Story:
Das Jahr 2018. Der Krieg gegen die Maschinen tobt noch immer und steht
kurz davor, eine drastische Wende zu erfahren. Während Connor und seine Leute
händeringend versuchen den Aufstand zum Sieg zu führen, eilt ganz woanders ein
Mann namens Marcus umher, der als letzte Erinnerung
die Todesstrafe vor dem Judgement Day hat....
regie :
joseph mcginty
cast :
christian bale, sam worthington
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Ach Hollywood. Wenn es
um Remakes, Reboots, Franchise-Erweiterungen geht, oder kurz, wenn es um
Geldscheffelei geht, ist man in Tinseltown aktuell reichlich schnell
entschlossen und zieht es konsequent durch. Beim kläglichen Rest wird dagegen
uneindeutig herumgeeiert, zum Beispiel wenn es darum geht, als was man einen
neuen Blockbuster denn jetzt verkauft. Man will ja keiner Zielgruppe zu fest auf
die Füße treten, sondern erreichen, dass auch weiter die Massen ins Kino rennen.
So produziert man dann gerne mal den größten gemeinsamen Nenner als eine krude
Mischung aus Fortsetzung, Spin-Off, Reboot und Ähnlichem. So fühlt sich dann
leider auch der neue „Terminator“ in einigen Momenten an.
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"Dom?"
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„Come with me if you want to
live.” Wem da kein Licht aufgeht, hat grundlegende Dinge der Filmgeschichte
verpasst. Dann springt ein böser Terminator motorisiert von einer Brücke, auf
die eine Ebene tiefer fahrenden Helden – na, kommt nicht auch das bekannt vor?
Und schließlich wird sogar das von der Popkultur inflationär häufig bemühte
„I’ll be back.“ noch mit aller Gewalt in den Film gekickt. Ja wo sind wir hier
denn? Terminator 4 und alles wie gehabt? Selbstzitate die irgendwann nerven und
sogar Arnold ist irgendwie untot wirkend wieder dabei.
Der Continuity wegen, weil’s ja Sinn macht. Und ja, auch wenn der Digitaleffekt
nicht ganz gelungen ist, so kommt das Schwarzeneggers 80er Jahre Aussehen schon
irgendwie nahe. Aber Leute, entscheidet euch doch mal. Entscheide dich, Joe
McGinty, ob du tatsächlich als „McG“ weiter Karriere machen willst. Und
entscheide dich, Terminator 4, ob du nun grundlegend anders bist, oder doch
ständig die Puristen unter den Fans und Zuschauern füttern willst, die ja am
liebsten wieder nur Arnold samt Pumpgun hätten sehen wollen.
„Salvation“ ist eigentlich mit keinem vorherigen Teil der Terminator-Reihe
vergleichbar. Mit keinem. Der Film funktioniert komplett eigenständig und
erzählt eine komplett neue Art von Terminator-Geschichte. Entsprechend sind
diese Zitate gar nicht notwendig und entsprechend anders fühlt sich die ganze
Sache auch an. „Nanu“, mag man sich anfangs vielleicht noch fragen, als wir
einen kurzen Abstecher in die Vergangenheit machen. Aber nachdem uns eine
Satellitenanlage in glorioser Tricktechnik feurig um die Ohren schlackert, sind
wir mittendrin.
Mitten im Krieg mit den Maschinen, den sich andere Fans ja auch irgendwie schon
herbeigesehnt hatten, seit James Cameron erstmals Totenschädel unter schweren
Kettenfahrzeugen zerbersten und Laser durch die dunkelste Düsternis zucken ließ.
Aber weil uns John Connor ja im Trailer mitteilen musste, dass dies nicht die
Zukunft ist, vor der seine Mutter ihn gewarnt hatte, präsentiert sich die
Szenerie gänzlich anders. Das Zitat mit dem berstenden Schädel gibt es aber
dennoch, womit wir wieder beim Anfang wären und zur kompletten Uneindeutigkeit
fehlen dann nur noch die nicht sehr stilvollen Texttafeln zur Orientierung, die
jedoch nichts erzählen, was nicht eh bekannt sein müsste für den 4. Teil einer
Reihe, oder was nicht eh leicht durch den Kontext zu erschließen wäre.
