Story:
1898. Daniel Plainview findet
beim Schürfen nach Gold eine Ölquelle, die ihn zu einem reichen Mann macht.
Zusammen mit seinem adoptierten Sohn HW macht er sich bald darauf daran, im
ganzen Land ein gewaltiges Ölimperium aufzubauen - koste es, was es wolle...
regie :
paul thomas anderson
cast :
daniel day-lewis, paul dano
kritik :
christian mester
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Kritik:
There will be Blood
gehört nicht ohne Grund zu den größten Oscarfavoriten
des Jahres - er ist ein moderner Klassiker.
Die besten Filmemacher sind die,
die selbst aus einer langweiligen Story noch einen faszinierenden und fesselnden
Film machen können - There will be Blood macht es spielend vor.
Die meiste Zeit geht es in Blood nur um zwei, drei Personen, die sich auch noch
den größten Teil des Films an dem gleichen Ort aufhalten: an einem Ölturm in der
Nähe eines staubigen 100 Seelendorfs.
Schon der Anfang spricht Bände. Die ersten 11 Minuten wird kein einziges Wort
gesprochen, sagen aber schon viel aus. Man sieht Plainview, wie er bei einer
Schürfung mitten im Nirgendwo auf Öl trifft, und sich dann mit einem gebrochenen
Bein aus dem Loch hievt und noch bis in die Stadt schleppt. Der Film ist lang,
Handlung gibt es kaum, aber trotzdem schafft es Anderson, für geschlagene 160
Minuten zu faszinieren... hauptsächlich wegen Daniel Day-Lewis.
Lewis, der schon in Gangs of New
York einfach nur brilliant war, macht den zynischen Daniel Plainview zu einer
der tiefschichtigsten und interessantesten Kinofiguren der letzten Jahre. Mit
knapp einem Jahr Vorbereitung entwickelte er eine Figur, der man nie ganz
anmerken kann, ob sie im Grunde böse oder doch menschlich ist. Genial schwankt
er zwischen diesen beiden Elementen und verleiht seiner Figur unglaubliche
Tiefe. Plainview ist charmant, aber bedrohlich, er ist hoffnungsvoll, aber doch
nihilistisch, er ist genial, aber auch stur und uneinsichtig, er ist berechnend
und doch nicht Herr der Lage, gleichzeitig ein Freund und größter Feind seiner
Mitarbeiter.
Im Laufe der Zeit gibt es drei Personen, die ihm in dieser Zeit nahe werden. Zum
einen wäre da sein angeblicher Sohn HW, den er in jungen Jahren von einem
verunglückten Co-Arbeiter übernihmmt und nun als Dekoration benutzt. Fast
liebevoll nimmt er ihn überall mithin, sorgt sich um sein Befinden und zeigt ihm
das harte und skrupellose Geschäft, doch dann ist er ihm jedoch auch
unmenschlich und kalt gegenüber. Auch HW nimmt bald kaltherzige und gefährliche
Züge an.
Gespielt wird er von einem kleinen Jungen, der im voraus keine
Schauspielerfahrung hatte, seine Rolle aber trotz weniger Texte sehr gut
macht. Er wirkt so unheimlich wie eine Miniaturausgabe Plainviews.
Gegen Mitte des Films trifft Plainview auf seinen Bruder, der sich nach
Jahrzehnten wieder bei ihm blicken lässt und versucht, sein engster Freund
zu werden - was ihm allerdings nur mit Schwierigkeiten kurzweilig gelingt.
Dieser, gespielt von Kevin J O'Connor (Feigling Benny aus Die Mumie), wirft
einen ruhigen Gegenpol zu Day-Lewis und gerät dann in sein Fadenkreuz, als er
langsam selbst anfängt, so egozentrisch wie Plainview zu werden.
Am auffälligsten ist allerdings der junge Farmersohn Eli, der inmitten
Plainview's neuer Gegend eine Kirche errichtet und damit mehr und mehr Macht
erlangt. Zwischen den beiden entsteht eine langjährige und harte Fehde, die am
Ende zu einem langen, harten Abschluss findet.
