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Artikel:
Flops 2006


von Christian Mester

Wie jedes Jahr gab es auch 2006 wieder jede Menge Quark im Kino zu sehen, darunter Pulse - du bist tot bevor du stirbst, Aeon Flux, Scary Movie 4, Date Movie, Bloodrayne, The Fog, The Dark, Roll Bounce, Himmel & Huhn, Eine zauberhafte Nanny, Im Dutzend billiger 2, In the Mix, Big Mama's Haus 2, Tristan & Isolde, Tierisch wild, The Sentinel, Aquamarin, American Dreamz, Open Water 2, Zum Glück geküsst, Little Man, Cars, She's the Man, Bierfest, Der tierisch verrückte Bauernhof, Lukas, der Ameisenschreck, Alien Autopsy, Idlewild, 7 Zwerge 2, The Shaggy Dog, Der Pakt, Die Super-Ex, Hui Buh, Flutsch und Weg.

Ja, die liefen alle 2006 an. Was folgt, sind außerdem 10 ausgesuchte Sonderkandidaten, die vermasselt wurden, es aber nicht hätten sein brauchen. Schauen wir mal, was leider nichts wurde:


10 - Dick und Jane (Remake)

Wie schafft man es, eine Komödie mit Jim Carrey zu vermurksen? In Dick & Jane langweilt sich der mal bestbezahlte Komiker durch einen laschen Film, sichtlich bereit, sofort auf Kommando durchzustarten. Der Schuss aber kam nie. Wer weiß, vielleicht sind seine lustigen 90 Minuten in den deleted Scenes auf der DVD zu finden. Im Kino waren sie nicht.


9 - Superman Returns

Vorweg, Superman Returns ist strikt genommen kein schlechter Film. Das Problem? Es ist kein würdiger neuer Teil. Ganz gleich ob Remake, Fortsetzung oder Neuinterpretation, Bryan Singers Superman ist einfach nicht das, was der berühmteste Comic-Held aller Zeiten verdient gehabt hätte. Ein Superman braucht gewaltige Hindernisse und Gegner, nicht einfach nur einen riesigen Klumpen Kryptonit; er muss mit Stolz und Anmut durch die Welt fliegen und ein Vorbild sein, nicht von Menschen gerettet werden. Superman hätte in seinem Comeback alle anderen Actionfilme (und vor allem Comic-Filme) an Effekten, Spannung, Action, Dramatik überbieten müssen. Selbst Batman Begins hätte gegen den neuen Stählernen klein aussehen sollen. Er hätte der Herr der Ringe der Comic-Verfilmungen sein müssen. Kinder die ihn dieses Jahr sahen, hätten noch in 30 Jahren mit leuchtenden Augen von diesem Kinoerlebnis erzählen müssen.


8 - Poseidon (Remake)

Wolfgang Petersen (Das Boot, Troja, Unendliche Geschichte) kann sehenswerte Filme machen, aber sein Remake von The Poseidon Adventure ist 2006 untergegangen. Grund 1: man nimmt keinen Josh Lucas als Hauptfigur, wenn "die Klapperschlange" Kurt Russell daneben steht. Grund 2: in einem Katastrophenfilm müssen Figuren sympathisch sein, ansonsten ist alles darauf folgende unbedeutend. Sind diese nicht, besonders der dauergelangweilte Richard Dreyfuss nervt. Grund 3: man wirbt nicht mit durchaus fantastischen Effekten, wenn die nur kurz am Anfang vorkommen und man danach nur noch durch enge Kabinen und Gänge poltert.


7 - 16 Blocks

Bruce Willis hat dieses Jahr das gleiche wie Jim Carrey verbrochen. Rückkehr ins alte Paradegenre, allerdings saft- und kraftlos ohne den früheren Esprit. Die ersten paar Minuten aus Willis' neuem Film sind noch stimmig, weil sie eine packende und berührende Geschichte versprechen und Rapper Mos Def gibt einen passablen Partner. Alles andere jedoch ist langweiliges Buddykino mit nichtssagender Action und voraussehbaren Ereignissen. Regisseur Richard Donner (Lethal Weapon 1-4) kann das besser.


6 - Ultraviolet

Tief vergraben im Misthaufen Ultraviolet ist ein guter Sci-Fi Actioner, den der Regisseur von Equilibrium garantiert zu einem neuen Meisterwerk gemacht hätte. Was ihm aber sichtlich fehlte, waren Zeit und Geld, die ihm das Studio gnadenlos gestrichen haben. Das Resultat ist ein kunterbuntes Sci-Fi Debakel mit Playstation 1-Grafiken und einer desorientierten Milla Jovovich, die Resident Evil 2 wie Walk the Line aussehen lässt.


