hauptseite  |  kritiken |  news |  trailer showroom |  jetzt im kino  |  community  |  impressum



 

 

Kritik:
Transformers 2 - Die Rache


von Christian Westhus

Transformers: Revenge of the Fallen
(2009)
Regisseur: Michael Bay
Cast: Shia LaBeouf, Megan Fox, Bumblebee

Story:
Zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Films. Sam hat die Schule beendet und macht sich auf zum College, was jedoch alles andere als leicht über die Bühne gehen will. Seine Eltern blamieren ihn, seine neuen Zimmergenossen entpuppen sich als schreckliche Nerds und dann wäre da auch noch Busenfreund Bumblebee, der sich trotz Verbot nicht vom Gelände fernhalten kann.

Epps und Lennox, die beiden Soldaten aus dem ersten Teil, bilden mit Optimus Prime, Ratchet und Ironhide derweil eine spezielle Anti-Decepticon-Einheit, die durch die Welt reist und verbleibende Schergen Megatrons erledigen. Als diese ihren Meister wiederbeleben und der dann plant, den Supertransformer The Fallen auf die Erde zu holen, müssen sich Sam und Mikaela wieder warm anziehen...

Kritik:
Michael Bay rockt wieder den Sommer und Heerscharen actionbegeisterter Zuschauer strömen (nach Möglichkeit) in die Kinos und lassen sich vom vermeintlichen Meister der cineastischen Zerstörung aus den Socken blasen. Die Transformers sind wieder los und so sichert die Verfilmung einer Spielzeugreihe aus den 80ern dem Kino wohl erneut eine große Hausnummer in der Zuschauergunst, die sich bei der Endabrechnung bestimmt gut macht. Bei bezahlten Tickets steht ja auch nie bei, ob es sich wirklich gelohnt hat, ob der Zuschauer zufrieden war oder, könnte er erneut entscheiden, auf den Film verzichten würde. Bay und seine Filme sind für drei Dinge berühmt und berüchtigt: Für einen ausgeprägten Militärfetisch, für ein verzerrtes Frauenbild und für exquisite und ausufernde Action, die letztendlich eine Aneinanderreihung von Zerstörungen darstellt. Handlung, Figuren, psychologische Beweggründe werden stiefmütterlich behandelt, sind nur Mittel zum Zweck um ein hoffentlich spaßiges Feuerwerk abzubrennen. Das ist ja an sich auch noch nicht verwerflich, denn zumindest die Effekte sind ganz großes Tennis. Fotorealistische Oberflächen, glaubwürdige Bewegungen, gute Interaktion mit der realen Umgebung und detailliert bis ins letzte kleine Zahnrädchen eines Roboters.

Bay und sein Team haben zudem etwas aus dem Erstling gelernt und geben dem geneigten Zuschauer mehr Zeit und mehr Möglichkeiten, die CG-Geschöpfe zu bewundern. Die fehlende Übersichtlichkeit war ein massiver Kritikpunkt und zumindest ist es nun nicht mehr der hektische Schnitt, der kaum etwas erkennen lässt. Hier ist es die Geschwindigkeit und die Tatsache, dass die Kamera in der Regel zu nah an den Dingern dran ist. Metallfragmente irren über die Leinwand, verschieben und verbiegen sich und der Zuschauer kann nur erahnen, was genau da jetzt wirklich vor sich ging. Vermehrte Zeitlupeneffekte und reduziertere Hintergründe sind aber schon ein Fortschritt. Auch ist es die schiere Anzahl an Bots und an Szenen mit ihnen, die einfach mehr Gelegenheit bieten, auf die Kacke zu hauen. Es gibt von Minute 1 an fast durchweg auf die Mütze und das immer größer und aufwändiger. Der erste Einsatz in Shanghai ist ein einziges großes Gepolter, jedoch komplett aus dem Trailer bekannt, Optimus Primes Kampf im Wald ist ein – leider etwas hektisches – Highlight und im Finale steht man streng genommen fast 40 Minuten lang unter Dauerbeschuss.

Hier eine Explosion, da zerberstende Häuser, dort wütende Riesenroboter in tricktechnischer Perfektion - wem das reicht, wird vor überschäumender Freude kaum still sitzen können. Es ist immer etwas los, die Schauwerte überschlagen sich, die Schauplätze ändern sich alle fünf Minuten und eine ganze Armada an Transformers wütet in ausgelassener Zerstörungsfreude über den Erdball. Das kann reichen und wer mit der bei Bay wohl stets angebrachten Hirn-Aus-Devise gut leben kann, braucht wohl kaum Sorgen zu haben enttäuscht zu werden. Hinterfragt man den Film jedoch auf einem schon geringen Level und lässt sich von Action und Effekten nicht für dumm verkaufen, wird man ganz schnell fündig. „Transformers 2“ ist nämlich geradezu verboten blöd.

