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Interview mit Alex
Proyas (Knowing)
Mit The Crow und Dark City
schuf der äußerst
kreative Alex Proyas
zwei große Kultklassiker
der 90er, nach dem
Millenium machte er dann
mit I, Robot einen der
erfolgreichsten
Science-Fiction Filme
der letzten Jahre. Jetzt
will er es wieder wissen
- mit seinem schaurigen
Zukunftsthriller
KNOWING, der am 9. April
in den deutschen Kinos
startet. Hauptrolle:
Nicolas Cage!
Das
Interview wurde uns mit
freundlicher
Unterstützung von
Concorde zur
Verfügung gestellt.

"Knowing"
Q:
Herr Proyas, was steckt
hinter der doch sehr
düsteren,
apokalyptischen
Zukunftsvision
von KNOWING?
Alex Proyas: Nun, ich
werde an dieser Stelle
natürlich nichts über
das Ende des Films
verraten, denn das
wäre in diesem Fall ganz
besonders fatal. Aber
davon abgesehen,
empfinde ich den Film
ohnehin nicht als einen
düsteren oder
pessimistischen, sondern
halte ihn im Gegenteil
für sehr hoffnungsvoll.
Letzten Endes handelt er
von der Hoffnung, die
wir an unsere Kinder
weitergeben, und davon,
dass das Leben in der
Zukunft weiter geht.
Vorher passieren
natürlich auch einige
fürchterliche Dinge –
aber das ist ja in den
tatsächlich
apokalyptischen Zeiten,
in denen wir leben, noch
nicht einmal mehr etwas
Besonderes. Es war mir
also wichtig, dass der
Film die Zeit
widerspiegelt, in der er
entstanden ist. Außerdem
sollte KNOWING ein
Katastrophenfilm sein,
der seinem Namen auch
alle Ehre macht und am
Ende nicht feige kneift.
Aber noch wichtiger war
mir, wie gesagt, die
Hoffnung.
Q:
Was meinen Sie, wenn Sie
von apokalyptischen
Zeiten sprechen? Könnte
das Ende der Welt
tatsächlich nahe sein?
Proyas: NIch hoffe es
natürlich nicht. Und
wenn ich wissen würde,
dass es so ist, dann
würde ich vermutlich nur
noch wie ein Irrer
schreiend durch die
Gegend rennen und
versuchen, die Leute
zu warnen. Aber ich bin
auf jeden Fall der
Ansicht, dass unsere
Zivilisation
mittlerweile an einem
Punkt angelangt ist, an
dem wir Menschen einige
wirklich ernsthafte
Entscheidungen treffen
müssen. Wir müssen
aufhören, unseren Kopf
in den Sand zu stecken
wie ein Vogel Strauß,
was wir leider viel zu
gerne und viel zu oft
tun. Stattdessen müssen
wir endlich etwas
verändern, denn die Zeit
wird bald knapp. Wenn
ich dafür mit KNOWING
noch einmal ein wenig
Aufmerksamkeit schaffen
kann, würde mich das als
Regisseur natürlich sehr
glücklich machen.
Q: Dass es die kommende
Generation, also unsere
Kinder, ist, auf deren
Schultern die Hoffnungen
und Erwartungen der
Menschheit liegen –
haben wir das schon
wirklich begriffen?
Proyas: Nein, leider
nicht, und das ist sehr
traurig. Es erscheint
auf den ersten Blick so
offensichtlich,
aber trotzdem
hinterlässt jede
Generation der nächsten
einen riesigen Haufen
Mist, ohne sich darüber
Gedanken zu machen. Ich
finde es höchst
erstaunlich, dass
Menschen sich
individuell immer wieder
unglaublich Sorgen um
ihre Kinder machen,
wovon aber kaum etwas
übrig bleibt, sobald es
nicht mehr um den
Privatbereich, sondern
die Allgemeinheit geht.
Dabei muss es in meinen
Augen das Wichtigste
sein, der kommenden
Generation nicht nur
Hoffnung, sondern eben
auch eine Welt zu
hinterlassen, die nicht
völlig ruiniert ist.

