Story:
Der Kanadier Richard Hannay
trifft bei einer Veranstaltung in der Londoner Music Hall eine Frau, die vor
ausländischen Agenten flüchtet. Hannay bringt die Fremde in seiner Wohnung
unter. Kurz darauf ist sie tot und Hannay auf der Flucht, als man ihn des Mordes
verdächtigt. Wer hat die Frau wirklich umgebracht und was sind ‚Die 39 Stufen’?
regie :
alfred hitchcock
cast :
robert donat, madeleine carroll
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Zu Beginn
suggeriert uns Alfred Hitchcock noch das Gefühl eines klassischen Thrillers.
Eine Varieté-Veranstaltung, schaler Humor, ein Schuss, Chaos und eine Dame in
Not. Geheimagenten seien hinter ihr her, sagt sie und so nimmt Hannay, ein
Ausländer, sie mit in seine Wohnung. Anrufe unterstreichen die Bedrohung, Hannay
glaubt der holden Maid nicht so recht und der Mord ist so grotesk wie
schockierend. Dann, wenn Hannay vor der Polizei flüchtet, sich auf Titelseiten
wieder findet und als vermeintlich einzig Wissender der Verschwörung auf die
Spur kommen will, ändert sich der Film.
Man unterschätzt häufig die Relevanz, die der Humor in Hitchcocks Oeuvre
gespielt hatte. Der ‚Master of Suspense’ war ein Spaßvogel, der gerne arg
abstruse Streiche spielte und seinen kindisch-albernen oder schmutzigen Humor
gerne auch auf die Leinwand brachte. „Psycho“ bezeichnete er beispielsweise – ob
ernst gemeint oder nicht – als Komödie. „The 39 Steps“ kommt zu einem Großteil
als Screwball-Komödie daher: Ein Mann und eine Frau, die sich augenscheinlich
nicht ausstehen können, sich foppen und necken und eigentlich doch mögen. Das
mag in der heutigen Zeit abgestanden und altmodisch klingen, doch wer Filme wie
„Bringing up Baby“ gesehen hat, sollte die Qualitäten zu schätzen wissen.
Hauptfigur Hannay ist ein lässiger Typ, der in fast jeder Situation noch einen
flotten Spruch auf den Lippen hat. Das ist wahrscheinlich unrealistisch, aber
spaßig und hält das Tempo hoch. Unterhaltung und Tempo waren Hitchcock stets
wichtiger als Logik und Realismus. Schon die erste Szene zwischen Hanney und
seinem weiblichen Konterpart Pamela macht Spaß. Im Zug zwingt er sich ihr auf,
dann scheinen sich ihre Wege zunächst zu trennen. Die Schottland-Episode wirkt
wie ein kleiner Film-im-Film, so schnell kommt und geht diese Episode, deren
einziger, die Handlung fördernder Zweck ein unwahrscheinlicher Schabernack ist.
Höhepunkt des Spaßes ist sicherlich die Flucht in Handschellen mit
anschließendem Hotelaufenthalt, in dem Hitch genüsslich mit Klischees und
schlüpfrigem Witz spielt.
Natürlich aber ist der Film spannend, nur nimmt er sich zu wenig ernst, um als
beinharter Mysterythriller durchzugehen. Es geht um Mord, eine Blaupause von
Bedrohung strahlt Gefahr aus, es gibt Anhaltspunkte und die Schnitzeljagd führt
Hannay, als typische Hitchcock-Figur des unschuldig Verfolgten, durch halb
Großbritannien, ans Rednerpult einer Politikerversammlung und schließlich zurück
zu dem Künstler vom Anfang, aus der Music Hall.
Die 39 Stufen, die Gruppe, sind ein MacGuffin wie er im Buche steht. Die
Auflösung kommt schnell und mag abstrus erscheinen und ist kaum mehr relevant,
weil der Weg das Ziel ist und der Weg enorm unterhaltsam und kurzweilig war. Der
Film ist auffällig konstruiert und das erscheint oft irreal und unlogisch. Der
Humor, die Erotik, die Frauenfiguren und die Zufälle, all dies macht die
Realitätswirkung des Films zunichte. Ob Hannay nur seine Fantasien auslebt, oder
ob Hitchcock nur seine Fantasien auf Film bannt, das Ergebnis macht Spaß, ist
spannend und zugleich augenzwinkernd. Und auch technisch ist Hitchcock wieder in
seinem Element.
Fazit:
Enorm unterhaltsamer
Thriller-Spaß vom Meister. Die Handlung mag unlogisch und konstruiert
erscheinen, doch der Screwball-artige Spaß, die zündenden Dialoge und die
Spielfreude der Darsteller lassen dies vergessen. Der restliche Film ist eine
spannende Schnitzeljagd mit einigen Wendungen.
8 / 10
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