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KRITIK:
Wickie
und die starken Männer
von
Christian Mester
Wickie und die starken Männer (2010)
Regie: Michael Bully Herbig
Cast: Jonas Hämmerle, Bully
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Story:
Wikinger-Oberhaupt Halvar versteht die Welt nicht
mehr, denn Sohnemann Wickie ist nicht das, was er
unter einem angehenden Wikingerkrieger versteht. Während
sich der Nachwuchs der Gefolgsleute wie erwartet ständig rauft, lässt
sich Wickie lieber kluge Dinge einfallen. Auf diese
ist er bald auch selbst angewiesen, denn eines Tages
entführt der böse Sven
alle anderen Kinder...
- basiert
auf der schwedischen Kinderbuchreihe Vicke
Viking von Runer Jonsson
- ein zweiter Teil folgt, in 3D
- Budget: angeblich 10 Millionen Euro |
Kritik:
Ein
neunmalkluges Wikingerkind, das seine dummbatzigen
Stammeskollegen Nase reibend immer wieder aus der
Bredouille holt. Das war das Thema der alten
Zeichentrickserie, die in den 70er und 80ern jedes
Kind begeistern konnte. Starke, aber harmlos
verblödete Kämpfer, große Abenteuer und eine stets
positive Message über die Stärken von Freundschaft,
Treue etc. machten "Wickie und die wilden Männer" zu
einer guten Kinderserie, die 2009 als Realfilm
Wellen machen will. Ein teures Konzept, das man
natürlich nur einem Mann anvertrauen konnte: Bully.
Der ehemalige Pro7 Star-Comedian hat mit "(T)Raumschiff
Surprise - Periode Eins" und "Der Schuh des Manitu"
nicht unbedingt die besten deutschen Filme der
letzten Jahre gemacht, aber die wohl fraglos
erfolgreichsten, also traute man ihm kurzerhand ein
zweistelliges Millionenbudget an, "Wickie" zum
großen Landes-Event-Film des Jahres zu machen.
Als Filmfan jenseits des Kindesalters durfte man
skeptisch sein: würde es tuffige Wikinger vom
anderen Ufer geben, die sich gegenseitig über die
Schärfe ihrer Lanzen pikieren? Würde es ein
Wiedersehen mit Rick Kavanian und Christian Tramitz
geben? Und würde es der Stoff überhaupt schaffen,
auch die anzusprechen, die keine Wikinger mehr sein
wollen (sprich, Erwachsene)?
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Christopha Maria Herbst (li.)
ist Stromberg |
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"Wickie und die starken Männer" fällt im deutschen
Kinoland auf, allein schon, weil es einer der
aufwendigsten Titel der letzten Jahre ist. Dass der
Film teuer war, sieht man an jeder Stelle, denn
Bully hat keine Kosten gescheut, opulente Dörfer,
Schiffe und Rüstungen anfertigen zu lassen, die es
locker mit vielen ausländischen Produktionen
aufnehmen könnten. Ein großes Plus ist die
umwerfende Panorama-Landschaft am Walchensee in
Bayern, die als skandinavisches Gewässer herhält.
Wer sich noch ein wenig an die alte Serie erinnert,
dem wird auffallen, dass die Maskerade der
Schauspieler bemerkenswert ist. Die Crew,
größtenteils von unbekannten Gesichtern gespielt,
sieht ihren Vorbildern verflucht ähnlich. Sie
imitieren die Eigenheiten des stupiden Faxe, des
klampfenden Barden und der anderen Figuren so
beachtlich, dass unweigerlich Nostalgie aufkommt und
man mitsprechen kann "Ich bin entzückt!". Bekannte
Gesichter halten sich derweil zurück, Bully selbst
taucht zwar auf, aber nur am Rande; seine üblichen
Mitstreiter Kavanian und Tramitz blieben außen vor.
Auffällig ist TV-Ekel Stromberg alias Christoph
Maria Herbst, der als öliger Handlanger des bösen
Svens kaum wiederzuerkennen ist, ansonsten darf man
noch Jürgen Vogel kennen.
Der tolle Look und die Idealbesetzung werden durch
einen sehr ordentlichen Soundtrack abgerundet, der
ebenfalls überrascht. So weit, so gut?
Geht's in der
Handlung los, geht's jedoch nach hinten los. Alle
Parameter des Films lassen zwar auf beste
Familienunterhaltung schließen, aber gehen die
ersten Dialoge und Szenen los, sinkt der Kahn guter
Unterhaltung. Im Gegensatz zu Bullys bisherigen
Filmen ist "Wickie und die starken Männer"
ausschließlich Kinderfilm, und ein so kindischer
dabei, dass er sich wirklich nur an die Kleinsten
richten kann. Die meisten Späße setzen auf dumme
Wikinger, die sich ständig irgendwo oder aneinander
den Kopf stoßen und sich in einer Tour ungeheuer
unreif verhalten. "Scary Movie 4" Niveau erreicht
der Film gar, versucht Bully, aktuellen Humor
einzubringen, indem er unter anderem TV-Trash wie "Germany's
Next Topmodel" zitieren lässt. Als spanischer
Depeschenbote spielt er selbst zwar ausnahmsweise
mal keine tuffige Figur, langweilt dann aber als
überzogener Charmeur. Damit tritt der Film in die
Fußstapfen anderer schwacher Mittelalterkomödien wie
"Siegfried" und
"1 1/2 Ritter auf der Suche nach der hinreißenden
Herzelinde".
Was ihn als reinen Kinderfilm schwach macht, ist der
Punkt, dass es keinen wirklich herzlichen
Hintergrund gibt, keine Message, wenig Charme. Es
fällt schwer zu glauben, dass sich heutige Kinder in
Jahren ähnlich daran erinnern werden wie heutige
Erwachsene an Filme wie "Pippi Langstrumpf im
Taka-Tuka Land" oder "Ronja, die Räubertochter". Das
hätte man eigentlich erwarten können.
Fazit:
Es war zwar abzusehen, dass man aus einer
Zeichentrickserie für kleine Kinder hauptsächlich
einen Film für kleine Kinder machen würde, und als
solcher funktioniert er auch problemlos,
andererseits ist es schade, dass Bully die
Gelegenheit nicht nutzt und mehr draus macht.
3 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
bereitsgesehen.de
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