Story:
Sang hyun ist Priester, der
mit seiner Arbeit eigentlich schon ausreichend ausgelastet ist. Problematisch
wird es erst, als der nachdenkliche Mann eines Tages zum Vampir wird und sich
dann auch noch eine Freundin in ihn verlieb...
regie :
park chan-wook
cast :
song-kang ho
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Park Chan-Wook ist einer der
interessantesten Regisseure unserer Zeit. Nicht nur für Asien, sondern auch für
das Weltkino hat der stilbewusste Koreaner schon mindestens einen Klassiker
geschaffen und kommt immer wieder mit neuen, originellen Ideen und einer stets
einzigartigen Bildsprache daher. Im Zuge des übergroßen Oldboy-Wirbels gingen
„Lady Vengeance“ und besonders „I’m a Cyborg, but that’s OK“ leider ziemlich
unter. Das kann man über seinen Vampirstreifen „Thirst“ allerdings nicht sagen.
Der „Große Preis der Jury“ in Cannes war da sicherlich nur der Anfang, denn
„Thirst“ ist ein Filmjuwel, das „Oldboy“ und Parks Frühwerk „Joint Security
Area“ zwischenzeitlich reichlich alt aussehen lässt.
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"Kennst du die Szene aus Re-Animator?"
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Vampire haben aktuell
Hochkonjunktur, was größtenteils daran liegt, dass die „Twilight“ Bücher und
Filme einen kaum wirklich zu erklärenden Hype ausgelöst haben. Und wenn
überhaupt erinnert „Thirst“ inhaltlich tatsächlich eher Stephenie Meyers
Kreationen, als klassischen Vampiren zwischen Bram Stoker und Anne Rice. Bevor
man jetzt aber Panikanfälle bekommt, weil man Glitzervampire mit vegetarischen
Vorlieben und Teenie-Problemen erwartet, sei schnell gesagt, dass „Thirst“ der
ideale Film ist um zu zeigen, wie schlecht die Twilight-Chose eigentlich ist, um
zu zeigen, dass sie komplett halbherzig-banales Teenie-Futter ist, das dem
Vampirmythos mehr schadet als nutzt.
„Thirst“ ist zunächst eine klassische Vampirentstehungsgeschichte. Ein
koreanischer Pater meldet sich, im christlichen Glauben Gutes zu tun, für ein
Experiment, kehrt nach einer tückischen Bluttransfusion als Vampir zurück und
stolpert dann tatsächlich in eine Liebesgeschichte. Doch schon wie der Pater die
Veränderungen an seinem Körper entdeckt, wie er Morde vermeiden will und wie das
Vampirische in ihm immer stärker darauf drängt, all die Regeln und Gelübde
seiner Religion zu brechen und dagegen zu verstoßen, sollte jeden Zweifel an der
Ernsthaftigkeit des Films wegwischen. „Thirst“ nimmt die Vampireigenheiten ernst
und zeigt sehr anschaulich, wie ein frisch zum Vampir gewordener Mensch mit den
Tücken und Vorteilen dieser Veränderung lebt. Mit dem Zusatz der Religion stößt
der Film eh in philosophische und tiefgreifende Sphären vor, die jeden
gewöhnlichen Beißer-Reißer blass aussehen lassen.
Nicht zu unterschätzen ist die Romantikkomponente, die ein Vampir-Standard ist,
auch weil die Viecher für das unterdrückte Sexuelle, für die animalische Lust
stehen. Genau das wird hier umgesetzt. Die Liebesgeschichte entwickelt sich
außerdem zum absolut faszinierenden und authentischen Psychogramm zweier
Persönlichkeiten, die unsicher mit ihrem Platz in der Gesellschaft sind. Beide
werden durch Leidenschaft und Gewalt, innere wie äußere, aus ihrem vorherigen
Leben gerissen und geraten aneinander. Zusammen kreieren sie einen Strudel aus
Lust, Blut und Gewalt, wie er in dieser Form selten zuvor auf der Leinwand zu
finden war. Das heißt nicht „Freie Fahrt für ein Schlachtfest“, sondern lässt
auf realistisch wirkende Härte mit Vampirthematik schließen.
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"Kaulquappen? Wie meinst du das?"
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Park Chan-Wook und sein Co-Autor
Jeong Seo-Gyeong nahmen sich Émile Zolas Roman „Thérèse Raquin“ an. Dort geht es
um eine Frau, die aus ihrer öden Ehe ausbricht, an einen Mann gerät und mit
diesem eine Gewalttat begeht und fortan von Psychosen heimgesucht wird. „Thirst“
übernimmt dieses Fragment grob, bewegt den Fokus weg von der Frau, primär auf
die Figur des Paters und fügt ganz geschickt den Vampirmythos hinzu. Alleine für
die wendungsreiche und intelligent verwobene Story, die daraus entsteht, möchte
man schon jubelnd in die Hände klatschen. Wer das jetzt Arthouse-Horror nennen
möchte darf das gerne tun, doch ganz so einfach ist es mit der Genrezuweisung
nicht. „Thirst“ ist teilweise eine echte Überraschung, die auch der Trailer
bisher nicht angedeutet hat. Wer sich das wohlige Überraschungsgefühl erhalten
will, liest einfach nicht weiter und vertraut darauf, dass „Thirst“ den
Kinobesuch lohnt.
