage zu stellen, wie man es selbst machen würde, wie man
sich vielleicht fühlen würde und welch unangenehme Dinge vielleicht irgendwann
auf einen zukommen. Doch glücklicherweise ist „Die Geschwister Savage“ einer der
menschlichsten Filme des Jahres geworden, der vor allem vom grandiosen
Schauspiel und einem Drehbuch lebt, welches dem Zuschauer zwar Ernst und Trauer
zumutet, aber auch respektvoll ist und dem Leid mit einer gut dosierten Prise
Humor entgegen tritt. Immerhin lautet die Genrebezeichnung dieses Films in der
Regel auch „Tragikkomödie“ und trifft damit auch eigentlich voll ins Schwarze.
Dabei ist das Schicksal des Vaters nur der Knotenpunkt des eigentlichen
Charakterdramas, wo sich Laura Linneys und Philip Seymor Hoffmans Figuren
treffen. Sie, eine Enddreißigerin ohne festen Partner, ohne dauerhafte Jobs und
dem Drang, ein Theaterstück zu schreiben. Er, Anfang 40, Brechtexperte, Denker
und Workaholic, der Angst vor dem Zwischenmenschlichen hat. Und diese beiden
Geschwister, die sich sonst nicht sonderlich viel zu sagen hatten, müssen nun
ihrem Vater helfen, der in der Vergangenheit wohl so seine Probleme gebracht
hatte.
Hoffman und Philip Bosco als Vater sind toll, doch Laura Linney ist einfach
fantastisch und wurde völlig zurecht für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin
nominiert. Sie trifft die Töne, sie harmoniert wunderbar mit ihren Kollegen und
gibt ihrer Rolle das nachvollziehbar-menschliche. Der Film schafft es ebenso,
sehr feinfühlig seine Geschichte zu erzählen.
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Cast und Crew ahnten nicht, dass unter der
genialen
Fassade Philipp Seymour Hoffman's immer noch Ethan Hunt steckte.
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Ohne zu sehr auf die Tränendrüse
zu drücken, ohne aufdringlich oder gar klischeehaft zu wirken, sind die
Stimmungswechsel realistisch und regen zum Nachdenken an. Überhaupt sind es die
leisen Töne und der zaghaft durchschimmernde, ein wenig groteske Humor, wodurch
der Film interessant wird. Seien es kleine Gesten, unbeantwortete Fragen,
Reaktionen, die für den Zuschauer unbegründet bleiben, oder die feinen
Andeutungen über die nicht ganz glückliche Kindheit. Ein Streit im Auto, die
anschließende Reaktion des Vaters und ein sehr symbolischer Blick, zeigen sehr
anschaulich, wie gut durchdacht Drehbuch und Regie sind.
Unterstützt wird dies durch einen ruhigen Erzählstil, der sich Zeit nimmt für
Handlung und Figuren, der kleine, irgendwie bizarr anmutende Montagen
präsentiert und eine recht kühle und doch natürliche Bildsprache besitzt. Hinzu
kommt ein sehr netter Soundtrack und ein rundum gelungenes Ende, welches, wie
der gesamte Film, zwischen Trauer, Humor, Symbolik und Andeutungen schwebt und
damit zwischen amerikanischen Dramen und einem eher ernsten, europäischen Stil.
Fazit:
„The Savages“ geht ein
schwieriges Thema frisch und in erster Linie sehr, sehr menschlich an. Die
Darsteller sind wahrlich fantastisch und ebenso ist es das Drehbuch, welches
seine Geschichte wunderbar entfalten kann. Sicherlich kein einfacher Film,
jedoch absolut sehenswert.
8 / 10
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