Story:
William (Jeremy Renner) ist ausgebildeter Bombenentschärfer der US-Army,
der eines Tages einem neuen Team im Irak zugeteilt wird. Zusammen erleben die
Männer gleich mehrere Einsätze, bei denen sie ihr Leben immer wieder aufs Spiel setzen
müssen...
regie :
kathryn bigelow
cast :
jeremy renner, anthony mackie
kritik :
christian mester
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Kritik:
Sprengt jede Party.
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Bomberman 64 - Der Film erwies sich als echter
Kracher.
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Kathryn Bigelow ist eine echte
Ausnahmeerscheinung, denn nicht nur, dass die beliebte Regisseurin sich seit
über 20 Jahren erfolgreich in einer von Männern dominierten Fachwelt behauptet,
sie hat sich diese Anerkennung auch noch in Genres erkämpft die man ihr
vielleicht nicht zutrauen würde: in den Bereichen Thriller und Action. Mit dem
Surfer-Actioner Point Break - Gefährliche Brandung hat sie 1991 einen echten
Action-Klassiker hingelegt, der Keanu Reeves mit Schmalzfrisur zum Superstar
machte; Strange Days, Blue Steel,
K-19: Widowmaker und Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis sind ebenso bekannte,
solide Beiträge.
Ihr neuester geht nun leicht andere Wege, denn im Gegensatz zu ihren bislang
eher traditionellen Hollywood-Streifen setzt die Schmerzkammer in erster Linie
auf einprägsame Authentizität. Durch bewussten Verzicht auf bekannte Gesichter,
auf Kamera- und Effektspielereien und typischen Plotverlauf versucht sie
gekonnt, einen nahezu dokumentarischen Einblick in das Leben dieses seltsamen
Ausnahmeberufes zu geben. Wie gefasst bleibt ein Bombenexperte wenn er sich
freiwillig einer Kraft aussetzt, die ihn bei kleinster Unachtsamkeit in
Gehacktes verwandeln kann? Kann so jemand überhaupt ein normales Familienleben
führen? Kann man zwei Stunden sinnvoll damit füllen, sich wiederholt zu fragen,
ob es nun der grüne oder rote Draht ist? Diese und andere Fragen beantwortet
Bigelow in einem der spannendsten Kriegsfilme der letzten Jahre.
Erfreulich ist, dass das tödliche Kommando ein paar der fesselndsten Szenen des
ganzen Filmjahres beinhält. Es gibt gleich mehrere längere Abschnitte, in denen
es minutenlang gewaltige Hochspannung gibt, die sich wie Thermit durch jeden
Zweifel brennt, denn es bleibt längst nicht dabei, dass William "nur" die
tödlichen Silvesterüberbleibsel entschärfen muss - was an sich ja schon zur
Genüge am Nervengerüst kratzt - er und sein Team müssen sich gleichzeitig mit
versteckten Scharfschützen, argwöhnischen Zivilisten und unberechenbaren Kindern
befassen, die alle insgeheim mit den Terroristen unter einer Decke stecken
könnten. Bigelow fängt diese Momente mit überlegtem, ruhigem Auge ein und sorgt
für ein beunruhigendes Mittendrin-statt-nur-dabei Gefühl, das den Abstecher in
das Krisengebiet Irak wie zuletzt schon Flug 39 zu einer Achterbahn der Nerven
macht (wobei sich die Schmerzkammer noch Pausen erlaubt, Flug 39 nicht).
Angenehm ist die Tatsache, dass der Film trotz offensichtlicher Möglichkeiten
kein politisches Statement portiert, wie es in diesem Genre oftmals der Fall ist. Bigelow macht sich
anscheinend nichts daraus, kritisch zu hinterfragen, ob die Anwesenheit der G.I.s
im Irak nun sinnvoll und gerechtfertigt ist, ob der Schutz der Bürger gewollt,
ob die bloße Anwesenheit der Retter eventuell Schießpulver für die vielen
Anschläge sein könnte - sie überlässt es anderen Filmen und konzentriert sich
lieber darauf, die Tapferkeit dieser Männer zu zeigen, die es so schließlich
wirklich gibt und Geschehen wie diese tagtäglich erleben. Bigelow ist in dieser
Beziehung auch glücklicherweise mal kein weiblicher Michael Bay: die Army wird
keine Sekunde fälschlicherweise glorifiziert, kein einziger Soldat wird heroisch
präsentiert, es gibt keine flapsigen Sprüche, keine Verharmlosung, keine
Spielereien, kein Feel-Good Linkin Park und auch der Feind wird nicht als
simples, nur böses Abziehbild ala Windtalkers gezeigt.
