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Kritik:
Sunshine Cleaning


von Christian Westhus

Sunshine Cleaning
(2008)
Regie: Christine Jeffs
Darsteller: Amy Adams, Emily Blunt

Story:
Um ihren Sohn auf eine Privatschule schicken zu können, kommt Rose (Amy Adams) auf eine recht ungewöhnliche Idee - zusammen mit ihrer Schwester (Emily Blunt) eröffnet sie eine Reinigungsfirma für Tatorte grausiger Vorfälle. Dass das mit Problemen verbunden ist, ergibt sich ganz von selbst...

Kritik:
Besonders der erste Akt hat noch eine angenehme, ganz dezent schwarzhumorige Freude daran, mit Tod, Mord, Selbstmord und Tatort-Grusel zu spielen. Gleich die erste Szene führt an der Nase herum und liefert für die später anwesenden Polizisten genug Potential für manch schrägen Kommentar. Als dann die vom Leben und eigenen Schwächen gebeutelten Lorkowski-Schwestern – zunächst ahnungs- und lizenzlos – ins Reinigungsgeschäft einsteigen, gibt es immer noch die ein oder andere morbide Pointe, doch schon bald wird klar, dass der Tatort-Reinigungsdienst eine untergeordnete Rolle im Film spielt.

Amy Adams und Emily Blunt spielen zwei unterschiedliche Schwestern, fast schon in zwei Extreme gepolt, aber niemals ein Klischee. Dafür sorgt das ordentliche Drehbuch, welches sich ernsthaft mit den Figuren beschäftigt, und dafür sorgen die Darstellerleistungen, die gar nicht preisverdächtig sein müssen, sondern einfach nur wunderbar in den Film und zu den Charakteren passen. Blunts Norah ist die Chaotische, die Flippige, die in den Tag hineinlebt, schnell mal einen Job verliert und sich noch nicht gefunden hat. Adams Rose ist ehrgeizig, gescheitert, wurde mit einem Sohn sitzen gelassen und muss sich immer wieder einreden, kein Verlierer zu sein. Selbst dann, wenn man im Haus der alten High-School-Freundin putzen geht.

Das verbindende Element der Schwestern ist ein familiärer Schicksalsschlag rund um die verstorbene Mutter. Dieser sorgt zwar für die ein oder andere sentimentale Szene und so manche Träne, aber die müssen ja nicht zwangsläufig schlecht sein. Spätestens wenn man im Fernsehen ganz sensationell etwas entdeckt, wird die Emotionalität, wird die Sentimentalität greifbar und man nimmt sie dankend an. Entsprechend betrachten wir die Arbeit an den Tatorten, wo gerade geliebte Familienmitglieder umgekommen sind, wo Menschen fern jedes sozialen Kontaktes vergessen verstorben sind, nicht mehr mit dem Wunsch nach groteskem Humor, sondern von einer menschlich-tragischen Seite. Die Schwestern helfen, tun Gutes und kommen mit den Betroffenen in Berührung. Das schafft zumindest kurzzeitige emotionale Erfüllung.

Und so ist die eigene Reinigungsfirma eine Chance. Nicht die eine Chance, die unbedingt genutzt werden muss, um nicht endgültig auf der Straße zu landen, aber eine entscheidende Gelegenheit und wenn Rose, auf die Frage, ob ihr diese befremdlich erscheinende Arbeit Spaß macht, ihren zu spießigen Tussis verkommenen Ex-Schulkolleginnen bejahend antwortet, glaubt man es ihr.

Dem Film ist viel daran gelegen, der Andersartigkeit von Menschen unter die Arme zu greifen. Es ist keine Schande anders zu sein, denn was heißt denn schon anders? So darf der kleine Oscar auch stolz sein, laut Norah der coolste Bastard den sie kennt zu sein. Rose ist eine Außenseiterin, die sich an eine schwierige Liebe klammert und für ihre Jobs belächelt wird; ihr Sohn ist mal naiv, mal clever, führt aber scheinbar ebenfalls ein Außenseiter-Dasein. Oder Norah, die in Kreisen verkehrt, die sie kaum richtig wahrnimmt und die an eine Person gerät, mit der sie nicht richtig umzugehen weiß. Auch Winston, gespielt von Clifton Collins Jr. in einer schön zurückgenommenen, warmherzigen Rolle, der ein einarmiger Modellbauer ist, passt ihn diese Personenkonstellation. Über ihnen steht natürlich Alan Arkin als schräger Opa, der Tag für Tag neue Ideen entwickelt, die selten gelingen und meistens frustrierend enden.

Das weckt Erinnerungen. Der Vergleich mit „Little Miss Sunshine“ drängt sich irgendwie auf. Zunächst mal der Sonnenschein im Titel, dann die halb tragische, halb komödiantische Neigung des Films, die komplizierten Familiengefüge, der Respekt fürs Anders-Sein, der Traum der Selbstverwirklichung und schließlich Alan Arkin selbst, der seine oscarprämierte Rolle hier in ein paar Szenen fast zu wiederholen scheint. „Little Miss Sunshine“ war am Ende vielleicht eine Spur reichhaltiger, aber das soll für diesen Film gar nicht zur Kritik werden. Vielmehr können die, die am einen Film Freude hatten, auch den Anderen schauen.

„Sunshine Cleaning“ ist eigenständig genug, einfach ein guter Film zu sein. Ein schöner Film, dessen dramaturgische Schienen gegen Ende zwar etwas formelhaft wirken, der aber trotzdem berührt und unterhält. Ja, die letzte Viertelstunde verweigert sich so manch angedeutetem Handlungsfaden und verläuft recht schnell, könnte also gut und gerne auch noch eine Viertelstunde länger gehen. Es ist dennoch angenehm, dem Ganzen zuzuschauen. Die Figuren sind toll und wir fühlen uns ihnen nah, wünschen ihnen das Beste, lachen ein paar mal und schmiegen uns ansonsten wohlig in den Kinosessel, ob so mancher tragisch-bitteren Szene. Viel mehr als dieses Gefühl und eine gute Geschichte mit durchweg sympathischen Darstellern, braucht ein guter Film dieser Art kaum.

Fazit:
„Sunshine Cleaning“ ist eine wunderbar einfühlsame, nachdenklich-menschliche Indie-Tragikkomödie, besetzt mit Stars. Nette Figuren, ein paar schon-schräge Momente und ein gutes Stück Sentimentalität in einer stilsicheren Inszenierung. Wer Filme dieser Art mag, macht hier kaum etwas falsch.

7,5 / 10

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