Story:
Als das Schauspielteam um Tugg Speedman (Ben Stiller) bei den Dreharbeiten zum
neuen Kriegsfilm Tropic Thunder nicht wirklich in Fahrt kommt, verlegen die
Schauspieler kurzerhand den Drehort ein paar Meilen woanders hin. Was sie nicht
ahnen - damit landen sie in einem echten Kriegsgebiet, nicht wissend, dass schon
lange keine Kameras mehr mitlaufen...
regie :
ben stiller
cast :
ben stiller, jack black, robert downey jr
kritik :
christian westhus
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Kritik:
„Tropic Thunder“
ist ein Mordsspaß. Wenn man den passenden Humor mitbringt und das Taktgefühl zu
Hause lässt. Denn selten hat ein so groß budgetierter und stargespickter Film
derart konsequent auf alles verzichtet, was Moral und filmische Regeln betrifft.
Das entwickelt sich oftmals zum anarchisch-grotesken Antifilm, der auch mal Tom
Cruise zum vollbehaarten (nur nicht auf dem Kopf) Hip-Hop-Player-Produzenten mit
losem Mundwerk macht.
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"Wer führt eigentlich, Hoff oder wir?"
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Doch schon die Grundidee ist
genial, wenn auch natürlich irgendwie total bekloppt. Das verrückt
zusammengestellte (und gigantisch überzeichnete) Darstellerteam lässt zunächst
in einer gigantischen und blutigen Actionsequenz den halben Wald in die Luft
jagen, wird durch Budgetkürzungen zum Experimentalfilmen gezwungen und
schlittert in die Fänge einer schwerbewaffneten Drogengruppierung, die man
natürlich zunächst für Filmstatisten hält. Wie natürlich besonders Ben Stiller
in seiner typischen, etwas naiv-engstirnigen Art mit völliger Blindheit ins
Chaos läuft, muss man akzeptieren, aber dafür sorgt schon das hysterische,
völlig losgelöste Chaos, welches rundherum abgefackelt wird.
Hysterisch, aber technisch voll auf der Höhe. Die Action- und Kriegsszenen sind
astrein inszeniert und wie schon auf dem „Shit blows up“ Poster propagiert,
fliegt einem hier so einiges gehörig um die Ohren. Da wird geballert und
explodiert was das Zeug hält und auch der Ausgang wird sehr graphisch gezeigt.
„Tropic Thunder“ enthält ein paar heftige – wenn natürlich auch ironisch
gebrochene – Splatter- und Goreszenen, die man eigentlich nicht direkt in
solchen Filmen erwartet. Wenn ein abgetrennter Kopf läppisch herumgewirbelt und
schließlich mit einem „Ich bin David Beckham“ weggekickt wird, muss man entweder
entrüstet-dreckig auflachen, oder sich noch mal überlegen, ob der Film die
richtige Wahl ist, zeigt es nämlich auch, wie derbe der Humor teilweise werden
kann.
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"Hast du vielleicht meinen Sohn gesehen?
Etwa 3m groß, grün, Choleriker?"
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Die Film- und Filmweltparodie
wird trotz aller Derbheit jedenfalls konsequent durchgezogen, von den herrlichen
Fake-Trailern (je nach Gusto abzüglich des Furz-Trailers), über Talkshows und
einer Preisverleihung bis hin zu – natürlich – Filmanspielung, die meistens
perfekt sitzen. Da wird weniger satirisch gearbeitet, als vielmehr volles Rohr
auf die idiotischsten Ecken Hollywoods geballert um den Blödsinn ins Doppelte
und Dreifache zu steigern. Manche Szenen wirken wie kleine Sketche
zwischendurch, teilweise wie halb improvisiert, derart gaga und „voll auf die
12“ kommt manch Spruch und Szene daher. Alleine Downey Jrs. Erklärung über das
Spielen von Behinderten in Filmen, ist einfach nur schrill und gnadenlos
komisch.
Apropos Downey Jr. Der Mann ist göttlich in diesem Film. Wenn man schon als
weißer Schauspieler einen Schauspieler spielt, der einen Schwarzen spielt, der
einen Soldaten spielt, ist das nicht nur eine abgefahrene Idee, sondern macht
auch absolut Spaß. Downey ist das Highlight des gesamten Films und buddelt
sichtlich genussvoll und gänzlich Method Actor die tiefsten Schwarzenklischees
aus und macht verbal auf dicke Hose, was besonders vom echten Schwarzen des
Trupps kritisch beäugt wird. Natürlich ist der Humor böse, brachial, politisch
phänomenal unkorrekt und definitiv nicht feinfühlig. Hier wird im gnadenlos
hohen Tempo einfach alles zerfetzt, was man grad für lustig empfand und da macht
man für so etwas wie Anstand nicht Halt.
Deswegen gelingt der Film auch. Weil Downey Jr. eine Jack-Sparrow-ähnliche
Narrenfreiheit besitzt, weil Ben Stillers immergleiche Art hier zumeist sehr gut
reinpasst, weil sich hier garantiert niemals ernst genommen wird, weil Jay
Baruchel, Nick Nolte und Brandon T. Jackson herrlich in ihren Nebenrollen
harmonieren und weil Tom Cruise das Wort Selbstironie quasi neu erfindet, kann
man hier von vorne bis hinten gnadenlos seinen Spaß haben. All das lässt darüber
hinweg sehen, dass Jack Black schwach und etwas arg infantil wirkt und Stiller
ihm seine Witze klaut. Es lässt über ein paar haarsträubende Storyentwicklungen,
Logiklöcher und Zufälle hinwegsehen, über das permanente Gefühl in einer
überkandidelten Nummernrevue zu sein und darüber, dass wirklicher Sinn hier
nicht so weit verbreitet ist. Auch Matthews McConaughey ist zumindest
zwiespältig, ist doch meist nur seine Figur cool, weniger seine Art sie zu
spielen.
Fazit:
„Tropic Thunder“ ist
ein derbes, hysterisches, abgefahrenes und definitiv unkorrektes Feuerwerk an
garstigen Gags, schrill überzeichneten Figuren und überdimensional krachiger
Action. Mehr Parodie als Satire, mehr Gaga-Spektakel als Film. Für den geneigten
Zuschauer kann es einer der lustigsten Kinobesuche seit langem werden.
8,5
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