Story:
Randy "The Ram" war vor 20 Jahren mal einer der größten Wrestlingstars der
Branche, doch die Zeiten sind vorbei. Jetzt ist er ein alterndes Wrack, das sich
mit kleinen Kämpfen über Wasser hält und Trost im Striplcub sucht...
regie :
darren aronofsky
cast :
mickey rourke, marisa tomei
kritik :
christian mester
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Kritik:
Rocky Balboa lässt
grüßen.
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"Nic Cage sollte diese Rolle spielen?"
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Es gibt zwei maßgebliche
Lebensgeschichten, die im Kino fast immer gut ankommen - entweder der
kometenhafte Aufstieg eines totalen Underdogs, oder aber das mühsame letzte
Aufrichten eines alten Haudegens, der es noch einmal wissen will.
Aronofskys The Wrestler ist nun ganz klar letzteres, aber weitaus anders gemacht
als viele andere bekannten Sportdramen. Im Gegensatz zu den meisten bekannten
Ablegern des Genres besitzt The Wrestler nämlich einen gewissen Dokumentarcharme, der ihn
unheimlich authentisch wirken lässt. Die Optik ist sehr körnig und die meiste
Zeit über latscht der Kameramann einfach hinter dem Helden her, sodass man
das Gefühl bekommt, Ram von Tag zu Tag persönlich zu begleiten. Lange
Einstellungen und wenige Schnitte tragen dazu bei und schaffen recht schnell
eine echte Spannung, die jeden Saal leise macht. Es gibt übrigens keine
idealistischen Reden, keine Trainingsmontagen mit flotter Musik, keine
überschwenglichen Fanfaren und vor allem keinen Antagonisten - wer das erwartet,
ist vollkommen fehl am Platz. The Wrestler ist keineswegs "schon wieder so ein
Sportfilm" und alles andere als 0815.
All das hätte jedoch keine Magie, wäre der Verfolgte nicht vollkommen
faszinierend. In diesem Fall ist es Mickey Rourke in einer beispiellosen
Darbietung, die wahrscheinlich niemand sonst so gut wie er hätte hinkriegen können. In erster Linie
liegt das daran, dass Rourke mit seinen Narben, Muskeln und dem kaputten Gesicht
hundertprozentig wie ein alter Wrestler aussieht, dann aber auch, weil er diese
Rolle mehr oder weniger aus seinem eigenen Leben greifen kann. Rourke war selbst
mal im Olymp der Hollywood-Stars und auch eine zeitlang gefeierter Profiboxer. Wie auch seine Figur verlor er
im Laufe der Zeit alles wichtige, was er hier perfekt übertragen
konnte.
In weniger talentierten Händen wäre The Wrestler mit Sicherheit nur einer von
dutzenden Sportfilmen geworden, doch Aronofsky und Rourke vollbringen hier
gemeinsam kurz gesagt Großartiges. Die Story mag simpel sein, doch das Begleiten Ram's
hat für jeden der Tage unheimlich viel zu bieten.
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"Hab ich dir schon von Double Team erzählt?"
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Nehmen wir mal Wrestling an sich.
Hierzulande wenig beliebt und eher müde belächelt, wissen die wenigsten, was
Wrestling überhaupt beinhält. In der Regel wird es als einstudierte Show für
Kids und Trucker belächelt, doch auch wenn viele der Moves nur zum Schein
geschehen mögen, so besteht der Großteil der Handlungen aus enorm schmerzhaften
und gefährlichen Aktionen. Bewegungen, die für die Kontrahenten immense
Belastungen bedeuten. Spätestens, wenn ein 120kg Sportler einen anderen aus
mehreren Meter Höhe durch einen mit Stacheldraht besetzten Tisch wirft, kann man
sich sicher sein, dass es wirklich eine Kunst an sich ist - eine mit erheblichen
Folgen. Rourke schafft es übrigens atemberaubend gut, das Leid seiner Figur authentisch
darzustellen.
Der Film beleuchtet das Thema respektvoll und zeigt viele interessante Sachen:
wie die Sportler sich im Vorfeld hinter der Bühne vorbereiten, absprechen, wie
der Respekt untereinander funktioniert und auch, wie sie das ganze versuchen zu
verarbeiten, wie sie abseits der Bühne sind und so weiter und so fort. Selbst
wenn man sich nur annähernd für das Thema interessiert, ist dieser Einblick
lohnenswert. Es lässt einen Wrestling eventuell auch mit neuen Augen sehen.
Dann wäre da der Punkt des vergangenen Ruhmes und der Unfähigkeit, davon
abzulassen. So wie Fussballspieler jenseits der 40 nicht mehr wie einst über den
Platz hechten können, kann es ein Profiwrestler wohl erst recht nicht mehr. Ram jeoch
ist in diesem Fall mal eins von den vielen Fallbeispielen, die in ihrem ganzen
Leben nichts anderes hatten und deswegen eisern daran festhalten, koste es, was
es wolle. Dies ist vor allem in Bezug auf Ram's Beziehungen sehr gelungen.
Während er seine Tochter so sehr vernachlässigt hat, dass sie ihn nicht mehr sehen
will, ist sein einziger naher Kontakt eine alternde Stripperin aus einer miesen
Bar (nett, süß, aber nicht oscar-würdig: Marisa Tomei), die Vorbehalte hat und
sich mit dem Mann nicht einlassen will.
Beides zusammen ergibt einen starken Rahmen für einen guten Film, der insgesamt
senationell von Mickey Rourke's Performance geführt wird. Er spielt die Rolle
mit vollem Herzblut, achtet auf jedes Zucken, jeden schwerfälligen Atmer und
jede kleinste Bewegung. Genau wie Daniel Day-Lewis in There will be Blood geht
er vollkommen in seiner Rolle auf und macht sie zu etwas Besonderem, sodass es
selbst dann spannend wird, wenn Ram an der Fleischtheke als Wurstverkäufer
arbeitet. (natürlich ist es zu bemerken, das Ram und Rourke sich als Personen
näher sind als Day-Lewis und Plainview). Sein Ram ist durch und durch
bemitleidenswert, dazu nicht besonders helle und unzuverlässig, doch hat
insgeheim eine gute Seele und trägt es mit der Fassung eines sterbenden Löwen.
Schön ist auch, wie harmonisch alles zusammenpasst. Ohne aufgezwungene Dramatik
zum Filmende hin, ohne kitschigem Showdown, ohne oscar-hungrige Ansprachen und ohne dudelnden Soundtrack (die
meiste Zeit über ist es still) ist The Wrestler eine traurige, aber
gleichzeitig auch echte Gutelaunegeschichte geworden. Ein Charakterfilm über
eine faszinierene und einsame Gestalt in einem einzigartigen MIlieu.
Fazit:
Einer der ganz großen des Jahres. The Wrestler ist ein rührendes Drama und kommt
mit
einer der besten Darbietungen der letzten Jahre.
Was man hier jedoch unbedingt mitbringen sollte, ist ein kleines Grundinteresse am Thema,
sowie eventuell ein Quantum Geduld.... es lohnt sich.
8 / 10
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