Story:
Ein alternatives 1985 in einem alternativen Amerika. Diese Welt kennt echte
Superhelden, doch haben die maskierten Ikonen ihre beste Zeit längst hinter sich,
sind sogar verboten.
Als eines Nachts aber ein Unbekannter einen der berühmtesten Helden tötet, macht
sich der zynische Rorschach auf, den Mord an seinem Mitstreiter aufzudecken.
Dabei macht er erstaunliche Entdeckungen...
regie :
zack snyder
cast :
jackie earle haley, billy crudup
kritik :
christian mester
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Kritik:
Man stelle sich
vor, Spider-Man laufe zynisch über den Sinn des Lebens sinnierend durch die
Straßen von Sin City und träume dabei von Kristallpalästen auf den Mars - das
etwa kann man sich unter Watchmen vorstellen.
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Nach dem Sequel fragte Jeffrey Dean Morgan nur
einmal.
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Wer den Comic nicht kennt, denkt
sich bei den Plakaten und Trailern wohl stets das gleiche: ist wohl irgendein
Actionfilm mit Superhelden die man nicht kennt, und das in abgefahrenen Bildern.
Viel Zeitlupe wie bei 300 - hey, das ist ja vom gleichen Regisseur. Mal einen
Blick wagen.
Jetzt ist natürlich die Frage was man sich davon wirklich erwartet, denn
Watchmen ist erstmal vieles, und vieles auch nicht. Was Watchmen vor allem nicht
ist, ist geradlinige Action. Wer das will und sich leichten Comicspaß ala 300
oder The Incredible Hulk wünscht, der wartet wohl besser auf Terminator 4,
Wolverine und G.I. Joe: Geheimakte Cobra. Wer sich stattdessen etwas
schwarzhumorig-lustiges ala Sin City erhofft... der wartet besser ebenso, denn
auch das ist Watchmen nicht.
Zwar geht es um Helden in Latex und Masken die die Welt im Jahr 1985 vor einer
drohenden Apokalypse schützen wollen, aber da hört der Vergleich mit typischen
Comic-Filmen auch schon auf. Wenn Watchmen eines ist, dann "ungewöhnlich", denn
kaum ein Film lässt sich mit dieser Geschichte und Erzählweise vergleichen.
Richtig, es geht um Superhelden, allerdings werden diese weitaus anders als
sonst dargestellt. Diese Helden sind nicht bunt, einsilbig und leichtfüßig,
sondern eher düster, nachdenklich und von vielen Erfahrungen gezeichnet, die
andere Helden wie z.B. die X-Men niemals erleben würden. Hier geht es um
Schwangerschaften, Vergewaltigung, Kannibalismus, Sex, Missbrauch, Ängste und
all das in einer graphischen Offenheit, wie man sie noch nie zuvor im Genre
gesehen hat. Der Film mag zwar ab 16 freigegeben sein, doch hier werden
Schwangere erschossen, Arme mit der Kreissäge abgesägt und Kinder an Hunde
verfüttert, so dass man es kaum wahrhaben will. All das präsentiert Regisseur
Snyder auch noch ohne Verharmlosung, wodurch alles sehr intensiv wirkt. Intensiv
und schonungslos.
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"Dr. M, das muss dieser Mabuse sein."
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Das ist aber nicht alles - Batman
mit immenser Gewalt wär eine Sache, aber Watchmen geht da noch einen gewaltigen
Schritt weiter, und da kommt auch der Punkt der den Film entweder äußerst
interessant macht - oder ihn in der Gleichgültigkeit verschwinden lässt:
Watchmen will zum Nachdenken anregen.
Beispielsweise gibt es im Film einen Helden namens Dr. Manhattan, der durch
einen Unfall gottesähnliche Allmacht erlangt, unsterblich wird und dadurch Zeit
und Elemente sehen kann, wie manch anderer Fische in einem Aquarium. Unter anderem
hilft er den Amerikanern im Vietnamkrieg und ist somit kurzweilig die
wahrgewordene Annahme "Gott ist im Krieg auf unserer Seite" die so gern von
allen möglichen Ländern benutzt wird. Wie aber fühlt sich ein Land, das einen
Gott auf seiner Seite weiß... und was, wenn er sich mal gegen sie richtet, oder
sich abwendet? Wie sieht jemand Zeitloses etwas so Vergängliches wie die
Menschheit, und welchen Sinn findet man überhaupt noch in seinem Dasein, wenn
man gewissermaßen alles kann und bereits die ganze Zukunft kennt? Das ist nur
ein kleines Beispiel (!) von vielen Themen, die den Film bewegen.
