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KRITIK:
THE WOLFMAN
Regie:
Joe Johnston
Darsteller: Benicio del Toro, Emily Blunt
Release: 2010
von Christian Mester
Story:
Als Schauspieler Lawrence Talbot (Benicio del
Toro) beim Besuch seines alten Elternhauses
eines Nachts von einem Werwolf gebissen wird, ist
auch er im Zeichen der Bestie verflucht. Eine Jagd
gegen die Zeit beginnt, denn während die andere
Kreatur noch immer blutig wütet und das Leben
seines Vaters (Anthony Hopkins) und der Witwe seines
Bruders (Emily Blunt) bedroht, versucht ein
Ermittler (Hugo Weaving), Talbot die Krallen zu
stutzen…
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Das Original stammt aus dem Jahr 1941,
inflationsbedingt kostete es in heutigen Zahlen 2.5
Millionen Dollar |
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Kritik:
Was darf man von einem Werwolf-Streifen erwarten,
der rund 100 Millionen Dollar Budget zur Verfügung
hat, zwei Oscargewinner vorweist, drastisches Blut
nicht scheut und mehr als zwei Jahre in Produktion
war? Nicht viel, zumindest wenn man als regelmäßiger
BG-Leser längst vom Hintergrund der konfliktreichen
Neuverfilmung weiß. „The Wolfman“ sah sich schon im
Vorfeld zahlreicher Probleme gegenüber: ein
plötzlicher Regiewechsel, schlechte Testscreenings,
nachträgliche Änderungen, Budgetprobleme, Streits
mit Effektgestaltern und Komponisten nagten an den
Erwartungen und ließen den Film zum größten
Sorgenkind der letzten Monate werden.
Probleme, die im Endergebnis leider zu sehen sind;
der Wolfsmensch haart.
Gassen im viktorianischen London, neblige Sümpfe im
Hinterland, einsame Herrenhäuser – finster
malerische Szenerien, die für einen Horrorfilm nicht
einladender, nicht unheilvoller sein könnten.
Bilder, die schon bei der geringsten Vorstellung
Gruselatmosphäre schaffen, schade nur, dass es im
Film nicht wirkt. Nicht ein einziges Mal. „The
Wolfman“ findet trotz seines Themas nie zu echter
Spannung. Sämtliche Begegnungen mit den zwei
Wolfsmenschen laufen zu rasch ab, haben keinerlei
Aufbau. Die Szene aus dem Trailer, in dem Emily
Blunt sich ängstlich hinter einen Baum lehnt und der
Wolfsmensch im Hintergrund grimmig nach ihr
schnuppert? Viel mehr ist da schon nicht mehr. Joe
Johnston („Jurassic Park 3“), der eigentlich
Actionfilme dreht, hat kein Gefühl und hetzt seine
Neuauflage des Klassikers rastlos mit ruhelosem
Gedrängel von Auf- zu Abspann. Was Horror betrifft,
greift man auf das billigste, nervigste Klischee
zurück, das das Genre zu bieten hat: der elende
Buh-Moment. Fünf- oder sechsmal gibt es Szenen, in
denen Talbot auf einmal eine Fratze sieht und der
Soundmann hart in die Tasten kloppt. Eine lahme
Wahl, weiterhin unterboten von unnötigen „es war nur
ein Traum“-Szenen. Einzig Danny Elfmans
hervorragender Score lässt gen Mond heulen.
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Hopkins zweiter Auftritt in einem Remake
eines Universal-Klassikers;
Anfang der 90er spielte er in Bram Stokers Dracula Van
Helsing. |
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Was den Blutgehalt
betrifft, ist der „Wolfman“ nicht ohne. Körperteile
fliegen, Blut spritzt, Köpfe rollen und der
Bodycount ist hoch. Das Manko ist jedoch, dass es
einem egal bleibt. Es bleibt einem egal, weil man
sich nicht in den Film hinein finden kann. Größte
Schwäche ist die Tatsache, dass die wichtigsten
Figuren versagen. Benicio del Toro ist einer der
begabtesten Schauspieler seiner Altersklasse, doch
in seinem neusten Film sieht man nichts davon. Die
meiste Zeit abwesend wirkend, hat er nichts, das ihn
sympathisch oder tragisch macht. Waren die anderen
Menschenmonster Edward Norton und Tim Roth in „Der
unglaubliche Hulk“ (Kritik),
Jeff Goldblum in „Die Fliege“, Katherine Isabelle in
„Ginger Snaps“, vielleicht sogar John Malkovich in
„Mary Reilly“ alle auf ihre Art interessant, ist
Lawrence Talbot nichts als ein Kleiderbügel für FX
Make-Up. Es ist unglaubwürdig, dass Emily Blunts
Figur sich in ihn verliebt, ihr Leben aufs Spiel
setzt, ihn sogar retten / töten will (sie ist sich
da nicht sicher). Blunt, ansehnlich anzusehen,
bemüht sich zwar mehr als jeder andere im Film, ist
aber mit undankbarer Rolle verflucht, die ihr nichts
bietet. Einziger Lichtblick bleibt Hugo Weaving
(Agent Smith aus „The Matrix“), der als smarter
Ermittler Francis Abberline wenigstens etwas
Intensität mit einbringt. Eine große Enttäuschung
ist Anthony Hopkins, der offensichtlich unmotiviert
war. Seine Figur, ein alter Großwildjäger und
Weltenbummler, ist ein unsympathischer Mistkerl, der
niemanden mag und damit auch die ihn drehende
Filmcrew einzuschließen scheint. Gelangweilt trottet
er mit süffisanter Gleichgültigkeit durch die Sets,
rasselt lieblos Texte runter und scheint zu
portraitieren, dass das Ding schon während des Drehs
zum Scheitern verurteilt war.