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"Los, Moon Bloodgoods Szene, rück sie raus!"
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Es gibt wenige bis gar keine
Laser, keinen einzelnen Terminator und ein Großteil der Szenen spielt bei
Tageslicht, in teilweise noch recht intakten Landschaften. Besagte
Satellitenanlagen, schmutzige Baracken und offene Hangars einer eindeutig zu gut
– und zu offen – präsentierten Menschenmilitärpräsenz. Atmosphärisch ist das
dennoch; packend und gut, denn die Ausstattung leistet Beachtliches und wenn man
sich vorstellt, dass wir wohl noch im Umschwung stecken, irgendwo zwischen
„Judgement Day“ und totaler Zerstörung, sieht das sogar richtig klasse aus.
Dreckig, roh, verwahrlost – die cineastische Postapokalypse und das durchaus
authentisch, sofern man das überhaupt so behaupten kann.
Die erste Hälfte ist wohl eh der gelungenere Teil des Films. Wir folgen
wahlweise Fremdling Marcus oder den Widerständlern inklusive John Connor, die
sich verschanzen und im 5-Minuten-Takt einem Angriff ausgesetzt sind. Die
Einheiten der Maschinen wurden ebenfalls erweitert und rocken in
tricktechnischer Oberklasse die Hütte. Hunter-Killer, T-600 mit Mini-Gun – ein
ums andere Mal sehr unterhaltsam und besonders beim Angriff des Harvesters, des
großen Sammelroboters, kracht es durchaus stilsicher auf der Leinwand und die
Soundkulisse bebt freundlicherweise mit.
Dass „McG“ – er hat es ja so gewollt, mit dem Namen – stilistisch in irgendeiner
Weise den drei Charlie Engeln nahe kommt, war eh reichlich unbegründete Angst,
aber einige Actionszenen sind wirklich mehr als gelungen, auch weil man sie
sieht. Die Schnitt-Epilepsie hält sich eher in Grenzen, die Örtlichkeiten sind
übersichtlich gefilmt und strukturiert und die Effekte sind präsent, nicht per
Wischtechnik kaschiert. Das macht tatsächlich Spaß.
Die Terminator-Motorräder mögen als Idee vielleicht etwas seltsam wirken, aber
ihre Szenen haben dennoch das nötige Tempo, die Dynamik und den Wumms. Was
Connor gegen Ende jedoch mit einem der Dinger macht, schreit einfach nach
ärgerlich auffälliger Unlogik. So viel Weitsicht muss sein, dass man manche
Dinge nicht einfach im krachigen Effekt-Spektakel unterschlägt. Ein Spektakel
welches – um das noch mal zu betonen – technisch absolut Freude macht und
durchaus gekonnt inszeniert ist.
Gerade die zweite Hälfte baut dann aber doch irgendwie ein bisschen ab. Nicht zu
tief, aber schon mehr als zu hoffen war. Zunächst sorgen die Anflüge von
Romantik in Form gestelzter Dialoge für kalte Schauer, dann übertreiben es die
Menschen mit der Ballerei und als dann zum Marsch auf Mordor, also Skynet,
geblasen wird, geht es mit der Logik echt ein wenig bergab. Da kommen ein paar
Szenen, die in der Form einfach nicht sein müssen. Das Verhalten der Maschinen
ist widersprüchlich oder schlicht dumm, das Aussehen der Örtlichkeiten in der
Skynet-Zentrale wirkt zu sehr wie für Menschen gebaut und als uns dann eine
ganze Palette an Twists und bösen Umkehrungen in aufdringlicher Erklärbär-Manier
präsentiert wird, ist der gute Eindruck irgendwie etwas in Mitleidenschaft
geraten.
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"Alfred, hol den Wagen!"