Wir kennen das ja eigentlich schon. Wenn nicht aus dem obligatorischen Sommerblockbuster, dann aus Bays anderen Filmen und nicht zuletzt aus dem Vorgänger, der mit peinlichen Pubertätswitzen und noch peinlicheren Robo-Aktionen (pinkeln, Breakdance) für viele graue Haare sorgen konnte. Die Fortsetzung versucht in jedem Bereich, getreu dem Motto „höher, schneller, weiter, größer“, Alles vom Vorgänger zu übertrumpfen und zu erweitern. Leider auch den Humor und leider auch die Plattheit des Humor. Bay findet dieses Motto wohl eh granatenstark, kollabierte doch schon der zweite „Bad Boys“ an übelriechender Überfrachtung und meterdickem Nonsense. „Bad Boys 2“ mag moralisch übler sein, „Transformers 2“ katapultiert dafür die Albernheit in schwindelerregende Höhen.

Vorhang auf für den faden Bay-Geschmack: Wer meint, ein herzhaft-schniefender, Rotz und Bremsflüssigkeit heulender Roboter, der sich in einen feschen Sportwagen verwandeln kann und in einer Gartenhütte wohnt, sei albern, hat noch nicht gesehen auf was für Ideen das Drehbuch noch so kommt. Wenn es nicht gerade rummst, versucht uns der Humor mit aller Macht zur humorigen Emotionsregung zu verführen und das ist zumeist faustdicker Blödsinn. Sam Witwicky stolpert ins College, das natürlich ein College in der Bay-Version ist. Nerdige Loser als Zimmerkollegen und ausschließlich nymphomanische und natürlich rattenscharfe Frauen in Reichweite, die den guten Sam natürlich bei der ersten und vollkommen affig aussehenden Hausparty bespringen wollen, während Sam selbst an einem Transformers-Virus leidet und kryptische Symbole mit der Kuchensahne malt. Besonders eine Mieze ist verdammt anhänglich, was natürlich wahnwitzig überraschende Auswirkungen auf Sams Beziehung mit Mikaela hat. Aber die beiden scheinen ja eh schon vom Drehbuch vorgeschrieben bekommen zu haben, keine Chemie miteinander zu haben. Mikaela ist eh nur im Film, damit man sie in knappen Outfits rennen sieht – am besten in Zeitlupe. Ihrer Szene mit dem weißen Kleid geht jedenfalls jeglicher Sinn ab, ähnlich wie das Trara um das L-Wort.

Die zwischenmenschlichen Töne sind konstruierte Plattitüden und fungieren nur als kurze Verschnaufpausen. Bay kann aber auch einfach nicht ordentlich erzählen, wenn es denn gerade mal nicht Action gibt. Die Kamera kreist eigentlich permanent unschön und sinnlos im Kreis, der Schnitt unterschlägt Handlungselemente und lässt die Chose damit unlogisch wirken und die Dialoge sind eh entweder zur Erklärung da, was immer es da noch zu erklären gibt, oder für blöden Witz. Weil’s noch nicht witzig genug war, kommen natürlich noch die Eltern zu Besuch. Die waren im ersten Teil schon wildgewordene Karikaturen, drehen nun aber komplett am Rad. Daddy faselt unzusammenhängendes Zeug, Mutter wird kurzzeitig high und zu Hause begatten sich die Hunde und Küchengeräte laufen Amok. Die Eltern sind auch hier die überstilisierter Peinlichkeit in Person. Das sind keine Klischees mehr, weder die Eltern, noch dieses College der feuchten Jungenträume, sondern groteske Fantasiegebilde bar jeder Realitätsvorstellung.

Teenies im Verteidigungsministerium hat man sich hier glücklicherweise gespart, dafür war man wohl der Meinung, dass Anthony Andersons Rolle im ersten Teil ein Knüller war und so übernimmt nun ein Studienkollege die Rolle des nervigen, panischen und zu viel redenden Sidekicks, der einfach keinen Zweck erfüllt, außer plump Witze zu provozieren, was in der Regel aber nicht klappen sollte. Ein vorlautes, kleines ferngesteuertes Auto ist nicht nur eine ähnlich nervige Labertasche, es darf sogar Mikaelas Bein begatten. Ein miesepetriger alter Ex-Decepticon spottet jeder Beschreibung und schließlich gibt es die Zwillings-Autobots, die sich anschicken Negativhighlight des Films zu werden. Deren Konversationsbeiträge sind geradezu beleidigend infantil und das Design ist eine Lachnummer der komplett blöden Art, inklusive Segelohren und Goldzahn.

