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"Er
ist nur ein Koch!"
Alarmstufe
Rot (1995)
(cm) Seit Ende der 90er findet man die alte Action-Regie Van
Damme, Seagal, Lundgren, Norris, mittlerweile auch Wesley Snipes und
Oscar-Gewinner Cuba Gooding Jr. fast ausschließlich auf DVD wieder.
Man könnte also meinen, dass diese ehemaligen Stars darüber äußerst
unglücklich sind, doch weit gefehlt.
Um genau zu sein ist es sogar das Beste, was ihnen je passieren
konnte und es ist letztendlich sogar verständlich, wieso sie
Angebote zu großen Kino-Comebacks regelmäßig ausschlagen.
Zu allererst fällt natürlich auf, dass die Budgets dieser Filme in
der Regel sehr begrenzt sind, was auch oftmals deutlich zu sehen
ist: schlechte Sets, schlechte Effekte, schlechte Stunts. Fast immer
wird im nahen Osten gedreht, da dort alles günstiger ist: Steuern,
Verpflegung, Unterkunft, der Großteil des eigentlichen Teams. Bis
auf die Produzenten und die Chefetage werden die meisten Mitarbeiter
direkt aus der umliegenden Gegend angeworben, um lästige
Flugkosten zu sparen und alles einfacher zu halten.
Das Budget dieser Projekte liegt in der Regel trotzdem bei stolzen
gut 10
Millionen Dollar, da etwa allein die Hälfte an den Hauptstar
selbst geht. Was das heißt? Ein Steven Seagal verdient heute ebenso viel,
wenn nicht sogar mehr als zu Zeiten von Kinohits wie
Alarmstufe Rot
und Nico. Pro Jahr sind das gut zwei- bis dreimal 3-6 Millionen
Dollar pro Film, d.h. bis zu 18 Millionen Dollar pro Jahr. Nur
wenige Hollywood-Darsteller verdienen tatsächlich so viel... und das
mit so wenig Einsatz.
Dazu kommt, dass es bei DVD-Produktionen in der Regel konform ist
keinerlei Werbung für den Film zu machen. Reisen Schauspieler für
Hollywoodproduktionen oftmals um die ganze Welt und verbringen
Monate mit Zeitungsinterviews, Konferenzen und durchgeplanten
Werbeauftritten, kann sich ein Dolph Lundgren nach Drehschluss
(meist 3-5 Wochen) sofort wieder anderen Dingen widmen - und so
natürlich auch wesentlich mehr Filme im Jahr produzieren. Seagal
beispielsweise hat seit seinem letzten Kinofilm
Halbtot
in sieben Jahren rund 20 Filme gemacht. Das sind fast drei Mal so
viel wie in den sieben Jahren davor.
Für die Macher ist das ebenfalls ein irre profitables Geschäft. Zwar
landen die Filme immer nur auf DVD, damit spart man sich aber
gleichzeitig auch die gewaltigen Filmrollen- und Werbekosten. Diese
Filme brauchen zudem keine Werbung, da jeder Fan bei Erscheinen des
nächsten "der neue Norris / Seagal / Lundgren" automatisch Bescheid
weiß, und Fans haben sie immer noch weltweit mehr als genug.
Ein nicht unwesentlicher Faktor ist auch der Einfluß. Bei einer
großen Hollywoodproduktion ist ein Millionär wie Steven Seagal auch
heute noch ein unbedeutender niemand. Wollen Produzenten in ihren
Filmen Ja Rule (Halbtot), hippe Musik und lustige Szenen (Exit
Wounds), dann kriegen sie das auch, ganz gleich, was der Star davon
hält.
Bei einer typischen DVD-Produktion dagegen geben die Stars alles
vor, so sehr, dass sich einige von ihnen sogar zu kleinen Diven
entwickelt haben. Seagal beispielsweise kommt immer nur für die
vertraglich festgelegte Drehzeit; fehlen danach noch Szenen, sind die Macher gezwungen, Doubles einzusetzen. Es kann auch
vorkommen dass ein Star sich am Drehtag weigert, seine Kleidung zu
wechseln oder statt geplanten Kampfszenen Momente im Stripclub
verlangt, was dann auch eingehalten wird. Springt der Star ab, ist das ganze Projekt
nämlich vergebens und alle arbeitslos, also tun alle was er verlangt.
Dolph Lundgren hat dadurch schon sechs Filme drehen können, etwas,
was ihn in Hollywood niemals jemand gelassen hätte. So kann man sich
nach und nach auch seine eigenen Träume verwirklichen... selbst wenn
echter Schrott dabei heraus kommt, ist es immer noch welcher mit
ihrem Stempel drauf.
Es ist auch nicht so, dass Hollywood seine alten Stars vergessen
hätte - regelmäßig bekommen die Agenten der Action-Haudegen neue
Angebote über Bloodsport 2,
Alarmstufe Rot 3,
Missing in Action 4 etc., und Traditionsfans wie Tarantino versuchen
es andauernd, die alten Gesichter in neue, vollkommen gegenläufige
Rollen zu bekommen.
Die Antwort ist aber zumeist Nein, da es für fast jeden ein echter
Rückschritt wäre - und beweisen müssen sie ja auch niemanden mehr
etwas. Ob übergewichtig, drogenabhängig oder einfach nur alt, sie
sind und bleiben die alten Ikonen und so werden ihre Filme auch
weiterhin wie verrückt geliehen, auch wenn sie qualitativ nicht mehr
an Kracher wie Sudden Death, The Punisher und Marked for Death
herankommen.
Der einzige, der bislang in den DVD-Bereich absackte und von dort
schleunigst wieder weg wollte, war Sylvester Stallone. Nach seinen
Flops mit Get Carter und Driven landete er kurzweilig drei mal auf
DVD (D-Tox, Avenging Angelo, Shade), schaffte aber sofort wieder den
Sprung auf die große Leinwand. Im Gegensatz zu seinen Kollegen war
es ihm als Oscar-Nominee nämlich wirklich wichtig, weiterhin eine
anerkannte Kino-Karriere zu haben. Einen Film wie seinen kommenden
Expendables hätte
man ihm damals nicht machen lassen, aber mit großer Mühe und
unbestrittenem Talent hat er sich wieder nach oben gearbeitet.
Newsfacts auf einem Blick:
- Produktionen schnell, günstig, hohe Gagen
- keinerlei Werbung pro Film
- großes Mitspracherecht, zum Teil auch Regie
- großer Absatz auf DVD
- nichts mehr zu beweisen
Weitere Links zum Thema:
>
BG Drehbuch-Kritik: Expendables
>
Diskussion - lesen & mitmachen
Trivia:
Dolph Lundgren ist kein Russe, sondern Schwede und hatte mal ein
Stipendium für das berühmte MIT Massachusetts Institute of
Technology.
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