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Kritik:
TOKYO GORE POLICE


von Christian Mester
BG Chefredakteur, schrieb für Gamestar und Gameswelt, war Projektleiter für Kinofilm-Marketing, hat offensichtlich längst zu viele, aber noch immer viel zu wenige Filme gesehen...

Tōkyō Zankoku Keisatsu (2008)
Regie: Yoshihiro Nishimura
Cast: Eihi Shiinaa, Itsuji Itao

Story:
In naher Zukunft: die zierliche, aber eiskalte Ruka ist Teil einer faschistischen Sondereinheit, die einem immer größer werdendem Problem gegenübersteht: Mutanten. Irgendjemand verwandelt ahnungslose Bürger in absurde Gestalten mit Kettensägenarmen, Krokodilmaulbeinen und anderen Verunstaltungen, die es zum Schutz der Bürger schleunigst auszusortieren gilt. Bei der Suche nach Antworten kommt die wortkarge Nicht-Kirgisin dabei einem unheimlichen Geheimnis auf die Spur...

Kritik:
Schon der erste Trailer dieses monumentalen Splatterstreifens versprach zu toppen, was der berüchtigte Blutexzess Ichi: Der Killer an Gore und Kunstblut auf die Leinwand klatschte. Wer da also zur verschwindend geringen Nischengruppe der so genannten Splatterfans gehört und Story of Ricky, Braindead und Meet the Feebles mit zu seinen Lieblingswerken zählt, der darf sich den Titel dieses Films am besten direkt mal auf die Stirn tackern, denn was Sex and the City: Der Film und Der Teufel trägt Prada für Fashion und Damenschuhe sind, das dürte TGP bald für Kunstblut sein.

Wer noch nie einen Splatterfilm gesehen hat (was übrigens auch sehr anzuraten ist) dem sei gesagt, dass es in einem solchen nicht etwa nur blutige Szenen gibt, sondern extrem blutige, übertrieben blutige, exzessiv blutige, gar absurde Gewaltepik, die Splatterfans in der Regel wahrscheinlich als cartoonhaften Spaß empfinden. Im Falle des Peter Jackson Klassikers Braindead (Jahre später sollte der Mann mal Herr der Ringe drehen) ist das zuweilen sogar für Nichtfans verständlich - und fast lustig, aber inwieweit Menschen sich an der Zurschaustellung absurder Gorefantasien mit Kunstblut und zerfetzten Gummikörpern langfristig unterhalten können, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben.

Zu diesem Film gibt es da ganz klar zwei Dinge zu sagen: zum einen ist der Splattergehalt, der im Gegensatz zu Braindead den ganzen Film lang den Rasenmäher schwingt, wirklich abnorm, was besagte Fans sicher glücklich machen wird, doch letztendlich ist er - wie eigentlich jeder Exilstreifen seines Genres - ein extrem schlechter Film.

Davon mal ganz abgesehen, dass das Dauergesplatter spätestens nach einer kurzen Weile ganz gehörig am Nervengerüst kratzt, da es wirklich stumpf ist, wenn die Polizistin einem die Arme abschlägt und dann minutenlang mit Regenschirm (!) in dessen Blutfontäne badet, ist Rukas Fahndungsgeschichte in etwa so sehenswert wie Laugenbrot beim Verschimmeln zuzusehen. Die Darstellerin der Rolle, die in Miikes Audition noch reichlich unheimlich war, bemüht sich der gesamten Lauflänge des Filmes nämlich über, so kalt und unnahbar wie ein toter Fisch zu wirken, was für eine Hauptrolle natürlich kaum besser sein könnte. Wenn man jemanden zwei Stunden zusehen will, dann doch jemand langweilig Unsympathisches.

Die Story des Films ist darüber hinaus völliger Mumpitz, worüber auch die zugegebenermaßen nicht gerade kreativarme oder amateurhaft inszenierte Auswahl der cronenbergschen Kreaturen hinwegtäuschen kann. Spätestens, wenn man zum 100tausendsten Mal die gleichen zwei Takte der Titelmelodie hört, die fast unentwegt gnadenlos im Fahrstuhlmusikloop läuft, will man selbst eifrig das Katana schwingen. Der Film ist auch zu keinem Zeitpunkt witzig oder sieht sich wie oben genannte Werke als das was es ist; im Gegenteil, Tokyo Gore Police ist durchgehend melancholisch, anstrengend, zäh und ernüchternd schlecht, eine unerträgliche Aneinanderreihung von Freakshowmaterial und Exzessgewalt in schlechter Laune.

Fazit:
Nein.

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