Wo andere Filme dieser Art einen, bis maximal zwei Charakter für den Humor, für Comic Relief haben, bietet dieser ein halbes Dutzend und jeder davon ist so überkandidelt, dass er für drei Filme reicht. Warum? Warum Humor für 5-jährige? Zu allem Überfluss gibt es nämlich noch einen Tanga-Shot bei John Turturro, der mal wieder ein Schatten seiner Selbst ist, und selbst Transformer-Testikel finden in Übergröße ihren Weg auf die Leinwand. Welch ein Torf! Dass der Film keine kohärente, innere Logik aufweist, verwundert kaum, aber über dieses Konglomerat an dümmlichem Verhalten, irrealer Physik, widersprüchlichen Szenen und halbgaren Hintergrundinfos, legt man besser den großen Bleimantel des Schweigens. Die Handlung ist natürlich behelfsmäßig zusammengeschustert und wird, wenn überhaupt, durch die permanente Militärpräsenz zusammengehalten. Die arbeiten nämlich seit zwei Jahren mit den Autobots zusammen und passenderweise überschlagen sich gerade jetzt die Ereignisse und alles läuft zusammen. Durchs Militär zieht ein frischer Wind in Gestalt eines strengen Beauftragten des Präsidenten, aber davon lassen sich Josh Duhamel und Tyrese Gibson ja eh nicht aufhalten, besonders wenn Optimus Prime hinter ihnen steht. Der verhält sich übrigens recht früh reichlich unpassend und taucht dann lange Zeit etwas ab, um anderen Platz zu machen, weil der Film so dermaßen überladen ist, dass es an allen Ecken und Ende quietscht.

Wie schon in Teil 1 sind die Charaktere der Transformers reichlich unterentwickelt und da es hier noch mehr von ihnen gibt, ist es fast noch schlimmer. Bei den Autobots fallen nur Prime, Bumblebee und die Zwillinge auf, während die Decepticons alle fünf Minuten per Meteor auf die Erde krachen und sich irgendwie verteilen, mal eben Dinge zerstören und dann nicht wieder auftauchen, da man sich für’s Finale einfach neue holt. Die gibt es in allen Formen und Farben, in einem Fall erinnert es sogar eher an einen anderen Sommerblockbuster, auch wenn die gesamte Handlung dazu komplett überflüssig ist. Im Finale ist die Decepticon-Armada eine bloße Ansammlung von Blech, in der nur Megatron, Starscream und Fallen auffallen. Selbst der gigantische Devastator ist kaum länger zu sehen, als er im Trailer zu bestaunen war. Dafür haben die Drehbuchautoren wohl im Lexikon nachgelesen, was Deus Ex Machina bedeutet. So in etwa fühlt sich nämlich Manches aus dem Finale an.

Die Chose ist auch noch viel zu lang, besonders wenn man bedenkt, dass eigentlich keine sonderlich tiefgreifende Geschichte erzählt wird. Man gibt sich ja ganz doll viel Mühe damit, den außerirdischen Blechhaufen eine Mythologie zu verpassen, serviert einen gaga-Flaschback und erklärt etwas die Hierarchie der Decepticons, die unangenehm an die Sith bei „Star Wars“ erinnert. Im Finale wird eh nur noch in Zeitlupe gebrüllt, Dinge fliegen in Zeitlupe in die Luft, Megan Fox schüttelt ihr Dekolleté und es wird geballert ohne Atempause. Das große Geheimnis, der Beweggrund des ganzen Schlamassels ist ein großer, zehnsekündiger Witz und der Pathos quillt über. Und nach 30 Minuten zünftigem Effektechaos, ist das eigentliche, mit durchaus etwas Spannung erwartete Duell der großen Anführer schneller vorüber als man Sequel schreien kann und da man nun keine Action mehr zeigen kann, ist auch insgesamt ruckizucki finito.

Fazit:
Bombastische Effekte und pausenlose Action in der bewährten Machart des ersten Teils. Nur sorgte Bays Maxime, einfach alles noch besser und teurer und größer zu machen, dafür, dass „Transformers 2“ ein beleidigend dummer, mit infantilem Humor und seelenlosen Figuren bevölkerter Film mit einer gaga Behelfsstory geworden ist.

3 / 10

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich