Story:
Vicky und Cristina sind zwei Urlauberinnen, die eines Abends von dem mysteriösen
Einheimischen Juan (Javier Bardem) eingeladen werden. Erst zögernd, dann
fasziniert, folgen sie ihm und verbringen eine gelassene Zeit mit dem charmanten
Kerl an seinem Haus, bis dessen Ex-Freundin (Penelope Cruz) einiges
durcheinander bringt...
regie :
woody allen
cast :
javier bardem, scarlett johansson
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Auf seine alten
Tage wird Woody Allen doch noch zum Welttouristen. Jahrelang nichts von der Welt
gesehen, bis auf New York, begibt er sich nun, nach einem britischen Intermezzo,
aufs europäische Festland und biedert den Zuschauer mit etwas zu viel spanischem
Postkartenkitsch an. Ein neuer Höhenflug, ein europäischer Impuls, wie bei
„Match Point“, ist hier dann auch nicht zu spüren, sondern eher die gewohnten,
kurzweiligen Oberflächlichkeiten mit überzeichneten Figuren, die durchaus ihre
Momente haben.
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"Kopf oder Zahl?"
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Sonderlich originell ist aber
schon die Ausgangssituation nicht. Zwei Freundinnen kommen aus unterschiedlichen
Gründen nach Barcelona, um das Land, die Kultur und sich selbst zu finden. Oder
so ähnlich. Der Erzähler will uns dann auch glauben machen, die Frauen hätten
einige Gemeinsamkeiten und hätten einzig in Liebesdingen unterschiedliche
Auffassung. Man braucht nur einen Blick auf die unsicher wirkende Rebecca Hall
(Vicky) und die viel zu blonde Scarlett Johansson (Cristina) zu werfen, um dem
Erzähler zu misstrauen.
Überhaupt war der Erzähler keine gute Idee, nimmt er doch mit der Zeit eine viel
zu große Stellung ein und fällt andauernd mit erklärendem Palaver dazwischen.
Wenn ich schon einen Erzähler für einen Film dieser Art verwende, dann doch
einen, der zum südländischen Charakter des Schauplatzes oder noch viel eher zum
recht beschwingten Ton des Films passt. Dieser hier wirkt kühl und elitär, ohne
sich sonderlich intelligent auszudrücken. Er verhält sich, wie ein schlecht
geschriebener Romanerzähler, der Gedankengänge verbindet und Geschehnisse
zusammenfasst. Also all die Dinge, die ein guter Regisseur eigentlich visuell
oder durch Dialoge lösen kann.
Die arme Patricia Clarkson wird dann mal wieder unter Wert verkauft und muss
sich als stichwortgebende Hausfreundin tarnen, die später, in einem Allen’schen
Anflug von Offensichtlichkeit, der verzwickten Liebelei der jungen Leute aus
eigenem Schicksal neuen Antrieb gibt. Da möchte man fast schon in Jubelstürme
ausbrechen, wenn endlich Javier Bardem erscheint, auch wenn erst seine zweite
Szene zum ersten richtigen Höhepunkt des Films wird. Sein reichlich direktes
Angebot eines Kurztrips nach Oviedo, inklusive potentiellem Dreier, den der
charismatische Spanier auch ganz natürlich anspricht, ist so verrückt wie es
Spaß macht und spielt auch ganz gut mit der Figurenkonstellation. Vicky und
Cristina sind zwar wandelnde Klischees in der „Light“ Version, machen in solch
pointiert geschriebenen Szenen aber reichlich Laune.
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"Für dich würde ich sogar in einem Bay
mitspielen."
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Leider war dies die beste Szenen
für weitere 30 Minuten. In diesen kommt Vickys Verlobter ins Spiel, Cristina
überschätzt sich mit Alkohol, es gibt weitere neckische Neckereien zwischen den
drei Figuren und Woody Allen geht am katalanischen Kitsch und der Exotik
scheinbar durchaus einer ab. Das hat immer mal wieder charmante Anflüge und
nette Dialoge, ist aber auch reichlich banal, denn der Hauptaspekt der Handlung
und des gesamten Films ist doch die Akzeptanz der eigenen Art und das Finden der
einen, passenden Liebe, was sowohl die Art von Liebe, als auch den (die?)
potentiellen Partner meint.
Da ist nämlich auch noch Maria Elena, Bardems extravagante, exzentrische und
extrem launische Ex-Frau, die kurz darauf auftaucht und die uns als Bardems
ehemals wahre Liebe verkauft wird. Die wahre Liebe, die irgendwie doch nicht
zueinander passte. Penelope Cruz ist dann knapp 20 Minuten das Zentrum des
Films, spielt feurig, leicht überdreht und damit genau passend. Ihre Figur
könnte auch einem Almodóvar-Film entsprungen sein, wenn sie als Künstlerin mit
psychischem Knacks die neue Freundin des Geliebten testet - und das in jeglicher
Hinsicht -, macht das durchaus Freude.
Mit Maria Elena kommt aber auch das Liebes-Blabla in einem Sektor an, der Allen
nicht so ganz gelungen ist. Während Vicky zwischen Sicherheit beim spießigen
Verlobten und neuer Suche, bzw. dem einen erinnerungswürdigen Abenteuer pendelt
– und dafür eindeutig mehr Zeit in Anspruch nimmt –, macht Cristina auf
postmoderne Emmanuelle und erzählt von freier Liebe und sexuellen Eskapaden im
Künstlerhaus. Dabei zu sehen, wie Scarlett Johansson sichtlich bemüht ist, kess
und unsicher zugleich zu wirken, stimmt eher traurig. Besonders in einer Szene,
wo sie ihrem Gegenüber mal wieder klar macht, dass sie nun wieder weiß, was sie
nicht will, gestikuliert sie so unbeholfen herum, dass man ihr nur raten kann,
mal schleunigst Sophia Coppola anzurufen und zu fragen, was die in nächster Zeit
so vorhat.
Fazit:
Am Ende gehen dann einige Details und Entwicklungen viel zu schnell und
Potential verloren. Man hatte nämlich mittlerweile durchaus seinen Spaß daran
gefunden, diesen Figuren zu folgen, auch wenn es nicht das absolut Gelbe vom Ei
war. Immer mal wieder rutschen Allen nämlich tolle Dialoge heraus und im Ansatz
knistert es sogar ein wenig. Und wenn man immerhin ein bisschen Mitgefühl mit
den Figuren und ihren Liebesnöten hatte, hat sich der Kinobesuch doch
einigermaßen gelohnt. Als Sommerfilm im Winter vielleicht genau passend..
6 / 10
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