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Film Kritik
 
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The Chaser

Story:
Zuhälter Joong-hos Kapitalanlage wirft leider nicht den Gewinn ab, den er sich erhofft hatte. Einige seiner Mädchen sind verschwunden, so dass ihm nur noch die kranke allein erziehende Mutter Mi-jin bleibt, die Geld heranschaffen kann. Die Handynummer des Freiers kommt ihm aber seltsam bekannt vor. Haben sich nicht auch die anderen Nutten mit diesem Kunden getroffen? Der Ex-Cop vermutet eine Verschwörung. Hat der Freier die Mädchen etwa verkauft? Doch die Suche entwickelt sich plötzlich zu einem Wettlauf auf Leben und Tod. Denn der Kunde ist ein psychopathischer Killer, und Mi-jin immer noch bei ihm ...

regie :
na-hong jin
cast  : kim yoon-seok, ha jung-woo
kritik : tobias hohmann
 

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Kritik:
„The Chaser“ ist ein exzellent gespielter und inszenierter Thriller - ein weiteres, südkoreanisches Meisterwerk vom Schlage eines „Oldboy“ ist er jedoch nicht.
 


Trotz Taxi und Chris Cornell im CD-Player stieg Tom Cruise
bis heute nicht ein.

Südkorea hat sich in den letzten Jahren als Filmmetropole etabliert. Filme-macher wie Chan-wook Park oder Joon-ho Bong schafften dabei auch das Kunststück, nicht nur in ihrer Heimat, sondern weltweit erfolgreich zu sein. Filme wie „Sympathy for Mr Vengeance“, Memories of a murder“, „The Host“ oder eben insbesondere auch “Oldboy” wurden begeistert aufgenommen und gaben dem jeweiligen Genre neue Impulse. Mit „The Chaser“ versucht nun der Newcomer Na-Hong jin, der sowohl Regie führte als auch das Drehbuch schrieb, dem recht ausgelutschten Serienkillerfilm neue Seiten abzugewinnen – mit Erfolg.

„The Chaser“ basiert auf wahren Begebenheiten: In den Jahren 2003/2004 wurden in Seoul 21 Menschen getötet, hauptsächlich Prostituierte. Obwohl der Film nicht darauf verweist, ist das der Ursprungskern der Geschichte. Doch diese steht in diesem Fall – trotz eines überwiegend hervorragenden Drehbuchs – nicht im Vordergrund. Vielmehr definiert sich „Chugyeogja“ [Originaltitel] über seine beiden Hauptprotagonisten. Das Drehbuch lässt beiden Figuren Zeit sich zu entwickeln, andere Facetten zu zeigen und die beiden Akteure nehmen diesen Ball gerne auf und zeigen eine perfekte Vorstellung.

Na-Hong jin traut sich die Bezeichnung eines Antihelden neu zu definieren: Wenn der Ex Cop zu Beginn eingeführt wird, ist er unsympathisch und unmoralisch bis an die Schmerzgrenze. Die Wandlung die die Figur Joong-ho im Laufe des Streifens durchmacht ist erstaunlich, dabei aber stets nachvollziehbar und wird von Kim Yoon-seok überragend dargestellt. Aber auch sein Gegenüber Ha Jung-woo, der den Serienmörder spielt, ist exzellent besetzt und geschrieben. Es ist nicht irgendein Wahnsinniger, der irgendwelche perfiden Pläne hat oder Spielchen spielen will – er hat einfach nur Spaß am morden, und genau diese Mitleidlosigkeit, diese Unberechenbarkeit macht seine Figur so abschreckend. Unscheinbar, fast schon unauffällig spielt Ha Jung-woo diese Figur, nur um im nächsten Moment die andere, brutale Seite des Charakters von der Leine zu lassen. Insbesondere seine Vernehmung auf dem Polizeirevier wird in Erinnerung bleiben und ist sicherlich eines der Highlights des Films. Mit welcher Gleichgültigkeit er über seine Taten spricht, lässt einen erschaudern.

