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    BG Specials


Interview mit Daniel Myrick
Der Name Myrick mag einem auf Anhieb nicht bekannt vorkommen, aber seinen Film hat mit Sicherheit so ziemlich jeder gesehen: zusammen mit seinem Freund Eduardo Sanchez hat der Mann aus Florida einen der auffallendsten Horrorfilme des letzten Jahrzents gemacht: Blair Witch Project.
Anlässlich des bald 10jährigen Jubiläums von BWP haben wir mal nachgefragt, wie er in Retrospektive auf seinen Hit zurückblickt und natürlich auch, wie es mit seinen anderen Projekten aussieht.

Das Interview führte Tobias Hohmann exklusiv für bereitsgesehen.de.


Eduardo Sanchez und Daniel Myrick
(Bild von smh.com)

BG: Wenn du zurückblickst, siehst du Blair Witch Project dann als Fluch oder Segen an?
Daniel Myrick: Als Segen. Sicherlich war es schwer, aus dieser Schublade rauszukommen, in die man gesteckt wird. Aber gleichzeitig hat es mir viele Türen geöffnet. Meine Familie und ich sind zudem nicht nur finanziell abgesichert, sondern ich habe außerdem einen Platz in der Geschichte des Kinos eingenommen, wovon ich früher nur träumen konnte.

BG: Was denkst du über Blair Witch 2? Und wie hätte deine Version ausgesehen?
Daniel Myrick: Ich war nicht glücklich mit Blair Witch 2 und denke, dass er aus den falschen Gründen gemacht wurde. Wie auch immer: Artisan hatte die Rechte am Franchise und wollte Kapital aus dem Hype schlagen, den der erste Film mit sich gezogen hat. Wir (Haxan) hatten gehofft, dass der Film dem Blair Mythos gut tun würde und haben dem Film unseren Segen gegeben, wollten den Film aber nicht selbst machen. Der Zug wäre so oder so abgefahren. Mit oder ohne uns. Wir haben uns also am Bahnsteig von ihm herzlich verabschiedet.

BG: Die Rechte von BWP liegen jetzt bei Lionsgate. Da momentan dutzende Filme neu aufgelegt oder fortgesetzt werden (bzw. eine Vorgeschichte bekommen), würde dir dann die Idee gefallen, irgendwann Teil des Teams um einen neuen BWP-Films zu werden?
Daniel Myrick: Ja. Vorausgesetzt, Ed und die anderen Leute würden wieder mit daran arbeiten, würde ich dem ganzen total offen gegenüberstehen. Ich weiss, dass wir Lionsgate vor einer Weile ein Konzept für ein Prequel vorgelegt haben. Das wurde aber abgelehnt. Vielleicht wollen sie eines Tages nochmal Ideen sammeln und das ganze doch noch anpacken. .


Blair Witch Project avancierte 1999 zum großen Hit
Budget: 60,000 $
Einspiel: 250,000,000 $



Teil 2 folgte 2000, hatte aber
mit dem ersten fast nichts zu tun.
Budget: 15,000,000 $
Einspiel: 50,000,000 $

BG: Die Marketingkampagne und der Stil des Films waren ziemlich außergewöhnlich. Selbst heute kann man sehen, dass dieser Stil noch in Filmen wie Cloverfield, [REC] und dessen Remake Quaratine verwendet wird. Wie denkst du darüber und wie fühlt es sich an, einer der Leute zu sein, die dieses Phänomen ausgelöst haben?
Daniel Myrick: Es schmeichelt mir, als einer dieser Leute bekannt zu sein aber ehrlich gesagt, gibt es diesen "Realismus" schon eine ganze Weile. Blair hat das ganze nur bekannt gemacht und ins Mainstreamkino gebracht. Alles was ich tue, wurde irgendwie von anderen Filmen beeinflusst, ob direkt oder indirekt. Und deswegen hat, glaube ich zumindest, niemand wirklich das Recht, Originalität für sich zu beanspruchen.