Ein gruselloser Horrorfilm mit Tempo, lässt demnach
auf etwas anderes schließen. „The Wolfman“ schiebt
sich eher in Richtung „Underworld 3“ (Kritik)
und akzentuiert seine Action, die sich mit blutigem
Dauergehacke vor allem an jene richtet, die selbst
keine Geduld haben und nur ins Kino gehen, „um ein
paar starke“ Szenen zu sehen (auch wenn sich die
grundsätzliche Handlung erstklassig für ein
wirkungsvolles Drama eignen würde). Wer sich also
gern darauf beschränkt, den Wolfsmenschen Leute in
Stücke reißen zu sehen, wird großen Gefallen dran
finden, muss allerdings auch hinnehmen, dass die
Effekte für so einen teuren Film oft unzureichend sind. Sie sind prinzipiell
nicht schlecht und die Designs der Gegend und der
Wolfsmenschen sind ausgesprochen hervorragend, aber
dass es unecht ist, schimmert immer wieder durch.
Die erste große Verwandlung Talbots zeigt einmal
mehr, wie man CGI falsch einsetzen kann. Del Toros
Knochen knacken, er bekommt lange Haare und sein
Gesicht ändert sich, das Gesehene sieht jedoch
unecht, unfertig aus. Es sieht aus wie beim
Norton-Hulk, nur, dass es da um eine ohnehin
vollkommen surreale Comic-Figur ging und in diesem
Fall um ein Wesen, das glaubhaft und furchterregend
wirken soll. Computereffekte werden zuhauf
eingesetzt und so sieht oftmals nicht nur der
Wolfsmensch deplatziert aus, auch die im Computer
geschaffenen Wälder, Abgründe und vor allem das
Computer-London machen es schwer, sich jemals ins
Geschehen zu finden (teilweise fühlt man sich sogar
an „Van Helsing“ und „Die Liga der außergewöhnlichen
Gentlemen“ erinnert). Wieso man bei all dem Geld
dann nicht doch zu überzeugenderen praktischen
Effekten gegriffen hat, bleibt ein Rätsel. Selbst
der billige „Dog Soldiers“ hat zuweilen
überzeugendere Szenen als sein
x-fach teureres Pendant.
Die Action, die übrigens immer nur daraus besteht,
dass der Wolfsmensch wegläuft und zukünftige Opfer
wie Ray Charles auf ihn schießen, kulminiert
abschließend in einem albernen, hulkesken Fight
zweier Wolfsmenschen, der betrübt im Sessel sinken
lässt und fast schlechter wirkt als der Wolf-Wolf
Kampf in „Wolf“. Da das so noch nicht reicht, ist
auch die Story teils mächtig verfilzt. Obwohl die
Bürger wissen, dass ein Wolfsmensch wütet, bringen
sie sich nicht in Sicherheit; obwohl die Bürger
genau wissen (was unsinnig ist, da jemand den Fluch
aus dem Ausland brachte und der Wolf danach über 20
Jahren nicht mehr gesehen war), wer der Wolfsmensch
ist, nehmen sie es hin; obwohl ein Wolfsmensch die
Londoner Innenstadt in ein Blutbad verwandelt, kommt
Abberline mit nur einer handvoll Leuten zum
Showdown, ein irrsinnig vorbereiteter, indischer
Superkämpfer endet kampflos als Garderobe und Talbot
träumt von Leuten, die er selbst nie, andere aber
persönlich getroffen haben.
Kurzum: „The Wolfman“ wirkt trotz seiner
überdurchschnittlich langen Schaffensphase unfertig.
Der Schnitt ist holprig und talentlos zusammen
geschnippelt, die Effekte scheinen oft unfertig, die
Story löchrig. Wer nun weiß, dass Johnston ganze 18
Minuten Material vor Kinorelease entfernte, um den
Film schneller zu machen (Johnstons Aussage: „Die
Leute haben im Kino keine Geduld für so etwas,
schauen sich lieber als Extended Edition auf DVD an“
/ Anmerk.: was, Mr. Johnston, ist mit „Herr der
Ringe“, „Avatar“ (Kritik),
„Harry Potter“ (Kritik),
„Titanic“ und den vedammten „Transformers“ (Kritik)?),
darf selbst Haare kriegen: graue.
Fazit:
Die Neuauflage des Universal-Klassikers, der
eigentlich der beste, aufwendigste, größte
Werwolffilm aller Zeiten werden sollte (und hätte
werden können), ist nichts als ein mittelmäßig
gemachter, mittelmäßiger Actioner mit nervtötenden
Buh!-Momenten und fehlender Spannung.
Oberflächliches Gehacke, eine nur ausreichende
Enttäuschung.
4 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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