BG Kritik:

The Texas Chainsaw Massacre


von Christian Mester

The Texas Chainsaw Massacre (US, 2003)
Regisseur: Kim Henkel
Cast: Jessica Biel, R. Lee Ermey, Andrew Bryniarski

Story:
Auf dem Weg zu einem Lynard Skynard Konzert stoßen Erin (Jessica Biel) und ihre Freunde in der Einöde von Texas überraschend auf eine blutverschmierte Anhalterin, die sich in ihrem Wagen unerwartet das Leben nimmt. Verstört versuchen sie also die örtliche Polizei aufzusuchen, doch der Sheriff der Gegend, Hoyt (R. Lee Ermey) entpuppt sich als Kopf einer Familie von Verrückten...


Um Himmels Willen, Texas Chainsaw von Michael Bay produziert? Überraschend awesome.

Fast hätte Dolph Lundgren Leatherface gespielt


Als bekannt wurde, dass Popcorn-Chefkoch Michael Bay ein frisches Remake des Horrorklassikers "The Texas Chainsaw Massacre" produzieren würde, waren Genrefans durch die Bank weg sofort der gleichen Meinung: um Gottes Willen! Es konnte eigentlich nur schief gehen, da es auch absolut nicht nachvollziehbar sein wollte, wie der Hochglanz verwöhnte Mainstreammacher einen der größten Klassiker würdig zu nachmachen gedachte, der zudem gerade wegen seiner günstigen Mittel und rohen, harschen Inszenierung Kultstatus genießt.

Umso größer also die Überraschung, als die ersten Teaser und Trailer einen wirklich akzeptablen Eindruck hinterließen und der Film dann keineswegs schlecht, sondern - im Gegenteil - hervorragend wurde. Er erreicht sein großes Vorbild zwar nie ganz, kann sich aber dennoch locker einer der besten Horrorfilme der Dekade 2000-2010 nennen. Angefangen mit den Helden, ist Jessica Biel in der weiblichen Hauptrolle schlichtweg phänomenal. Nicht nur, dass das hübsche, ehemalige Mitglied der extrem christlichen Fernsehfamilie "Eine himmlischen Familie" äußerst fotogen ist, so schafft sie es beträchtlich, sich von der Reihe der "hübschen Opfer, die vor maskierten Killern weglaufen" abzusetzen. Was sie macht, ist der Rolle eine mitreißende Intensität verleihen - als sie später etwa schlotternd und klatschnass vor Ol' Leatherface flieht, bangt man um sie und ist tatsächlich gefesselt und sieht ihr ins Gesicht, statt nur aufs weiße Shirt - und entspricht mal nicht dem blöden Klischee dummbeuteliger Mauerblümchen. Sie erreicht zwar nicht ganz die Mark erschütternden Schreie von Marilyn Burns, die während der Dreharbeiten des Originals Blut, Wasser und andere Körperflüssigkeiten heulte, schwitzte und verlor, gibt aber alles und das sitzt. Weniger Bühnen bekommen ihre Kollegen, die allesamt nicht schlecht sind, aber nicht viel zu tun bekommen. Jonathan Tucker (Ruinen) fällt davon noch am ehesten positiv auf, da er ein extrem ängstlicher Charakter ist und dies sehr überzeugend darstellt.

Viggo Mortensen, Renee Zellweger und M. McConaughey spielten in den alten Teilen mit


Der neue Leatherface? Sehr effektiv und toll gespielt von Andrew Bryzianski, der den smarten Nichtvegetarier mit Vorliebe für Holzfällerwerkzeug zu einem wirklich monströs einschüchternden Kollegen macht. Jeder seiner Angriffsmomente ist furchterregend und seine wuchtige Erscheinung wünscht man gewiss niemanden auf den Leib. Die Show stiehlt ihm bei all der Kettensägerei allerdings fast sein Stiefpapa, denn "Full Metal Jacket" Ausbilder R. Lee Ermey (das R. steht für Ronald) lässt zum zweiten Mal bitterböse stramm stehen: er spielt den Sheriff als garstigen, gnadenlosen, ekligen und grausamen Soziopathen, der die jungen Leute schon allein mit seinen Blicken gezielt in Schach hält. Was Ermey hier abliefert, schließt sich in Sachen Durchtriebenheit schon fast an seine Kultfigur Srgt. Gunnery Hartman an, der ebenfalls als tickende Zeitbombe zu treffen wusste. Als Sheriff ist er zwar ruhiger, wirkt dadurch aber keineswegs entschärfter; im Gegenteil, er wirkt wie ein knurrender Dobermann, der jeden Moment losgeht und einen verdammten Revolver zieht.

Script und Umsetzung stehen dem übrigens in Nichts nach. Marcus Nispel, der zuvor den eher brotarmen "Frankenstein: Auf der Jagd nach seinem Schöpfer" gemacht hat, trifft hier mit einer rustikal verdreckten Rostoptik, die das texanische Farmland als unheilvollen Ort darstellt genau den richtigen Nerv. Natürlich sieht nichts so verkommen aus wie im Original, in dem tatsächlich alles verkommen war und nur wenig künstlich hergerichtet wurde, aber es überzeugt. Der deutsche Nispel, der mit "Pathfinder: Die Fährte des Kriegers" und seinem "Freitag der 13ten" schon zwei weitere Remakes auf dem Gewissen hat und als nächstes auch noch "Conan" neu auflegt, nutzt die Optik für immer neue starke Shots, wobei vor allem "Bring es, Junge, bring es", die zweite Maske, das gruselige Intro/Outro und der Showdown in der Schlachterei vielen Horrorfans noch lange in Erinnerung bleiben werden. Was die Story betrifft, lässt sich feststellen, dass man lediglich die Grundzüge und einige der Namen übernommen hat - was genau wo und wie geschieht, wurde komplett geändert, weswegen das Remake dank eigenem Stil und eigener Story definitiv seine Daseinsberechtigung erhält. Ebenfalls hervorragend gelungen ist der Soundtrack und das Sounddesign, die beide kraftvoll und nie zu überladen für Atmosphäre und gesunde Schauer sorgen.

The Texas Chainsaw Massacre: Blutgericht in Texas (1974)
The Texas Chainsaw Massacre 2 (1986)
The Texas Chainsaw Massacre 3: Leatherface (1990)
The Texas Chainsaw Massacre 4: The Next Generation (1994)
The Texas Chainsaw Massacre (2003)
The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006)
Texas Chainsaw (2013)

Fazit:

Schön schaurig, schick und schauspielerisch top: "The Texas Chainsaw Massacre" mag zwar nur ein Remake sein, ist aber ein sauguter Horrorfilm.

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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