Story:
Die Vorgeschichte der beliebten Serie erzählt, wie Vampirlord Viktor (Bill
Nighy) zu den Lykanern fand, sie versklavte und dann mitansehen musste, wie
seine eigene Tochter Sonja (Rhona Mitra) sich in einen von ihnen (Michael Sheen)
verliebte...
regie :
patrick tatopoulos
cast :
rhona mitra, michael sheen
kritik :
christian mester
____________________________________________________________________________
Kritik:
Der neueste
Underworld ist ganz speziell für Fans der Reihe - und die werden
ihn lieben.
|

"Dieser Nixon hat mich schon wieder angerufen.
Faselte was
von Cheeseburgern."
|
|
Seien wir mal ehrlich: als 2003
der erste Trailer zu Underworld erschien, waren die meisten auf Anhieb
begeistert. Coole Visuals, Vampire und Werwölfe im modernen Gewand und dazu ein
gehöriger Schuss Melancholie (und Bullet-Time) - das musste einfach klasse
werden. War der Film aber letztendlich nur zum Teil, denn einige unnötige Macken
störten das Gesamtbild. Auf der einen Seite waren Beckinsale, Nighy und Sheen
sehenswert und der Film sah auch schick aus, doch die Story nahm sich viel zu
wichtig und wollte unentwegt Interview mit einem Vampir 2000 sein, ohne aber je
echten Anspruch in der Tasche zu haben.
Mit dem Sequel dagegen machte Len Wiseman 2006 fast alles richtig. Statt lange
Reden und bedeutungsschwerer Wichtigtuerei gab es rundum exzellente Action am
laufenden Band, die auch noch äußerst blutig ausfiel und mit einer interessanten
Mittelaltersequenz gewürzt wurde. Weil letzteres generell besonders gut ankam,
sollte es das jetzt also auch Grundlage für den obligatorischen dritten Teil
sein - ob dass die richtige Wahl war?
Für Fans der Reihe auf jeden Fall, denn Underworld 3: Aufstand der Lykaner passt
optimal in die Sammlung eines jeden, der die beiden Vorgänger bereits in seinem
Sortiment hat. Genau wie 1 und 2 ist der dritte komplett in einen starken
Blauton getränkt, der insgesamt für stimmiges Bild sorgt und dem Ganzen den
Spirit einer langen Gutenachtgeschichte verleiht. Ebenso gut gelungen sind die
Sets und Kostüme, sowie die Auftritte der Figuren Lucian und Viktor, die sich
nahtlos in die der ersten Teile einreihen und der Trilogie so eine schöne
Kontinuität verleihen. Dass der neue Regisseur von Haus aus Effektespezialist
ist (er entwarf unter anderem Emmerich's Godzilla) merkt man übrigens ebenfalls,
denn die Effekte können sich sowohl in Sachen CGI, als auch hinsichtlich der
Kreaturen durchweg sehen lassen.
In Sachen Grundton ist der Film übrigens näher an Evolution als am Original,
denn auch Tatopoulos setzt lieber auf Action als auf stetige Dialoge. Action
kommt reichlich vor und dürfte eigentlich jeden Underworldler zufrieden stellen.
|

Bill Nighy vermisste nur zwei Sachen im dritten
Underworld: Schusswaffen
und Kate Beckinsale's Hintern in hautengem Leder.
|
|
Der Punkt ist aber, dass gleicher
Look und viel Action längst nicht alles sind. Die Strause Brüder haben letztes
Jahr schon traurigerweise gezeigt was passieren kann, wenn Effektleute für
namhafte Regisseure einspringen und Tatopoulus liegt nicht weit ab; zum Glück
ist der Umwurf bei Underworld 3 aber nicht ganz so schlimm wie bei Alien vs
Predator 2 geworden. Genau wie beim Kollegen kann man jedoch getrost
feststellen: Effekte gut, Optik gut, doch Story und neue Figuren eher daneben.
Jetzt werden einige vielleicht sagen "hey, Underworld 2 hatte doch auch kaum
Story", aber das war was anderes. Da waren es altbekannte Figuren, die ein neues
Abenteuer und damit jede Menge Neuheiten erlebten - die ganze Geschichte von
Underworld 3 wurde allerdings schon längst im ersten Film erzählt und wird hier
lediglich noch einmal neu gezeigt.
Der wichtigste Punkt im neuen Film ist die verbotene Liebe zwischen Werwolf
Lucian und Vampirin Sonja, doch Tatopoulos beschneidet die Story viel zu knapp.
Wir erfahren zum Beispiel nie, wie die adelige Tochter des Vampiroberhaupts sich
überhaupt in den Werwolf verliebte - zu Filmbeginn sind sie bereits ein
heimliches Paar. Auch nach einer peinlichen Sexsequenz an einem Canyonabgrund
fühlt man mit dem forcierten Abklatsch von Romeo & Julia kaum mit, und wenn Viktor später
schließlich dahinter kommt und seinem Diener Grund zur Dauercholerik gibt,
bleiben die Gefühle kalt und verloren. Da man auch ohnehin schon weiß wie das
ganze mal enden wird und dass Lucian auch noch im Jahr 2003 auf Viktor
einwettert, gähnt man sich müde durch jede Szene, in der keine Klingen gewetzt
werden.
Guten Grund zum Gähnen gibt auch die neue Heldin Rhona Mitra, die es tatsächlich
schafft mit ihrer tiefgefrorenen Performance die ohnehin schon flache Kate
Beckinsale vermissen zu lassen. Von ihr bis Kristanna Loken in Bloodrayne ist
der Sprung tatsächlich nicht weit. Nighy (Davy Jones aus Fluch der Karibik) und
Sheen (Frost / Nixon) heben den Film andererseits durch ihr Talent wieder
an, können aber auch nicht wirklich verstecken, dass qualitativ nicht mehr mit
diesen Rollen zu machen ist. Auch nach weiteren 26 Teilen wird man die beiden nicht für bedeutsame Filmfiguren
halten.
Letztendlich sei noch gesagt, dass 3 von allen am kleinsten wirkt, mitunter,
weil der Großteil der Story im immer gleich aussehenden Schloß der Vampire
spielt. Das stört durchaus ein wenig.
Fazit:
Man muss schon
sagen: Effekte und Action sind ordentlich und der Look passt auch, aber darüber
hinaus enttäuscht die schwache Story und das Ausbleiben von Neuheiten. Eine gute
Frage: hat der
Stoff überhaupt genug Nährwert für drei oder mehr Teile? Fakt ist, dass die
Leute das Konzept lieben und Nummer 4 auch bald kommt - Underworld in Space, Underworld 10.000 BC und Underworld Online? Wenn, dann
aber bitte mit etwas mehr Pepp.
4,5 / 10
_____________________________________________________________________________
:::::...: Diskussion im Forum
|