5 - Basic Instinct 2: Neues Spiel für Catherine Tramell

In den frühen Neunzigern zog sich Sharon Stone für wirklich jeden Film aus (selbst für The Specialist), und erreichte dann ihren Höhepunkt beim Thrillerhit Basic Instinct. Fans wünschten sich mehr von Catherine Tramell, doch es sollte dann ganze 14 Jahre dauern, bis Miss Stone wieder den Eispickel rauskramen würde. Die Zeiten sind andere und so können die "wilden" neuen Sexszenen keinen mehr schockieren. Die neue Handlung ist brauchbar, doch Gegenspieler David Morrissey ist nicht mit Michael Douglas zu vergleichen. Ergo, eine überflüssige Fortsetzung.


4 - Wicker Man (Remake)

Nic Cage hat es echt vollbracht, 2006 in einem der besten Filme des Jahres (Lord of War) und gleichzeitig in einem der schlechtesten des Jahres (Wicker Man) mitzuspielen. Im Remake des obskuren Okkult-Mysterykrimi-Klassikers mit Christopher Lee stolpert der Oscar-Gewinner durch die schlechtesten Dialoge seit Blair Witch 2, macht unentwegt den Eindruck als müsse er ganz dringend zur Toilette, und schreit am Ende nicht nur um sein fiktives, sondern auch reales Leben.


3 - Snakes on a Plane

Was haben wir im Vorfeld gelacht. Snakes on a Plane hat schon lange vor Kinostart keinen Hehl mehr daraus gemacht, dass es ein blödsinniger Actionfilm mit schlecht animierten Tieren und einem Samuel L Jackson in Eigenparodie werden würde, aber wer hätte vermutet, dass es als unlustiger Katastrophenfilm enden würde? Snakes on a Plane ist entgegen seines Themas viel zu ernst und als solches etwa so packend wie eine Anaconda mit Muskelkater. Da hätte sich jemand Armee der Finsternis öfter anschauen müssen als Raging Sharks.


2 - Das Omen (Remake)

Als der kleine Junge mit seiner roten Jacke auf der Schaukel saß, war das bereits kein gutes Omen. Nicht weil er nicht wirklich gruselig aussah, sondern weil man sich innerlich wünschte, jemand käme von der Seite ins Bild und haue dem Teufelssaftgesicht eine Schaufel um die Ohren. So fühlte sich dann auch der Kinobesuch an, denn das Remake ist dermaßen schlecht, dass es einem die Schuhe auszieht. "Mit dem Star aus Basic Instinct 2" ist schon eine Katastrophe, denn David Thewlis (eigentlich ein guter Schauspieler, Königreich der Himmel, Big Lebowski, Sieben Jahre in Tibet) steht damit gleich zweimal in dieser Liste. John Moores Filmchen kopiert alles aus dem Original, ersetzt dann aber alle guten Stellen mit schlechtem Eigenschrott.


1 - Eragon

Anfangs des Jahres schrieb ein Journalist, Bloodrayne sei der schlechteste Fantasyfilm aller Zeiten. Nun, der wurde jetzt schon übertroffen, denn Eragon (oder was von dem Buch noch übrig geblieben ist) ist der brennende Propantank im Popcornbecher. Der Zauberstab im Hintern der Filmkunst. Zwar ist der Vergleich mit Herr der Ringe unausweichlich, aber auch im Zeichen von Filmen wie Legende, Narnia, Labyrinth, Willow oder One Night in Paris ist Eragon ein Desaster im empirischen Ausmaß. John Malkovich als Darth Sidious-Karnevalkopie, Sienna Guilleroy in einem noch schlechteren Film als Resident Evil 2, Nena als Stimme des Drachen, ein Drehbuch, das ein armloser Ire in der Ostkurve eines englischen Fussballstadions geschrieben haben muss (zwischen Hooligans), Joss Stone als bester Beweis, dass Musiker Musiker bleiben sollten und nicht in Filmen auftreten müssen wenn sie nicht Musiker spielen, ein Hauptdarsteller, dessen Talent eher als Parkeinweiser in einer Tiefgarage zur Geltung kommen würde, und Robert Carlyle, der nach seinem Kopfschuss in "Die Welt ist nicht genug" scheinbar wirklich nichts mehr spürt. Eragon ist eine Beleidigung, die jede anständige Familie dieses Jahr um ihren geliebten Fantasyfilm bringt. Zum Glück gibt es noch steppende Pinguine. Und Bond.

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