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KRITIK:
SHUTTER ISLAND
Regie:
Martin Scorsese
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley
Release: 2010
von Christian Mester
Story:
US Marshals Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio)
und Chuck Aule (Mark Ruffalo) besuchen eines Tages Shutter Island, eine abgeschiedene
Gefängniseinrichtung, in der geistesgestörte
Gewaltverbrecher therapiert werden. Weil
eine Frau spurlos aus ihrer Zelle verschwunden ist,
stellen Daniels und Aule das Gelände kritisch auf
den Kopf, nicht ahnend, dass die Gefängnisinsel ihre
ganzen eigenen Geheimnisse beherbergt…...
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Sein Leinwanddebüt gab DiCaprio
in CRITTERS 3 |
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Kritik:
Martin Scorsese ist eine kleine Legende. "Raging Bull",
"Taxi Driver". "Goodfellas". "Aviator". "Kap der
Angst". "The Departed". Manche würden sich wünschen,
nur einmal im Leben einen solch guten Film
hinzubekommen, Marty mit seinen dicken
Brillengläsern schüttelt sie scheinbar nur so aus den Ärmeln. Auch „Shutter
Island“ ist wieder ganz großes Kino geworden, das
sich komplett von den bisherigen Werken des
68jährigen unterscheidet.
Als finsterer Psycho-Thriller stapft die schaurige
Charaktergeschichte durch dreckiges Brackwasser, das
durch seinen großartig finsteren Soundtrack und
einer unheilvollen Atmosphäre stellenweise an durchdachten Horror erinnert.
Persönlichkeitsverlust, Experimente an Menschen,
Isolation, Ausweglosigkeit; der Film wühlt durch
Schrecken, Ängste und sorgt schon von seinen frühen
Anfangsminuten an für eine beklemmende
Grundstimmung, die bis zum überraschenden Ende
fesselt und nicht mehr loslässt. Eingesperrte
Geistesgestörte, Massenmörder, vor Wahn lachende
Irre; auf der anderen Seite eine ganze Gruppe von
zwielichtigen Schaltern und Waltern, die etwas
Fragwürdiges verstecken und sich bald von dem
rastlosen Marshall bedroht fühlen; dazu, eine ganze
Armee von bewaffneten Wachleuten, die allesamt nicht
allzu freundlich gesinnt aussehen. Shutter Island
ist gewiss kein Ort, den man selbst je besuchen
wollen würde, zumal eine ständige Bedrohung gegeben
ist: jederzeit kann man den unliebsamen Schnüffler
überwältigen und unter Medikamente stellen. Wer
glaubt schon einem Mann mit schwer wiegendem Trauma?
Je weiter der Film reicht, desto enger schnürt sich
der Verdacht, dass genau das irgendwann einmal
eintrifft. Genau wie Teddys Kehle schnürt sich die
Spannung enger, die gnadenlos greift.
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Der Film markierte das erfolgreichste
Startwochenende
für DiCaprio und Scorsese |
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Scorseses Vorzeige-Thriller spielt gerissen mit
eigenen Überlegungen und Empfindungen, und das stets
doppeldeutig. Shutter Island wird als grauenvoller
Ort wahrgenommen, als tödliches Gefängnis, nur ist
er das? Immer wieder brechen Zweifel durch, Skepsis
an dem Gezeigten, an allen Figuren und
Geschehnissen. Irgendwann zweifelt man sogar Teddy
an und gerade, wenn man sich irgendeiner Sache
sicher ist, kippt alles wieder und man ist so schlau
wie zuvor. Noch faszinierender wird das Konstrukt,
als plötzlich starke Visionen und Erinnerungen
aufkommen. Teddy visualisiert seine Ängste und sein
Trauma, was in unheimlichen und äußerst emotionalen
Bildern gezeigt wird. Zeugnis eines Gestörten oder
Resultat dubioser Pillen, die man ihm zu schiebt?
Ein aufregendes Hin und Her, undurchschaubares
Brackwasser, serviert auf einem goldenen Tablett.
Eine äußerst schwierige Rolle, die Leonardo DiCaprio
– der mittlerweile fraglos mit zu den besten
Schauspielern Hollywoods gezählt werden darf – mit
Bravour und großartiger Intensität meistert. Er, der
den gesamten Film fast im Alleingang hievt und
dieses Jahr mit Sicherheit für den Oscar nominiert
gewesen wäre, wäre der Film wie geplant im Herbst
gestartet, wird unterwegs von einer durchweg
tadellosen Nebenbesetzung begleitet: Jackie Earle
Haley (Rorschach aus „Watchmen“), Emily Mortimer,
Patricia Clarkson, Mark Ruffalo („Zodiac“), Ben
Kingsley (endlich mal wieder in Topform), Ted
„Schweigen der Lämmer/Monk“ Levine, Max von Sydow,
Michelle Williams… alle sind großartig und
unterstreichen die große Klasse des Films.
Der Film spielt auch technisch ständig mit der
Thematik der instabilen Psyche der Verrückten, indem
laufend seltsam gewählte Schnitte und
Kameraentscheidungen dazu beitragen, dass man sich
angenehm unwohl fühlt.
Viele Kritiken deuten es
schon an und sollten auch Recht behalten: es gibt
einen großen Twist am Ende des Films, der sämtliche
aufgestellten Fragen klärt. Ähnlich
wie bei „The Book of Eli“ (Kritik)
ist es ein sehr großer Twist, der die gesamte
vorherige Handlung mit anderen Augen sehen lässt.
Ist es eine gelungene Idee? Prinzipiell, in der
Tat, glaubhaft und gut konstruiert. Das Interessante? Ihm folgt ein kleiner
Austausch und ein Bild, das besagten Twist wiederum
in Frage stellt und so auch nicht in der Buchvorlage
zu finden war. Welche Wahrheit ist die richtige?
Eine spannende Überlegung, die auch auf dem Weg nach
Hause nachdenken und überlegen lässt. Dass die
Ambivalenz gegeben ist, liegt dabei nicht an
fehlender Unklarheit der Regie, viel mehr liegt es
am glaubwürdigen, greifenden Szenario beiderseits
und der erstklassigen Zusammenarbeit Regie und
Schauspiels, die beide Möglichkeiten treffend
verkaufen.
Man
kann sogar soweit gehen und sagen, dass die
eigentliche Wendung für den Film nicht wirklich
wichtig ist – man würde nicht weniger Spaß haben,
wüsste man die Wahrheit schon von Anfang an,
weswegen gerade ein zweiter Besuch auf der
Insel der Irren spannend sein dürfte, wenn man das
Geheimnis kennt. Die
eigentlichen, ausdrücklich großartigen Szenen finden
sich ohnehin abseits der Wendung im Schauspiel und der
Regie, im langen Weg zum Showdown, der fulminant
inszeniert ist, von daher sollte man sich gewiss
nicht komplett auf die letzte Offenbarung stürzen
und den gesamten Film daran messen.
Fazit:
Die Insel des anspruchsvollen Schreckens – „Shutter
Island“ ist ein hochkarätiger Psycho-Thriller mit
starken Figuren, andauernder Hochspannung und einer
fulminanten Kombination aus effektvollen Bildern und
unnachgiebiger Musik.
8.5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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