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Interview mit Jamie
Blanks
Jamie Blanks kennt man in
erster Linie als den
Regisseur von Düstere
Legenden, doch im
Bereich des Horrors hat
er schon des Öfteren für
Aufsehen gesorgt. Nach
Valentine: Schrei wenn
du kannst und Storm
Warning kommt jetzt sein
neuester Film, der ein
Remake des alten
Klassikers Long Weekend
ist (DVD-Start: 14.
August). Die Hauptrollen
spielen James Caviezel
(Die Passion Christi,
DejaVu) und Claudia
Karvan (Daybreakers).
Das
Interview führte Tobias
Hohmann exklusiv für
bereitsgesehen.de.

Long
Weekend
>Trailer<
>BG Kritik
zum Film<
BG:
Ihre ersten beiden Filme
"Düstere Legenden (Urban
Legend)" und "Schrei,
wenn du kannst
(Valentine)" waren
Studiofilme mit einem
recht hohen Budget. Für
einen Newcomer
ungewöhnlich. Wie kam es
dazu?
Jamie Blanks: Ich habe
aus eigener Tasche einen
knapp 3-minütigen
Trailer zu "Ich weiß,
was du letzten Sommer
getan hast" gedreht, der
auf dem Drehbuch
basierte. Das Script
bekam ich von meinem
Manager, und er wollte
dem Produzenten des
Films damit zeigen, dass
ich weiß, wie man einen
Horror-Film dreht. Er
mochte den Trailer, aber
es war bereits zu spät,
um noch einsteigen zu
können. Sie haben mir
daraufhin "Urban Legend"
angeboten.
BG: In einem Interview
betonten sie, dass sie
sehr dankbar dafür
seien, dass sie die
Filme unter diesen
angenehmen
Produktionsbedingungen
machen konnten,
bemängelten jedoch, dass
sie den Stoff nicht
umsetzen konnten, wie
sie es eigentlich
wollten. Was genau
meinten sie damit und
bedeuten diese
Erfahrungen, dass sie
Filme dieser Art nicht
mehr machen wollen?
Jamie Blanks: Das Zitat
bezog sich eigentlich
nur auf „Valentine“. Bei
„Urban Legend“ hatte ich
eine Menge Unterstützung
und freie Hand.
Valentine hat von der
MPAA ein R-Rating
bekommen und Warner Bros.
hat danach eine Menge
Gewaltszenen entfernt.
Ich denke, das hat dem
ganzen Film eine Menge
von seinem
Horror-Feeling genommen.
BG: Sie mussten für
"Valentine" sehr viel
Kritik einstecken.
Rückblickend betrachtet:
Zu Recht?
Jamie Blanks: Das kann
ich wirklich nicht
sagen. Manche Leute
mochten den Streifen,
manche nicht. Das geht
normalerweise doch immer
so. Ich wollte eine Art
Hommage an die
80er-Filme wie "Happy
Birthday to me" und "Prom
Night" machen und keinen
Film wie "Scream" oder
"Urban Legend", die sich
auf sich selbst
beziehen. Es gab viele
Verweise auf andere
Slasher, aber die Zeit
war wohl schon vorbei.
Der Film startete gegen
"Hannibal", und "Scary
Movie" war auch schon in
den Köpfen der Leute.
Die Leute hatten nach "Scream"
einfach genug Slasher
gesehen. Das Drehbuch
wurde auch ständig
umgeschrieben, was mir
auch noch nie passiert
ist. Auch danach nicht
mehr. Ich hatte aber
eine tolle Zeit, als ich
den Film gemacht habe
und durfte mit tollen
Leuten zusammen
arbeiten. Ich habe nur
gute Erinnerungen an
"Valentine".
BG: Nach "Valentine"
nahmen sie sich eine
lange Auszeit. War das
eine geplante Pause?
Jamie Blanks: Ich
arbeitete an mehreren
Projekten, die ich aus
verschiedenen Gründen
verlassen habe oder die
ich einfach nicht
hinbekommen habe. Aber
der Hauptgrund, warum
ich mich zurückgezogen
habe, ist, dass ich
einen kleinen Jungen
bekommen habe und ich
wollte nichts von seiner
Entwicklung verpassen.
Wenn ich einen Film
gedreht hätte, hätte ich
von ihm nur wenig
mitbekommen. Ich wäre
wahrscheinlich sogar in
einem anderen Land
gewesen, für Monate.
Diesen Preis wollte ich
nicht zahlen. Und dann
gab es den Zeitpunkt, an
dem ich wusste, dass es
das richtige ist, wieder
an die Arbeit zu gehen:
"Wolf Creek". Ich wollte
einen Film in Australien
drehen, ein Drehort, den
ich vorher nie in
Erwägung gezogen habe.
Ich hatte nicht gedacht,
dass das funktionieren
würde, und bin auch
jetzt noch unsicher,
obwohl ich bereits zwei
Filme hier abdrehte.
BG: Bei „Storm warning“
und „Long weekend”
führten sie nicht nur
Regie, sondern
komponierten auch die
Filmmusik, was mich an
John Carpenter erinnert.
Er wollte damals Geld
sparen. War das auch ihr
Grund für die
Doppelfunktion?
Jamie Blanks: Ich wollte
den Score selbst machen.
Ich hatte auch Pläne für
"Valentine", aber mein
Editor Steve Mirkovich
hat mir das ausgeredet.
Wir waren so sehr mit
der Post-Production
beschäftigt, dass es das
einzig richtige war, es
nicht zu machen. Bei
"Storm Warning" war das
aber eine ganz andere
Geschichte. Dort hatte
ich eine ganze Menge
Zeit, weil diese enorme
Menge an CGI benötigt
wurde, was auch seine
Zeit dauert. Es gab 800
Einstellungen in dem
Film, die entweder
digitalen Regen oder
andere CGI-Elemente
enthielten. Es hat fast
ein Jahr gedauert, bis
das fertig war, was wohl
daran lag, dass fast nur
eine einzige Person
daran gearbeitet hat und
er nicht schneller
arbeiten konnte. Daher
konnte ich mich, abseits
der Hektik der Post
Production, ohne
Zeitdruck um den Score
kümmern.
Ich habe jahrelang Musik
für Kurzfilme,
Werbespots und Dokus
geschrieben und ich
wusste, dass ich als
nächstes die Musik für
einen meiner eigenen
Filme schreiben werde.
Das war einer der
Gründe, warum ich mir
"Storm Warning"
ausgesucht habe - ich
hatte bei dem geringen
Budget viel mehr
Unabhängigkeit, als ich
es in Hollywood hätte
haben können. Ich konnte
dem Film meinen eigenen
Stempel aufrücken, wie
ich es auch bei meinen
anderen Filmen vor
"Urban Legend" machen
konnte. Es hat ungeheuer
viel Spaß gemacht, in
die moderne digitale
Filmwelt einzutauchen
und ich habe jetzt ein
ordentliches Arsenal an
Sounds zur Verfügung.
Ich plane, auch in
Zukunft mehr Filmscores
zu machen und nicht nur
zu den Filmen, die ich
selbst drehe.

Düstere Legenden
>Trailer<
BG: „Storm Warning“ war
ziemlich brutal und
hatte in Deutschland
auch Probleme mit der
Zensur. „Long Weekend“
ist jedoch völlig
anders, eher ein
Mystery-Thriller.
Wählten sie ganz bewusst
einen anderen Stoff,
oder ist das reiner
Zufall?
Jamie Blanks: "Long
Weekend" sollte von
Anfang an etwas ganz
anderes sein als "Storm
Warning", was die
Darstellung der Gewalt
angeht. Ich hatte das
Gefühl, dass ich eine
Menge von dem, was ich
in „Storm Warning“
machen wollte, auch
umsetzen konnte. Ich
wollte also etwas
anderes machen. Etwas
weniger direktes,
weniger "in your face".
Ich liebe das Original
von "Long Weekend" und
es schien mir perfekt,
die Geschichte zum
30-jährigen Jubiläum neu
zu erzählen. Und die
Geschichte ist heute
noch viel bedeutender,
als vor 30 Jahren
BG: Everett de Roche
schrieb nicht nur die
Drehbücher zu „Storm
warning“ und „Long
weekend“, sondern auch
zum Original von „Long
weekend“. Wer hatte die
Idee zum Remake?
Jamie Blanks: Wir
wollten beide wieder
zusammen arbeiten, als
"Storm Warning" so gut
ankam. Ich hab Everett
vorgeschlagen, dass wir
"Long Weekend" neu
auflegen und er liebte
die Idee. Er hat sofort
zugesagt.

Valentine - Schrei wenn
du kannst
>Trailer<
BG: Original und Remake
sind sich sehr ähnlich.
Hatten sie mit dem
Gedanken gespielt,
einige Änderungen
vorzunehmen, es etwas
mehr dem Mainstream
anzupassen?
Jamie Blanks: Ich hatte
nicht das Gefühl, dass
wir etwas daran ändern
müssen. Das Original ist
nicht sonderlich
bekannt, es schien also
logischer, sich an den
Stil zu halten, die
Everett ursprünglich
geschrieben hat. Ich
habe ein paar
Anpassungen gemacht,
z.B. das GPS System im
Auto und ein paar andere
kleine unbedeutende
Dinge - aber es ist
grundsätzlich die selbe
Story und das war die
volle Absicht. Das Ende
ist sicherlich etwas
ausführlicher/grafischer
gestaltet, aber
insgesamt gesehen hab
ich versucht, den
Grundton des Originals
beizubehalten und ich
denke, dass wir das
perfekt hinbekommen
haben.
