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KRITIK:
A Serious Man


Regie: Joel/Ethan Coen
Darsteller: Michael Stuhlbarg
Release: 2010


von Christian Mester


Story:
Physikprofessor Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) verzweifelt. Seine Frau offenbart dem streng gläubigen Juden, dass sie ihn für einen schwatzhaften Bekannten verlassen will, ein Student droht ihm mit Erpressung und sein unfähiger großer Bruder (Richard Kind), der arbeitslos ist und in seinem Wohnzimmer lebt, wird auch noch bei illegalem Glücksspiel erwischt. Seltsame Zufälle und merkwürdige Bekanntschaften stellen Larrys Leben auf den Kopf und seinen festen Glauben in Frage.…

Die Coens schrieben einen von Sam Raimis ersten Filmen
- "Crimewave".

Kritik:
„Wie „Burn after Reading“ (Kritik), nur ohne Stars und nicht ganz so lustig“ – betiteln diverse US-Kritiker den neuen Film der Gebrüder Coen und beschreiben damit schon recht treffend, was man sich von ihrem neuesten Werk erwarten darf. Man läge zunächst einmal falsch, beschriebe man den Film als Komödie.

Es wäre weit hergeholt, da „A Serious Man“ trotz zahlreicher amüsanter und toll gemachter Momente lange kein Film ist, der Säle lauthals auflachen lässt oder das überhaupt wollen würde.

Insgesamt achtmal nominierte man die Coens für den Oscar
- viermal gewannen sie.

Die Späße sind nahezu immer auf einzelne, skurrile Momente zurückzuführen, in denen Michael Stuhlbarg (der im Film wie „Star Trek 11“ (Kritik)-Regisseur JJ Abrams aussieht) als kleine, schüchterne Professorenstatur von der Wucht schräger Ereignisse erschlagen wird. Perplexe Blicke, die ihn als hilfloses Opfer bemitleidenswert und angenehm sympathisch machen, sind an der Tagesordnung, wobei Stuhlbarg als jüdischer Klischeeprofessor zuweilen fast wie eine Cartoonfigur erscheinen mag. Was die Handlung betrifft, so fällt diese überraschend ähnlich subtil wie der darin versteckte Humor aus.

Genau genommen passiert nicht wirklich viel, und was passiert, trifft stets ruhig und mit einer zehrenden Gelassenheit ein. Eine echte, greifbare Story mit Höhepunkten und/oder Wendungen existiert (bis auf eine gemeine Traumszene) nicht, das Geschehen fungiert lediglich als äußerer Einfluss auf Larrys Charakter, der den Windungen des mathematisch schwerlich kontrollierbaren Lebens mit planloser Hilflosigkeit begegnet – und sich dabei selbst charakterlich kaum verändert. Die Abwesenheit regelmäßigen Humors bedeutet in diesem Fall übrigens nicht, dass man im Gegenzug ernste Töne anschlägt – Trauer oder andere starke Emotionen bleiben komplett aus. Der Film ist demnach kein zweiter „American Beauty“ und vermag es damit automatisch auch nicht, ähnliche Kraft zu haben.
 


Das liegt der Knackpunkt. Die zumeist unbekannten Gesichter machen ihre Sache zwar passend und die Coens lassen ihren Film gut aussehen, doch kein einziger der Beteiligten bekommt eine so herausragend starke Rolle wie die Anton Chigurhs in „No Country for Old Men“. Das Fehlen bekannter Gesichter ist generell kein Problem, doch ein mitgeschleifter John Malkovich hätte eventuell noch übertünchen können, dass es inhaltlich und gefühlt an Handlung und Wirken mangelt.

Nicht nur, dass der Film zwischen Anfang und Ende wenig erzählt, aussagt und zeigt, dürften auch Anfang und Ende selbst reichlich Grübeln lassen. Nach einer kruden, seltsamen Eröffnung stoppt die Geschichte am Schluss abrupt und lässt dreist viele Fragen offen – die ohnehin schon kleine Geschichte wird also nicht einmal lohnenswert abgeschlossen.

Fraglich also, ob der aktuelle Oscarbuzz wirklich angebracht ist. Die Coens sind generell grandios und ihre Werke immer interessant, auch dieses, doch verglichen mit ihren anderen starken Filmen „Fargo – Blutiger Schnee“, „O Brother Where Art Thou“, „Hudsucker – Der große Sprung“, „Barton Fink“, „Millers Crossing“ und „Big Lebowski“ reiht sich ihr neuer qualitativ eher weiter unten zwischen „Ladykillers“ und „Ein unmöglicher Härtefall“ ein.


Fazit:
Nette, nett gemachte, nett gespielte kleine ungewöhnliche Geschichte, der es für mehr jedoch an echten Höhepunkten fehlt. Wer sich von dem Skurrilen jüdischer Glaubenszweifel und entnerdeter Physikprofessur angesprochen fühlt und keine Gesichter misst, darf gerne. 

5.5 / 10


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