BG: 2006 war das Jahr deines ersten richtigen Films nach Blair, Solctice. Dazwischen hast du eine Dokumentation (The Strand) gemacht. Warum hat es so lange gedauert, bis du wieder etwas Neues gemacht hast? Und warum hast du dich gerade für diesen Film als nächsten Schritt entschieden?
Daniel Myrick: Eigentlich haben wir The Strand, eine Web-Episoden-Geschichte (www.strandvenice.com), 2004 gemacht. Es hat also nicht so furchtbar lang gedauert, bis ich wieder etwas gedreht habe. Eine ganze Menge Menschen wissen einfach nichts von The Strand und das wir daran gearbeitet haben. Kaum jemand hat es wahrgenommen. Ich wollte The Strand machen, weil es etwas war, das ich selbst finanzieren konnte und die volle Kontrolle über alles hatte. Nicht zu vergessen, dass ich etwas produzieren konnte, dass sich jenseits des Horror-Genres befand. Es war eins der wohl belohnendsten Projekte, an denen ich jemals beteiligt war.

BG: Solstice ist ein Remakes des schwedischen Films "Midsommer" aus dem Jahr 2003. Hast du dir das Original vorher angesehen?
Daniel Myrick: Ja. Ich habe den Film geliebt. Im tiefsten Inneren war es eine Tragödie.

BG: Eduardo Sanchez hatte eine Menge Probleme damit, seinen Film "Altered" zu veröffentlichen. Aus einem ursprünglichen Kino-Release wurde er durch diverse Umstände nur im kleinen Rahmen als DVD-Release auf den Markt geworfen. Was ist mit Solstice? Sollte er von Anfang an auf DVD erscheinen oder hast du auch Probleme erfahren müssen? Solstice sah ziemlich gut aus und sogar R. Lee Ermy aus den beiden neuen Texas Chainsaw Massacre Filmen spielt mit, die beide ziemlich erfolgreich an den Kinokassen waren.
Daniel Myrick: Ich denke, dass wir beide eine Veröffentlichung im Kino angestrebt hatten. Es gibt soviele Umstände, die darüber entscheiden, was passiert und was nicht. Als Filmemacher hat man darüber absolut keine Macht. Die Reaktionen von den Zuschauern, vorhandenes Interesse, der Filmverleih, ein passender Zeitpunkt, etc. Das ist alles unglaublich schwer vorauszusehen, wenn man auch noch die Kosten bedenken muss. Man muss abwägen, ob sich ein Kinostart oder eine direkte DVD-Veröffentlichung mehr rentiert. Die Studiobosse haben entschieden, dass Solstice es nicht wert sei, ins Kino gebracht zu werden..


Daniel Myrick am Set

BG: Was hat dich zu deinem düsteren Thriller "Believers" inspiriert?
Daniel Myrick: Ich war schon immer von Kulten fasziniert. Ich dachte, es wäre interessant, mal die Situation darzustellen, dass einer dieser Kulte möglicherweise Recht hätte. Dass der Tag des Jüngsten Gerichts wirklich existiert.

BG: Wie ist es dazu gekommen, dass du einer der Raw Feed [Verschiedene Filme werden unter diesem Label bei Warner Bros. Veröffentlicht. Anm. d. Red.] Produzenten geworden bist? Hast du auch an Rest Stop 2 mitgewirkt?
Daniel Myrick: Tony Krantz kam auf uns zu und bat uns, an einer Konzeptsammlung mitzumachen, die mehrere Genres umfassen würde. Eine Liste von Projekten, die wir angehen sollten. Anfänglich war es für das Fernsehen gedacht aber letzten Endes hat Warners Home Video Label zugegriffen um sie auf DVD zu veröffentlichen. Wir 3 kriegen Geld für jeden Film. Nur bei den letzten 3 Filmen, unter denen sich Rest Stop 2 befindet, hat jeder von uns an einem eigenen Projekt als "Aufpasser" gearbeitet. Rest Stop 2 ist das Baby von John Shiban, da er das Drehbuch geschrieben hat.

