Story:
Mikael Blomkvist ist ein
bekannter schwedischer Journalist, der aufgrund einer getürkten Recherche
rechtliche Probleme hat und verurteilt wird. Bevor er seine Haftstrafe jedoch
antreten muss bekommt er einen interessanten Auftrag, der sein Interesse weckt
und mit guter Bezahlung lockt.
Einem Industriellen wird seit 40 Jahren jährlich etwas geschickt, das ihn an
seine damals verschwundene Nichte erinnert. Ist es der Spott ihres Mörders? Hilfe bekommt er von einer jungen
Hackerin, die ihre ganz eigenen Konflikte hat …
regie :
niels arden oplev
cast :
noomi rapace
kritik :
christian mester
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Kritik:
Die Verfilmung des Stieg Larsson
Bestsellers ist lang, aber lohnenswert.
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150 Minuten Kriminalfall klingt
zunächst nach dem schrecklichem Unvermögen eines Drehbuchautors, eine Geschichte auf
reguläres Maß zu reduzieren, doch in der Verfilmung des ersten Teils der als Dekalogie gedachten Reihe Stieg Larssons lohnt sich der Bruch
mit dem Typischen.
Bei einer Belletristikverfilmung stöhnen Leser eines Romans in der Regel
immerzu auf, da es einfach unmöglich ist, ein Werk von 300 Leseseiten
aufwärts in einen rund zwei Stunden langen Film zu komprimieren. Details gehen
verloren, Handlungsstränge werden gekürzt und so verlieren Adaptationen oftmals
das, was Bücher erst lesenswert machen: das Gefühl für Feinheiten.
Auch hier wird es leidenschaftlichen Anhängern wieder auffallen, doch
verglichen mit anderen Romanverfilmungen nimmt sich "Verblendung" merklich mehr
Zeit für das Genaue und schafft es, davon sehr zu profitieren. Man hätte den
Fall fraglos auch auf schroffe 90 Minuten kürzen können, doch damit hätte er sicherlich
Vieles verloren - im Umkehrschluss daher eine gute Wahl.
Die Geschichte widmet sich sehr ausufernd mit Details, sodass man vor allem von
der in Piercings, schwarzer Montur und Against-All Verhalten brodelnden
Computerexpertin Lisbeth (Noomi Rapace) viel erfahren darf. Bevor sie sich dem
grundlegenden Fall zuwenden kann, erlebt sie zunächst eine tragische Vorgeschichte,
die alleine schon aufreibender und härter ist als manches Drama. Hier ist
es nur Prolog, der die Figuren formt, später aber auch hinsichtlich der Story
(die Geschichte heißt im Original übrigens "Männer, die Frauen hassen" - was zu
ihrer Nebengeschichte und auch zum Hauptplot passt) wieder aufgegriffen wird. Schauspielerin Noomi Rapace, die bislang eher
unauffällig war, spielt ihre Figur wie einen Igel, der außen stachelig ist
und ungemütlich wirkt, innen hinter all der Maskerade und Abwehrmaßnahmen aber
ein bloß gebeuteltes Opfer ist, das sich vor der Gewalt der Welt versteckt. Rapace
macht das hervorragend, weckt Mitgefühl und macht diese schwierige Figur zu
einer glaubhaften Rolle.
Zurücktreten muss dabei allerdings Michael Nyqvis, der als Starjournalist
Blomkvist zwar einen netten und intellektuellen Eindruck macht, von seiner
Persönlichkeit aber nicht allzu viel zeigen kann. Er bleibt eher passiv,
ein regloser Beobachter, der ohne großen Emotionen strikt seinen Fall verfolgt
und wie der Zuschauer von seiner Nebenfigur gebannt ist, die ihm fraglos
Showlicht stiehlt. Schade, denn als eigentlicher Held seiner Geschichte ist es
ernüchternd. Gern hätte man mehr erfahren, mehr gesehen, doch Nyqvis bleibt
größtenteils verhalten im Hintergrund.
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Ähnlich dicht wie die
Charakterisierung der Lisbeth ist aber auch der Mordfall selbst, dessen
Ermittlung äußerst spannend ausfällt und clever konstruiert ist. Es macht großen
Spaß, in der stimmigen Landschaft Schwedens mitzurätseln und obwohl der Fall
anfangs noch eher unspektakulär erscheinen mag, wird er im Laufe der
Entwicklungen immer besser. Die Vorgehensweisen der beiden sind logisch und verständlich
aufgebaut, werden nie zu
vorhersehbar, bleibt gleichzeitig aber fair. Wer gewieft ist, der kann schon vor
den beiden Suchenden auf die Lösung des allgemeinen Falles kommen, doch die
meisten werden das aufgrund des exzellent geschriebenen Plots wohl nicht
schaffen.
Wer sich hinsichtlich der Tatsache, dass "Verblendung" Teil eins einer bereits
produzierten Trilogie ist, denken mag, dass der Film offen und damit unzufrieden endet,
liegt falsch. "Verblendung" lässt zum Glück kaum Fragen offen und könnte auch
als einzeln stehender Film überzeugen, gäbe es keine Fortführung. Ein klein
wenig störend ist allerdings ein aufgesetztes Zusatzende, das nach Erfüllung des
Falles den kommenden Teil zwei einleitet, jedoch sehr platt ist und plötzlich gen
Hollywood schielt. Dies wäre sicherlich besser in der Eröffnung des zweiten
aufgehoben, da es nicht zum Charisma des Films passt.
Bei all dem umfassenden Lob lässt sich noch zur Diskussion bringen, inwiefern sich
der Besuch in den Lichtspielhäusern lohnt. "Verblendung" war in seinen ersten
Zügen als Mehrteiler für das Fernsehprogramm gedacht, was sich kaum
übersehen lässt. Qualitativ ist er zwar auf hohem Niveau, doch insgesamt fühlt
sich diese Geschichte im Kinoformat nicht unbedingt wohl. Es ist ein durchweg
sehr schleppender Film, der Aufmerksamkeit fordert und demzufolge vielen
anstrengend vorkommen wird. Ähnliches hörte man oft über Finchers "Zodiac", der
als Werk zwar weitaus schicker ist, doch ähnlich leblos vor sich hin plätschert
und sich vergleichbar stark mit der Faszination der daher gehenden Ermittlung
befasst. Action, klare, einfache Szenen und Kurzweil-Thrill für den Popcornabend
gibt es daher eher weniger.
Insgesamt ist "Verblendung" ein guter Thriller mit Hang zum Detail und einer
guten Darstellerin, der gleichzeitig zu lang ist, zu wenig mit seiner Hauptfigur
macht, mit seinen Längen aber
auch belohnt. Sollte man sich vor allem dann ansehen, wenn einem gewöhnliche
Themenfilme zu kurzweilig vorkommen und man nicht zwingend Hochglanz-Hollywoodproduktionen
haben muss.
Fazit:
Spannend, gut gespielt, jedoch ein klein wenig zu lang und leblos.
7,5 / 10
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