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KRITIK:
Surrogates: Mein zweites Ich
Regie:
Jonathan Mostow
Darsteller: Bruce Willis
Release: 2010
von Christian Westhus
Story:
Die Gesellschaft der Zukunft ist mit der
heutigen nicht zu vergleichen. Menschen verlassen
ihre Häuser nicht mehr und steuern stattdessen
robotische Ersatzkörper, die wie perfekte Versionen
ihrer selbst aussehen. Der aufrichtige Polizist Tom
Greer (Bruce Willis) führt ein solches Leben, ist
aber unglücklich damit, da er seine geliebte Frau
(Rosamund Pike) vermisst. Sie hat ihr Zimmer seit
Jahren nicht mehr verlassen und versteckt sich wie
alle anderen Menschen hinter ihrem makellosen
Robotergesicht.
Alles ändert sich, als die Existenz der Ersatzkörper
eines Tages einer gewaltigen Bedrohung gegenüber
steht. Mysteriöse Rebellen haben eine Spezialwaffe
entwickelt, deren Entladung nicht nur den
künstlichen Körper, sondern auch den daheim
steuernden Besitzer tötet. Greer und seine Kollegin
(Radha Mitchell) kommen einer tödlichen Verschwörung
auf die Spur und ermitteln bald gegen einen Priester
(Ving Rhames), der die Menschen zurück zur
Natürlichkeit führen will.
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Der Film basiert auf einer Comic-Reihe
von Robert Venditti und Brett Wedele. |
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Kritik:
Frei heraus: „Surrogates“ ist ein großer Witz von
einem Big-Budget Blockbuster. Es ist mal wieder
einer dieser elendigen Fälle, wenn Hollywood
zwischen inhaltlichem Anspruch und Entertainment
entscheiden muss, um dann auf halber Strecke und
komplett zwischen den Stühlen zu scheitern. So ist
der Film ein einziges Nichts, egal welche Richtung
man sich gewünscht hätte.
Die Literatur- und die Filmgeschichte sind voll von
utopischen und dystopischen Vorstellungen unserer
Zukunft. Wo das Entdecken ferner Planeten mehr zur
reinen Science-Fiction gehört, versucht man sich
hier auf irdische und menschliche Entwicklungen zu
konzentrieren und gegenwärtige Probleme weiter zu
denken. Im Internetzeitalter landet man da schnell
bei einem zweiten, digitalen Leben, welches das
tatsächlich körperliche Leben ersetzt. Auch James
Camerons blaue Avatar-Wesen greifen diesen Gedanken
auf. Bei „Surrogates“ hat man sich mal wieder einem
Comic angenommen, doch statt ihn als große
Comicverfilmung zu verkaufen, schien die
Marketing-Kampagne einen intelligenten Actionfilm zu
suggerieren. Der Comic, der wie üblich Vieles besser
macht, wurde zumeist nur am Rande erwähnt. Die
Vorzeichen lesen sich wie ein Klischee: Der Ansatz
ist durchaus originell und zeitlich passend, Bruce
Willis verspricht gute Action, die Regisseur
Jonathan Mostow in „Terminator 3“ noch durchaus gut
auf die Leinwand bringen konnte, während Produktion
und Drehbuch das alles nicht vereinigen können. Am
Ende ist es, wie gesagt, Käse.
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Surrogates ist Bruce Willis erste Hauptrolle
seit
Stirb Langsam 4.0. |
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Es fängt schon mit
dem völlig unausgegorenen Bild der Zukunft an.
Selten wurde eine Nahzukunft so langweilig und
nichtssagend dargestellt. Streng genommen ist es
exakt unsere Welt, mit den gleichen Autos, der fast
gleichen Mode und einer unveränderten Architektur.
Das Surrogat-Gedöns wirkt, als hätte man es aus dem
Hut gezaubert einfach in die fertige Welt gestellt.
Es ist ja nicht so, als müsste sich die Menschheit
von irgendeiner zurückliegenden Katastrophe erholen.
Es ist einfach nur ein Fortschritt, der sich einzig
und allein beim Surrogat-System bemerkbar macht. Es
ist eine Zukunftsvision ohne eigene Vision, die
ideenarm Altbekanntes neu aufwärmt, angefangen beim
modischen Werbespot für die Ersatzkörper und dem
obligatorischen Lager für Aussätzige, Freidenker und
die Anti-Surrogate-Fraktion, die wie üblich zwischen
Dreck und Schrott hausen und einen dubiosen
Aktivisten anbeten. Das ist dann auch für vielleicht
zehn Sekunden ein hintersinniges Detail, ehe der
halbe Komplex zerlegt wird.
Die Klischees treten auch weiterhin in geballter
Form auf. Unser Hauptheld Bruce Willis ist ein Cop,
der irgendwie das Gesetz hütet, obwohl es durch die
Surrogates schon seit Jahren keine Schwerverbrechen
mehr gab. Natürlich nutzt auch Bruce einen Roboter
wenn er vor die Tür geht, ist dabei aber nicht nur
einer der wenigen, der seinem Robo-Ersatzkörper –
bis auf die Frisur – ähnlich sieht, sondern findet
die ganze Sache auch höchst bedenklich und will den
Quatsch am liebsten abschaffen. Unser Held ist damit
schon mal gegen das ach so schöne neue Leben. Zu
allem Überfluss würgt das Skript noch ein
Familientrauma hervor, rund um ein – nein, wie
einfallsreich – totes Kind.