Selbiges gilt für den Härtegrad: „The Chaser“ wird auch den abgebrühtesten Genrekenner das eine oder andere mal zusammen zucken lassen, und das – so paradox das auch klingen mag – obwohl man nicht allzu viel sieht, und die Taten eher im Off passieren. Doch durch die realistische, rauhe Inszenierung und die gelungene Charakterisierung der Figuren, wirkt das Gesehene nach und bietet wohl das beste Beispiel dafür, das weniger manchmal auch mehr sein kann. Die Gewaltszenen sind wirklich verstörend und alles andere als Mittel zum Zweck, wie derzeit üblich.
 


"Haltet ihn, er hat Beta-Keys für Starcraft 2!"

Inhaltlich wagt „The Chaser“ einen Balanceakt, indem er einige Seriekillerklischees aufnimmt, sie allenfalls variiert, aber auch andere Konventionen mit Begeisterung bricht. Das wirkt teilweise etwas uneinheitlich, lässt das Geschehen aber stets unvorhersehbar bleiben und führt den Zuschauer ein ums andere mal an der Nase herum. Dabei ist der Film durchaus mehr als nur eine bloßes Katz und Maus Spiel, sondern bietet durchaus auch Tiefgang und will ganz offensichtlich mehr als „nur“ ein gelungener Thriller sein – manchmal zuviel, aber dazu später mehr.

Na-Hong jin gönnt sich den Luxus, ein ums andere Mal das Tempo zu variieren bzw. ganz heraus zu nehmen, nur um es dann ein paar Szenen später erbarmungslos wieder anzuziehen – bei einer Laufzeit von 123 Minuten kein Problem. Die letzten 30 Minuten sind dann unerbittlich und gehören sicherlich
zu den intensivsten Momenten, die man in den letzten Jahren im Thrillerbereich sehen durfte. Optisch erinnert der Film am ehesten noch an „Sieben“: Das verregnete Seoul wirkt dreckig, kalt und rauh. Die Atmosphäre ist durchweg bedrückend und finster. Highlights sind dabei sicherlich die Verfolgungsjagden durch die engen Gassen Seouls.

Der Film ist exzellent gefilmt und fotografiert, die Kameraführung von Lee Sung-je ist abwechslungsreich und sowohl in den hektischen, als auch den ruhigeren Passagen ohne Makel. Man mag fast gar nicht glauben, das das Budget nur vier Mio. Dollar betrug. Warum reicht es dann nicht zu einer Höchstwertung?

Na-Hong jin verzettelt sich leider im Mittelteil ein wenig in seinen eigenen Ansprüchen. So angenehm es ist, das er seinen Hauptfiguren Zeit und Raum lässt, umso überflüssiger ist es, die Ermittlungspannen der Polizei – teilweise - in den Vordergrund zu stellen. Das führt den Film ins Nirgendwo, bremst die Dynamik aus und führt zu leichten Hängern. Vielleicht wollte er sich ein wenig an „Memories of a murder“ orientieren und Gesellschaftskritik üben, wer weiß, aber insgesamt gesehen wäre es wohl besser gewesen, wenn man den Ablauf hier ein wenig gestrafft hätte. Außerdem geht die Unvorhersehbarkeit der Geschichte manchmal auch auf Kosten der Logik: In welcher Selbstverständlichkeit und Häufung hier der Zufall den weiteren Storyverlauf beeinflusst, ist schon erstaunlich bis ärgerlich und kann auch von dem – ansonsten – guten Skript und der intensiven Inszenierung nicht komplett aufgefangen werden. Dazu lässt auch der eigentliche Schluss einige Fragen offen.

Hollywood kann sich hier auf jeden Fall eine Scheibe abschneiden und tut das (leider) auf seine eigene Weise: Leonardo diCaprio sicherte sich kurz nach Erscheinen die Remake-Rechte und hat „Departed“ Autor William Monaham beauftragt, ein Drehbuch zu schreiben.

Fazit:
„The Chaser“ ist ein unvorhersehbarer, spannender Thriller, der von einer hervorragenden Optik und exzellenten Schauspielern getragen wird und teilweise perfekt - weil anders und mutig - ist. Längen im Mittelteil und ein paar inhaltliche Nachlässigkeiten stoßen sauer auf. Eine absolute Empfehlung und Tip ist der Film aber unbedingt!

8
/ 10

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