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Kritik:
Slumdog Millionär


von Christian Mester

Slumdog Millionaire
(2009)
Regie: Danny Boyle
Darsteller: Dev Patel

Story:
Jamal kommt aus einem Armenviertel Indiens, hat es aber irgendwie in die Nationalausgabe von Wer wird Millionär geschafft. Nachdem er als unscheinbarer Slumdog bis zur Masterfrage kommt, nimmt ihn die misstrauische Polizei ins Verhör – sie glauben, dass er schummelt. Unter Folter erzählt er ihnen also, wie ein Junge ohne Bildung aus ärmlichen Verhältnissen die Antworten auf alle Fragen wissen konnte, und auch von seiner großen Liebe…

Kritik:
Zugegeben, der Trailer zum neuen Danny Boyle sah zunächst nach einem dieser typischen Bollywood-Filmchen aus: Mann liebt Frau, kann sie aber wegen diverser Umstände nicht kriegen und bewirkt dann mal eben tanzend ein Wunder, um sie irgendwie doch noch zu bekommen. Im Großen und Ganzen ist der Film tatsächlich so, aber Wunderkind Danny Boyle wäre nicht Boyle, würde er uns nicht einmal mehr mit einem besonderen Film überraschen.

Von Anfang an erinnert Slumdog Millionär sehr an Titel wie Tsotsi und City of God. Erschlagen von der Optik und Klängen der Gegend wird die Geschichte in farbenfrohen Bildern eingefangen, die das Lebensgefühl und die Kultur präzise übertragen und einem grandios das Gefühl vermitteln, mittendrin zu sein. Es wird gezeigt, wie hart die Kinder der Slums (die Slumdogs) aufwachsen und tagtäglich in Armut zwischen religiösen Fanatikern und geldgierigen Menschenhändlern ums Überleben kämpfen. Man ist fasziniert von den Kleinen und ihrem Mut, lacht mit ihnen und kann es kaum fassen unter was für Bedingungen Kinder wie Jamal aufwachsen. Boyle wirft dabei tragische, lustige und stille Szenen geschickt durcheinander, ohne aber je den Faden zu verlieren oder gar mit deprimierenden Szenen die Stimmung zu drücken. Der Film hat zwar einige Tragikmomente, ist aber vorherrschend ein Gute-Laune-Film.

Schauspielerisch sind vor allem die Kinder zu loben, denn was Boyle aus den indischen Rackern an Charisma zutage holt, ist schlichtweg beeindruckend. Auch der bislang völlig unbekannte Hauptdarsteller Dev Patel überzeugt durch sein pfiffiges Auftreten des älteren Jamals, seiner Coolness im Spiel und seinem Mut den Behörden gegenüber. Die bildhübsche Freida Pinto währenddessen ist wahrlich erobernswert, wirkliche Momente bleiben dem möglichen nächsten Bondgirl allerdings doch verwehrt. Überhaupt sind alle Darsteller gut, aber nicht umwerfend. Auch lässt sich sagen, dass die Wege der Romanze voll und ganz gelungen sind und diese an sich auch originell und schlüssig ist, eigentliche Chemie zwischen den beiden Figuren aber nie wirklich aufflammt. Teilweise ist es sogar so kühl, als suche Jamal nicht seine Freundin, sondern seine Schwester. Shahrukh Khan hätte das wahrscheinlich besser gemacht.

Als weiterer Kritikpunkt lässt sich anführen, dass die letzte halbe Stunde nicht ganz mit dem Rest mithält und die Story der Älteren nicht an die der Kinder heran kommt. Ohne große Überraschungen verläuft das Ende dann so, wie man es erwarten würde, und man vermisst ein wenig die Stärken des Anfangs.

Slumdog Millionär ist aber insgesamt ein Film, der nur als Gesamtpaket funktionieren will – und das auch schafft. Nach Filmen wie 28 Days Later, The Beach und Sunshine gelingt Danny Boyle erneut ein sehr eigensinniges Werk, das als Gute-Laune Romanze konzipiert ist und damit fast ins Schwarze trifft. Toller Film? Keine Frage, aber ein zeitloser Oscar-Klassiker? Das lässt sich in Frage stellen.

Apropos Bollywood: um eine Tanzeinlage kommt man übrigens nicht völlig drum herum, auch wenn sie zu einem Zeitpunkt kommt, der sich sicher verschmerzen lässt.

Fazit:
Slumdog Millionär ist ein schönes Märchen und ein toller Film, aber nicht ganz der große Oscar-Killer den man im Vorfeld vielleicht hätte vermuten können. Dennoch, klare Empfehlung.

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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