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"Sir, wieso haben sie da Nachrichten auf ihrem
Ohrläppchen stehen?"
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Technisch ist er eine Wucht, da
er sowohl in Sachen Klangkulisse, als auch visuell mit seinen überragenden
Explosionseffekten gehörigen Eindruck macht, der wie Napalm Spuren hinterlässt
und einem die Ohrmuscheln gepflegt wegdetoniert - und das zum Glück, ohne
zwingend auf Epilepsie-Actionaufnahmen wie bei Ein Quantum Trost zurückzufallen.
Wer dabei völlig unbekümmert im Saal sitzen bleiben kann, ist entweder taub und
blind oder war auf Motörhead-Konzerten definitiv zu oft zu weit vorne.
Die drei eher unbekannten
Schauspieler des Teams machen ihre Sache übrigens durchgehend gut, gerade Jeremy
Renner (28 Weeks Later) kann öfters als Draufgänger mit Nerven aus Stahl glänzen. Ergänzt werden die drei hin und wieder von bekannteren Gesichtern wie Guy Pearce
(Memento)
oder Ralph Fiennes (Voldemort), deren Szenen aufleben lassen, die durch ihre
Bekanntheit aber auch immer
wieder kurzzeitig aus der pseudodokumentarischen Scheinrealität herausreißen.
Relativ gesehen gibt es im Film eigentlich keine echten Blindgänger, es ist nur
teilweise so, dass es ihm an gewissen Aspekten ein wenig mangelt. Jake
Gyllenhaal (Jarhead), Michael J. Fox (Die Verdammten des Krieges), Charlie Sheen
(Platoon), Michael Sheen (Apocalypse Now), Jude Law (Enemy at the Gates) oder
auch Jürgen Prochnow (Das Boot) waren in ihren Rollen denkwürdige Charaktere,
mit denen man mitfühlen und sich teilweise identifizieren konnte. Das Hurt
Locker Platoon dagegen ist - der Schauspieler und Regie wegen - hauptsächlich
kalt, distanziert und unnahbar. Es bleibt keine Zeit für Gemeinsamkeiten und da
die laufenden Gespräche sich fast ausschließlich taktisch um die aktuelle Lage
drehen, gibt es für die Figuren wenige echte Momente, in denen eine
Charakterisation zünden könnte. Tauchen die namhaften Fiennes und Pearce auf,
ändert sich das kurzweilig, verfällt jedoch sofort wieder in kühle Distanz,
sobald sie mit ihren Kurzauftritten wieder aus dem Bild sind.
Was auch fehlt, ist ein Blick auf die Gegenseite. Was einen starken und
interessanten Kontrast zur Seite der Amerikaner hätte geben können, fehlt, damit
auch die wahren Antagonisten.
Im Zuge der pseudodokumentarischen Perspektive gibt es auch keine wirkliche
Einführung in den Film, keine wirkliche Story, keinen typischen Aufbau und auch
kein abgeschlossenes Ende, was dazu führt, dass das bombige Treiben letztendlich
wie ein zwei Stunden langer Clip mit verschiedenen Ausschnitten, nicht aber wie
ein Film wirkt.
Fazit:
Tödliches Kommando - The Hurt Locker ist fraglos einer der packendsten
Kriegsfilme der letzten Jahre und zugleich ein wirklich atemloser Einblick in
einen der tödlichsten Berufe, die es gibt. Das Zeug zum zeitlosen Klassiker mag
ihm fehlen, dennoch ist er einer der nachhaltig stärksten Filme des Jahres.
8 / 10
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