- verdient ein Kindermörder Gnade?
- verdient ein Vergewaltiger irgendwann einmal Liebe seines Opfers?
- ist es gerechtfertigt, Selbstjustiz auszuüben?
- ist es in Ordnung, wenn die leiden, die anderen Leid zufügen?
- ist man irgendwann zu alt, das zu tun, was man liebsten macht?
- darf man Regeln brechen, um die Erfüllung zu finden, die man braucht?
- dürfen wenige leiden, damit es vielen gut geht?
- kann man ein Land aus Angst angreifen, dass es zuerst angreift?
Wer sich für Themen wie diese interessiert, wird reichhaltigen Diskussionsstoff
vorfinden, andere jedoch werden deswegen oftmals ungeduldig auf die Uhr sehen
und vergebens hoffen, dass die ~ drei Kampfszenen in den ganzen 160 Minuten
nicht die einzigen bleiben (was sie jedoch tun). Zumal diese zwar gut sind, aber
keineswegs an die aus 300 heranreichen. Watchmen ist als
Comic nicht zu kritisieren (es ist das einzige Comic auf der Times Liste der 100
wichtigsten Bücher des 20. Jahrhunderts), aber ist er als Film ebenso stark?
Leider nicht ganz. Zwar ist die Optik absolut perfekt eingefangen und sowohl in
Sachen Sets als auch Effekten umwerfend, aber als Film bleibt er nicht ohne
Makel.
Das liegt vor allem an der Struktur, die ungewöhnlich und dadurch ziemlich
anstrengend ist. So gibt es eigentlich keine klare Handlung, da die Perspektive
andauernd von einer Figur zur nächsten springt und diese dann genauer
vorgestellt wird. Wir erfahren von den Problemen und Ansichten der Person, von
ihrer Verbindung zu den anderen und ihrer Vergangenheit, jedoch ist es
keineswegs so schön abgeschlossen wie bei Sin City, sondern stets mit aktuellen
und vergangenen Ereignissen der anderen verknüpft, was es automatisch verwirrend
macht.
Ein wenig erinnert das an die alten Folgen der Hitserie Lost, in denen die
Haupthandlung pro Episode oft von mehreren Rückblicken unterbrochen wurde um
jeweils eine der Figuren intensiver zu beleuchten. Hier ist es aber eine sehr
lange Story, die von mehreren dieser Flashbacks durchzogen wird, welche wiederum
alle miteinander verbunden sind und all das zu einem großen komplizierten Mosaik
machen. Im Buch funktioniert das hervorragend, da man sich die Zeit für die
Handlung nehmen kann - der Film allerdings geht abrupt von einer Geschichte in
die nächste über, sodass man sich gerade fast in eine Figur eingefunden hat -
und dann schon zur nächsten kommt. Als hätte man gerade Neo kennengelernt, nur
um dann 20 Minuten lang Morpheus dem seine Heimgeschichte, dann Trinity ihre,
dann die des Orakels zu hören, während man eigentlich viel lieber nur bei Neo
geblieben wäre. Watchmen packt sozusagen sämtliches Sequelpotential bereits
konzentriert in den ersten und einzigen Film hinein.
Klar, dass hat den Vorteil, dass man den Film ruhig öfters sehen und dabei immer
wieder neue Sachen entdecken kann, aber für einen Film ist es doch ein wenig
sehr sperrig geworden. Selbst die Sets haben starken Informationsgehalt, mit
ihren realistischen Gassen, futuristischen Gebäuden,
ägyptischen Werken und marsianischen Kristallpalästen. Es ist wie ein Zoo, deren
Attraktionen man bei einem Besuch allein garnicht alle erfassen kann... und
dessen Wegweiser
n-dimensional ausfallen. Mag ein guter Park sein, aber den hätte man besser
anlegen können.
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"Kame.......hame.....Bukake!!"