BG: "Inhuman" ist ein weiterer Titel, bei dem du als Produzent mitwirkst. Wird das ebenfalls ein Streifen von Raw Feed? Und worum geht es genau? Die anderen Arbeitstitel – Alien Raiders und Supermarket – klingen ziemlich verrückt.
Daniel Myrick: Vertrau mir, ich bevorzuge den Titel "Inhuman", aber Warner hat die Rechte daran. Sie können aus dem, was wir ihnen gegeben haben, machen, was sie wollen. Es ist der 6. Raw Feed Film, der bis jetzt produziert wurde.

BG: Dein neuer Film "The Objective" wurde kürzlich uraufgeführt. Wie kam er generell an? Was hast du für Meinungen bekommen? Kannst du für uns die Story in 1 oder 2 Sätzen zusammenfassen? Soll er ins Kino oder auf DVD erscheinen?
Daniel Myrick: Wir hatten in Tribecca Weltpremiere. Das Feedback aus dem Publikum war fantastisch. Die Leuten waren begeistert. Grundsätzlich geht es um einen Trupp einer Special Forces Einheit, der von einem CIA-Agenten angeführt wird. Sie betreten die heiligen Berge Afgahnistans, um dort einen Kleriker Namens Muhammed Aban zu finden, der sich angeblich dort befindet. Doch dort treffen sie auf eine "Kraft", mit der keiner gerechnet hätte. Ehrlich gesagt, weiß ich noch nicht, welchen Release The Objective bekommt. Die Verhandlungen laufen noch.


Daniel Myrick

Fragen zur Gegenwart

BG: "The Objective" spielt in Afgahanistan im Jahre 2001. Also zeitlich nah am Krieg. War das Absicht oder ist das reiner Zufall?

Daniel Myrick: Nun ja, ich dachte, dass es Sinn machen würde, den Zeitrahmen um den 11. September zu nutzen, wenn ich schon mit einem Special Forces Team als Ausgangsbasis arbeiten würde.

BG: "Savant" - dein nächster Film. Kannst du uns auch noch sagen, worum es darin gehen wird?
Daniel Myrick: Eine etwas andere Angehensweise an das Thema "Serienkiller". Der Bösewicht hat eine Art an sich, die aus ganz normalen Menschen Massenmörder macht, indem er einfach ganz normale Gespräche mit ihnen führt.

BG: Eduardo hat vor kurzem über eine Komödie gesprochen, die er gerne mit dir verwirklichen würde. Gibt es diesbezüglich ein paar Neuigkeiten?
Daniel Myrick: Da gibt es noch nichts, was das angeht. Eduardo und ich haben einige Ideen, die wir gerne umsetzen würden und wir hoffen, dass wir ein paar ahnungslose Geldgeber oder Studios überzeugen können, die uns unsere albernen Komödien bezahlen werden.



Solstice - von Regisseur Daniel Myrick
>Trailer



Believers - der neue Film von Regisseur Myrick
>Trailer

BG: Welcher deiner Filme ist dein Lieblingsprojekt?
Daniel Myrick: Das ist sehr schwer zu sagen. Ich schwanke zwischen "The Strand" und "The Objective", da beide aus originalen Konzepten geboren wurden und ich ziemlich viel Kontrolle hatte... auf Gedeih und Verderb.

BG: Deine Filme bauen nicht auf Blut und Goreszenen auf, anders als Filme wie Saw, Hostel, Captivity oder Inside. Wie stehst du dem hohen Gewaltgrad gegenüber, den man in diesen Filmen sieht?
Daniel Myrick: Fast alles hat irgendwo seinen Platz. Selbst solche Gewalt kann gut funktionieren, wenn sie an der richtigen Stelle eingesetzt wird. Es ist nur so, dass ich häufig fest stelle, das es einfach unangebracht ist. Ich persönlich liebe die Herausforderung, Spannung oder Angst durch psychologische Mittel rüberzubringen. Ich bevorzuge es, nicht immer alles zeigen zu müssen.

BG: Eine letzte Frage - was wäre dein absolutes Traumprojekt?
Daniel Myrick: Die "Foundation"-Serie von Isaac Asimov.
 


The Strand - der neue Film von Daniel Myrick
>Trailer

Die Redaktion bedankt sich für die freundliche Unterstützung und wünscht weiterhin viel Erfolg.

 

 




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