Story:
Denny Colt (Gabriel Macht) war einst Polizist in Central City, doch seit
einem Überfall - den er eigentlich nicht hätte überleben dürfen - geistert er
als Superheld The Spirit durch die Nacht. Als Erzfeind Octopus (Samuel L
Jackson) eines Tages etwas mit seiner Jugendliebe Sand Serif zu tun kriegt,
kommt Spirit hinter das Geheimnis seiner scheinbaren Unverwundbarkeit...
regie :
frank miller
cast :
gabriel macht, samuel l jackson
kritik :
christian mester
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Kritik:
Vom Macher von Sin
City und 300? Davon sollte man sich nicht blenden lassen, denn zum einen passt
das nicht so wirklich, zum anderen ist The Spirit weitab davon entfernt, sich
mit einem der beiden Titel messen zu können.
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"Wieso hat mir keiner gesagt, dass Miller auch
RoboCop 3 geschrieben hat?"
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Frank Miller steht auf jedem
Filmplakat und wird auch in jedem Trailer genannt, doch auch wenn Miller
tatsächlich 300 und Sin City geschrieben - und letzteres auch teils mitgedreht
hat, so ist das hier keine Verfilmung seines eigenen Stoffes. The Spirit ist ein
Comic aus den 40ern, der von einem gewissen Will Eisner erfunden wurde und zu
den Lieblingshelden des zurzeit gehypten Autors gehört. Was der Film mit Sin
City gemeinsam haben mag ist der gleiche optische Stil, da aber hören die
Vergleiche auch schon schnell wieder auf.
Sicher, der Look des Films ist interessant. Genau wie bei Sin City besteht alles
aus cartoonhaften Bildern, die hauptsächlich von Schwarz-, Weiß- und Rottönen
dominiert werden. Das passt zur abstrusen Story, die sich so weitaus besser
verkraften lässt, aber man merkt leider auch dass hier mit weitaus weniger Liebe
als noch bei Sin City gearbeitet wurde. Teilweise sind die Greenscreens sogar so
offensichtlich, dass es wie bei Sky Captain and the World of Tomorrow aussieht.
Miller glänzt in seiner neuen Rolle als Regisseur zudem nicht wirklich, denn
trotz der knapp 100 Minuten ist der Film größtenteils langatmig, wirr und ohne
wirkliche Struktur. Die Bilder mögen technisch gut aussehen, aber deren
Zusammenstellung ist eine Katastrophe.
Miller's größtes Problem findet sich
aber in seiner ganz eigenen Ecke, der Schreiberei. Sein Drehbuch zum Film ist
mit Abstand eines der schlechtesten Drehbücher der letzten Jahre. Ganz gleich,
wie sehr es an der Vorlage orientiert sein mag, seine Umsetzung der Story, seine
Dialoge und Figuren sind so grausig, dass man kaum glauben kann, dass der Mann
sein Geld mit dem Stift verdient.
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"Und ich sag noch, lass uns auf 300 2
warten, aber nein...!"
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Ton gibt es keinen geradlinigen.
Die Dialoge schwanken unentwegt zwischen halb-ernst und albern-dämlich, mit
unzähligen Onelinern, die unbedingt nach Coolness schreien ("Sei still und blute
weiter"), aber allesamt derb auf die Nase fallen. Hier wollte Miller unbedingt
Bruce Willis' Art aus Sin City imitieren, doch das ist leider vollkommen
unmöglich, da diese Geschichte keinen Deut ernstzunehmen ist.
Beispielsweise verfällt dem Spirit jede Frau so extrem wie das dynamische Duo
Poison Ivy in Batman & Robin... den wirklichen Vogel schießt jedoch Samuel L
Jackson's Charakter Octopus ab.
Jackson hat in seiner weit umfassenden Karriere schon alles gespielt, aber
Octopus ist eine Rolle, gegen die selbst M Bison aus Van Damme's Street Fighter
vernünftig und glaubwürdig wirkt. Nicht nur, dass er im Film als Pimp mit
Piratenhut und als Samurai mit Elvis-Koteletten auftritt, er ist sogar in
Nazi-Uniform vor einem Hitler-Portrait zu sehen. Das könnte auf irgendeine
skurrile Art und Weise lustig sein, doch Jackson wird dabei in lange, völlig
sinnentleerte Monologe gesteckt, die sich zu ernst nehmen und jeden bizarren
Moment zu einem großen Fragezeichen machen. Lachte er innerlich darüber? Es ist
schwer zu sagen; sein Agent jedoch - der für Jackson scheinbar selbst
Hauptrollen in Hochzeitsvideos annimmt - dürfte es letztendlich nicht haben.
Teilweise erinnert die Figur sogar an die Addams Family, denn in seinem Labor
erschafft Octopus (im Dr. Outfit) Klone eines Helfers, die alle aussehen wie
Onkel Fester; einer davon endet als Kopf auf einem hüpfenden Fuß. Da in etwa
kann man sich langsam ausmalen, wie der Humor im Film ausfällt. Mit dabei ist
auch aber Scarlett Johansson, die ohnehin meistens mehr Dekollete als Rolle
ausfüllt, aber selbst dazu nicht kommt. Eher hochgeschlossen steht
sie zumeist am Rande und gibt trocken Kommentare ab, die clever und bissig wirken
sollen, es aber nie sind. Den Part des Dekolletes übernimmt stattdessen Kinder des
Zorns Teil 5 / Ghost Rider / 2 Fast 2 Furious -Star Eva Mendes, die sich in lebendig gewordenen Maxim-Shoots
räkelt und in einem Flashback monumental von einer jungen Schauspielerin
schauspielerisch in den Schatten gestellt wird.
Action? Es gibt zwei größere Action-Szenen zwischen dem Spirit und dem Octopus,
aber da beide Charaktere unzerstörbar sind und letzterer später gegen unecht
aussehende PS1-Kampfhubschrauber kämpft, kann man keine wirkliche Faszination
aufbauen... da muss man schon Fan von den Vehikelsequenzen aus Ultraviolet sein.
Zu guter Letzt sei gesagt, dass Gabriel Macht eigentlich gut zur Rolle passt und
sich bemüht, er im Angesichts des gewaltigen Schwachsinns um ihn herum aber wie
seine Rolle erst hosenlos in der Öffentlichkeit herumhängt, später dann im Sumpf
versinkt.
Fazit:
Millers
The Spirit sollte ein etwas lustigeres Sin City werden, ist aber letztendlich
ein auf Ernst getrimmter Speed Racer ohne Rennsequenzen geworden.
3 / 10
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