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Tops 2014


von Christian Mester

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ie wird uns das Kinojahr 2014 wohl in Erinnerung bleiben? Als das Jahr, in dem es Trailer zu neuen Teilen von Star Wars, Jurassic Park und Terminator gab? Möglich, denn noch ist Nostalgie und krampfhaftes Festhalten an Titeln vergangener Zeiten Thema. Filme werden nicht nur für die nächste Generation neu erzählt, es wird tatsächlich noch an dem Publikum festgehalten, für das Y-Titty, Pewdiepie, Iggy Azalea und MOBA keine erkenntlichen Begriffe sind. Aber wie lange noch?

Für unsere schnelllebige nächste Generation sind Psy, Grumpy Cat und die Icebucket Challenge bereits jetzt museumsreif und haben lange ausgedient. Stars und Favoriten, über die ein James Garner wohl nur mit dem Kopf schütteln könnte, würde er noch leben. Er, Lauren Bacall, Mike Nichols, Eli Wallach, Bob Hoskins, Harold Ramis, Philip Seymour Hoffman und Robin Williams, außerdem Jurassic Parkbesitzer Richard Attenborough, Bonds Beißer Richard Kiel und Alien-Gestalter HR Giger haben sich dieses Jahr verabschieden müssen. Namen, die uns bewegende Momente und große Unterhaltung brachten, die aber auch für verschiedene Kulturzeiten stehen, die nicht anders sein könnten als die der Moderne.

Hashtaggen wir uns auf eine Zukunft a la Idiocracy zu? Nicht auszuschließen, aber glücklicherweise bewies das Filmprogramm in diesem Jahr, das zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht alles verloren ist.


Meine 10 Favoriten des Jahres:



10 - Interstellar

Es ist ganz ohne Frage, dass Interstellar abschnittweise einer der besten Filme des Jahres ist. Der Einstieg ist für den sonst so kühlen Nolan verblüffend Spielberg-haft geworden und geht es erst hoch ins All, warten kubrickesk-kosmisch kolossale Bilder und großartige Actionsequenzen darauf, zurecht bestaunt zu werden. Auf seine letzten Meter allerdings verliert Nolan seinen inneren Spielberg und versucht seine Geschichte runder und intimer abzuschließen, als es von Nöten war. Stichwort Bücherregal war selbst für einen Film zu viel, der jenseits von schwarzen Löchern reist.


9 - The LEGO Movie

Was nach banalstem Kinderkino oder unverschämt unnötigen Werbespot für den dänischen Bausteinhersteller aussah, überraschte wohl mehr als alles andere in diesem Jahr. Zurückzuführen sind die vielen Tragetaschen voll Lachens auf die zwei schwer talentierten Comedy-Macher Phil Lord und Chris Miller, die sich hier richtig austoben durften und mit 22 Jump Street noch einen zweiten, ebenfalls gelungenen Spaß ins Kino brachten.


8 - Drachenzähmen leicht gemacht 2

Von wegen, Sequel leicht gemacht. Genau wie die Kung Fu Pandas halten auch die Drachen ihren Unterhaltungsgrad in den Wolken und wagen emotionale Canyons wie kaum andere. Im Vergleich zu leichter Kost wie den Madagascar-Pinguinen machte Ohnezahns Schicksal den Eindruck eines großen Oscardramas, nur mit niedlichen Drachen und heiteren Actionszenen. Großer Film.


7 - Under the Skin

Nur jeder vierte, siebte, zwanzigste wird etwas mit diesem eigenartig komischen Film anfangen können. Low Budget Science Fiction ohne Raumschiffe, Effekte, Laser oder Monster. Scarlett Johansson in schludriger Uschi-Aufmachung, wortkarg, zwar häufig nackt, aber stets in unheimlicher, seltsamer Aufmachung. Einer der besten Scores des Jahres und Schwarzmosphäre laden zu einem ungemütlich unvergesslichen Ausflug in die schottische Dorfprovinz ein.