Gespielt wird Eli von Paul Dano (Taking Lives, Little Miss Sunshine), der
Plainview als einziger wirklich Contra bietet und eine fantastische Performance
als gestörter Fanatiker gibt, bei dem man nie sicher sein kann, ob er wirklich
an das glaubt was er predigt, oder ob er einfach nur so tut, um in Machtgefilden
zu baden. Der Zwist zwischen ihm und Plainview kommt im Laufe der Story immer
wieder auf und endet schließlich in einer surrealen Szene auf einer Bowlingbahn,
deren Ende überrascht und fesselt.
Eine Frau gibt es in Plainview's Leben nicht.
Schnell wird klar, das sowohl
Plainview als auch Eli Symbole sind, die zum einen für die Industrialisierung,
zum anderen für die Religion stehen. Die kleine Gemeinde wird zu einem
Austragungsort beider Mächte, die nach und nach immer stärker werden,
miteinander und auch gegeneinander antreten. Plainview ist mühsam, konsequent
und verhilft seiner Stadt passiv zu Wohlstand und Entwicklung, doch
gleichermaßen finden viele Bürger bei seinen gefährlichen Arbeiten den Tod, was
ihm schlicht und einfach egal ist.
Eli schart mit seiner immer größer wachsenden Gemeinde mehr und mehr Anhänger
herbei, die ihm Macht und Einfluß verschaffen. Er macht ihnen vor, ihnen helfen
zu wollen, ebenso wie Plainview, der auch vor boshaften Lügen nicht
zurückstreckt, um seine Ziele zu erreichen.
Sehr interessant ist auch eine Szene, in der noch reichere Kollegen erscheinen
und Plainview anbieten, ihm eine unglaubliche Menge Geld für all seine Areale zu
geben. Was auch immer er für Ziele habe, damit könne er sie erreichen und für
ewig für seinen Sohn sorgen - doch er lehnt ab. Nicht etwa, weil er noch größere
Ziele hat, sondern weil er es muss. Es symbolisiert die Tatsache, dass die
Industrie auch im Wohlstand nicht aufhört und sinnlos weitermacht, weil sie es
nicht anders kann. Etwas gleiches passiert mit Eli, der trotz gewaltiger
Besucherzahlen auch keine Erfüllung erlangen kann.
Der auf den ersten Blick so langweilige Ansatz entpuppt sich dann doch als
reichhaltige Geschichte, die höchstens einen Nachteil hat: sie ist etwas zu
zäh. Die 160 Minuten hätte man eventuell auch auf 140-145 Minuten kürzen können
ohne wirklich etwas zu verlieren, denn so gut der Film auch ist - er ist extrem
anstrengend.
Wahrlich meisterlich ist auf jedenfall der Soundtrack, der direkt jedem großen
Filmklassiker zugeteilt werden könnte. Mächtig, verrückt und immer perfekt
nuanciert passt er optimal zum Geschehen, welches Anderson mit viel Geduld und
Liebe zum Detail umgesetzt hat. Seine Regie zu Blood ist hart, aber auch sehr
harmonisch, gleichermaßen tot und leblos, aber auch lebendig und zwiegespalten
wie seine Hauptfigur selbst. Obwohl der Film "nur" das Leben und Treiben eines
Ölmannes zeigt, hätte man dies nur schwer spannender und faszinierender umsetzen
können.
Keine Frage: Paul Thomas Anderson liefert mit There will be Blood seinen bis
dato besten Film ab.
Fazit:
Kein Film für Popcorn, kein Film für Dates, kein Film für junge Leute. Für There
will be Blood muss man vor allem eines mitbringen: Geduld. Hat man die, wird man
mit einem tiefen, grandios gespielten Meisterwerk belohnt, das lange im
Gedächtnis bleibt.
10 / 10
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