Story:
Der Chefredakteur der
französischen „Elle“, Jean-Dominique Bauby, erkrankt 43Jährig am sogenannten
Locked-In-Syndrom. Sein gesamter Körper ist von Kopf bis Fuß gelähmt, nur über
das Blinzeln seines linken Auges, kann er sich mitteilen, denn sein Verstand ist
hellwach und gefangen im Kerker seines regungslosen Körpers. Über dieses
Blinzeln diktiert Bauby seine Biographie, auf der dieser authentische Film
basiert.
regie :
julian schnabel
cast :
mathieu almaric
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Eine langsame
Aufblendung. Milchig zerlaufende Farben, verwaschene Konturen und immer wieder
die Abblendung in die Dunkelheit. Silhouetten bewegen sich zwischen Schärfe und
Unschärfe umher, dumpfe, befremdliche Stimmen erzählen von Krankheit,
Krankenhaus und Wundern, bis schließlich die Stimme von Jean-Dominique Bauby
fragt, was überhaupt passiert ist. Wir erleben die erste halbe Stunde annähernd
komplett über die subjektive Kamera, die Baubys Sicht darstellt, wie er langsam
realisiert wo er ist und wie sein Zustand ist, dass er sich nicht bewegen kann,
dass er nicht einmal sprechen kann.
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Der Titel von David Lynch's nächsten Film.
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Bauby ist geistig wach gefangen
im eigenen Körper und sucht nach Orientierung, aber auch nach Hilfe, wie den
Tod. Das Blinzeln seines linken Auges diktiert mühsam Wörter, während sein
Verstand im Innern lange Monologe hält und die Umwelt mal nüchtern, mal
sarkastisch kommentiert. Regisseur und Künstler Julian Schnabel, der hier seinen
erst dritten Spielfilm präsentiert, und der zweifach Oscarprämierte Kameramann
Janusz Kaminski erschufen eine überaus wirkungsvolle Methode, Baubys Leben in
der beklemmenden Taucherglocke die sein Körper geworden ist, darzustellen.
Und erst als Bauby langsam zu akzeptieren scheint und sein Geist wie ein
Schmetterling aus dem Kokon steigt, nimmt man den Zuschauer mit auf eine wild
umherflatternde Reise durch Baubys Geist. Non linear, mit ausgefeiltem Schnitt
und wunderbarer Musik springt Schnabel künstlerisch zwischen Vergangenheit,
Gegenwart und Fantasie umher, präsentiert oftmals nur geschickt montierte
Bildeindrücke, Naturaufnahmen, Rückblicke oder irrealen Szenen, während die
stringente Gegenwartshandlung als roter Faden fungiert. Es bringt die Macht des
Geistes, die Macht der Fantasie zum Ausdruck, die Antrieb für Kunst und
Lebensmut sein kann. Während Bauby gerade an den Tropf angeschlossen wird,
träumt er sich in ein edles Restaurant mit einer schönen Frau und sieht sich
beim dekadenten Schlemmen. Diese Fantasie bringt ihn dazu, seine Gedanken und
sein Leben als Buch niederzuschreiben, indem er Buchstabe für Buchstabe
blinzelnd diktiert.
Und diese an sich deprimierende Geschichte wird immer wieder von den lebhaften,
bissigen Kommentaren Baubys aufgelockert und gleichzeitig holt uns Regisseur
Schnabel durch harte, kontrastierende Schnitte wieder zurück. Lauthals lacht
Bauby über einen Kommentar seiner Pflegerin los, kriegt sich kaum wieder ein und
kurz darauf blicken wir in sein starres, fast totes Gesicht, in dem sich gar
nichts regt.
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"-"
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Dennoch ist „Schmetterling und
Taucherglocke“ kein tonnenschwerer, zutiefst deprimierender Stoff geworden. Ganz
im Gegenteil, ist der Film doch zutiefst menschlich und oftmals geradezu
hoffnungsvoll, macht aber keinen Hehl aus dem großen Leid, welches Jean-Do Bauby
widerfahren ist und geht sehr zu Herzen. Die Umsetzung ist speziell und eher
artifiziell, aber die große Menschlichkeit und Emotionalität ist es, was diesen
Film so besonders und bewegend macht. Die vielen Charaktere und Figuren, die
auftauchen, die Trost spenden wollen und doch am liebsten vor Trauer und Scham
im Boden versinken würden, sind durch die Bank grandios besetzt und gespielt
worden. Besonders Max von Sydow gibt eine bemerkenswerte Leistung ab, ebenso
Baubys Pflegepersonal, seine Frau oder sein guter Freund, gespielt vom immer
starken Isaach de Bankolé.
Die Tatsache, dass man es hier mit wahren, authentischen Begebenheiten zu tun
hat, macht diesen eigentlich unglaublichen Stoff so wirkungsvoll. Interessant
dabei auch Baubys Darstellung vor dem Unfall, sein Leben im Jet-Set, mit ein
paar Frauen zu viel und mit zu wenig Zeit für die Leute die ihm wichtig sein
sollten. Mathieu Amalric ist wundervoll in beiden Rollen und durch die
pointierten, oft sogar poetischen Kommentare kreiert er einen ganz eigenen
Kosmos, eine eigene Welt in die er aus seinem regungslosen Körper flüchtet und
die wunderbar bildhaft und dennoch nachvollziehbar in den Film integriert ist.
Fazit:
Eine schwierige und
doch so wunderbare Geschichte wurde durch eine künstlerische Regie und geniale
Kameraarbeit erfassbar gemacht und zusammen mit durchweg grandiosen Darstellern,
entsteht ein ungemein emotionaler, bewegender und menschlicher Film, der noch
lange im Gedächtnis bleibt. Es ist zugleich ein respektvoller Umgang mit einer
wahren Geschichte und ein einfühlsamer, origineller Film, den man sich unbedingt
anschauen sollte.
9 / 10
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