|
Story:
Im Spiel zur Horrorfilmreihe
geht es um den Polizistin Tapp (im ersten Film von Danny Glover gespielt), der
von Fallensteller Jigsaw gefangen und in eine mit tödlichen Tests verstrickte,
verlassene Irrenanstalt verfrachtet wird. In dieser muss er nicht nur anderen
Testopfern aus dem Weg gehen, er muss darüber hinaus auch noch ein paar seiner
Bekannten retten...
studio :
zombie studios (pc, ps3, xbox 360)
cast :
tobin bell
kritik :
christian mester
____________________________________________________________________________
Kritik:
Game-Umsetzungen
von Filmen sind meistens nichts, was in der Regel fast immer dadurch zu erklären
ist, dass sie fürchterlich gehastet in Produktion gehen. Die Fertigstellung
eines Kinofilmes dauert summa summarum meistens um die 12-20 Monate, die
Umsetzung eines guten Videogames benötigt dagegen weit mehr Zeit. Da man die
Spiele zur Promotion aber zumeist zum Kinostart veröffentlichen will, zeigt sich
die Ungeduld leider meistens in der späteren Qualität des Spiels.
Bei "Saw: The Game" ist das nun etwas anderes, denn der Titel wurde unabhängig
zu den Filmen entwickelt und erschien erst nach drei Jahren.
|

Nachrichten von Jigsaw gibt es zuhauf.
|
|
Ob sich die
Wartezeit gelohnt hat? Ja, und nein. Zunächst fällt auf, dass die Grafik des
Spiels nicht unbedingt auf dem neuesten Stand ist, in Sachen Design
aber sehr ansprechend ausfällt. Die verlassene Anstalt erinnert stilistisch an die
düsteren Unterschlüpfe der Filme und sorgt für eine (angenehm) unbehagliche
Spielumgebung. Die Atmosphäre ist dicht, was größtenteils auf die Tatsache
zurück zu führen ist, dass man als Figur unentwegt schwer verletzt wird oder
sterben kann. Überall lauern fiese Stolperdrähte mit Schrottflinten,
Stachelfallen, und selbst herum liegende Glasscherben zehren an der Gesundheit
(da Tapp barfuss unterwegs ist und sich trotz etlicher beschuhter Leichenfunde
zu weigern scheint, Schuhe anzuziehen).
Es kommt dementsprechend sehr häufig vor, dass man mit lautem "D'oh!" ala Homer
zusehen darf, wie Tapp (der übrigens kein Stück nach Danny Glover aussieht)
wieder und wieder zu Gulasch verarbeitet wird. Es mag viele dieser frustigen
Momente geben, doch das Spiel selbst ist diesbezüglich immer fair. Das schnelle
Verleben hat fast immer damit zu tun, dass man unachtsam oder ungeduldig ist -
"Saw" verlangt, dass man ständig wachsam bleibt und sich um sein Überleben
sorgt.
Unfair sind höchstens diverse Zweikämpfe, die sich mit anderen in der Anstalt
herum lungernden Testobjekten ergeben. Mit Rohren, Baseballschlägern,
Puppenbeinen und Krücken wehrt man sich seiner Haut, wobei die ansonsten recht
simple Steuerung in dieser Hinsicht kläglich versagt. Zu ungenau, zu ungelenk
geschehen die Kämpfe, wobei man irgendwann den Dreh für das richtige Timing
heraus hat und selbst drei, vier Gegner hintereinander kein Problem mehr
darstellen. Das Spiel bietet dem Spieler dazu an, selbst als Bastler aktiv zu
werden, in dem man aus einer Vielzahl von Utensilien eigene Stolperfallen und
Wurfbomben errichten kann, die allerdings nicht wirklich von Nöten sind.
Überall verstreut liegen dazu heilende Spritzen im Übermaß und selbst wenn man
einmal das Zeitliche segnen sollte, so sind die automatischen Speicher-punkte
sehr gnädig gesetzt.
|

Lässt die Fäuste sprechen: Kistenkopf.
|
|
Neben der
Atmosphäre sind auch die verschiedenen Puzzles sehr gelungen. Immer wieder gerät
man an knifflige Schalter-, Stromkasten-, Schiebe- oder Uhrwerkpuzzles, die mit
deftigem Zeitlimit zu schneller Vorgehensweise zwingen und damit sehr
unterhaltsam sind. Neben den direkten Rätseln gibt es auch noch viele indirekte
Kniffeleien, die sich mit etwas Ermittlung lösen lassen. So muss man
beispielsweise spezielle Scheinwerfer ausrichten um den nächsten Weg zu finden
oder sich mit Hilfe clever arrangierter Spiegelbildmotive Codezahlen für das
nächste Zahlenschloss ertüfteln. Erst gegen Ende wiederholen sich ein paar der
Rätsel und wenn dann auch noch die Zeit auf einmal böse streng bemessen ist,
fragt man sich, ob da nicht etwas mehr Mühe möglich gewesen wäre.
Vom Inhalt her lässt es sich zweigleisig bewerten: wer die Filme nicht kennt,
der bekommt eine an "Manhunt" erinnernde Geschichte in spannender Umgebung, mit
interessantem Survival-Gameplay und einigen kleineren Schwächen. Wer die Filme
aber in- und auswendig kennt, der wird sich sehr über die vielen Referenzen
freuen. Ob man sich aus der umgedrehten Bärenfalle befreien muss, mit einer Hand
in Spritzen oder Säure fasst oder mit Hilfe des Blitzes eines Fotoapparats einen
Raum absucht, vieles wird direkt aus den Filmen übernommen - und da man wohl mit
Plan an die Sache heran gegangen ist, finden sich Verweise bis hin zum neuesten
sechsten Teil der Reihe.
Kanon? Könnte es theoretisch sein, allerdings überspreitzt der Umfang der Fallen
und der Umbau der kompletten Anstalt den bereits höchst fragwürdigen Montageumfang des
zu der Zeit (spielt zwischen "Saw" 1 und 2) schon stark ausgelasteten Jigsaws
gewaltig - wobei der Umfang natürlich spielerisch Sinn macht, da es sonst nach
nur wenigen Minuten vorbei wäre. Mit rund 5-7 Stunden Spielzeit ist der Titel im
Vergleich zu anderen Spielen übrigens nicht unbedingt eindrucksvoll lang,
allerdings vollkommen akzeptabel.
Was Ergänzungen der Story betrifft, so gibt es leider recht wenig Neues zu
erfahren. Man sieht Amanda in einer weiteren Falle als Testobjekt, erfährt mehr
von Obi aus dem zweiten Film (der in der Feuerfale starb) und bekommt in einem
Finale mit zwei Ausgangsmöglichkeiten zu sehen, was anschließend mit Tapp
passierte.
Fazit:
"Saw: The Game" wird die Meinungen mit der Kreissäge spalten: für die einen
ist es ein sehr repetitives Try-and-Die Frustspiel mit maroder Grafik, für
andere ein gelungener "Silent Hill"-Klon mit originellen Ideen und starkem Bezug
zur Vorlage. Später bei niedrigerem Preis einen Blick wert; für Fans ein
Pflichttitel.
6,5 / 10
_____________________________________________________________________________
:::::...: Diskussion im Forum
|