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Die Figuren - schwierig. Rorschach ist ohne Frage sofort neue Kultfigur und wird
bei den meisten ewig im Kopf bleiben, denn mit rauer Stimme und furchtloser
Haudrauf-Methode kriegt der Detektiv die besten Szenen (und dass obwohl sein
Gesicht die meiste Zeit verdeckt bleibt), aber darüber hinaus sieht es schon
nicht mehr so gut aus. Der übermenschliche Dr. Manhattan ist zum einen
faszinierend und dürfte vor allem für Wissenschaftler interessant sein, ist aber
insgesamt zu ruhig und wirkt dadurch schon fast leblos. Dass er ein leuchtender
blauer nackter Muskelberg ist und Snyder das auch noch laufend zeigt, dürfte auf
viele Zuschauer übrigens seltsam wirken... (im Zusammenhang macht es Sinn (für
diesen Gott ist Kleidung irrelevant) aber das ändert nichts an der allgemeinen
Wirkung eines nackten blauen Mannes).
Nicht gerade glaubwürdig ist zudem seine Beziehung zu einer anderen,
menschlichen Heldin, die - gespielt von Malin Akermann - keine wirklichen
Akzente setzen kann. Sie wie auch ihre Mutter (Carla Gugino) ist in einen
größeren Zwist aus der Vergangenheit involviert, doch hat diese Geschichte
leider ebenso wenig Kraft wie die aufflammende Liebe des Batman-ähnlichen Helden
Nite Owls, der wieder zu sich selbst (und seiner Potenz) finden muss und mit
Hilfe von Batman-ähnlichen Gadgets (in diesem Fall Eulengadgets) in den Kampf
zieht. Leider ist deren Beziehung trotz starker und gewagter Bilder
niemals auch nur eine Minute romantisch, was enttäuscht.
Dann gibt es noch den Comedian, einen menschenfeindlichen Freak, der genau
genommen eigentlich zu den Bösen gehören müsste, da er mit der Einstellung lebt
sich alles erlauben zu können und das lachend und gewissenlos auslebt - koste
es, was es wolle. Eine klar starke Performance von Jeffrey Dean Morgan aus
Supernatural, die jedoch ein bisschen darin untergeht, dass die Figur sehr
schnell zu einer starken Rolle aufgebaut wird - nach der ersten Stunde dann aber
fast völlig verschwindet. Gegenpol ist der eiskalte Magnat Ozymandias, der erst
gegen Ende viele Szenen bekommt und als menschlicher Vertreter der
Intellektuellen und Reichen kühlen Stil miteinbringt. Er zeigt leider kaum
Regung und ist schauspielerisch mit dem hauptsächlich computeranimierten Dr.
Manhattan zu vergleichen - beide lassen einen relativ kalt, was man rückblickend
über fast jede der Figuren sagen kann. Bis auf Antiheld Rorschach gibt es wohl
keinen von ihnen, der einen eigenen Film hätte tragen können.
Was dem Film auch noch schadet, ist Präsident Nixon - der im Film laufend
vorkommt und von einem Darsteller in Gummimaske gespielt wird, die fast so
lachhaft aussieht wie die Masken aus Genesis' Video Land of Confusion. Frank
Langella sah in Frost/Nixon zwar überhaupt nicht aus wie der unbeliebte Mann mit
der Watergate-Affäre, aber das hat man lieber als jemanden mit wackelnder
Gumminase... vor allem, wenn es um wirklich ernste Szenen geht.
Effektetechnisch ist der Film natürlich eine Wucht und mit all seinen gewaltigen
Bildern eine wahre Augenweide, score-technisch kann er jedoch damit letztendlich
nicht mithalten. Zwar dominieren einige gute Songs von Bob Dylan und Konsorten,
doch an die eigentliche Musik erinnert man sich eher weniger.
Wer sich auf die ziemlich sperrige Story einlässt, wird jedoch am Ende über alle
Maßen belohnt. Das Ende ist eines der originellsten der letzten Jahre und
schafft es in starken Bildern, diese schwierige Geschichte überraschend und
bemerkenswert abzuschließen.
Fazit:
Lang, anstrengend, anspruchsvoll, tiefsinnig, amüsant, atmosphärisch, bombastisch,
grausam, brutal, nihilistisch, umwerfend, markant, eiskalt, leblos aber
unvergesslich. Watchmen ist etwas Besonderes und hat Unmengen zu bieten, wenn
man denn die nötige Geduld aufbringen kann. Leider ist er aber nicht in allen
Bereichen gleich stark, was ihn knapp straucheln lässt. Er fängt sich jedoch und
gehört ohne Frage mit zu den besten Filmen des Jahres, und seines Genres.
Ein großer Smiley also, wenn auch auf einer Ecke etwas Blut klebt.
9 / 10
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