hauptseite  |  kritiken |  news |  trailer showroom |  jetzt im kino  |  community  |  impressum



 

 

Kritik:
Tunnel Rats


von Christian Mester

1968 Tunnel Rats
(2008)
Regisseur: Uwe Boll
Cast: Michael Pare und andere

Story:
Das Jahr 1968: der Vietnamkrieg ist im vollen Gange und allmählich macht sich unter den Soldaten des US-Corps Verzweiflung breit. Technisch ist man dem Vietkong weit überlegen, doch die unwirtliche Gegend und das geschickte Guerilla-Auftreten des Feindes sorgt für hohe Verluste und geringe Erfolge. Ein Sieg scheint nicht mehr absehbar. Sergeant Hollowborn (Michael Pare) bekommt in diesem Chaos den Befehl, ein Squad zusammenzustellen und sich den geheimen Hinterhalts-Tunneln des Feindes zu widmen.

Kilometerweit durch endlose Hügel gegraben, sind die Bauten der Vietkong dgeheime Truppenverstecke, Waffenlager und schnelle Routen. Tapfer steigen sie also hinab, doch gerade hier kennt sich ihr Feind perfekt aus...

Kritik:
Die Zeit der US-Soldaten im Vietnam war ohne Frage eine Zeit der endlosen Schrecken, fühlte man sich aufgrund des uneinsehbaren Geländes doch ständig beobachtet und immerzu ausgeliefert. Die starke Hitze schlug aufs Gemüt. Die langen Märsche durch das schwierige Gelände, die wenigen Gefechtserfolge und die hohe Sterbensrate zerrten am Glauben am Sieg und der damit verbundenen Rückkehr. Das schlimmste Grauen fand sich allerdings unter der Erde, in den tief verzweigten Tunnelsystemen der vietnamesischen Verteidigung.

Zuerst einmal sei gesagt, dass der Film für eine kleine Produktion verblüffend gut aussieht. Ob es der Einstieg mit typischer 70er Musik und Hubschraubern ist (abgekupfert, aber besser das als es nicht zu haben), die dreckigen Lager am Boden, die klaustrophobischen Dschungellandschaften oder aber die namensgebenden Tunnel - die Sets sind zwar budgetbedingt klein, kleiner als bei "Full Metal Jackett", "Jarhead" oder "Platoon", aber nichtsdestotrotz authentisch und überzeugend. Die Marines sind tough, ungehobelt, teils ängstlich und benehmen sich wie echte Kämpfer; die Vietkong dagegen agieren eher verzweifelt, bekommen aber auch ihre Momente. Was hier sehr positiv zu bemerken ist, ist dass die Feinde nicht - wie so oft - einfach nur dumme, gleich aussehende Spielautomatengegner wie etwa in "Windtalkers" oder "Rambo 4" sind, sondern als echt und relevant dargestellt werden. Einer der dramatischsten Momente passiert z.B. im letzten Drittel des Filmes, als ein junger G.I., der eigentlich gar nicht kämpfen will, auf eine junge Frau und ihre Familie trifft, die Todesängste erleben und nicht glauben können, dass er ihnen nichts tun will. Gerade Szenen wie diese sind tatsächlich packend und gut gespielt.

Gelungen sind generell alle dramatischen Szenen unterhalb der Erde, in denen es unter anderem sehr blutig wird und das ganze dann teilweise eher an Horror, als an Sparte Kriegsfilm denken lässt. Bolls Regie? Er mag kein Ridley Scott sein, aber in Sachen Aufnahmen, Komposition und Umsetzung ist Tunnel Rats fraglos gut gemachte Arbeit. Das beliebte Boll Bashing passt in diesem Fall fraglos mal nicht - das sieht nicht aus, als hätte es das Team von Far Cry mit Till Schweiger gemacht.

Action gibt es jede Menge, nur sollte man hier keine größeren Schlachten wie in "Rambo 3" erwarten; stattdessen passieren fast alle Angriffe auf engem Raum und wirken durch den hohen Einsatz von Messern eher wie die aus einem handelsüblichen Slasher.

Leider gibt es unter der Erde doch noch ein paar derbe Maulwurfslöcher, die den Film leider von einer echten Empfehlung davonbuddeln. Das größte Problem ist die Tatsache, dass es keine wirklichen Helden gibt, keine Leitfiguren. Es fehlt ein eindeutiger Star mit Charisma wie Jake Gyllenhaal, Charlie Sheen, Martin Sheen, Colin Farrell, Tom Berenger etc. Ohne so einen zu haben verfolgt man eine Gruppe von gefühlten Nebenfiguren und Statisten, deren Schicksale zwar bedrücken, aber nie so transportiert werden wie in einer zentriert ausgerichteten Geschichte. Was wäre "Letters from Iwo Jima" ohne seinen Ken Watanabe, was ein "Verdammten des Krieges" ohne Michael J. Fox und Sean Penn?

Dass die Schauspieler fast ohne Script arbeiten und viele ihrer Texte vor Ort improvisierten, merkt man erstaunlicherweise kaum, doch es fehlen dadurch pointierte Dialoge und wirklich wirkungsvolle Auseinandersetzungen. Ebenfalls stört es etwas, dass einige Schuss- und Explosionseffekte unfertig wirken und für kleine Momente dann doch an der Authentizität des ganzen zweifeln lassen - seltsam, passt doch der Rest so gut zusammen.

Fazit:
Bezugsfiguren hätten Tunnel Rats zu einem überraschend guten Low Budget Kriegsfilm werden lassen können, doch so bleibt das Potential dann doch leider ein wenig im Morast kleben. Dennoch - Genrefans sollten einen Blick riskieren.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich