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KRITIK:
UP IN THE AIR
Regie:
Jason Reitman
Darsteller: George Clooney, Vera Farmiga
Release: 2010
von Christian Mester
Story:
Den charmanten Ryan Bingham (George Clooney)
will man besser nicht kennen lernen, denn wenn er
auftaucht, ist man in der Regel seinen Job los. Er
arbeitet für ein Unternehmen, das sich darauf
spezialisiert hat, Mitarbeiter psychisch auf ihre
plötzliche Entlassung vorzubereiten. Ein Job, der gerade zur
Zeit der großen Krise boomt und den alten Fuchs
immer auf Reisen schickt – frei von Familie,
Freunden und Beziehungen lebt er ein Ideal, das er
schon seit über 20 Jahren unüberlegt genießt. Alles
ändert sich jedoch, als zwei vollkommen verschiedene
Frauen in sein Leben treten: die reife Alex (Vera Farmiga) und eine übermotivierte, junge
Arbeitskollegin (Anna Kendrick)…
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George Clooneys erste Rollen fanden sich in
GRIZZLY II und
RÜCKKEHR DER KILLERTOMATEN |
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Kritik:
Ivan Reitmans Sohn Jason Reitman mag vielen als Name
noch kein Begriff sein, doch wenn der junge Mann so
weiter macht, dürfte man ihn bald regelmäßig zu den
ganz Großen zählen. Nach dem viel zu unbekannten „Thank
You for Smoking“ und dem Überraschungserfolg „Juno“
ist sein neuer Film „Up in the Air“ schon wieder ein
wunderbarer Film, der zu Recht in diesem Jahr
zahlreich für den Academy Award nominiert ist.
Für die eigentliche Handlung könnte der Zeitpunkt
kaum idealer sein. Gerade jetzt in Zeiten der
Wirtschaftskrise ist es besonders bitter zu sehen,
wie aalglatt Ryan Menschen aus Arbeitsverhältnissen
entlässt. Eine Stelle bedeutet den meisten Menschen
Sicherheit, sie ermöglicht Häuser, Familien,
Versicherungen, Bildung für Kinder und das Essen auf
dem Tisch. Arbeit zu verlieren ist demnach eine
wahre Katastrophe, für die sich Reitman etwas
Zynisches hat einfallen lassen: im Film gibt es
viele echte Aufnahmen von Menschen, die zeigen, wie
sie mit einer Kündigung umgehen. Fast alle „Opfer“ im
Film sind echte Angestellte, die ihren Job kurz vor
der Aufnahme verloren. Ein zentraler Punkt, der
nachdenklich stimmt und überlegen lässt, wie man
selbst in so einer Situation reagieren würde.
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UP IN THE AIR ist 2010 für
sechs Oscars nominiert, darunter bester Film, beste Regie
und drei Darsteller |
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Klingt nach einem
traurigen Drama, doch das ist „Up in the Air“ gewiss
nicht. Es darf sogar viel gelacht werden, denn
gerade in den ersten zwei Dritteln zeigt sich
Reitmans Geschichte als flott, heiter und Cary
Grantesque. Ein
Meisterstück, das man vor allem dem früheren Seth
Gecko verdanken darf: George Clooney. Clooney, dem
Anzüge wahrscheinlich besser stehen als jedem
anderen lebenden Schauspieler, verkörpert seine
Rolle mit unvergleichlichem Charme. Sein Ryan ist
trotz seiner gnadenlosenTätigkeit kein Unmensch, er sieht seine
Stelle als normalen Job, der ihn erfüllt, als
Person ist er sympathisch, nett und zuvorkommend.
Greift man zur Interpretation, kann man seine Figur
als traditionelle Wirtschaft sehen, die mit Eifer
und Elan Ärmel hochkrempelt und selbst unangenehme
Aufgaben stilvoll und persönlich abarbeitet. Ein
passendes Beispiel, da Ryans Position selbst
auszusterben droht. Im Film wird dies in Form einer
überaus motivierten jungen Mitarbeiterin gezeigt,
die seine alten Methoden für ineffizient hält und
ein neues System entwickelt, das ihn überflüssig
machen könnte. Es ist lustig, da es zeigt, wie Gier nach immer höherem Profit unnachgiebig und
oftmals auch unbewusst über Leichen geht; ein Zitat im
Film sagt „Wir sind Haie“ – richtig, und die fressen
sich manchmal gegenseitig. Nicht weil sie von Grund
auf böse, sondern hungrig sind und von Instinkt
getrieben werden.
Das ist, was man im Nachhinein im Film sehen kann,
prinzipiell ist es aber eine außerordentliche
Charaktergeschichte. Clooney zieht in der ersten
Hälfte alle Sympathien auf seine Seite, entpuppt
sich im Verlaufe dann mehr und mehr als leere Figur. Das
einzige, was er kann, ist Reisen und Leute feuern;
als er merkt, dass seine Scheu vor dem wirklichen
Leben schrecklich unreif ist (bizarr: seine kahle,
sterile Wohnung, kindisch: seine Versessenheit
darauf, möglichst viele Bonusmeilen zu sammeln und
die besten Mitgliedskarten zu bekommen), trifft der
Film, der bis dato eine nur kleine Geschichte war,
mit dem Hammer.
Anfangs will man wie
Clooney sein, reich, immer gut gekleidet und von
Frauen umschwärmt, doch all das verfliegt mit der
Laufzeit. Was ist all das ohne die Wärme von
Freunden und Familie? Clooney wird zwar nie
ausschweifend emotional, da es zur unpersönlichen
Rolle Ryans nicht passen würde, spielt aber mit
fantastischem Feingefühl und zeigt, dass das
perfekte Jetseit-Businessleben trotz gefühlter
Zufriedenheit nicht atmen lässt.
Der Film, der in tollen Bildern gedreht wurde (und
sich allein dafür schon im Kino lohnt), ist schick
in Szene gesetzt, wird nie langweilig und
wird vor allem mit Erscheinen der beiden Frauen
goldig. Vera Farmiga und Anna Kendrick, die wie auch
Clooney für den Oscar nominiert sind, tragen beide
immens zur Story bei. Farmiga, indem sie Clooney
vermeintlich unterstützt, Kendrick, indem sei ihm
als Imitation nacheifert – Liebe gibt es natürlich
auch, aber auch
das nur als Nebensache. Beide tragen auf ihre Art
dazu bei, dass Ryan Bingham sich umsieht und
reflektiert. Es ist eine insgesamt sehr erwachsene,
intelligente
Geschichte, die einem alles bieten kann: es gibt viel zu
Lachen, es gibt Melancholie, es gibt skurrile und
interessante Momente. Was man am Ende daraus für
sich mit nimmt, liegt an jedem selbst. Fakt
ist, dass es dort oben in den Lüften einiges zu
holen gibt.
Fazit:
Oberflächlich gesehen ist der neue Clooney eine
amüsante kleine Geschichte über einen Suitträger,
der eines Tages den Boden unter seinen Füßen
entdeckt. Sieht man jedoch darüber hinweg, ist es
eine berührende Charaktergeschichte und ein cleveres
Bildnis der aktuellen Wirtschaft.
8 / 10 |