Cage sieht die Zeichen
Q:
Haben Sie denn
Recherchen angestellt,
wie realistisch die im
Film gezeigten Szenarien
sind?
Proyas:
Selbstverständlich!
Alles was wir zeigen,
ist zwar nicht unbedingt
wahrscheinlich, aber
absolut
im Bereich des
Möglichen. Es war uns
schon sehr wichtig, dass
von der
wissenschaftlichen Seite
her alles stimmt, selbst
wenn vermutlich eher ein
Meteorit die Erde
zerstören wird, als dass
das eintritt, was sich
in KNOWING ereignet.
Q:
Wie stark ist Ihr
eigenes Interesse an der
Zukunft, an
Prophezeiungen? Würden
Sie wissen wollen, was
Ihnen und Ihren Lieben
bevorsteht?
Proyas: Wirklich
beantworten kann ich
Ihnen das nicht.
Immerhin habe ich einen
ganzen Film zu dieser
Frage gedreht und mich
in den vergangenen
Jahren eigentlich mit
nichts anderem
beschäftigt
als mit allen möglichen
Positionen dazu. Rose
Byrnes Figur hat in
KNOWING auf die Frage
eine ganz andere Antwort
als Nicolas Cage, aber
ich finde beide sehr
nachvollziehbar. Dass
dieses Thema auf jeden
Menschen eine gewisse
Faszination ausübt und
dabei immer wieder eine
ganz individuelle
Angelegenheit ist, fand
ich an dieser Geschichte
besonders spannend.
Q: KNOWING besticht
durch einige
beeindruckende Bilder
und Szenen. Welche davon
hatten Sie
schon vor Drehbeginn
ganz klar im Kopf?
Proyas: Den
Flugzeugabsturz
beispielsweise sah ich
schon ganz klar vor
meinem inneren Auge, als
wir noch am Drehbuch
arbeiteten. Ich wusste
immer, wie ich ihn
drehen würde, nämlich in
einem einzigen Take.
Auch den Polizisten, der
erschrocken hoch guckt
und dann wegläuft, hatte
ich früh im Kopf, denn
ich
finde es immer höchst
amüsant, wenn Polizisten
wegrennen wie Feiglinge.
Es ging jedenfalls nur
noch darum, wie ich das
technisch alles umsetzen
kann. Bei anderen Szenen
wie etwa dem U-Bahn-
Crash hatte ich vorab
eine grobe Ahnung, was
passieren sollte, doch
den genauen Ablauf haben
wir
dann in der direkten
Arbeit entwickelt. Ich
habe mich dieses Mal
gezwungen, nicht ganz so
strukturiert
und mit Storyboards
geplant zu arbeiten, wie
ich es sonst eigentlich
immer tue. KNOWING
sollte unmittelbarer,
echter und mitunter
improvisierter wirken
als alles, was ich
bisher gemacht habe.
Q: Wie haben Sie den
Flugzeugabsturz
überhaupt gedreht? Was
ist in dieser Szene CGI
und was ist echt?
Proyas: Es ist wirklich
eine Mischung aus
beidem, letztlich um
genau die Wirkung zu
erzielen, die ich
eben beschrieben habe.
Spezialeffekte sind ja
heutzutage überhaupt
nichts Besonderes mehr.
Selbst mein Vater weiß
mittlerweile, wie solche
Tricks entstehen.
Deswegen wollte ich ein
bisschen weg von diesem
stilisierten Ansatz des
Filmemachens, denn die
Leute sollten wirklich
das Gefühl haben, dass
sie etwas Echtes sehen.
Also habe ich versucht,
alles ein wenig
aufzumischen und
tatsächliche Explosionen
und Requisiten mit
Computertricks
kombiniert.

Q:
Vielleicht noch ein Wort
zu Ihrem
Hauptdarsteller...
Proyas: Oh, Nicolas Cage
ist wunderbar! Ich war
immer schon ein großer
Fan von ihm, denn bei
ihm
weiß man nie, was einen
erwartet. Er macht nie
zweimal das gleiche und
schafft es immer wieder,
mich vom Hocker zu
hauen. Seine Stärke
liegt wirklich darin,
dass er an jede
Geschichte und jede
Figur mit enormer
Leidenschaft und
Intensität herangeht.
Ich wusste also, dass
ich mit jemandem
zusammenarbeite, der
unglaublich mutig ist in
seiner Arbeit und sich
nicht ständig
hinterfragt. Genau das
zeichnet meiner Meinung
nach einen großen
Schauspieler aus. Sobald
die Kamera lief, war er
nicht mehr Nicolas Cage,
sondern John Koestler.
Daran lag mir enorm
viel, denn noch keinem
meiner Filmhelden fühlte
ich mich so nahe wie ihm
– und Nic ging es
anscheinend ähnlich.
Fast wollten wir daraus
schon schließen, dass
wir beiden also
letztlich ein und
dieselbe Person seien.
Q:
Gedreht haben Sie in
Ihrer Heimat Australien.
Warum?
Proyas: Die
ehrliche Antwort lautet
ganz schlicht: weil es
einfacher ist. Rein
logistisch gesehen, denn
ich habe mittlerweile
schon so oft dort
gearbeitet, dass ich
alle Strukturen gut
kenne und bereits
ein eingespieltes Team
zur Verfügung habe. Im
Grunde ist es heutzutage
ja fast egal, wo man
einen Film dreht, denn
alles lässt sich
künstlich herstellen.
KNOWING spielt unter
anderem in Boston und
New York, dabei haben
wir für den Dreh
(abgesehen von Aufnahmen
der Second Unit
natürlich) Australien
nie verlassen. Es sprach
also alles dafür, zu
Hause zu bleiben!
Die Redaktion bedankt
sich für die freundliche
Unterstützung und
wünscht weiterhin viel
Erfolg.
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