Story:
Während Jigsaws letzte Spielrunde unter Aufsicht seines zweiten Helfers beginnt,
darf sich dieser mit neugierigen Cops und einer letzten, scheinbar unscheinbaren
Gefahr auseinandersetzen...
regie :
kevin greutert
cast :
tobin bell, costas mandylor
kritik :
christian mester
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Kritik:
Anno 2004 kam "Saw 1" in die Kinos und seit jeher folgt wie bei der
unsterblichen EA Sports FIFA-Reihe jedes Jahr ein weiteres Kapitel. In den USA
starten sie stets Ende Oktober, weswegen der Wahlspruch "Ist es Halloween,
gibt's Saw" heutzutage jedem Amerikaner bekannt ist. Die Reihe ist weltweit
derart beliebt, dass sogar die beiden abstrusen "Halloween" Neu-Interpretationen
von Rob Zombie weitab von Halloween anliefen mussten.
Wieso man das Duell scheute? Weil "Saw" still und heimlich zur finanziell
erfolgreichsten Horrorfilmreihe aller Zeiten geworden ist. Bis zum Dritten stieg
der Zahl der Popcorn mampfenden Zuschauer und selbst der Fünfte erreichte mehr
als das Zehnfache seines Budgets. Eine wahre Goldgrube also, die es
dementsprechend zu melken gilt, weswegen die pünktliche Ankunft von "Saw 6" zu
Halloween 2009 niemanden in der Branche überrascht. Wohl aber die Tatsache, dass
es in diesem Jahr gleich der zweite deutsche Kinostart der Reihe ist, da der
Verleih die Titel bis vor Kurzem ins jeweils nächste Frühjahr schob, jetzt aber
schon im Dezember bringt. Oder Dank Pressevorstellung, schon fünf Tage nach
erfolgtem US-Release.
Man muss sich rückblickend nichts vormachen, "Saw 5" war fraglos der schwächste
Abschnitt und ließ das allgemeine Interesse im
Eilflug sinken. Wieder bloß neues Gekreisch malträtierter Charakterdefizite,
ewig gleichen Ansprachen, mit irren Details, die nur aufmerksame Zuschauer
erkennen und jeden anderen mit all den Rückblenden, Twists und Twists von
vorherigen Twists haltlos verwirren. Eine willkürliche, planlose
Fortführung ohne Sinn und Ziel? Das trifft so allerdings
nicht ganz zu, da die Autoren, die seit Teil 4 tippend am Notebook sitzen - Mark Dunstan und Patrick Melton - im Vorfeld versprachen, in 4-6 eine
zusammenhängende Geschichte zu erzählen, die im Sechsten zu einem inhaltlichen
und klaren Ende finden soll. In "Saw 4" und "Saw 5" wirkte das noch sehr
verworren, doch es ist überaus erfreulich zu sehen, dass die beiden Schreiber
mit ihrer Ankündigung Recht hatten... und "Saw 6" gut ist.
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"Noch eenen? Ne, lasset ma jut sein."
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Bis auf eine einzige Frage, die
zum Spaß der Macher und zum Haareraufen vieler Hardcore-Fans wohl niemals
aufgegriffen werden wird, findet "Saw" in sechsten Outing endgültig zu einem
finalen, logischen und ausklingendem Abschluss, der es in sich hat. Auf dem Weg zum Showdown
werden alle noch offenen Fragen beantwortet und die letzten
Charaktermotivationen ausgelebt, was dem bereits geplanten siebten Teil große,
große Schwierigkeiten bereiten dürfte. Zwar leben am Ende noch ein paar wenige
der eingeführten Figuren, aber im Großen und Ganzen ist Jigsaws blutrünstiges
Überlebensseminar mit diesem sechsten Spiel beendet. Man war ja schon kreativ
damit, Tobin Bells Charakter nach Filmtod im dritten Teil noch drei weitere Male
einzubauen, jetzt würde es aber an Irrsinn ala "Halloween: Resurrection"
grenzen, den graumelierten Fallenflüsterer noch einmal sprechen zu sehen.
Da schon fünf äußerst ähnliche Vorgänger existieren und es nur Sinn macht,
6 zu schauen, wenn man auch die anderen Stücke kennt - da man sonst nur
Kartoffelpürree versteht - bietet es sich an, Vergleich zu ziehen. 4 und 5
hatten ein gewaltiges Problem daran, Figuren durch ihre infernalen
Trimmdich-Kurse zu jagen, die sowohl langweilig geschrieben, als auch schwach
gespielt waren. Anscheinend fand der Ruf Gehör, denn nach dem Motto "weniger ist
manchmal mehr" gibt es bloß einen relevanten Helden, der nicht einmal ein
solcher ist. Es ist ein egoistischer, arroganter, herzloser und eiskalter
Versicherungsexperte, der sein Geld damit verdient, unrentablen Kunden
lebensrettende Maßnahmen zu verwehren. Da Jigsaw dazu gehörte, darf er alsbald
in einem verzweigtem Spielpark des Todes - nettes neue Setting: ein verlassener
Zoo - um sein Leben und um das enger Bekannter kämpfen.
