hauptseite  kritiken  news  trailer showroom  |  jetzt im kino  |  community  |  impressum



 

 

Kritik:
Vicky Cristina Barcelona


von Christian Westhus

Vicky Cristina Barcelona
(2008)
Regie: Woody Allen
Darsteller: Penelope Cruz, Scarlett Johansson

Story:
Vicky und Cristina sind zwei Urlauberinnen, die eines Abends von dem mysteriösen Einheimischen Juan (Javier Bardem) eingeladen werden. Erst zögernd, dann fasziniert, folgen sie ihm und verbringen eine gelassene Zeit mit dem charmanten Kerl an seinem Haus, bis dessen Ex-Freundin (Penelope Cruz) einiges durcheinander bringt...

Kritik:
Auf seine alten Tage wird Woody Allen doch noch zum Welttouristen. Jahrelang nichts von der Welt gesehen, bis auf New York, begibt er sich nun, nach einem britischen Intermezzo, aufs europäische Festland und biedert den Zuschauer mit etwas zu viel spanischem Postkartenkitsch an. Ein neuer Höhenflug, ein europäischer Impuls, wie bei „Match Point“, ist hier dann auch nicht zu spüren, sondern eher die gewohnten, kurzweiligen Oberflächlichkeiten mit überzeichneten Figuren, die durchaus ihre Momente haben.

Sonderlich originell ist aber schon die Ausgangssituation nicht. Zwei Freundinnen kommen aus unterschiedlichen Gründen nach Barcelona, um das Land, die Kultur und sich selbst zu finden. Oder so ähnlich. Der Erzähler will uns dann auch glauben machen, die Frauen hätten einige Gemeinsamkeiten und hätten einzig in Liebesdingen unterschiedliche Auffassung. Man braucht nur einen Blick auf die unsicher wirkende Rebecca Hall (Vicky) und die viel zu blonde Scarlett Johansson (Cristina) zu werfen, um dem Erzähler zu misstrauen.

Überhaupt war der Erzähler keine gute Idee, nimmt er doch mit der Zeit eine viel zu große Stellung ein und fällt andauernd mit erklärendem Palaver dazwischen. Wenn ich schon einen Erzähler für einen Film dieser Art verwende, dann doch einen, der zum südländischen Charakter des Schauplatzes oder noch viel eher zum recht beschwingten Ton des Films passt. Dieser hier wirkt kühl und elitär, ohne sich sonderlich intelligent auszudrücken. Er verhält sich, wie ein schlecht geschriebener Romanerzähler, der Gedankengänge verbindet und Geschehnisse zusammenfasst. Also all die Dinge, die ein guter Regisseur eigentlich visuell oder durch Dialoge lösen kann.

Die arme Patricia Clarkson wird dann mal wieder unter Wert verkauft und muss sich als stichwortgebende Hausfreundin tarnen, die später, in einem Allen’schen Anflug von Offensichtlichkeit, der verzwickten Liebelei der jungen Leute aus eigenem Schicksal neuen Antrieb gibt. Da möchte man fast schon in Jubelstürme ausbrechen, wenn endlich Javier Bardem erscheint, auch wenn erst seine zweite Szene zum ersten richtigen Höhepunkt des Films wird. Sein reichlich direktes Angebot eines Kurztrips nach Oviedo, inklusive potentiellem Dreier, den der charismatische Spanier auch ganz natürlich anspricht, ist so verrückt wie es Spaß macht und spielt auch ganz gut mit der Figurenkonstellation. Vicky und Cristina sind zwar wandelnde Klischees in der „Light“ Version, machen in solch pointiert geschriebenen Szenen aber reichlich Laune.

Leider war dies die beste Szenen für weitere 30 Minuten. In diesen kommt Vickys Verlobter ins Spiel, Cristina überschätzt sich mit Alkohol, es gibt weitere neckische Neckereien zwischen den drei Figuren und Woody Allen geht am katalanischen Kitsch und der Exotik scheinbar durchaus einer ab. Das hat immer mal wieder charmante Anflüge und nette Dialoge, ist aber auch reichlich banal, denn der Hauptaspekt der Handlung und des gesamten Films ist doch die Akzeptanz der eigenen Art und das Finden der einen, passenden Liebe, was sowohl die Art von Liebe, als auch den (die?) potentiellen Partner meint.

Da ist nämlich auch noch Maria Elena, Bardems extravagante, exzentrische und extrem launische Ex-Frau, die kurz darauf auftaucht und die uns als Bardems ehemals wahre Liebe verkauft wird. Die wahre Liebe, die irgendwie doch nicht zueinander passte. Penelope Cruz ist dann knapp 20 Minuten das Zentrum des Films, spielt feurig, leicht überdreht und damit genau passend. Ihre Figur könnte auch einem Almodóvar-Film entsprungen sein, wenn sie als Künstlerin mit psychischem Knacks die neue Freundin des Geliebten testet - und das in jeglicher Hinsicht -, macht das durchaus Freude.

Mit Maria Elena kommt aber auch das Liebes-Blabla in einem Sektor an, der Allen nicht so ganz gelungen ist. Während Vicky zwischen Sicherheit beim spießigen Verlobten und neuer Suche, bzw. dem einen erinnerungswürdigen Abenteuer pendelt – und dafür eindeutig mehr Zeit in Anspruch nimmt –, macht Cristina auf postmoderne Emmanuelle und erzählt von freier Liebe und sexuellen Eskapaden im Künstlerhaus. Dabei zu sehen, wie Scarlett Johansson sichtlich bemüht ist, kess und unsicher zugleich zu wirken, stimmt eher traurig. Besonders in einer Szene, wo sie ihrem Gegenüber mal wieder klar macht, dass sie nun wieder weiß, was sie nicht will, gestikuliert sie so unbeholfen herum, dass man ihr nur raten kann, mal schleunigst Sophia Coppola anzurufen und zu fragen, was die in nächster Zeit so vorhat.

Fazit:
Am Ende gehen dann einige Details und Entwicklungen viel zu schnell und Potential verloren. Man hatte nämlich mittlerweile durchaus seinen Spaß daran gefunden, diesen Figuren zu folgen, auch wenn es nicht das absolut Gelbe vom Ei war. Immer mal wieder rutschen Allen nämlich tolle Dialoge heraus und im Ansatz knistert es sogar ein wenig. Und wenn man immerhin ein bisschen Mitgefühl mit den Figuren und ihren Liebesnöten hatte, hat sich der Kinobesuch doch einigermaßen gelohnt. Als Sommerfilm im Winter vielleicht genau passend..

6 / 10

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich