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B-MOVIE ACTION

news 27.05.09

"Er ist nur ein Koch!"
Alarmstufe Rot (1995)

(cm) Seit Ende der 90er findet man die alte Action-Regie Van Damme, Seagal, Lundgren, Norris, mittlerweile auch Wesley Snipes und Oscar-Gewinner Cuba Gooding Jr. fast ausschließlich auf DVD wieder. Man könnte also meinen, dass diese ehemaligen Stars darüber äußerst unglücklich sind, doch weit gefehlt.

Um genau zu sein ist es sogar das Beste, was ihnen je passieren konnte und es ist letztendlich sogar verständlich, wieso sie Angebote zu großen Kino-Comebacks regelmäßig ausschlagen.

Zu allererst fällt natürlich auf, dass die Budgets dieser Filme in der Regel sehr begrenzt sind, was auch oftmals deutlich zu sehen ist: schlechte Sets, schlechte Effekte, schlechte Stunts. Fast immer wird im nahen Osten gedreht, da dort alles günstiger ist: Steuern, Verpflegung, Unterkunft, der Großteil des eigentlichen Teams. Bis auf die Produzenten und die Chefetage werden die meisten Mitarbeiter direkt aus der umliegenden Gegend angeworben, um lästige Flugkosten zu sparen und alles einfacher zu halten.

Das Budget dieser Projekte liegt in der Regel trotzdem bei stolzen gut 10 Millionen Dollar, da etwa allein die Hälfte an den Hauptstar selbst geht. Was das heißt? Ein Steven Seagal verdient heute ebenso viel, wenn nicht sogar mehr als zu Zeiten von Kinohits wie
Alarmstufe Rot und Nico. Pro Jahr sind das gut zwei- bis dreimal 3-6 Millionen Dollar pro Film, d.h. bis zu 18 Millionen Dollar pro Jahr. Nur wenige Hollywood-Darsteller verdienen tatsächlich so viel... und das mit so wenig Einsatz.

Dazu kommt, dass es bei DVD-Produktionen in der Regel konform ist keinerlei Werbung für den Film zu machen. Reisen Schauspieler für Hollywoodproduktionen oftmals um die ganze Welt und verbringen Monate mit Zeitungsinterviews, Konferenzen und durchgeplanten Werbeauftritten, kann sich ein Dolph Lundgren nach Drehschluss (meist 3-5 Wochen) sofort wieder anderen Dingen widmen - und so natürlich auch wesentlich mehr Filme im Jahr produzieren. Seagal beispielsweise hat seit seinem letzten Kinofilm
Halbtot in sieben Jahren rund 20 Filme gemacht. Das sind fast drei Mal so viel wie in den sieben Jahren davor.

Für die Macher ist das ebenfalls ein irre profitables Geschäft. Zwar landen die Filme immer nur auf DVD, damit spart man sich aber gleichzeitig auch die gewaltigen Filmrollen- und Werbekosten. Diese Filme brauchen zudem keine Werbung, da jeder Fan bei Erscheinen des nächsten "der neue Norris / Seagal / Lundgren" automatisch Bescheid weiß, und Fans haben sie immer noch weltweit mehr als genug.

Ein nicht unwesentlicher Faktor ist auch der Einfluß. Bei einer großen Hollywoodproduktion ist ein Millionär wie Steven Seagal auch heute noch ein unbedeutender niemand. Wollen Produzenten in ihren Filmen Ja Rule (Halbtot), hippe Musik und lustige Szenen (Exit Wounds), dann kriegen sie das auch, ganz gleich, was der Star davon hält.

Bei einer typischen DVD-Produktion dagegen geben die Stars alles vor, so sehr, dass sich einige von ihnen sogar zu kleinen Diven entwickelt haben. Seagal beispielsweise kommt immer nur für die vertraglich festgelegte Drehzeit; fehlen danach noch Szenen, sind die Macher gezwungen, Doubles einzusetzen. Es kann auch vorkommen dass ein Star sich am Drehtag weigert, seine Kleidung zu wechseln oder statt geplanten Kampfszenen Momente im Stripclub verlangt, was dann auch eingehalten wird. Springt der Star ab, ist das ganze Projekt nämlich vergebens und alle arbeitslos, also tun alle was er verlangt.
Dolph Lundgren hat dadurch schon sechs Filme drehen können, etwas, was ihn in Hollywood niemals jemand gelassen hätte. So kann man sich nach und nach auch seine eigenen Träume verwirklichen... selbst wenn echter Schrott dabei heraus kommt, ist es immer noch welcher mit ihrem Stempel drauf.

Es ist auch nicht so, dass Hollywood seine alten Stars vergessen hätte - regelmäßig bekommen die Agenten der Action-Haudegen neue Angebote über Bloodsport 2,
Alarmstufe Rot 3, Missing in Action 4 etc., und Traditionsfans wie Tarantino versuchen es andauernd, die alten Gesichter in neue, vollkommen gegenläufige Rollen zu bekommen.

Die Antwort ist aber zumeist Nein, da es für fast jeden ein echter Rückschritt wäre - und beweisen müssen sie ja auch niemanden mehr etwas. Ob übergewichtig, drogenabhängig oder einfach nur alt, sie sind und bleiben die alten Ikonen und so werden ihre Filme auch weiterhin wie verrückt geliehen, auch wenn sie qualitativ nicht mehr an Kracher wie Sudden Death, The Punisher und Marked for Death herankommen.

Der einzige, der bislang in den DVD-Bereich absackte und von dort schleunigst wieder weg wollte, war Sylvester Stallone. Nach seinen Flops mit Get Carter und Driven landete er kurzweilig drei mal auf DVD (D-Tox, Avenging Angelo, Shade), schaffte aber sofort wieder den Sprung auf die große Leinwand. Im Gegensatz zu seinen Kollegen war es ihm als Oscar-Nominee nämlich wirklich wichtig, weiterhin eine anerkannte Kino-Karriere zu haben. Einen Film wie seinen kommenden
Expendables hätte man ihm damals nicht machen lassen, aber mit großer Mühe und unbestrittenem Talent hat er sich wieder nach oben gearbeitet.

Newsfacts auf einem Blick:
- Produktionen schnell, günstig, hohe Gagen
- keinerlei Werbung pro Film
- großes Mitspracherecht, zum Teil auch Regie
- großer Absatz auf DVD
- nichts mehr zu beweisen

Weitere Links zum Thema:
> BG Drehbuch-Kritik: Expendables
> Diskussion - lesen & mitmachen

 

Trivia: Dolph Lundgren ist kein Russe, sondern Schwede und hatte mal ein Stipendium für das berühmte MIT Massachusetts Institute of Technology.

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