Das Überraschende ist nämlich, dass der Film zu einem nicht unerheblichen Anteil
eine Komödie ist. Oder vielleicht keine Komödie, aber ein
Vampir-Horror-Liebesfilm mit recht hoher Humorquote. Es gibt wenig bis keine
echten Gags, es ist vielmehr der mal groteske, mal tiefschwarze Umgang mit dem
Vampirismus. Schon die Anweisungen des Paters im Beichtstuhl wirken ungewohnt
und überspitzt, eine Flötenspielszene schwankt zwischen blutiger Abscheu und
schwarzem Humor und wenn die Geliebte erst Angst vor dem Vampir hat um es dann
schrill zu feiern, ist es so manchen Lacher wert. Die Familie, bei der die Frau
lebt, ist so überkandidelt und gleichzeitig nachvollziehbar, dass es
gleichermaßen Hass wie sarkastischen Witz hinauf beschwört. Ebenso werden
Vampirklischees, wie Särge oder wie Fledermäuse kopfüber von der Decke zu
hängen, parodistisch, weil realistisch, aufgegriffen.
Allerdings ist es eigenartiger Humor und die ganze Atmosphäre des Films mag auf
einige Zuschauer eher „eigenartig“ als „faszinierend“ wirken. Besonders wenn an
der Psycho-Schraube gedreht wird und unser Paar vor lauter Wahnvorstellungen
nicht mehr weiß, was real ist und was nicht, könnte es Park mit seinen grotesken
Einfällen zu weit getrieben haben.
Lange hält man sich mit Halluzinationen aber eh nicht auf. „Thirst“ steigert
sich immer weiter. Die erste Hälfte kommt noch sehr ruhig und realistisch daher
und das spiegelt sich auch in Parks visuellem Stil wieder. Je vampirischer der
Pater und die Welt um ihn herum wird, desto mehr wird „Thirst“ zu einem kühlen
und coolen Bilderrausch in Zeitlupe, wie wir ihn schon aus „Oldboy“ kennen.
Blutig genug ist der Film ebenfalls und das auch besonders gegen Ende. Das
letzte Drittel ist ein Meisterstück in Spannung, Stil und Atmosphäre. Visuelle
Einfälle überschlagen sich, Humor und Bedrohung kreieren eine ganz eigenartige
Stimmung und der Pater und die Frau lieben, hassen und zerfleischen sich und
ihre Umgebung in einem wahren Rausch. Horror, Drama und etwas bizarres Eigenes
machen den ganzen Film, aber besonders das letzte Drittel, zu einem
einzigartigen Erlebnis.
Park Chan-Wook durchzieht den ganzen Film mit Regie-Kniffen und einer
überdeutlichen, fast aufdringlichen Flut an Symbolen und bildhaften Allegorien.
Die Hauptdarsteller sind ideal besetzt und ergänzen sich ausgezeichnet. Song
Kang-Ho ist als Priester ruhig, nur nuanciert aufbrausend und schwankt passend
zwischen Furcht und Neugierde. Eine wahre Entdeckung ist Kim Ok-Vin als Tae-joo,
die Frau. Sie grimassiert und chargiert sich mit einer enormen Spielfreude durch
alle Stufen des Wahnsinns und reißt den Film mehr und mehr an sich, je mehr Raum
dieser ihr gibt. Mit Park Chan-Wooks Vorliebe für klassische Musik wird der Film
auch klanglich perfekt abgerundet. Thirst“ ist ein Adrenalinritt in gemäßigtem
Tempo den man unbedingt gesehen haben muss, der am Ende tatsächlich mehr
grotesker Liebesfilm als Vampirthriller ist und ein erstklassiges, wenn auch
eventuell erwartetes Ende liefert.
Fazit:
Völlig irre und absolut originell. Park Chan-Wook kreiert ein Genre-Meisterwerk
das die Grenzen verschiedenster Genres sprengt. Ein langsamer Film, der sich
jedoch konsequent steigert und Horror, Blut und Spannung geschickt mit der
allgegenwärtigen Liebesgeschichte und sogar Humor verbindet. Das Ganze
erstklassig inszeniert und toll gespielt ergibt einen Pflichtfilm, den man sich
beim geringsten Interesse für die Thematik nicht entgehen lassen darf.
9 / 10
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