Story:
Es ist ein strahlender
Sommertag, als die Schwestern Su-mi und Su-yeon in ein abgelegenes Haus am See
gebracht werden. Sie waren seit dem Tod ihrer Mutter in einer Heilanstalt und
kehren nun zu ihrem Vater zurück. In der Eingangshalle wartet bereits die
verhasste Stiefmutter. Su-mi, die Ältere, zeigt sich der Frau gegenüber offen
feindselig, während Su-yeon geradezu ängstlich auf Abstand geht. Schon in der
ersten Nacht gehen unheimliche Dinge in dem Haus vor sich, denn ein unbekanntes
Wesen scheint im Verborgenen zu lauern. Diese Nacht ist aber nur der Anfang
eines nicht endenden Albtraums...
regie :
ji-woon-kim
cast :
kap-su kim, jung-ah yum, geun-yeong mun
kritik :
tobias hohmann
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Kritik:
„A tale of Two
Sisters“ ist ein überraschender, intelligenter Horrorfilm, der subtil fesselt
und den Zuschauer fordert. Vielleicht DER Horrorfilm Koreas.
Die erste Hälfte von „A tale of two sisters“ macht – wie bereits erwähnt -eher
den Eindruck eines typischen asiatischen Genrevertreters: Zwar gelungen und
inszenatorisch perfekt, aber trotzdem vertraut.
Hier werden alle Register gezogen; das reicht von knarzenden Türen, die sich wie
von Geisterhand öffnen, über Decken, die den Mädchen vom Körper gezogen werde,
bis zu Gestalten, die plötzlich unter Möbeln lauern und nach den Akteuren
greifen. Einige gelungene Schockmomente, die auch den erfahrenen Genrezuschauer
ins Sofa drücken dürften, inklusive.
Doch im Laufe des Films wendet sich das Blatt und die Geschichte wird mehr und
mehr zum Psychothriller. Und genau durch diese Doppel- oder gar
Dreifachbödigkeit gewinnt der Film an Tiefgang und Bedeutung.
Jede Geste, jeder Blick, jede Kameraperspektive des Anfangs macht nun mehr Sinn.
Die atmosphärische Szenerie lässt einen nicht mehr los. Geniale Wendungen, die
einen immer wieder aus der Bahn werfen, weil man jedes Mal gedacht hätte, man
wüsste, wie es nun weiter geht, überraschen und verunsichern den Zuschauer.
Die Geschichte ist ungeheuer
komplex, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Zeitsprünge, die sogar
zeitweilig parallel laufen.
Man muss schon aufpassen, das man alles mitbekommt. Ein mehrmaliges Anschauen
ist sicherlich sinnvoll, sonst verpasst man einige Details und Zusammenhänge.
Und das wäre schade, zu liebevoll und intelligent wurden diese in die Geschichte
eingearbeitet.
Das Regisseur Kim es schafft, sein Publikum derartig zu fesseln ohne billige
Schockelemente oder sinnlose Gewaltszenen einzuführen, unterstreicht nur seine
Klasse. „A tale of two sisters“ hebt sich damit wohlwollend von den meisten
Produktionen der letzten Jahre ab.
Ein weiterer positiver Aspekt ist sicherlich der Score von Lee Byung-Woo. Sein
Hauptthema ist ein Ohrwurm, der einem nicht mehr aus dem Kopf geht und durch den
man sehr schnell Zugang zum Film und zu den Charakteren findet.
Auch der Rest seiner Arbeit ist hervorragend. Doch ebenso wie der Regisseur eher
auf Tiefgang setzt, hält sich auch Woo auffällig zurück und untermalt nur die
Bilder, als sie mit einem Bombastscore zu dominieren. Einziges „Manko“: Am
Schluss beweist er seine Vorliebe für den „Psycho“ Score ein bisschen arg
übertrieben und deutlich.
Bietet „A tale of two sisters“ auch negative Kritikpunkte? Ja, durchaus.
Einige Zuschauer werden den Film nach spätestens 60 Minuten ausschalten - zu
radikal, fordernd und intelligent ist das Skript. Es ist anstrengend den ganzen
Wendungen und zeitlichen Sprüngen zu folgen. Wer nur unterhalten werden möchte,
wird hier defintiv falsch bedient. Vielleicht wäre man besser beraten gewesen,
den Streifen etwas zuschauerfreundlicher zu gestalten.
Außerdem „opfert“ Kim der Atmosphäre zuliebe jegliches Tempo. Der Film erzählt –
teilweise quälend langsam – seine Geschichte. Das ist interessant und fesselnd –
in den (noch) ruhigeren Passagen jedoch auch manchmal etwas langweilig Fazit:
„A tale of Two
Sisters“ ist sicherlich ein kleines Meisterwerk und einer der besten Horrorfilme
aus dem asiatischen Raum: Intelligentes, wendungsreiches Skript, visuell auf
höchstem Niveau und mit hervorragenden Darstellern besetzt.
Allerdings ist er sicher nicht für Jeden etwas, da die Geschichte und Umsetzung
einfach zu fordernd sind – auf den Zuschauer wird keine Rücksicht genommen.
Dafür entschädigt Regisseur Kim mit einer tiefgründigen Geschichte und einer
perfekten visuellen, detailreichen Umsetzung.
Kleine Hänger und etwas arg viel Detailversessenheit fallen zwar auf, stören
aber nicht wirklich. Um den Film wirklich schätzen zu können, sollte man ihn auf
jeden Fall öfter gesehen haben.
8 / 10
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