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    BG Specials


Interview mit Dean Wright und Howard Berger
Die Chroniken von Narnia waren ein großer Erfolg, also ist es kein Wunder, dass im nächsten Jahr der zweite Teil "Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia" in die deutschen Kinos kommt.

Das Team von Buena Vista war so freundlich, uns ein Interview mit den beiden Effektespezialisten Wright und Berger zu schicken. Dean Wright ist Visual FX Supervisor und hat bereits an einer Vielzahl von Blockbustern mitgewirkt, u.a. an Terminator 2, Titanic, Der Herr der Ringe, The Sixth Sense, Unbreakable und natürlich Die Chroniken von Narnia Teil 1. Für die Effekte von Narnia war er sogar mit einem Oscar nominiert.


Howard Berger ist Creature FX Supervisor und eine wahre Legende. Der Make-Up Experte hat u.a. gearbeitet an Tanz der Teufel 2+3, Scream, The Island, Nightmare on Elm Street, Sin City, Land und Day of the Dead, Hostel 1+2, The Hills have Eyes 1+2, From Dusk till Dawn, The Cell, Kill Bill, Austin Powers, Planet Terror, Death Proof und vielen anderen. Er gewann einen Oscar für das beste Make-Up für Narnia.

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BG Vorschau: Die Chroniken von Narnia 2: Prinz Kaspian


Howard Berger                               Dean Wright

Q: An welcher Szene zu Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia arbeitet Ihr Aufnahmeteam gerade?
Dean Wright: Die Szene, die wir im Augenblick vorbereiten und drehen, ist das Ende des Plans, den Peter und Kaspian ausgeheckt haben, um den Telmarern eins auszuwischen. Die Telmarer haben zwar die Narnianer umzingelt und bedrängen sie, doch dank eines verborgenen Tunnels unter den vorrückenden Telmarern werden ihnen die Narnianer sozusagen den Wind aus den Segeln nehmen. Sie legen ihnen ein beträchtliches Hindernis in den Weg, das erst einmal überwunden sein will. Wir bereiten die Aufnahme schon den ganzen Vormittag vor mit allen Details, dem Staub, den Trümmern und Kreaturen, um die Kamerabewegungen und die Beleuchtung exakt einzustellen.

Wir werden das Ganze noch einmal aufnehmen. Die letzte Aufnahme war ein wenig heftig: Die Leute von den Spezialeffekten haben die Pfeiler umgestoßen, wodurch die Decke nachzugeben und einzubrechen begann. Wir haben neu auch einen Lichtstrahl für das von oben eindringende Sonnenlicht hinzugefügt. Wir machen auch eine große Grube, in welche all die Telmarer bei ihrem Ansturm auf die Narnianer stürzen werden.

Bei unserem Team im Tunnel befindet sich auch der Riese Wetterfest. Der geht durch die Höhle und zertrümmert jede Menge Stützen. Um das ablichten zu können, haben wir alles maßstabsgetreu nachgebaut, sodass der Darsteller, der den Riesen mimt, durch den Gang laufen und die Pfeiler zertrümmern kann. Um die Augenblicke einzufangen, in denen der Riese die Pfeiler tatsächlich niederreißt, müssen wir alle CG Komparsen dort hineinbringen und etwa auf halbe Größe runterskalieren, um sie in die richtige Proportion zu Wetterfest zu bringen, damit alles gut aussieht. Dann fügen wir den ganzen restlichen Hintergrund mit einigen hundert Kreaturen ein, wie sie durch den Stollen laufen, um gewissermaßen hinter den Telmarern aufzutauchen und ihnen in den Rücken zu fallen.


Q: Werden bei Prinz Kaspian mehr CG-Szenen und visuelle Spezialeffekte zu sehen sein als im letzten Film Der König von Narnia?
Dean Wright:
Andrew hat klar gesagt, dass dieser Film noch monumentaler und spannender werden soll, mit mehr technischem Aufwand für uns. Nicht etwa deshalb, weil er nur das Publikum zum Staunen bringen will, sondern um es in diese Welt hineinzuversetzen. Je realistischer wir die CG-Animation hinbekommen, desto eher wird man vergessen, dass hier mit visuellen Spezialeffekten gearbeitet wird, und den Film einfach genießen.

Q: Gibt es bestimmte Szenen bei denen dies besonders gelungen ist?
Dean Wright: In der Mitte des Films gibt es eine riesige Schlachtszene, als sich die Kinder zu einer Burg aufmachen in der Absicht, jemanden gefangen zu nehmen, um den Frieden in Narnia wieder herzustellen und Kaspian auf den Thron zu setzen, als rechtmäßigen Herrscher über die Welt von Narnia. Die Arbeit für diese Szene übertrifft alles, was wir im vorigen Film getan haben. Wir haben haufenweise CG-Charaktere und ein ganzes Set in Miniatur, dass in unterschiedlichen Maßstäben aufgenommen wird. Eine ganze Burg im Maßstab 1:24 ist eine ziemlich große Angelegenheit. Daneben gibt es noch Szenen in größeren und kleineren Maßstäben. Diese werden in Neuseeland abgedreht, wo Richard Taylor mit seiner Firma WETA Workshop die Gestaltung übernimmt und Alex Funke mit seiner Miniatur-Crew die Kamera führt. Alex hat bereits die ganze Arbeit beim „Herr der Ringe“ und „King Kong“ übernommen. Wir sind sehr froh darüber, beide bei dieser Produktion dabei zu haben.

Es geht darum, etwas aufzunehmen, das echt und handfest aussieht, um so eine toll aussehende Burg zu erschaffen. Beim „Herr der Ringe” z.B. hat das sehr gut funktioniert. Wenn man eine gut beleuchtete und fotografierte Miniatur hat, versinkt man in dieser Welt und glaubt alles was man sieht. Und gerade darin besteht unser Anspruch. Wir wollen den Zuschauer in den Film hineinziehen, während ihn Andrew Adamson als Regisseur über all die emotionalen Höhepunkte führt. Unsere Aufgabe ist es, das zu verwirklichen, was man nicht live drehen kann, und zu verstärken, was live gedreht wird.
 


Q: Diesmal steht Ihnen Wendy Rogers als VFX Co-Supervisor zur Seite. War sie bereits an den vorigen Dreharbeiten beteiligt?

Dean Wright: N
ein, aber sie kennt Andrew Adamson (Regisseur) seit vielen Jahren. Aufgrund des gedrängten Drehplans und der enormen Arbeit gibt es doppelt so viele Außendrehs, weshalb wir die Sequenzen aufgeteilt haben. Der nächtliche Angriff auf die Burg fällt unter meine Zuständigkeit, während die Schlachtszene, welche gerade in Usti abgedreht wird, eine ihrer Szenen ist. Abgesehen davon unterstützen wir uns gegenseitig.

Q: Welcher ist ihr Liebling unter den Fabelfiguren?
Howard Berger: Ich mag die Zwerge. Ich glaube, ich habe sie bei diesem Film ins Herz geschlossen. Wir haben zwei Helden: zunächst Trumpkin, den Peter Dinklage darstellt, und Nikabrik, der von Warwick Davis gemimt wird. Beide sind wirklich genial.

Dean Wright:
Es ist schon eindrucksvoll. Sobald sie erscheinen, beherrschen sie einfach das Set. Ich glaube, es ist bisher einmalig in der Filmgeschichte, das man eine Zwergen-Schlacht zu sehen bekommt!

Howard Berger: Ja, es ist tatsächlich fantastisch! Kein Zweifel, die Zwerge sind meine Lieblingscharaktere in diesem Film.

Q: Was hat Sie bei diesen Dreharbeiten bisher vor die größten Herausforderungen gestellt?
Dean Wright:
Zwei Aspekte haben uns bei diesem Film besonders gefordert. Zum einen die ungeheure Vielgestaltigkeit der Figuren, sowohl was das Alter als auch ihr Geschlecht betrifft.

Howard Berger: Genau, wir wollten ebenso alte Faune haben und schwergewichtige Charaktere, schwarze Zentauren, also eine ganze Palette unterschiedlichster Geschöpfe.

Dean Wright: Im Kern geht es darum, die Charaktere in ihrem Aussehen zu variieren, was wir wiederum in den digitalen Figuren nachbilden müssen.