Peter Outerbridges neuer Charakter ist endlich mal wieder ein interessanter, der
es tatsächlich schafft, dass man mit ihm mitfiebert und nicht nur auf die Folter
spannt,
ihn endlich tot zu sehen. Da all seine Fallenpartner mehr oder weniger mit ihm
in Verbindung stehen und im Vorfeld genügend eingeführt werden (besser als im
Dritten), sind die
Fallengäste und das damit verbundene Spannungsspiel weit weniger
distanziert. Die Fallen selbst sind nach den eher lahmeren Varianten in den
letzten beiden Teilen auch wieder etwas einfallsreicher, böser und spektakulärer und sorgen für
gute, blutige Abwechslung und schmackhafte Popcornunterhaltung.
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"Ja, ich weiß, du bist mein Vater und so."
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Kevin Greutert ist der vierte
Mann, der sich hier hinter der Kamera versuchen darf und dass die Regie getauscht
wurde, macht sich erstmals bemerkbar. Es fällt auf, dass "Saw 6" von der Machart
her der wohl Zugänglichste von allen geworden ist. Trotz der Rückkehr der allseits
beliebten/gehassten Rückblenden präsentiert Greutert das Geschehen
verständlicher denn je und verzichtet auch auf allerlei wirren
Kamera-Hokuspokus, wodurch 6 direkt leichter zu verdauen ist und weniger
Kopfhockey spielt. Es finden sich hier und da sogar leicht schwarzhumorige
Momente, die das grausige Geschehen amüsant würzen.
Neben vereinzeltem Humor findet aber auch noch etwas reichlich Unverhofftes Einzug, das
man in einem so späten Teil eines so Blut getränkten Horror-Franchises wohl nicht
erwartet hätte: funktionierende Sozialkritik. Ging es in den meisten Teilen eher
um spezielle Einzelschicksale, bezieht sich die Ungerechtigkeit hier einmal auf etwas
Generelles, das viele nachvollziehen und für einen guten Aufhänger halten werden.
Gelungen ist ebenso das erneute Besuchen alter Szenerien, die durch clevere Twists
in neues Licht gerückt werden und Altbekanntes anders sehen lässt. Was das Finale betrifft, erwartet man sich besser
keinen eindrucksvollen Supertwist, da es anders konstruiert ist und trotz der
gleichen Abschlußworte anders wirkt. Statt eines Twists gibt es
eine unerwartete Situationsentwicklung, die fast Lachen lässt und sehr schön
die markanteste Falle des ersten Teils referenziert.
Abstriche? "Saw 6" ist auch weiterhin kein Toptitel, da sich das Originelle
selbstredend sehr in Grenzen hält und sich nur in Details vom ausgelaufenen
Basiskonzept entfernt. 2 und 3 waren noch
etwas dichter und gingen spannender mit Hautfigur Jigsaw um, 4 und 5 hingegen
sind von "Saw 6" aus gesehen wieder direkt ein bisschen interessanter, da erst
im Nachhinein vieles verständlicher zu sehen ist, waren aber chronologisch
klar schwächere Geschichten. Jigsaw als auch Amanda sind wieder zu sehen, zum
ersten Mal bleibt aber das Gefühl, dass sie das Aktuelle nicht mehr dominieren,
sondern langsam Abschied nehmen und den Showdown anderen überlassen.
Kurzum, "Saw 6" ist ein starkes, spätes Sequel, das sich definitiv
lohnt und kurioserweise dazu einlädt, "Saw 4" und "Saw 5"
zuvor noch einmal zu besuchen.
Fazit:
Hut ab:
„Saw 6“ krempelt die Ärmel hoch und bastelt sich im vermutlich letzten Akt dieser
einen Storyline ein überraschend gutes Ende. Eine echte Belohnung für jeden, der sich
durch die letzten beiden Teile quälte und insgesamt ein doch wertiger Abschluss, der
dank
guter Figuren, netten kleinen Momenten und angenehmer
Herangehensweise viele Fans der ersten drei Filme zufrieden stimmen dürfte.
Das fortzusetzen dürfte zudem in einer Katastrophe enden, sofern man nicht
richtig funkelnde Geistesblitze hat.
6
/ 10
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