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„Terminator“ war nie eine reine
Hirn-aus-Reihe zur bloßen Unterhaltung. Nachdenken war durchaus erlaubt, wenn
nicht sogar ausdrücklich erwünscht und so litt Teil 3 unter Niveau-Abfall und so
dürfen bei diesem Teil eben einige der Macken angemerkt werden. Da passt so
Manches nicht so ganz sinnig zusammen und lässt wohl auf die vielen
Drehbuchänderungen schließen, von denen im Vorfeld zu hören war. Und so cool und
spannend und actionreich und klasse das Action-Finale mit einem klaren Gegner
auch ist, es verhehlt nicht, dass hier ein klarer Antagonist fehlt und dass es
an klar definierten und gelebten Figuren mangelt. Die Storyline selbst macht es
für einen klaren Gegner, nach Vorbild der alten Teile, zwar schwer, aber Skynet
ist zu sehr die allgemeine, weitgehend gesichtslose Bedrohung aus Stahl und
Schaltkreisen und die Menschenfiguren können das nicht kompensieren.
Connor und Marcus werden zunächst parallel gezeigt, dann zusammen und während
Marcus zwar ein paar ganz interessante Ansätze zu Identität, Menschlichkeit und
Schuld aufwirft – die aber dennoch auch gerne stärker hätten herausgearbeitet
werden können -, ist John Connor nur ein griesgrämiger Kämpfer, der mal
entschlossen blickt und dann ins Funkgerät brüllt. Warum er der vermeintliche
Prophet ist, die vielleicht einzige Hoffnung der Menschheit, erklärt sich nur
durch die Kenntnis der ersten drei Teile, nicht jedoch durch diesen Film. Das
liegt wohl am Drehbuch, nicht an Christian Bale.
Hinter ihm ist es nicht viel besser. Die Obermilitärs dreschen Phrasen, während
Moon Bloodgood versucht kess zu sein, aber nur blass bleibt. Noch schlimmer
ergeht es der eigentlich talentierten Bryce Dallas Howard als Connors Frau.
Starke Emotionen für den Vater ihres noch ungeborenen Kindes sieht man ihr zu
selten an. Sie ist eigentlich nur damit beschäftigt, John zuzuhören, darf ein,
zwei Mal entscheidende Fragen stellen und druckst ansonsten wortarm im
Hintergrund herum, aus dem Rapper Common immer mal wieder auftaucht, um brummend
auf’s Maul zu geben. Brummend, wie es fast alle Personen hier tun. Ein jeder
versucht, mit möglichst viel Rotz in der Kehle möglichst unheilschwanger
bedeutsame Reden zu schwingen, um es mächtig dramatisch klingen zu lassen. Anton
Yelchin gibt dafür einen durchaus interessanten Kyle Reese. Angenehm jugendlich,
natürlich und sympathisch, ohne zu sehr die Witzkarte zu ziehen, die in diesem
sehr, sehr ernst gehaltenen Film eh nur ganz selten wirklich funktionieren kann.
Leider kommt Reese nicht sonderlich lange vor. Dem ganzen Film hätte etwas mehr
Laufzeit, etwas mehr Geduld für die Ausarbeitung von Figuren, Handlung und
Charakteren gut getan. Stattdessen werden die guten Ideen rasch verwurstet und
durch penetrant übertriebene Symbolik auch dem Langsamsten verklickert, wie z.B.
in der fast letzten Szene. So kann’s gehen. Spaß kann man mit dem neuen
Terminator dennoch haben.
Fazit:
Der neue Terminator ist eine ganz schwierige Kiste. Eigentlich wird eine ganze
Menge richtig gemacht und besonders die Richtung in die es geht, die inhaltliche
Abgrenzung zumindest vom Schema der ersten Teile, ist begrüßenswert.
Dazu ist der Film actionreich, rasant, vor guter Tricktechnik (nicht nur
digital) strotzend und macht immer wieder Spaß. Eine zweite Hälfte mit immer
mehr blöden Ideen, mit Pannen in der Logik und ein Gesamtgefüge aus verschenktem
Charakterpotential und unrunder Story, trübt die Freude doch ein wenig.
6,5 / 10
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