Das ist also einer der Gründe für unseren erhöhten Arbeitsaufwand. Der andere ist, dass sich Andrew zum Ziel gesetzt hat, die Barriere zwischen CG und Wirklichkeit zu durchbrechen, indem beide Welten miteinander verquickt werden. Die lebendigen Darsteller haben also viel mehr Berührung mit den CG-Figuren. So streckt sich beispielsweise Lucy zu Aslan vor. Sie umarmen einander, fallen zu Boden und Lucy rollt auf ihn. Und wir müssen das sauber hinbekommen. Mal werden die Kinder von Griffins getragen, ein andermal reiten sie auf Zentauren. Es ist eine beträchtliche Herausforderung, das alles so zu gestalten, dass es auch echt aussieht. Wir bemühen uns um etwas, das nicht die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen und ablenken darf. Es soll wie selbstverständlich aussehen. Das ist unser Anspruch, mit dem wir an die Arbeit gehen. Ich verfechte stets mit Nachdruck, dass die visuellen Effekte in keinem Fall die Story überschatten dürfen. Selbst bei einer Produktion wie dieser geht es nicht um visuelle Spezialeffekte, sondern eben um die Kinder.

Beim ersten Film war das genauso. Im Mittelpunkt stehen die Geschwister, ihre Geschichte und ihr Abenteuer. Daran ändert sich nichts. Jedes der Kinder hat eigene Probleme zu bewältigen. Sie gelangen nach Narnia mit einer vorgefassten Vorstellung, wo sie sich befinden. Peter glaubt, er könne alles alleine machen. Lucy fehlt es an Mut, für ihre Überzeugungen einzutreten. Susan will sich nicht eingestehen, dass sie in Narnia sein will. Andererseits akzeptiert sie nicht, dass sie tatsächlich dort ist, und ist unentschieden, ob sie Narnia verlässt oder nicht. Edmund möchte erwachsen werden, in die Geschehnisse eingreifen und ein Mann sein. Sie alle müssen mit ihren Problemen zurechtkommen. Wenn man das nicht berücksichtigt und einfach versucht, alles gut aussehen zu lassen, aber von dem ablenkt, auf das man eigentlich achten sollte, oder gar von der Story selbst, dann ist dem Film nicht geholfen. Dann haben wir den Film verunstaltet. Das wird gerade bei diesem Film deutlich. Denn er wird zwar im Sommer in die Kinos kommen, soll aber vom Publikum nicht als
x-beliebiger Blockbuster wahrgenommen werden. Der Film soll den Sinn in sich tragen, den die Bücher über 50 Jahre für eine große Leserschaft hatten, und eben den wollen wir rüberbringen.

Q: Der Film wird also folglich einen etwas finsteren Einschlag erhalten?
Dean Wright:
Es wird nach wie vor ein Film für die ganze Familie sein, auch wenn er etwas düsterer ist. Die Zeiten sind härter geworden und die Geschwister haben mit ihrer tausendjährigen Abwesenheit schwere Schuld auf sich geladen, selbst wenn sie nicht gehen wollten. Sie sind ja nicht aus eigenem Antrieb gegangen, sie haben gewissermaßen nur in einen Schrank gespäht. Dabei haben sie allerdings ein heilloses Durcheinander hinterlassen. Die Telmarer sind eingedrungen und haben eine Menge Freunde dieser Kinder unterdrückt, weshalb diese armen Kreaturen ein Dasein im Untergrund fristen. Daher sind die Geschwister Wiedergutmachung schuldig und sie werden diesen Geschöpfen um jeden Preis helfen, das zurückzuerlangen, was ihnen rechtmäßig zusteht, und zwar hoffentlich auf eine Weise, in der alle am Ende friedlich miteinander leben können. Darin liegt die Botschaft des Films, sieht man von den persönlichen Kernaussagen zu den Kindern ab, und eben damit soll der Zuschauer den Kinosaal verlassen.