Aus der Realitätsflucht der Frau und den ehelichen
Komplikationen macht man dann ungefähr zwei Szenen á
2 Minuten, die irgendwie tiefer in die Materie
eindringen. Die gern gesehene Rosamund Pike, der ihr
amerikanischer Akzent schon im Trailer nicht
besonders gut zu stehen kommt (uns in der deutschen
Synchro aber erspart bleibt), muss abseits davon
nicht mehr tun, als gefühlskalt zu gucken und gut
auszusehen. Das gelingt immerhin. Bruce hängt viel
lieber mit seiner Kollegin rum, melancholiert durch
den Alltag oder kommt der Verschwörung auf die
Schliche. Dabei kommt das Drehbuch zwar ab und an
auf ein paar interessante Einfälle, die meistens
damit zu tun haben, wie denn das Original zum
Surrogate aussieht, sonst aber nicht viel bringen.
James Cromwell hat als undurchsichtiger Erfinder
noch am ehesten was zu leisten.
Der Film kommt und kommt nicht in Fahrt. Bemühung
und Scheitern offenbaren sich gleichzeitig in den
vielen Szenen, die zeigen, wo die Surrogates tätig
sind. Gänzlich sinnfrei blickt man mal eben beim
Militär rein, wo man sich natürlich fühlt, wie bei
der letzten Lan-Party. Was hintersinnig klingt ist
in Wahrheit nur platt und einfallslos. Dass die
ganze Utopie und auch die Handlung natürlich voll
mit Unerklärlichem und Logiklöchern sind, wird dabei
ebenfalls deutlich. In visueller Belanglosigkeit
werden bonbonbunte Farben gezeigt, mehrfach bemüht
unterstrichen, wie emotionskalt, verwirrend und
falsch das System doch ist, während der Unbekannte
für nie geahnte Mordfälle sorgt. Keine 90 Minuten
nimmt sich der Film für seine Handlung Zeit und
dennoch sind einige Szenen die reinste Redundanz.
Willis ist komplett schlafmützig unterwegs und das
sogar in den wenigen Actionszenen. Wer einen der
Trailer gesehen hat, hat die spektakulärsten Szenen
bereits hinter sich. Spektakel bietet der Film in
kaum mehr als zwei kurzen Szenen, die auch noch
maximal solide inszeniert sind. Bei „Surrogates“ von
einem Actionfilm zu sprechen ist ein Witz, aber als
Thriller taugt das Ding eben so wenig. Die Menschen
sind – natürlich – allesamt oberflächlich und kalt,
und zu beobachten, wie Roboter gegrillt werden,
dürfte bei den wenigsten Leuten die Tränen zum
Kullern bringen. So lässt uns das persönliche Trauma
von Willis kalt, uns lässt die Mordserie kalt und
die Entwicklung der Verschwörung kann man auch
voraus sehen. Zudem sind die vermeintlich spannenden
Szenen so einfältig und belanglos inszeniert, dass
nicht mal Spannung aufkommen will.
Stattdessen wird es nur unfreiwillig komisch, wenn
man am Ende meint, uns mit Twists schocken zu
müssen. Zwischen den Drahtziehern, Willis und den
Surrogates entsteht ein wildes „Bäumchen wechsle
dich“-Spiel, mit Enttarnung, Neumaskierung und
blitzschnellem Umstellen auf neue Roboter. Wenn man
sich im großen Finale, bei der großen,
existentiellen Frage – die natürlich wieder nur
halbherzig behandelt wird -, fühlt, wie in einer
Body-Switch-Komödie, muss das Skript irgendwas
falsch gemacht haben. In einer guten Inszenierung,
mit einem pfiffigeren Skript, würde das Ende
durchaus Reaktionen fordern, doch stattdessen lässt
es nur kalt, wie der gesamte Rest des Films.
„Surrogates“ ist die perfekte Inkarnation von all
dem, was modernen Unterhaltungsfilmen so unterstellt
wird. Ein originelles Konzept wird verwurstet, um
einen Unterhaltungsfilm daraus zu machen, der dann
nicht unterhaltsam ist. Ein schnittiger Trailer und
bekannte Stars versprechen viel und halten wenig,
weil die Stars auf Autopilot nur den Check
einstreichen wollen. Die guten Ideen, die Ecken und
Kanten der Geschichte, all das wird glatt gebügelt
und als witzloser Gimmick im Skript behalten, um
hinterher schreien zu können: „Ha! Seht, wie clever
und intellektuell wir sind, ihr Narren!“
„Surrogates“ ist ein seelenloser 80 Millionen Dollar
Cash-In Streifen, den man sich sparen kann.
Fazit:
„Surrogates“ ist ein komplett überflüssiger Film.
Nicht unterhaltsam, nicht spannend, nicht fordernd.
Langweilig inszeniert, gelangweilt gespielt und ohne
den Willen, mit den vorhandenen Ansätzen der Story
etwas anzufangen. Berechnender Blockbusterquark der
ganz blöden Sorte.
3 / 10 |