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KRITIK:
THE WOLFMAN
Regie:
Joe Johnston
Darsteller: Benicio del Toro, Emily Blunt
Release: 2010
von Christian Westhus
Story:
Als Schauspieler
Lawrence Talbot (Benicio del Toro) beim Besuch seines alten
Elternhauses eines Nachts von einem Werwolf gebissen wird, ist auch er
im Zeichen der Bestie verflucht. Eine Jagd gegen die Zeit beginnt, denn
während die andere Kreatur noch immer blutig wütet
und das Leben seines Vaters (Anthony Hopkins) und der Witwe seines
Bruders (Emily Blunt) bedroht, versucht ein Ermittler (Hugo Weaving),
Talbot die Krallen zu stutzen…
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Das Original
stammt aus dem Jahr 1941,
inflationsbedingt kostete es in heutigen Zahlen 2.5 Millionen Dollar
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Kritik:
Hollywood ist auf der immerwährenden Suche nach Remake-Ideen
(welch ein Oxymoron) mal wieder fündig geworden und
veranschaulichte beim Produktionsprozess, dass Tinseltown aktuell nicht
mehr alle beisammen hat. Das Vorhaben, den Wolfsmenschen von 1941
fürs 21. Jahrhundert neu aufzupeppen ist an sich sogar
vertretbar, doch das Hickhack rund um Regiewechsel, Musikerwechsel und
Streit bei den Effektleuten zögerte den Start des Films um
fast zwei Jahre hinaus. Und zur Krönung strahlt der
„fertige“ Film nun all diese Probleme in aller
Deutlichkeit aus. Von der Klassiker-Vorlage (die auch so ihre Macken
hatte) blieb gar nicht mehr so viel übrig.
Der zeitgenössische Charakter des Originals weicht, damit
Hollywood wieder hübsche Kulissen und auffallende
Kostüme präsentieren kann, denn 1891 trägt
die Dame von Welt ja nicht einfach Kleider von der Stange. Dazwischen
verirrt sich, wie bestellt und vergessen, die Geschichte von Talbot
Junior, der nach langer Abwesenheit zum familiären Anwesen
zurückgerufen wird, als man seinen Bruder gemeuchelt
auffindet. Gemeuchelt von einer ominösen Bestie, so der
dörfliche Pöbel. Nun kommt Benicio del Toro mit
wölfischem Gehstock und eimerweise schlechter Laune an und
verspricht seiner Fast-Schwägerin Emily Blunt, dass er die
Geschichte aufklären wird. Anthony Hopkins ist als
mürrischer Patriarch wohl schon eine ganze Weile nicht mehr
ganz frisch, und in glorreicher Pfiffigkeit erdreistet sich das Skript
noch, einen gewissen Inspektor Abberline mit ins Boot zu bringen. Genau
jener Abberline, der sich drei Jahre zuvor mehr oder minder erfolglos
mit einem gewissen Jack the Ripper herumgeplagt hatte. .
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Hopkins zweiter
Auftritt in einem Remake eines Universal-Klassikers;
Anfang der 90er spielte er in Bram Stokers Dracula Van Helsing.
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Für das
Zwischenmenschliche nimmt man sich wieder ausladend Zeit und da man das
recht kurze Original (keine 70 Minuten) um mehr als eine halbe Stunde
verlängert, sollte die dramaturgische Entwicklung doch gut
funktionieren. Denkt sich jedenfalls der optimistische Zuschauer und
leidet, ob der präsentierten Einfältigkeit. Regisseur
Joe Johnston weiß mit dem dramatischen Potential nichts
anzufangen und inszeniert den ganzen Rotz zu einer nervigen
Belanglosigkeit. Das Kindheitstrauma von del Toros Lawrence, die Trauer
von Blunts Gwen (übrigens inklusive
Antiquitätenladen, als kleiner Wink zum Original) und die
Annäherung der beiden, verläuft alles
gefühlskalt und langweilig. Ein Highlight bietet der geradezu
lächerlich anmutende Versuch von Romantik, als man am See
Steine übers Wasser schlittern lässt. Dem Skript
fällt einfach nichts Vernünftiges ein, um die Figuren
und ihre Darsteller irgendwie zu fordern. Emily Blunt scheint mehr
unter ihrer Beschäftigungslosigkeit zu leiden, als am Tod
ihres filmischen Verlobten. Anthony Hopkins kalauert sich als
Halbdebiler eh diverse nebulöse Verschwörungen in den
Bart und auch Hugo Weaving spult seinen Inspektor mit einer irgendwie
bezeichnenden Gleichgültigkeit ab.
