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Film Kritik
 
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Terminator 4: Die Erlösung

Story:
Das Jahr 2018. Der Krieg gegen die Maschinen tobt noch immer und steht kurz davor, eine drastische Wende zu erfahren. Während Connor und seine Leute händeringend versuchen den Aufstand zum Sieg zu führen, eilt ganz woanders ein Mann namens Marcus umher, der als letzte Erinnerung die Todesstrafe vor dem Judgement Day hat....

regie :
joseph mcginty
cast  : christian bale, sam worthington
kritik : christian mester
 

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Kritik:
Es ist nicht alles Chrom, was glänzt.
 


"Dom?"

25 Jahre ist es nun her, dass Arnold Schwarzenegger als unaufhaltsame, muskelbepackte Killermaschine durch L.A. stakste und alles daran gab,
eine junge Kellnerin mit Pudelfrisur auszulöschen.

The Terminator war ein extrem düsterer, unheimlicher Action-Thriller, der trotz
platter B-Movie Story Maßstäbe für sein kleines Genre setzte und eine Fortsetzung nach sich zog, die heutzutage nicht ohne Grund als einer der besten Actionfilme der 90er gesehen wird - wenn nicht sogar als der beste Actionfilm überhaupt. T2 strich den kompletten Grusel und machte das Konzept mit Coolness, moderner Musik und vielen sympathischen Szenen geschickt massentauglich: ein Kult war also geboren. Als T3 2003 folgte, spielte man fast die selben Karten dreist noch einmal aus, mit beachtlichem Erfolg. Originell war das nicht, aber zweifellos erneut ein toller Ride mit vielen guten Momenten.

Mit dem vierten Teil geht man nun bewusst andere Wege, lässt er sich doch weder mit dem ersten, noch mit den anderen beiden Filmen so wirklich vergleichen. Das fängt schon bei der Haupthandlung an. Zum ersten Mal geht es nicht darum, dass Connors Leben von einem einzelnen Terminator aus der Zukunft bedroht wird. Er ist jetzt selbst dort und dem langen Kampf gegen die Maschinen ausgeliefert. Allerdings sieht es noch nicht so aus wie in den Zukunftsvisionen der anderen Teile, da man sich zeitlich noch vor den Laserwaffen und Zeitmaschinen befindet.

Ob es der klobige T-600 ist, die etwas dünneren T-700, die fiesen Terminator-Seeschlangen, die fliegenden Hunter-Killer, der große Transformer oder die Mofa-Terminator, sie alle haben unter dem Strich zwei Dinge gemeinsam: sie alle sind irre gut gemacht, aber leider kein Stück bedrohlich. Da finden sich auch schon zwei der wichtigsten Punkte des ganzen Films: technisch ist er fast durchgehend vom feinsten, gefühlsmäßig aber kalt und leblos.
 


"Los, Moon Bloodgoods Szene, rück sie raus!"  

Dabei ist durchaus Material da um eine bewegende, emotional starke Geschichte zu erzählen. Connor allein ist als Figur schon deswegen prinzipiell äußerst interessant, weil er die Verantwortung über das Überleben der gesamten Menschheit trägt und schon sein Leben lang damit konfrontiert wurde. Bale gibt sich Mühe mit der Rolle, kann aber fast nichts daraus machen, da sie ihm fast keine Emotionen erlaubt. Der neue Connor ist ein verbitterter Soldat, der ähnlich wie seine Gegner fast nur darauf beschränkt ist, zu funktionieren. Für Liebe, Freundschaft, Kameradschaft ist kein Platz, was es unheimlich schwierig macht seine Figur dem Publikum näher zu bringen. Unverzeihlich ist beispielsweise, dass er nicht einen einzigen Ruhemoment mit seiner Frau bekommt, die derzeit auch noch schwanger von ihm ist, worüber aber kein einziges Mal ein Wort verloren wird. Es fehlt aber, um Connor als Figur auszubauen.

Was McGinty stattdessen versucht, ist es ihn über Radionachrichten als neuen Messias zu verkaufen, der von seinen Zuhörern Glauben verlangt, was eher unglücklich gelöst ist. Als beispielsweise eine Unterkunft mit vielen Gefangenen vom Militär gesprengt werden soll, bittet er die Soldaten es nicht zu tun; anstatt ihnen aber den offensichtlichen Grund dafür zu nennen, bittet er sie lediglich an seine Worte zu glauben - was ihn letztendlich als religiösen Spinner, nicht als taktisch vorbildliche Leitfigur erscheinen lässt.

Ebenfalls viel Potential hat Marcus' Geschichte, die etwa die Hälfte des Films einnimmt und auf den sich letztendlich auch der Filmtitel bezieht. Seine Story hat auf dem Papier die meiste Kraft, was allerdings niemals wirklich zur Geltung kommt. Neuling Sam Worthington hat zwar tolle Ausstrahlung (und wird spätestens nach Avatar und dem Remake von Kampf der Titanen 2010 zu den angesagtesten Jungdarstellern gehören), aber es ist vollkommen unverständlich, mit was für einem Tempo McGinty durch seine wichtigen Szenen eilt. Im Film hätte es locker Platz für viele eindrucksvolle Charakterszenen gegeben, die Zeit wollte man aber trotz der kurzen Laufzeit (unter zwei Stunden) scheinbar nicht dafür aufbringen.

Die beste Rolle im Film hat zweifelsohne Anton Yelchin (Chekov aus dem neuen Star Trek), der als junger Kyle Reese einfach großartig ist. Nicht nur, dass er sehr an Michael Biehn aus dem ersten Film erinnert, er schafft es auch noch in kürzester Zeit eine gleichzeitig mutige, zerbrechliche, ängstliche und vorbildliche Figur aufzubauen, der man unbedingt weiter folgen will. Spätestens wenn er anderen Menschen in aussichtsloser Lage tapfer Mut macht wünscht man sich, solche Szenen auch mit Connor zu haben. Er und Marcus sind leider auch die einzigen, die wirklich Chemie miteinander haben und auf der Leinwand zusammen funktionieren.

Drei weitere Figuren gibt es, die leider komplett misslungen sind. Da wäre die Pilotin Blair (Moon Bloodgood), die als einzige Verständnis für Marcus aufbaut und eine Bindung zu ihm hat; auch hier stört der Schnitt, denn die beiden bekommen so wenig Zeit miteinander, dass man ihr schnelles Vertrauen zu dem merkwürdigen Fremden nur schwer nachvollziehen kann. Barnes (Common) war im Script mal eine tragische Figur; ein loyaler Soldat, der nach dem Tod seines Bruders sein Leben für Connor geben würde und dem es nacher richtig weh tut, sich gegen einen beliebten Kameraden richten zu müssen. Im Film sind seine Szenen bis auf kleinste Randmomente aber komplett gestrichen, wodurch er völlig belanglos ist.

Fast schon peinlich ist Michael Ironside als Connors Vorgesetzter, der mit seinem Auftreten in einem U-Boot nicht wirklich ernstzunehmen ist (nicht einmal von den Figuren im Film selbst) und damit an seine Auftritte in Command & Conquer Zwischensequenzen erinnert.
 


"Alfred, hol den Wagen!"  

Action gibt es jede Menge, aber auch wenn die durchweg hervorragend gut gemacht ist, bleibt es bis zum Showdown eher schwach. Sämtlichen Actionmomenten fehlt es nämlich an Grip, was daran liegt, dass man sich nie wirklich um die Hauptfiguren sorgt und es weder Spannung, noch Fun, noch Coolness in diesen Momenten gibt. Da es zum ersten Mal auch keinen festen Antagonisten gibt, wirkt Skynets abwechselnder Maschinenpark zunehmend wie Gegner aus einem Videogame. In allen drei Teilen fand man stets auch den feindlichen Terminator immer interessant; war gespannt darauf, wie er es wohl als nächstes probieren würde. Hier haben die Maschinen aber keine Persönlichkeit, sind seelenlose Selbstschussanlagen.

