Story:
Um ihren Sohn auf eine Privatschule schicken zu können, kommt Rose (Amy Adams)
auf eine recht ungewöhnliche Idee - zusammen mit ihrer Schwester (Emily Blunt)
eröffnet sie eine Reinigungsfirma für Tatorte grausiger Vorfälle. Dass das mit
Problemen verbunden ist, ergibt sich ganz von selbst...
regie :
christine jeffs
cast :
amy adams, emily blunt
kritik :
christian westhus
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Kritik:
„Ist da Blut drin?“ –
Beim Blick auf Trailer und Inhaltsangabe wird man sich wohl irgendwann diese
Frage stellen. Und die simple Antwort darauf lautet: Ja. Ein bisschen.
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"Was sagst du, wie heißt dein Freund?
Dexter?"
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Besonders der erste Akt hat noch
eine angenehme, ganz dezent schwarzhumorige Freude daran, mit Tod, Mord,
Selbstmord und Tatort-Grusel zu spielen. Gleich die erste Szene führt an der
Nase herum und liefert für die später anwesenden Polizisten genug Potential für
manch schrägen Kommentar. Als dann die vom Leben und eigenen Schwächen
gebeutelten Lorkowski-Schwestern – zunächst ahnungs- und lizenzlos – ins
Reinigungsgeschäft einsteigen, gibt es immer noch die ein oder andere morbide
Pointe, doch schon bald wird klar, dass der Tatort-Reinigungsdienst eine
untergeordnete Rolle im Film spielt.
Amy Adams und Emily Blunt spielen zwei unterschiedliche Schwestern, fast schon
in zwei Extreme gepolt, aber niemals ein Klischee. Dafür sorgt das ordentliche
Drehbuch, welches sich ernsthaft mit den Figuren beschäftigt, und dafür sorgen
die Darstellerleistungen, die gar nicht preisverdächtig sein müssen, sondern
einfach nur wunderbar in den Film und zu den Charakteren passen. Blunts Norah
ist die Chaotische, die Flippige, die in den Tag hineinlebt, schnell mal einen
Job verliert und sich noch nicht gefunden hat. Adams Rose ist ehrgeizig,
gescheitert, wurde mit einem Sohn sitzen gelassen und muss sich immer wieder
einreden, kein Verlierer zu sein. Selbst dann, wenn man im Haus der alten
High-School-Freundin putzen geht.
Das verbindende Element der Schwestern ist ein familiärer Schicksalsschlag rund
um die verstorbene Mutter. Dieser sorgt zwar für die ein oder andere
sentimentale Szene und so manche Träne, aber die müssen ja nicht zwangsläufig
schlecht sein. Spätestens wenn man im Fernsehen ganz sensationell etwas
entdeckt, wird die Emotionalität, wird die Sentimentalität greifbar und man
nimmt sie dankend an. Entsprechend betrachten wir die Arbeit an den Tatorten, wo
gerade geliebte Familienmitglieder umgekommen sind, wo Menschen fern jedes
sozialen Kontaktes vergessen verstorben sind, nicht mehr mit dem Wunsch nach
groteskem Humor, sondern von einer menschlich-tragischen Seite. Die Schwestern
helfen, tun Gutes und kommen mit den Betroffenen in Berührung. Das schafft
zumindest kurzzeitige emotionale Erfüllung.
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"Der Allspark, er ist noch drin!"
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Und so ist die eigene
Reinigungsfirma eine Chance. Nicht die eine Chance, die unbedingt genutzt werden
muss, um nicht endgültig auf der Straße zu landen, aber eine entscheidende
Gelegenheit und wenn Rose, auf die Frage, ob ihr diese befremdlich erscheinende
Arbeit Spaß macht, ihren zu spießigen Tussis verkommenen Ex-Schulkolleginnen
bejahend antwortet, glaubt man es ihr.
Dem Film ist viel daran gelegen, der Andersartigkeit von Menschen unter die Arme
zu greifen. Es ist keine Schande anders zu sein, denn was heißt denn schon
anders? So darf der kleine Oscar auch stolz sein, laut Norah der coolste Bastard
den sie kennt zu sein. Rose ist eine Außenseiterin, die sich an eine schwierige
Liebe klammert und für ihre Jobs belächelt wird; ihr Sohn ist mal naiv, mal
clever, führt aber scheinbar ebenfalls ein Außenseiter-Dasein. Oder Norah, die
in Kreisen verkehrt, die sie kaum richtig wahrnimmt und die an eine Person
gerät, mit der sie nicht richtig umzugehen weiß. Auch Winston, gespielt von
Clifton Collins Jr. in einer schön zurückgenommenen, warmherzigen Rolle, der ein
einarmiger Modellbauer ist, passt ihn diese Personenkonstellation. Über ihnen
steht natürlich Alan Arkin als schräger Opa, der Tag für Tag neue Ideen
entwickelt, die selten gelingen und meistens frustrierend enden.
Das weckt Erinnerungen. Der Vergleich mit „Little Miss Sunshine“ drängt sich
irgendwie auf. Zunächst mal der Sonnenschein im Titel, dann die halb tragische,
halb komödiantische Neigung des Films, die komplizierten Familiengefüge, der
Respekt fürs Anders-Sein, der Traum der Selbstverwirklichung und schließlich
Alan Arkin selbst, der seine oscarprämierte Rolle hier in ein paar Szenen fast
zu wiederholen scheint. „Little Miss Sunshine“ war am Ende vielleicht eine Spur
reichhaltiger, aber das soll für diesen Film gar nicht zur Kritik werden.
Vielmehr können die, die am einen Film Freude hatten, auch den Anderen schauen.
„Sunshine Cleaning“ ist eigenständig genug, einfach ein guter Film zu sein. Ein
schöner Film, dessen dramaturgische Schienen gegen Ende zwar etwas formelhaft
wirken, der aber trotzdem berührt und unterhält. Ja, die letzte Viertelstunde
verweigert sich so manch angedeutetem Handlungsfaden und verläuft recht schnell,
könnte also gut und gerne auch noch eine Viertelstunde länger gehen. Es ist
dennoch angenehm, dem Ganzen zuzuschauen. Die Figuren sind toll und wir fühlen
uns ihnen nah, wünschen ihnen das Beste, lachen ein paar mal und schmiegen uns
ansonsten wohlig in den Kinosessel, ob so mancher tragisch-bitteren Szene. Viel
mehr als dieses Gefühl und eine gute Geschichte mit durchweg sympathischen
Darstellern, braucht ein guter Film dieser Art kaum.
Fazit:
„Sunshine Cleaning“ ist eine wunderbar einfühlsame, nachdenklich-menschliche
Indie-Tragikkomödie, besetzt mit Stars. Nette Figuren, ein paar schon-schräge
Momente und ein gutes Stück Sentimentalität in einer stilsicheren Inszenierung.
Wer Filme dieser Art mag, macht hier kaum etwas falsch.
7,5 / 10
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