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Regie: Chris Weitz | Release: 2009 | Darsteller: Kristen Stewart, Robert Pattinson

Twilight 2: New Moon


von Christian Mester

Story:
Bellas (Kristen Stewart) Leben liegt in Scherben: Glizerbrust Edward hat sich nach einem kleinen Vorfall von ihr getrennt, so sucht sie Ablenkung bei ihrem Indianerfreund Jacob (Taylor Lautner), der ein ganz eigenes Geheimnis verbirgt...
 

Kristen Stewart spielte Jodie Fosters
Tochter in Panic Room (2002)

Kritik:
Twilight 2 ist für einige wenige der Event-Film des Jahres. Nein, anscheinend ist es sogar für einige viele der große Event-Film des Jahres, denn das Sequel legte mal eben den erfolgreichsten Starttag aller Zeiten hin. Es erstaunt, denn eigentlich waren der Filmumsetzung des ersten Buches wahre Lorbeeren verwehrt geblieben. Twilight war an sich kein schlechter Film, doch die dünnen Figuren, das leblose Szenario und die allenfalls lachhafte Dramatik und Action gegen Ende ließen allen Ernstes nicht über knappes Mittelmaß kommen.

Anfänge können verständlicherweise immer schleppend sein und da viele Filme ihr Potenzial erst im zweiten Teil erreichen, durfte man nun gespannt sein, ob Der goldene Kompass-Regisseur Chris Weitz mit höherem Budget und zwei neuen, hochkarätigen Darstellern (Michael Sheen, Dakota Fanning) mehr aus der Geschichte machen kann. Leider ist dem nicht so, denn Twilight 2 ist ein merklicher Schritt nach unten.

Der erste Film litt noch tunlichst darunter, dass die wenig charismatische Bella hauptsächlich über lokales Elend klagte und schmollend so lange als Klette an Vampir Edward hing, bis es für sie als wandelnder Snack unter (wenig gefährlich wirkenden Fashion-) Vampiren irgendwann gefährlich wurde. Im zweiten Film wiederholt sich dies mehr oder weniger, da Bella nach plötzlicher Trennung neuen Stoff für schlechte Laune bekommt und sich nach Einmischen ins Geschehen örtlicher Werwölfe ein zweites Mal mit gefährlichen Monstern befassen darf. Der Unterschied zwischen beider Stories liegt darin, dass der Kontakt mit dem Monströsen im ersten Film noch neu war, hier sind es andere Kreaturen, das Prinzip bleibt dasselbe, wodurch es vorhersehbar und inspirationslos wird.
 

Robert Pattison wurde als Kind von seinen Schwestern
als Schwester behandelt und "Claudia" genannt

Dass Robert Pattinson, der schon im ersten Film schauspielerisch nichts Besonders zeigen konnte, lange nicht zu sehen ist führt zu nichts, da sein Ersatz, der jüngere Taylor Lautner zwar lebhafter als der bleiche Blutsauger ist, allerdings dieselbe nur geringfügig empfehlenswerte Schauspielschule besucht hat. Stewart ergeht es wie ihren Mitstreitern: die junge Aktrice, die sich wieder einmal laufend überdramatisiert auf die Lippe beißt, wirkt desinteressiert am Material und erkennt, dass sie, selbst wenn sie wollte, nichts daraus machen kann.

Aufgrund des höheren Budgets sieht der Film ein wenig besser aus als der Erstling (die Werwölfe sind akzeptabel), lässt aber echte visuelle Highlights vermissen. Vor allem im letzten Drittel des Filmes, in dem die Helden die Hauptstadt der Vampire, Volterra besuchen, entpuppt sich diese als eine der kleinsten und einfallslos schlechtesten Fantasy-Unterschlüpfe aller Zeiten. Sheen (Frost/Nixon) und Fanning (Krieg der Welten) werden zu Cameos degradiert und schaffen es ihrerseits auch nicht, das Material irgendwie aufzuwerten.

Ein großes Problem der Geschichte ist, dass fast alles extrem vorhersehbar bleibt und man teilweise sogar für dumm verkauft wird. Anfänglich wird versucht ein Mysterium daraus zu machen, dass Lautners Figur ein Werwolf ist (Spoiler!), aber spätestens nachdem er mit Stammesgenossen halbnackt durch die Wälder zieht – und aufmerksame Zuschauer schon im ersten Teil mitbekommen haben, dass die Indianer unter der Legendes des Wolfes leben – ist klar, dass Bella die einzige ist, die das äußerst leichte Puzzle nicht zu entschlüsseln weiß. Viele Szenen im Film sind so dämlich, dass man meinen mag, eine Zwölfjährige hätte die Vorlage geschrieben. In einer der dramatischsten Szenen des Filmes fährt Bella zum ersten Mal in ihrem Leben mit einer Motocross-Maschine los – ohne Helm – um durch Adrenalinkicks eine Vision ihres Edwards zu sehen. Die törichte Fahrerei ohne Schutz führt zu einem Crash, zu dem Lautner eilt, um in einem Michael Bay-esqen Shot sein T-Shirt ausziehen zu können (viele der Aufnahmen Lautners erinnern an das, was Bay in den Transformers-Filmen mit Megan Fox macht).

In einem Kino, in dem sich die beiden mit einem Mitschüler einen Actionfilm namens „Face Punch“ ansehen, wird einem aufgrund der Action übel, während der andere sich lauthals darüber amüsiert, dass er zu weich ist, gefolgt mit präpubertären Annäherungsversuchen an Bella, dessen weiterhin bestehende Liebe zu Edward in keinstem Augenblick nachvollziehbar oder glaubhaft sein will. Diese eine Szene fasst Twilight 1+2 recht passend zusammen, denn trotz der dunklen Thematik sträubt man sich davor, die dunklen, eventuell interessanten Aspekte der Werwolf- und Vampirthematiken näher anzugehen, um sich stattdessen platter Grundschulromantik zu widmen.

Zum Ende hin spitzt sich die Lage ein wenig zu, doch nicht wirklich, denn alles wird harmlos und eilig aufgelöst, bevor es zu wirklichen Konflikten kommen kann. Hinsichtlich der Entwicklung der Geschichte und dem letzten Ausspruch, der wohl ein Cliffhanger darstellen soll, bleibt es doch sehr fraglich, ob ähnliche Begeisterungsscharen zurück kehren werden um Twilight 3 im kommenden Sommer vergleichbare Zahlen zu bescheren. Rein auf diesen Teil als Film bezogen, erscheint es ungeheuer fragwürdig.

Wäre Twilight ein von Romantik geprägter Film wie Dirty Dancing, Pretty Woman, Titanic oder I Come in Peace, wäre das zu verschmerzen, wären die Figuren akzeptabel (man vergleiche Richard Gere, Patrick Swayze und Leonardo DiCaprio einfach mal mit Robert Pattinson), die Regie in Ordnung, die Geschichte gefühlvoll und beschwingt, könnte man auch getrost darüber hinweg sehen, nicht zum Zielpublikum zu gehören und die Qualitäten anzuerkennen - all das trifft auf New Moon aber gänzlich nicht zu. Es ist ein schwacher Film und es ist enttäuschend, dass ausgerechnet so ein Film derart erfolgreich ist.

Fazit:
Twihards lassen sich ohnehin nicht beirren, wer aber davon los gelöst einfach einen soliden guten Film erwartet, wird enttäuscht sein. Unter dem Strich ist Twilight 2 ein romantisches Fantasy-Drama, das weder besonders romantisch, noch fantasievoll, noch dramatisch ist.

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