Und Benicio? Der hätte von der Statur her ein idealer
Wolfsmensch sein können und darstellerisch hätte er
die innere Zerrissenheit des unfreiwilligen Monsters sicherlich
kraftvoll und ergreifend darstellen können, wenn, ja wenn man
ihm die Gelegenheit dazu gegeben hätte. Unverwandelt bringt
del Toro seinen Lawrence mit fast einem einzigen Gesichtsausdruck durch
den Film. Man merkt einfach, dass Johnston mehr Freude an den
rasanteren Szenen hatte und so sind die markantesten Neuerungen der
Modernisierung auch PC-Effekte und Gore. Blackmoor und ein London kurz
vor dem 20. Jahrhundert bieten eigentlich viele Möglichkeiten
schon durch die Umgebung Spannung und Atmosphäre aufkommen zu
lassen. Doch selbst die computerintensiven Schauplätze des
aktuellen „Sherlock Holmes“ wirken nicht so
einfältig wie diese uninspirierten Gotik-Klischees. Ein
bisschen Nebel, dreckige Straßen, tiefe Wälder und
ein unheilsschwangerer Himmel, der vor lauter Farbfiltern kaum atmen
kann. „The Wolfman“ erstickt in
Künstlichkeit, wo ihm doch etwas Reales, Authentisches
zweifellos stärker hätte wirken lassen.
Im Talbot Anwesen herrscht zwar gediegener Kerzenschein – wer
die auch immer alle anzündet -, doch spannend und unheimlich
wird es dadurch nicht. Stattdessen greift das Skript auf idiotische
Flashbacks und noch idiotischere Schocks zurück. Nicht nur ist
die gesamte Hintergrundstory, rund um Indien-Abenteuer und verstorbener
Mutter, voll von Unstimmigkeiten und Logiklöchern, sie muss
auch als Lieferant für billige Erschreck-Szenen herhalten. Auf
unterem TV-Serien-Niveau befindet man sich, wenn Benicio im See durch
lustige Spiegeleffekte an seine Kindheit erinnert wird oder wenn ein
Zimmer zunächst geisterhafte Stimmen zu beherbergen scheint,
ehe sich die Erzählung als Flashback-Off outet, der exakt gar
nichts gebracht hat. Lieblos werden unsinnige Effektszenen und weitere
Filter auf die Leinwand geklatscht, um durch ein wölfisches
Gollummonster innerhalb von 10 Sekunden gleich doppelt nach dem
gleichen Strickmuster zu erschrecken. Ähnlich lieblos ist die
Musik, wo Danny Elfman ein, zwei gute Momente erwischt, ansonsten aber
vom breiigen Rest übertönt wird. Nicht mal das
Wolfsgeheul kann überzeugen.
Die Verlagerung der Handlung in die Öffentlichkeit dient wohl auch
nur zwei Dingen: Einem erhöhten Bodycount und einer besseren
Präsentation der Verwandlungseffekte. Letztere sind jedoch von
unbeständiger Qualität und besonders im Gesicht von del Toro
passiert häufig Unglaubliches. Und wie er auf allen Vieren
läuft kann man sich in dieser beschämenden Qualität, in
einem Film dieser Größe, kaum vorstellen. Wenn das
tollwütige Hundilein dann mal einen seiner nächtlichen
Anfälle hat, geht es meist derbe und blutig zur Sache. Nah an der
Grenze zum Splatterfilm fliegen hier tatsächlich die Fetzen und
der rote Saft sprudelt für einen Film dieser Art durchaus
beachtlich. Schade nur, dass die Chose zwar Tempo, aber keinen Pfiff
hat. Die Angriffe sind ein kurzer Sturm im Wasserglas und bringen die
zerfahrene Story auch nicht weiter. Die Handlung besteht nur aus
Staffage und die zähen – und emotionslosen –
Zwischenmenschlichkeiten werden nur durch kurze Blutszenen am Leben
gehalten.
Bei der eigentlichen Familiengeschichte der Talbots und der Jagd auf
das Untier tun sich unterdessen beachtliche Logiklöcher auf, die
scheinbar gar nicht erst versucht wurden irgendwie zu verstecken. Das
Hin und Her durch Englang dient nur dem Effekt und die Auflösungen
in der Verschwörung lassen noch weiter an der Glaubwürdigkeit
zweifeln. Herrlich bescheuert übrigens auch der instant Vollmond,
den es scheinbar im Sonderangebot mit Mengenrabatt gab, so häufig
wie der in undefinierter Zeitabfolge erscheint. Schließlich
heißt es „Junior, der Teppich brennt“ und das
verkorkste Finale nimmt seinen unglückseligen Lauf.
Spätestens hier wird deutlich, wie naiv die Studioforderung nach
mehr Action tatsächlich war, denn in Sachen Albernheit nähert
man sich dem komplett verkommenen „Van Helsing“ an. Und die
Dramatik der Schlussszene verpufft komplett, weil uns die Figuren quasi
gar nicht tangieren.
Fazit:
Hollywood hat sich mit diesem lieblosen Versuch mal wieder selbst ein
Bein gestellt. Das Skript ist geradezu unterirdisch belanglos, die
Regie findet kein Gespür für gar nichts und die Darsteller
müssen geisterhafte Nullcharaktere am Leben halten. Hier und da
gibt es Tempo und ordentlich Bluteffekte, doch abseits davon versinkt
„The Wolfman“ in digitaler Künstlichkeit, die ebenso
kalt lässt wie der ganze Rest.
4 / 10
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