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KRITIK:
The Stepfather


Regie: John Reubens
Darsteller: Dylan Walsh, Amber Heard
Release: 2009


von Christian Mester


Story:
Als Michael (Penn Badgley) eines Tages von der Militärschule zurück nach Hause kommt, erfährt er, dass seine Mutter einen neuen Mann hat: David (Dylan Walsh). David ist ein makellose Muster-Stiefvater, der nicht vorbildlicher sein könnte. Er bemüht sich sogar, den Teenager mit seiner konfliktreichen Vergangenheit wieder in die Familie zu integrieren. Eine Vergangenheit die zum Problem wird, als Michael und seine Freundin (Amber Heard) vermuten, dass sein neuer Ziehvater ein gesuchter Familienmörder ist…

Das Original brachte es auf insgesamt
drei Teile.

Kritik:
Remakes machen in der Regel in nur zwei Fällen wirklichen Sinn. Entweder, wenn der neue Regisseur eine inhaltlich oder stilistisch neue Richtung einschlägt und sich das Resultat damit merklich vom Original abhebt oder wenn das Original schlichtweg schlecht war und man einen besseren Film aus der Idee machen kann.

"Stepfather" aus dem Jahre 1987 mit Lost's John Locke Terry O'Quinn in der Hauptrolle (Trailer) war damals reinster Thriller-Durchschnitt. Effektiv war lediglich O'Quinn, der einen unterhaltsam unheimlichen Psychopathen im Film abgab. Knappe 12 Jahre später hält sich John Reubens' an die Gegenwart angepasstes Remake nah am Vorgänger... und damit auch an all dessen Problemen.

Reubens' Serienkillerthriller ist schick inszeniert, leider hält er sich - wie auch das Original - mit echtem Thrill enttäuschend zurück. Auf zweierlei Art versucht er seine Spannung zu schüren: der Stiefvater mordet im Vorfeld häufiger, wodurch man sich fragen darf, ob er wohl schon vor Showdown erwischt wird. Später geht es dann aus Sicht der Teenager weiter, die ab Mitte des Films erste Vermutungen hegen und daraufhin selbst auf Spurensuche gehen. Konzeptionell eine ungünstige Wahl, da der Perspektivwechsel so gar nicht funktionieren will. Dylan Walsh, am ehesten bekannt aus "Congo" und "Nip/Tuck", gibt hier einen recht formidablen Bösewicht ab. Den eiskalten Soziopathen spielt er ebenso glaubhaft wie dessen vermeintlich harmlose Maskerade, weswegen die ersten Abschnitte, in denen er noch im Vordergrund steht, die besten des Filmes sind.

Die Mutterrolle dagegen ist naiv und einseitig, der Darsteller des Sohnes macht nichts aus seiner als schwierig konzipierten, aber schlecht gespielten Rolle und dessen Freundin? Nun, die wird von Amber Heard ("All the Boys love Mandy Lane", "The Fighters", "Ananas Express") gespielt und ist in erster Linie pures Eyecandy. So wie Michael Bay Frauen wie Autowerbung filmt, umgarnt die Kamera Heards zumeist im Bikini gezeigten Körper,
dass es voyeuristische Züge annimmt.

Terry O'Quinn wurde um einen Kurzauftritt gebeten,
doch der Original-Stepfather lehnte dankend ab.

So attraktiv die gute Amber aber sein mag, nach Abspann lässt es sich nur relativ müde klatschen, was neben platter Vorhersehbarkeit der gesamten Handlung und fehlender Spannung auch an mehreren unübersehbaren Patzern der Story liegt. So ist es der Stiefvater beispielsweise selbst, der seine Frau um kirchliche Hochzeit bittet, dann aber auf einmal in engste Not gerät als man irgendwann einmal seinen Ausweis sehen will. Später stiehlt er das Telefon eines Mordopfers und bunkert es ungeschickt im Keller der Familie, nur um sich dann darüber zu wundern, dass das Klingeln von anderem im Haus gehört wird. David ist nicht unbedingt der smarteste Serienkiller, was aber lange gut geht, da seine zukünftigen Opfer noch blinder ausfallen. Die Mutter beispielsweise ist schrecklich leichtgläubig, da sie es bewusst ignoriert, dass ihr angehender Ehemann den Kellerraum mit groben Mitteln absperrt und niemanden je unbeaufsichtigt dorthin lässt. Auch sonst ignoriert sie sämtliche Anzweiflungen, selbst wenn es beste Freundinnen sind, die ihre Fragen gut begründen..

Man schlägt sich also des Öfteren dezent vor die Stirn und blickt einem sehenswerten Endkampf entgegen, da Columbo Jr. ja frisch von einer Militärschule kommt und demnach ein ebenbürtiger Gegner für den Serienkiller sein müsste. Falsch,
denn Michael kämpft wie ein Mädchen und lässt schlussfolgern, dass er in seiner Zeit als Kadett wohl hauptsächlich Latrinen reinigen durfte. Was der Trailer in der Hinsicht mit seiner laufenden Kreissäge versprechen mag, scheitert an der familiengerechten US-Altersfreigabe PG13.


Das Potenzial wird mit Füßen getreten.. Der Filme wäre so viel interessanter gewesen, wäre man die ganze Zeit über beim Stepfather geblieben und hätte es als das Portrait eines Serienmörders aufgezogen; mit anderem Hauptdarsteller, einigen Scriptänderungen und einem spannenderen Finale hätte sogar die andere Perspektive richtig werden können. Trotz aller Makel ist der Mischmasch nun keine völlige Niete, da Walsh überzeugt und sich Reubens' Regie popcorn mampfend sehen lassen kann.

Fazit:
Was soll man von einem Film halten, der komplett vorhersehbar bleibt und sich echte Highlights spart? "The Stepfather" ist ein annehmbarer Thriller mit gutem Hauptdarsteller und locker über TV-Niveau, aber spannungsarm und effektlos. Ein Kandidat für den DVD-Abend.

4 / 10


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