Q: Werden wir die Minotauren wiedersehen?
Howard Berger: Na klar! Andrew Adamson (Regisseur) hat weitere Minotauren ins Drehbuch geschrieben. Beim ersten Film waren sie sehr beliebt. Ich fürchtete schon, sie seien für ein Comeback nicht gut genug gelungen. Doch dann rief Andrew an und sagte, er wolle einige Minotauren einfügen. Vor allem diesen hier – Asterius, den Anführer der Minotauren. Das letzte Mal haben wir 25 Minotauren kreiert, diesmal werden es nur vier sein, ohne großen mechanischen Aufwand. Asterius erhält ein Kostüm mit beweglicher Muskulatur und Wasserbeuteln im Brustraum. Das Kostüm ist von Hand genäht, jedes Haar, das man sieht, ist einzeln in den Elasthan Anzug gefügt, welcher dann über die Muskulatur genäht wird. Das gleiche gilt für den Kopf. Die Haare sind über den gesamten Kopf einzeln eingelassen. Rob Gary, unser Chefmechaniker am Set, hat eine komplette Fernsteuerung entworfen, so dass der Minotaur tatsächlich all diese tollen Dinge vollbringt. Asterius ist über den halben Film zu sehen und auch bei der nächtlichen Überfallszene dabei, was in gewisser Weise die Lage rettet –tragisch aber heroisch. Dann haben wir noch den heldenhaften Satyr Tyrus, für den wir gleichfalls einen mechanischen Kopf und Körper mit allem Drumherum geschaffen haben. Die Hörner des Minotauren sind ziemlich angeschlagen. Wir wollten den gealterten Minotauren auch deshalb, weil er weit herumgekommen, mit Narben übersäht und stark in Mitleidenschaft gezogen ist.

Es geht um die realistische Darstellung, welche die Story weiterträgt, ohne aufdringlich zu wirken. Die Kinobesucher sollen nicht denken: „Oh, schau mal, da wurde ein Make-up Effekt eingesetzt und hier wurde ein digitaler Trick verwendet“. Das war auch beim ersten Film nicht der Fall. Dort ging es mir so, dass ich gedacht habe: „Oh mein Gott, da steht wahrhaftig Mr. Tumnus vor uns; er ist fertig!“ Bei diesem Film wird es sicherlich genauso sein. Es ist jedes Mal ein herrliches Gefühl, wenn ein Film abgeschlossen ist. Selbst wenn mich Andrew beim ersten Film mehrmals einlud, einige unfertige Szenen anzuschauen, mochte ich gar nichts davon wissen. Wenn überhaupt wollte ich den fertigen Film in voller Länge sehen und mich davon überraschen lassen, was Dean alles geleistet hat. Ich denke, diesmal wird es nicht anders sein. Ich finde es stets atemberaubend, wenn man bedenkt, wie das Set ausgesehen hat und wie es im Film rüberkommt. Das ist ein Riesenunterschied. Dean und seine Crew werden Abertausende Kreaturen hinzufügen.

Q: Erzählen Sie uns ein wenig von den neuen Helden in diesem Film, wie der Maus Flitzeflink?
Dean Wright:
Flitzeflink wird cool aussehen. Wir haben bereits einige Entwürfe angefertigt. Mit seiner Kreation wurde die Moving Picture Company in Los Angeles beauftragt. Die werden die ganze Arbeit machen. Die Maus sieht gut aus, ist sehr mutig und gefährlich, aber zugleich auch putzig. Zu niedlich soll sie jedoch nicht sein, denn es handelt sich um einen wirklichen Helden und Kämpfer. Die Maus unterstützt schließlich die Narnianer in der Schlacht gegen die Telmarer, deshalb darf sie nicht lächerlich wirken. Das macht den feinen Unterschied in diesem Film aus, den wir das letzte Mal nicht hatten. Wir haben es mit CG-Charakteren zu tun, die zunächst Tiere sind und echt aussehen müssen, also nicht wie eine Zeichentrickfigur. Das gilt besonders für Flitzeflink. Es gibt jede Menge lustige Momente, aber auch ernsthafte Augenblicke. Für das Publikum wird er eine wichtige Rolle spielen. Im Buch sehen Flitzeflink und seine Familie einander sehr ähnlich. Im Film dagegen sieht jeder völlig anders aus und erhält einen eigenen Ausdruck.

Die Redaktion bedankt sich für die freundliche Unterstützung und wünscht weiterhin viel Erfolg.

 

 




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