BG: Was reizte sie an
dem Film am meisten? Die
Mystery-Elemente, die
nach und nach immer mehr
in den Vordergrund
treten? Oder war es der
vordergründige Plot –
Mensch gegen Natur?
Jamie Blanks: Die
mehrdeutigen
Storyelemente waren für
mich am
interessantesten. Es
gibt nur ganz wenige
Momente im Film, die
fast übernatürlich sind.
Für den Großteil deuten
wir nicht an, dass
Mutter Natur ihre Finger
im Spiel hat und etwas
"außergewöhnliches"
macht. Vielleicht macht
Mutter Natur auch gar
nichts und diese 2 Leute
sind so mit ihrer
Selbstsucht und ihrem
Hass aufeinander
beschäftigt, dass sie
sich Dinge einbilden. Es
ist nicht wirklich so
ein "Die Natur schlägt
zurück" Szenario und das
hat mich angezogen. Mir
gefällt es, dass der
Film mutig genug ist, 2
Menschen zu folgen, die
nicht gerade
liebenswürdig
erscheinen. Sie
besiegeln ihr eigenes
Schicksal auf viele
Weisen.
BG: „Long Weekend“
grenzt sich deutlich von
aktuellen Trends ab. Hat
das die Finanzierung
erschwert?
Jamie Blanks: Die
Finanzierung des Films
war in keinster Weise
davon abhängig, ob er
ein konventioneller
Horrorfilm werden würde
oder nicht. Es gibt da
eine verdammt derbe
Szene, die auch in
"Storm Warning" gepasst
hätte. Ich wollte, dass
dieser Moment brutal und
schockierend wird und
das ist er geworden.
BG: Im Grunde ist „Long
Weekend“ ein 2-Personen
Stück. James Caviezel
und Claudia Karvan
liefern eine exzellente
Vorstellung ab. Hatten
sie die beiden auch
schon im Hinterkopf, als
sie das Drehbuch
schrieben?
Jamie Blanks: Ich war
seit langem Fan von den
beiden und sie waren
meine erste Wahl, als
wir den Film gecastet
haben. Sie waren 2 der
wohl großartigsten und
nettesten Menschen, mit
denen ich jemals
zusammengearbeitet habe
und ich habe jede Minute
mit ihnen genossen. Ich
würde ohne zu zögern
sofort wieder mit ihnen
arbeiten, wenn sich die
Möglichkeit ergibt. In
meinen Augen waren sie
unglaublich in ihren
Rollen und haben sich
nie davor gescheut, die
schlimmsten Eigenheiten
ihrer Charaktere zum
Ausdruck zu bringen.
Dass es dabei Momente
gibt, in denen wir mit
ihnen mitfühlen, ist
umwerfend, wenn man
bedenkt, was sie sich
gegenseitig antun. Ich
weiß, dass sie es
geliebt haben,
miteinander zu arbeiten
und wir haben alle tolle
Erinnerungen an den
Dreh.

Storm Warning
>Trailer<
>BG Kritik
zum Film<
BG:
Die Umgebung, in der
„Long weekend“ spielt,
ist außergewöhnlich. Wo
fanden die Dreharbeiten
statt?
Jamie Blanks: Wir haben
den Film in einem
Nationalpark namens
Wilsons Promontory in
Victoria gedreht. Es ist
eine der tiefsten
Stellen auf dem
Australischen Festland
und einer der schönsten
Orte auf der Erde. Es
ist erstaunlich, dass
vor uns noch niemand
dort etwas gedreht hat –
wo auch immer ich mit
der Kamera draufhielt,
es wurde eine
wunderschöne
Einstellung. Ich habe
vor, dieses Jahr noch
einmal dort hinzufahren.
Vielleicht lande ich
wirklich einmal dort und
bleibe da, weil es mir
und meiner Frau so
gefällt. Es war der
erste Ort, an den ich
gedacht habe, als ich
den Film machen wollte.
BG: Was machen sie als
nächstes?
Jamie Blanks: Da gibt es
einiges. Ich arbeite
gerade an einigen
Projekten und ich bin
ziemlich aufgeregt. Ich
habe vor, noch einen
Film in Australien zu
machen. Ich würde eines
Tages auch gerne eine
Komödie machen, aber als
nächstes steht ohne
Zweifel ein Horrorfilm
an. Ich sitze gerade an
einer wirklich
furchterregenden und
fiesen Idee, an der ich
eine Menge Spaß habe.
Vielleicht habe ich das
bis zum Jahresende
fertig, vielleicht auch
erst Anfang nächsten
Jahres. Mehr kann ich im
Moment nicht sagen.
BG: Vielen Dank für das
Interview - und alles
Gute für die Zukunft!
- Tobias Hohmann
>Der
Verleih - Sunfilm.de
Die Redaktion bedankt
sich vielmals für die freundliche
Unterstützung und
wünscht weiterhin viel
Erfolg!
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