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Kritik:
There will be Blood


von Christian Mester

There will be Blood
(2009)
Regie: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Daniel Day-Lewis

Story:
1898. Daniel Plainview findet beim Schürfen nach Gold eine Ölquelle, die ihn zu einem reichen Mann macht. Zusammen mit seinem adoptierten Sohn HW macht er sich bald darauf daran, im ganzen Land ein gewaltiges Ölimperium aufzubauen - koste es, was es wolle...

Kritik:
Die besten Filmemacher sind oft die, die selbst aus einer langweiligen Story noch einen faszinierenden und fesselnden Film machen können - There will be Blood macht es spielend vor.

Die meiste Zeit geht es in Blood nur um zwei, drei Personen, die sich auch noch den größten Teil des Films an dem gleichen Ort aufhalten: an einem Ölturm in der Nähe eines staubigen 100 Seelendorfs.

Schon der Anfang spricht Bände. Die ersten 11 Minuten wird kein einziges Wort gesprochen, sagen aber schon viel aus. Man sieht Plainview, wie er bei einer Schürfung mitten im Nirgendwo auf Öl trifft, und sich dann mit einem gebrochenen Bein aus dem Loch hievt und noch bis in die Stadt schleppt. Der Film ist lang, Handlung gibt es kaum, aber trotzdem schafft es Anderson, für geschlagene 160 Minuten zu faszinieren... hauptsächlich wegen Daniel Day-Lewis.

Lewis, der schon in Gangs of New York einfach nur brilliant war, macht den zynischen Daniel Plainview zu einer der tiefschichtigsten und interessantesten Kinofiguren der letzten Jahre. Mit knapp einem Jahr Vorbereitung entwickelte er eine Figur, der man nie ganz anmerken kann, ob sie im Grunde böse oder doch menschlich ist. Genial schwankt er zwischen diesen beiden Elementen und verleiht seiner Figur unglaubliche Tiefe. Plainview ist charmant, aber bedrohlich, er ist hoffnungsvoll, aber doch nihilistisch, er ist genial, aber auch stur und uneinsichtig, er ist berechnend und doch nicht Herr der Lage, gleichzeitig ein Freund und größter Feind seiner Mitarbeiter.

Im Laufe der Zeit gibt es drei Personen, die ihm in dieser Zeit nahe werden. Zum einen wäre da sein angeblicher Sohn HW, den er in jungen Jahren von einem verunglückten Co-Arbeiter übernihmmt und nun als Dekoration benutzt. Fast liebevoll nimmt er ihn überall mithin, sorgt sich um sein Befinden und zeigt ihm das harte und skrupellose Geschäft, doch dann ist er ihm jedoch auch unmenschlich und kalt gegenüber. Auch HW nimmt bald kaltherzige und gefährliche Züge an.

Gespielt wird er von einem kleinen Jungen, der im voraus keine Schauspielerfahrung hatte, seine Rolle aber trotz weniger Texte sehr gut macht. Er wirkt so unheimlich wie eine Miniaturausgabe Plainviews. Gegen Mitte des Films trifft Plainview auf seinen Bruder, der sich nach Jahrzehnten wieder bei ihm blicken lässt und versucht, sein engster Freund zu werden - was ihm allerdings nur mit Schwierigkeiten kurzweilig gelingt. Dieser, gespielt von Kevin J O'Connor (Feigling Benny aus Die Mumie), wirft einen ruhigen Gegenpol zu Day-Lewis und gerät dann in sein Fadenkreuz, als er langsam selbst anfängt, so egozentrisch wie Plainview zu werden.

Am auffälligsten ist allerdings der junge Farmersohn Eli, der inmitten Plainview's neuer Gegend eine Kirche errichtet und damit mehr und mehr Macht erlangt. Zwischen den beiden entsteht eine langjährige und harte Fehde, die am Ende zu einem langen, harten Abschluss findet. espielt wird Eli von Paul Dano (Taking Lives, Little Miss Sunshine), der Plainview als einziger wirklich Contra bietet und eine fantastische Performance als gestörter Fanatiker gibt, bei dem man nie sicher sein kann, ob er wirklich an das glaubt was er predigt, oder ob er einfach nur so tut, um in Machtgefilden zu baden. Der Zwist zwischen ihm und Plainview kommt im Laufe der Story immer wieder auf und endet schließlich in einer surrealen Szene auf einer Bowlingbahn, deren Ende überrascht und fesselt.

Schnell wird klar, das sowohl Plainview als auch Eli Symbole sind, die zum einen für die Industrialisierung, zum anderen für die Religion stehen. Die kleine Gemeinde wird zu einem Austragungsort beider Mächte, die nach und nach immer stärker werden, miteinander und auch gegeneinander antreten. Plainview ist mühsam, konsequent und verhilft seiner Stadt passiv zu Wohlstand und Entwicklung, doch gleichermaßen finden viele Bürger bei seinen gefährlichen Arbeiten den Tod, was ihm schlicht und einfach egal ist.

Eli schart mit seiner immer größer wachsenden Gemeinde mehr und mehr Anhänger herbei, die ihm Macht und Einfluß verschaffen. Er macht ihnen vor, ihnen helfen zu wollen, ebenso wie Plainview, der auch vor boshaften Lügen nicht zurückstreckt, um seine Ziele zu erreichen.

Sehr interessant ist auch eine Szene, in der noch reichere Kollegen erscheinen und Plainview anbieten, ihm eine unglaubliche Menge Geld für all seine Areale zu geben. Was auch immer er für Ziele habe, damit könne er sie erreichen und für ewig für seinen Sohn sorgen - doch er lehnt ab. Nicht etwa, weil er noch größere Ziele hat, sondern weil er es muss. Es symbolisiert die Tatsache, dass die Industrie auch im Wohlstand nicht aufhört und sinnlos weitermacht, weil sie es nicht anders kann. Etwas gleiches passiert mit Eli, der trotz gewaltiger Besucherzahlen auch keine Erfüllung erlangen kann.

Der auf den ersten Blick so langweilige Ansatz entpuppt sich dann doch als reichhaltige Geschichte, die höchstens einen Nachteil hat: sie ist etwas zuzäh. Die 160 Minuten hätte man eventuell auch auf 140-145 Minuten kürzen können ohne wirklich etwas zu verlieren, denn so gut der Film auch ist - er ist extrem anstrengend.

Wahrlich meisterlich ist auf jedenfall der Soundtrack, der direkt jedem großen Filmklassiker zugeteilt werden könnte. Mächtig, verrückt und immer perfekt nuanciert passt er optimal zum Geschehen, welches Anderson mit viel Geduld und Liebe zum Detail umgesetzt hat. Seine Regie zu Blood ist hart, aber auch sehr harmonisch, gleichermaßen tot und leblos, aber auch lebendig und zwiegespalten wie seine Hauptfigur selbst. Obwohl der Film "nur" das Leben und Treiben eines Ölmannes zeigt, hätte man dies nur schwer spannender und faszinierender umsetzen können.

Fazit:
Kein Film für Popcorn, kein Film für Dates, kein Film für junge Leute. Für There will be Blood muss man vor allem eines mitbringen: Geduld. Hat man die, wird man mit einem tiefen, grandios gespielten Meisterwerk belohnt, das lange im Gedächtnis bleibt.

10 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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