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KRITIK:
THE BOX


Regie: Richard Kelly
Darsteller: Cameron Diaz, James Marsden
Release: 2010


von Christian Mester


Story:
Durch einen einzigen Knopfdruck reich und sorgenfrei werden – Ende der 70er bekommen eine Lehrerin (Cameron Diaz) und ein Wissenschaftler (James Marsden) die Chance auf das große Geld. Drücken sie einen Knopf, bekommen sie eine Million Dollar geschenkt, müssen dann allerdings mit dem einen Gedanken leben, dass ein Mensch dafür sein Leben verliert. Wie es die Story verlangt, drückt einer von beiden den Knopf, nicht ahnend, welche Konsequenzen es nach sich zieht…

THE BOX kostete 30 Millionen Dollar und spielte
25 wieder ein

Kritik:
Als 2001 ein kleiner Film namens „Donnie Darko“ erschien, ging ein nicht unbeachtliches Raunen durch die Menge. Die ungemein spannende, großartig inszenierte und toll unterlegte Mystery-Geschichte, die Jake Gyllenhaal („Jarhead“, „Prince of Persia“) zum Star machte, fand Fankult und ließ den damals erst 26jährigen Autor und Regisseur Richard Kelly zu einem der strahlendsten Newcomer am Filmemacherhimmel werden. Sein zweiter Film, „Southland Tales“, schmierte zu aller Verwunderung schrecklich ab. Einer der größten Flops des Jahres an den Kassen, zerrissen Kritiker seine überladende Sci-Fi Gesellschaftssatire mit Justin Timberlake, The Rock, Stifler und Sarah Michelle Gellar derart harsch, dass einige gar vermuteten, Kelly würde nie wieder etwas Neues drehen. 2009 brachte er  nun wacker seinen dritten Film in die Kinos, der aufgrund erneut disaströser US-Einspielergebnisse hierzulande nur auf DVD erscheint. Gerechtfertigt?

In seinen ersten 30-40 Minuten ist „The Box“ noch genau das, was Trailer, Vorschau und Klappentext vermuten lassen. Ein neugierig machender Kniffler, der gespannt raten lässt, was sich wohl hinter jener geheimnisvollen Box verbergen mag, woher sie kommt, wer sie gebaut hat, was sie bezweckt und was sie wohl auslöst. All das wird nach besagten 30-40 Minuten nach und nach verraten - und damit geht's steil bergab.

Frank Langella (Arlington Steward) spielte Skeletor
in MASTERS OF THE UNIVERSE.

“The Box“, muss man wissen, basiert auf einer Kurzgeschichte namens „Button, Button“ aus den 70ern, die für den Film inhaltlich fast komplett übernommen wurde – allerdings nur für den Einstieg. Alles, was darüber hinaus passiert und sämtliche Fragen über jene Box klärt, stammt aus Kellys eigener Schreibe… und da kotzt der Bär in den Mülleimer. Was als packende Ermittlung mit Entführungen, unheimlichen Begegnungen, Sutherland-Gedenkszenen laufenden Nasen und Rex-Gildo-Tapeten beginnt, fällt schnell vom Tisch, splittert und offenbart nur offenbaren Blödsinn. Ohne Konkreteres zu verraten, sei zumindest verraten, dass die größten Geheimnisse bereits recht früh aufgeklärt werden.

Von ganz weit weg betrachtet sind die grundsätzlichen Motive noch annehmbar, doch genaueres Beschäftigen damit – und das tun die beiden Hauptdarsteller den gesamten Film über – zermürbt den Gesamteindruck immer weiter. Das Problem ist, dass das gesamte Experiment Box genau genommen keinen Sinn macht. Im Ansatz vielleicht noch, aber die Ausführung ist kompletter Schaschlik. Zum einen wird das besagte Experiment gezielt von äußeren Einflüssen verfälscht und damit logischerweise auch das gewünschte Endergebnis, wodurch es keinen Sinn macht, das Experiment überhaupt zu veranstalten; zum anderen haben die möglichen Konsequenzen wenig Sinn, oder gar, Gewichtung in Anbetracht des größeren Rahmens. Wird einem das klar, und das tut es, da „The Box“ trotz aller Mysterien stets leicht verständlich bleibt, nimmt es dem Film direkt an Spannung. Die hätte man durch Unberechenbarkeit der Testobjekte locker wieder aufbrechen können, doch einmal angesetzt, bewegen sich Cameron Diaz und James Marsden (Cyclops aus „X-Men“) trotz guter Darbietungen auf langweiligen Schienen auf ein fürchterlich absehbares, bereits im Vorfeld gespoiltes Ende zu.

Gut ist auch Frank Langella (Nixon aus „Frost/Nixon“, Kritik), der den mysteriösen Überbringer der Box spielt, doch auch er bleibt letztendlich eine leere, und wenn man aufpasst, unbedeutende Figur, die nicht viel mehr macht als freundlich reine Exposition runterzurasseln (in einer anderen Dimension hätte Morgan Freeman diese Rolle gespielt). Horror, Action? Weder, noch. „The Box“ fängt leise und langsam an und bleibt den ganzen Film über in einem sehr gemächlichen Tempo stecken, ohne jemals einen Höhepunkt zu erreichen.
 


Entgegen aller inhaltlichen Schwächen ist es dafür ein sehr wundervoll inszenierter Film, der die Epoche der 70er Jahre glaubhaft und ansehnlich ins Leben ruft. Es ist schade, dass Kelly nicht mehr aus dem interessanten Setting der 70er Jahre, der frühen NASA-Forschung und der damaligen Paranoia vor der Regierung, der NSA und CSI macht. „The Box“ verliert rasch sein Zuschauerinteresse an Figuren und Handlung, bis man am Ende, mehr oder weniger wortwörtlich, zwischen schlechten Effekten und undramatischer Auseinandersetzung mit beidem Baden geht. Kelly erweist sich neben seiner Optik zumindest einmal mehr als Mann mit gutem Geschmack für Vertonung, da der Score entführt und teilweise hitchcockesque klingt. Alle Elemente sind hervorragend und wirken wie die Box im Film – mysteriös, schick geschnitzt, das Holz riecht und klingt nach richtig guter Eiche, aber aufgemacht, ist nichts drin.

Fazit:
Die ersten 20 Minuten Handlung, die es auch in der eigentlichen Kurzgeschichte gab, sind klasse und spannend umgesetzt. Die anderen 80 aber, die Kelly selbst dazu erfand? Verworren und effektlos. Ein ansehnlicher Fehlgriff.

3.5 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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