Einzig der Endgegner weiß wirklich zu überzeugen. Der Kampf mit ihm fällt überraschend lang aus, ist sensationell gut gemacht (bis auf einen kleinen CGI Shot auf sein Gesicht, das wie aus einem PS3-Spiel wirkt, was aber nicht weiter schlimm ist da er es sofort verliert) und bringt zum ersten Mal echte Spannung auf da man kurzweilig die Ahnung verliert, wie der Kampf wohl ausgehen wird. Dass er unermesslich stark und alle anderen Terminator-Modelle davor wie echtes Kinderspielzeug aussehen lässt, macht es nur umso besser. Allein für den Endkampf lohnt sich der Eintritt also schon.

Dann gibt es wiederum viele Kleinigkeiten, die nur schwer zu verstehen sind und den Spaß Stück für Stück mindern. Zum Beispiel haben die Terminator auf einmal interne Stimmen, die bei jedem Perspektivwechsel platt die Lage erklären. Es ist einfach ungemein störend, wenn ein Moto-Terminator auf dem Highway ausweicht und man dann in sanfter Stimme zu hören bekommt*: "berechne Ausweichmanöver". Wofür? Unsinnig, überflüssig. Was ebenfalls stört: Skynet selbst. Bislang indirekt im Hintergrund agierend, bekommt es hier erstmals Gesicht und Gespräch mit einer der Figuren, was aber nur zum Kopfschütteln ist.

Nicht nur, dass es beileibe nicht so faszinierend aussieht wie all die Jahre mal erhofft, ist das Gespräch ein einziger Dr. Evil "Ha-Ha, ich erkläre dir mal meinen genialen Plan"-Moment, der dümmer nicht sein könnte. Die Motive und Handlungen der ach so genialen künstlichen Intelligenz fallen dabei auch nicht immer wirklich logisch aus.

*Anmerk. d. R.: wie uns ein aufmerksamer Leser mitteilte, soll dies nur in der deutschen Fassung so sein. Besten Dank also an die Synchronisation.
 


Mickey Rourke sah auch schon mal besser aus.  

Schade ist auch, dass das Setdesign nichts wirklich Besonderes ist. Technisch ist es zwar grandios als trockene Trümmerlandschaft, aber von einem kreativen Standpunkt aus sieht alles komplett langweilig aus. Was beispielsweise fehlt und im Vorfeld groß angekündigt war, ist das pflanzliche Zuwachsen der Stadt wie bei I am Legend.

Ebenso bleibt der Soundtrack hinter den Erwartungen zurück. Danny Elfman, der mit Scores wie Batman, Spider-Man und Nightmare Before Christmas schon tolles komponiert hat, bringt in Terminator 4 zwar Atmosphäre, aber kein einziges wirklich ansprechendes Thema hinein. Eine Katastrophe, überlegt man, wie wichtig die Scores aller drei bisherigen Filme waren.

Schlecht? Nein, richtig schlecht ist der neue Terminator nicht, das kann man nicht sagen. Er bleibt nur immens hinter den Erwartungen zurück, was in erster Linie am unverständlichen Schnitt liegt. Ein anderer Filmemacher könnte mit einigen kleineren Änderungen, ein paar Auslassungen und rund 30 Minuten an weiteren Charakterszenen spielend einen wesentlich besseren Film draus machen, aber das ist Terminator 4 so noch nicht. Bleibt also zu hoffen, dass vielleicht noch ein neuer Cut auf DVD folgt.

T4 ist insgesamt ein relativ unterhaltsamer Science-Fiction Actioner geworden, der nicht an seine großartigen Vorgänger anschließen kann. Ob der nächste Teil besser wird? 4 legt jedenfalls nur wenige Grundlagen für den nächsten Teil und stellt es dem nächsten Regisseur relativ frei, eigene Wege zu gehen - was auch passieren sollte. McGintys Terminator ist für sich kein Reinfall, aber im Sinne der Reihe sei gehofft, dass beim nächsten besser ein anderer am Drücker ist.

Fazit:
Terminator 4 hat große Fußstapfen zu füllen, kriegt das aber nicht hin. Insgesamt eine zwar überdurchschnittlich gute, aber insgesamt nicht weiter bemerkenswerte Rückkehr.

7 / 10

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