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KRITIK:
VERDAMMNIS
Verblendung II
Regie:
Daniel Alfredson
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Nyqvist
Release: 2010
von Christian Mester
Story:
Als zwei befreundete Redakteure ermordet
aufgefunden werden, deutet alles daraufhin, dass
ausgerechnet Lisbeth Salander (Noomi Rapace) die
Täterin ist. Ihr alter Freund Mikael Blomkvist
(Michael Nyqvist) glaubt jedoch nicht daran und deckt
auf, dass ein paar bekannte Figuren aus Lisbeths
Vergangenheit alles daran setzen, sie von der
Bildfläche verschwinden zu lassen..…
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Die Filmtitel im In- und Ausland: deutsch,
übersetzte Original und übersetzte US-Titel:
Verblendung / Männer, die Frauen hassen / Das Mädchen mit
dem Drachen-Tattoo
Verdammnis / Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte
Vergebung / Das Luftschloss, das gesprengt wurde / Das Mädchen, dass das Hornissennest trat |
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Kritik:
„Verblendung“ (Kritik) war 2009 eine wahrlich angenehme
Überraschung. Der Film, der mit rund 150 Minuten
Laufzeit mit zu den längsten des letzten Jahres
gehörte, überraschte als schonungslos hartes
Einzelschicksal und kniffliger Kriminalfall, der
fesselte und Lust auf mehr machte. Mehr gibt es
jetzt in Form eines zweiten Teils, der unter dem
Titel „Verdammnis“ in alte Fußstapfen treten und an
den Erfolg des Erstlings anknöpfen will. Das macht
er auch, allerdings ist nicht zu übersehen, dass
Lisbeths Rückkehr leider nicht ganz so gelungen ist.
Das liegt in erster Linie am Fall selbst. Trotz
erneut großer Spanne von stolzen 130 Minuten wirkt
das schnelle Sequel gehetzt, nicht so fein ausgearbeitet wie
der Vorgänger. Der eigentliche Fall ist für Lisbeth
zwar bewegender, da persönlicher, ist per se aber
ein ganzes Stück weniger aufregend als das Rätsel
des ersten Films. Es gibt weniger Recherche und
obwohl man sich wieder an diversen Offenbarungen
versucht, greifen diese nicht mehr so stark – nur
teilweise, da einiges vorhersehbar erscheint.
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Autor Stieg Larsson starb 2004 an einem
Herzinfarkt - den Erfolg
seiner Salander/Blomkvist-Reihe erlebte er nicht. Larsson
hatte insgesamt 10 Teile geplant. |
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Berechenbar ist
mittlerweile auch Serienstar Lisbeth selbst, die
zwar wieder hervorragend sperrig, unnahbar und
dauerqualmend von Noomi Rapace gespielt
wird, nach ihrer umwerfenden Charaktervorstellung im
ersten jedoch nichts Neues zeigt. Am Ende des
Sequels ist sie charakterlich immer noch an dem selben
Punkt, zu dem sie sich im Laufe des Vorgängers
mühsam (und damit für Zuschauer interessant)
hinarbeiten musste. Kollege Blomkvist ist dieses Mal
keine Hilfe, da der hoch gelobte Starjournalist nach
anfänglicher Lethargie zum Schreck aller hier noch weitaus passiver
ist. Fort ist die spannende Chemie zwischen
beiden, da sie im gesamten Film nur äußerst selten
Kontakt zueinander haben. Die Filme werden zwar übrigens
überall als die Millenium-Trilogie verkauft,
benannt nach der Redaktion ihres Partners, doch es
ist formeller Unsinn, da Rapaces Figur auch in der
Buchvorlage das Spotlight für sich beansprucht und
es im Film ähnlich ist. Die Millenium-Redaktion
tritt auf, bleibt aber im Schatten.
Sofern sich das im letzten Kapitel nicht noch immens
ändert, wird man Mikael Blomkvist in Zukunft wohl
nicht zu den großen Ermittlerikonen wie Columbo,
Monk, Mulder, Miss Marple und Sherlock Holmes
zählen.
Die neue Regie ist in Ordnung, lässt aber wie schon erwähnt an
Geduld missen. Geduld, die im ersten Teil Zeit für
die prächtigen nordländischen Gegenden und Mentalitäten
aufbrachte und damit mehrmals starke Atmosphäre schuf.
Dramatik hingegen kommt in einer größeren
Actionsequenz zu kurz, die mit einer amateurhaft
gefilmten Verfolgungsjagd beginnt und einem
leider vollkommen spannungsarmen Boxkampf mit einem
Bond-ähnlichen Henchman endet, der wie eine
aufgemotzte, vertumbte Kopie von Götz Ottos Mr
Stamper aus "Der Morgen stirbt nie" wirkt. Es ist
schade, dass Regisseur Daniel Alfredson sich nicht
am Stil seines Vorgängers orientiert. Bleibt die
Hoffnung, dass sich dies beim dritten, bereits
abgedrehten Teil „Vergebung“ (Start: Juni 2010) noch
geändert hat.
Wer die Bücher kennt, wird sich über viele Kürzungen
wundern, die den Stoff womöglich besser gemacht hätten, wer
Teil 1 kennt, für den ist er sicherlich sehenswert aber keine
Pflicht, Neulinge fangen sowieso eh erst einmal mit
dem Ersten an.
Fazit:
Wer „Verblendung“ nicht kennt, braucht sich
„Verdammnis“ gar nicht erst ansehen, da er sehr
streng auf den Vorfilm aufbaut und keinerlei
Mätzchen macht, irgendetwas näher zu erklären. Als Einzelfilm
ist es ein nur mittelmäßiger Krimi mit gutem Ende,
der jedoch keineswegs an vergleichbare, weit bessere
Filme wie den eigenen Erstling heranreicht. Ein
akzeptables Add-on, mehr nicht.
6 / 10 |