6 - Guardians of the Galaxy
Wir sind Rocket Raccoon. Nach der Edgar Wright / Ant-Man Sache wurde Marvel nachgeredet zu  konservativ zu werden, doch Gunns Space Opera mit sprechenden, schießenden Tieren, Ooga-Chaka und einem grandios frech fröhlichen Bert Macklin in einer hansolo-haften Hauptrolle machte klar, dass Marvels Wundertüte noch so einige Farben im Karton hat, und überhaupt, dass die Zukunft der Comicfilm-Schwadron nicht nur maskierte Superhelden nach Schema F lauten muss. Wirklich: für die nächste Star Wars Trilogie sind die Guardians die größte Konkurrenz.


5 - Snowpiercer
Durchs kalte Moloch raste diese Dystopie mit ihren cartoon-artigen Charakteren, Captain America und einem knallharten Klassenkampf. Ein Film aufgebaut wie ein Videogame mit verschiedenen Levelabschnitten, mit unterhaltsamer Action, ausreichend Dramengewicht und sperriger Eloquenz. Bester Schnee-Express seit Runaway Train mit Jon Voight.  



4 - The Grand Budapest Hotel
Wes Andersons wesandersonstester Film bislang, mit einem bonbon-, puppenhaushaften Szenenbild, in das man sich in seiner zellophanen Weltansicht nur verlieben kann. Anderson führt seinen ganz eigenen Stil auf eine Bergspitze und traut sich, seine vorherigen Humoranleihen einmal richtig auszuleben. Mit Voldemort Ralph Fiennes in einer grandiosen Comedybesetzung, ist The Grand Budapest Hotel fast der lustigste Film des Jahres geworden.


3 - Nightcrawler
Jake Gyllenhaal ächtet ja momentan Popcornzeug und spielt hauptsächlich in ungeschmierten Broten wie Enemy und Nightcrawler mit. Eine exzellente Wahl, denn da brilliert er. In Nightcrawler gibt er den echsenartigen Herumtreiber Lou, der eine Karriere im Filmen von Unfallopfern findet. Ein Film, bei dem man das Gaffen selbst nicht sein lassen kann.


2 - The Wolf of Wall Street
Geld schläft nicht, gell Gordon Gekko? Was der 70jährige Martin Scorsese hier an 3 Stunden langer urkomischer Satire aufs Parkett zaubert, ist die unglaublich unglaubliche, weil wahre Geschichte des ikonischen Brokers Jordan Belfort, der zur Yuppie-Galleonsfigur wurde und Kapitalismus im absoluten Exzess lebte: höher, schneller, weiter, auf egal wessen Kosten, für inhaltslosen Geldorgasmenrausch. Ein Film, der unfassbar lustig ist, von Leonardo DiCaprio super gespielt ist, nach allen Lachern perfekt abschließt und treffender über Geldbedeutung spricht als viele ernstere Dramenkollegen.


1 - Her

Im Großen und Ganzen ist Scarlett Johansson natürlich mit Abstand die Siegerin des Kinojahres, mit Her, Lucy, Captain America 2 und Under the Skin. Vier vollkommen unterschiedliche Filme, die alle jeweils sehr gut bis ausgezeichnet sind. In Her hört man sie nur sprechen, aber sie ist essentielles Gegenüber für den einsamen, nach The Master erneut sensationellen Joaquin Phoenix, der sich in dieser leicht romantischen, leicht zynischen, schwer diskussionsanregenden Zukunftsgeschichte in sein Betriebssystem verliebt. Weder eine typische Romanze, noch ein zu erwartender Downer. Ein großer Film, der in den nächsten Jahren noch größere Bedeutung bekommen wird.

Eine Sondererwähnung geht an Short Term 12. Der Film kam in Deutschland im September nur auf DVD raus, gehört aber zu den besten Titeln des Jahres. Eine hochemotionale Geschichte über eine Art Waisenhaus, in dem eine junge Erzieherin mit konfliktreichen Jugendlichen zu tun hat.


Weitere herzliche Empfehlungen: 12 Years a Slave, Dallas Buyers Club, American Hustle, 300 - Rise of an Empire, Saving Mr Banks, Man of Tai Chi, Lone Survivor, Captain America 2, Godzilla, X-Men: Zukunft ist Vergangenheit, Edge of Tomorrow, Die zwei Gesichter des Januars, Boyhood, No Turning Back, Wie der Wind sich hebt, The Raid 2, 22 Jump Street, Planet der Affen 2, Lucy, Gone Girl, Am Sonntag bist du tot, Dumm und Dümmer 3, Der Hobbit 3, Die Entdeckung der Unendlichkeit.

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