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Kritik:
SNAKES ON A PLANE


von Christian Mester
BG Chefredakteur, schrieb für Gamestar und Gameswelt, war Projektleiter für Kinofilm-Marketing, hat offensichtlich längst zu viele, aber noch immer viel zu wenige Filme gesehen...

SNAKES ON A PLANE (2006)
Regie: David R Ellis
Cast: Samuel L Jackson, Julianna Margulies

Story:
Der junge Sean wird unfreiwillig Zeuge eines Mordes, und nur der toughe Cop Flynn kann ihn gerade noch vor einem Vergeltungsschlag der Täter retten. Sean soll daraufhin gegen die Mafiosis aussagen, doch der Flug zum Gericht wird zum Höllentrip, als in 30.000 Fuß Höhe plötzlich eine Kiste mit dutzenden Schlangen aufbricht...

Kritik:
Snakes on a Plane hätte mit Leichtigkeit der Kultfilm des Jahres sein können. Alles dafür hätte gepasst - der Titel, der Hype, Samuel L. Jackson und schier unendliche Möglichkeiten für weitere Teile ( > Sharks on a Train).

Hätte, denn Snakes on a Plane verpasst seinen Flug und hebt gar nicht erst ab. Der Filmtitel? Völliger Blödsinn, regt aber zum Lachen an. Genau so - und nur so - hätte der gesamte Film sein müssen. Bei dem Titel erwartet niemand einen müden Thriller mit traurigen Szenen, mit ausführlichem Intro oder gar einem Nebenplot, der überhaupt nicht auf dem Flugzeug spielt. Wieso aber fühlte sich Dave R. Ellis genötigt, das mit in seinen Film einzubauen? "Snakes" beginnt mit Sean, einem typischen Surfer, der durch Zufall den asiatischen Gangster Eddie Kim bei einem Mord beobachtet. Ein erster Mordanschlag auf ihn schlägt fehl, und es geht mit Sam Jackson auf das besagte Flugzeug. Merkwürdigerweise ist Sean in den nächsten 90 Minuten vollkommen gleichgültig, und hat auch keine wichtigen Szenen mehr.

Hauptfigur Sean wird also komplett degradiert, um jemand anderes Platz zu machen - etwa Sam Jackson? Schön wärs, aber auch Jules Winnfield steht nicht wirklich im Vordergrund. Manchmal, aber die meiste Zeit über gibt es nämlich keine wirkliche Hauptfigur in Snakes on a Plane. In einer Tour wird von einem Passagier zum nächsten geblendet, so das man viele auf einmal, aber niemanden wirklich richtig kennenlernt. Da wären schwarze Rapper mit Handheldvideospielen, eine besorgte Mutter mit Kind, ein Paris Hilton-Verschnitt mit Handtasche und Hündchen, ein Pärchen mit Flugangst, ein sex-hungriges Liebespaar, zwei neunmalkluge Piloten, eine junge attraktive, eine ältere vernünftige und eine sehr alte vernünftige Stewardess, ein egoistischer Mistkerl und Sam Jackson's trockener Partner. Wer von denen übersteht den Film wohl lebend und wer muss wohl als erster dran glauben?.

Anders als bei dem geradlinigen Final Destination 2 ist Ellis' neuer Film sehr ungleichmäßig proportioniert. An einigen Stellen versucht er, die Tode gewisser Personen als ergreifend zu zeigen, während er auf der anderen Seite die Grenze des Blödsinns weit überschreitet: Wenn schließlich ein dicker Junge Samuel Jackson dem Flughafen-Tower als "chilligen Pimp" vorstellt und dieser ernsthaft - ernsthaft sagt "Gott segne die Playstation 2", dann weíß man so in etwa, was für einen Film man da sieht.

Oder gern gesehen hätte, denn der amüsante Blödsinn wird immer wieder durch unnötige Nebensächlichkeiten aufgeschoben. So gibt es z.B. einen komplett irrelevanten Nebenplot über einen von Sam's Partnern, der versucht, den Händler der vielen Schlangen aufzuspüren. Immer wieder wird zu ihm geschaltet, zu einem nichtssagendem Darsteller ohne Persönlichkeit, der mit anderen nichtssagenden Persönlichkeiten wertvolle Laufzeit vergeudet. Samuel L. Jackson wirkt ein wenig gelangweilt, und ist über weite Strecken des Films nicht so engagiert wie er es in den Interviews immer war, in denen er stolz und laut lachend über "Snakes" witzelte. Allein in seinen letzten beiden Filmen "Cool & Fool" und "Das Gesicht der Wahrheit" sah man ihn schon besser.

Jedoch hübsch, und besser als in Ghost Ship: ER-Veteranin Julianna Margulies. Der Rest der Cast - völlig belanglos. Es finden sich noch Lin Shaye (die Oma aus 2001 Maniacs), Sunny Mabrey (die Nackte aus Species 3) und Mark Haughton (ein Gangster aus Elektra), Namen, die etwa einen guten Überblick über die zu erwartende Schauspielkunst geben. Action und Shocks gibt es einige - Leute werden in Genitalien, in den Hals, in Brüste, in Augen, in den Kopf, in Rücken und in den Hintern gebissen, einer sogar von einer Würgeschlange verschlungen. Leider Gottes sehen die computeranimierten Schlangen dermaßen unecht aus, dass man niemals auch nur den Hauch einer Bedrohung empfinden kann. Atmosphäre = keine, und die Shocks reduzieren sich allesamt auf hervor-schnellende Fake-Schlangen.

Wer Predator, City Cobra und Running Man gesehen hat, der weiß, was hier fehlt: Oneliner. Ein kerniger Kerl wie Sam Jackson müsste in einem Szenario wie diesem normalerweise endlos Momente für markige Sprüche finden, aber die beschränken sich auf nur einen guten, der mit dem Stapeln von Taschen zu tun hat.

Fazit:
Kurzum, gerade als Fan von Tier-Horrorfilmen und B-Movies enttäuscht es sehr, dass der wohl teuerste seiner Art nicht wirklich überzeugen kann. Was bleibt, ist ein vorhersehbarer Katastrophenfilm der Marke "RTL Film der Woche" mit blöden Figuren, wenig Witz und einem gelangweilten Sam Jackson.

3 / 10
9-10 - Pflichtfilm, sollte man gesehen haben
7-8 - wirklich interessant oder echt unterhaltsam
5-6 - solide, durchschnittliche Unterhaltung
3-4 - immerhin zum Teil noch annehmbar
2-0 - was ist denn da passiert?

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