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Tops 2015


von Christian Mester

Das Kinojahr 2015 wird vermutlich als eines der nostalgiehungrigsten in Erinnerung bleiben. Es
gab neue Filme von Mad Max, Terminator, Jurassic Park, Star Wars, James Bond,
Peanuts, den Grisworlds, (in den USA) Rocky, Poltergeist, Codename UNCLE, Peter Pan, Cinderella, Fantastic Four, mit Trailern für einen neuen Independence Day, X-Men, Batman, einen Joker Film, Zoolander 2, Tiger and Dragon 2, Dschungelbuch, Tarzan, Alice im Wunderland 2, Turtles 2, Star Trek 13, noch mehr Star Wars, außerdem kommen noch ein neuer Bourne, Ghostbusters, Ben Hur, Die glorreichen Sieben, Findet Nemo, Underworld, ein neuer Robert Langdon, ein neuer Jumanji, und weil acht (!) Harry Potter Filme ja nicht reichen, noch ein Spin-off dazu.

Wird das aufhören? So schnell nicht, vor allem nicht, da alleine Star Wars, Jurassic World und Spectre so viel Geld bedeuten, dass zahllose Produzenten inspiriert sein werden, es ihnen gleichzutun.

Muss man die geballte Ideenlosigkeit denn geballt kritisieren? Weil man neue Geschichten will, ja, doch da wir zum Teil auch immer wieder gern Ergänzungen oder Neuinterpretationen bekannter Stoffe sehen und Hollywood diesbezüglich auch in diesem Jahr mal wieder gezeigt hat, dass es sich lohnen kann, kann man bei aller Kritik nie zu zynisch werden. Im Endeffekt lässt sich alles, gleichgültig oder neu erfunden oder alt neu aufgewärmt, darauf herunterbrechen, ob enthusiastische Talente am Werk waren oder nicht, und ob sie das Glück hatten, ihre Vision zu realisieren.


See you again.

Meine 10 Favoriten des Jahres:



10 - Lost River

Ryan Gosling hat sich als Schauspieler in den letzten Jahren abseits des Mainstreams für einige durchaus interessante Projekte begeistern können, darunter für Drive und Only God Forgives. Lost River ist nun seine persönliche Antwort darauf als Filmschaffender, und ein sehr interessantes als solches. Der Streifen ist zuweilen etwas langatmig und einige vage Ideen sind nicht wirklich gut ausgebaut, doch Gosling beweist ein Händchen für tolle Bilder, für dichte Atmosphäre und eine ehrliche Faszination für das dunkle Mysteriöse. Sicherlich der schwächste Film in dieser Liste, aber einer der interessantesten. Zur Info: ganz, ganz knapp schlug er It Follows.


9 - Star Wars Episode VII - Das Erwachen der Macht

Der neue Star Wars ist in kreativer Hinsicht enttäuschend feige, da er sich mit aller Macht am Mantel der ersten Trilogie festklammert. Die nahezu identische Handlung ermüdet und der Besuch alter Bekannter ist oft alles andere gelungen ("Chewie, wir sind zuhause")(och, bitte geht doch wieder). Was den Falcon jedoch vor einer Bruchlandung bewahrt, sind die neuen Akzente: die tollen Figuren Rey, Finn, Poe, Kylo Ren, sowie der neue heimliche Star (nicht der Traitor-Stormtrooper und auch nicht Daniel Craig), BB-8, der nonstop witzig ist. Ex-Trekker JJ Abrams fühlt sich merklich wohl hinter der Kamera und liefert regietechnisch seinen bislang besten Film ab. Zwar schafft er keinen einzigen herausragenden Moment für die Ewigkeit, dafür bleibt Episode VII immer top gemacht, mit jeder Menge unterhaltsamer Action und tollen Flugszenen (was vermutlich auch schier unendlich Budget zu verdanken ist). Jetzt liegt es an Rian Johnson, aus dem krümeligen Start einen satten Kuchen zu formen. Gerade die weitere Entwicklung von Kylo Ren und Luke Skywalker könnten sehr unterhaltsam werden. Gute Ansätze sind da, doch erst die weiteren Episoden werden klären, ob dieser ein wirklich guter Start in eine neue Trilogie war.


8 - Jurassic World

Ähnlich wie Genisys erwartet Jurassic World, dass man sich von dem unbezwingbaren Original löst und ihm erlaubt, was anderes zu sein. Colin Trevorrow verfügt über keine tolle Vorlage von Michael Crichton, über keine so prägnanten Figuren (die neuen Kinder hätten nicht viel blasser sein können) und gewiss nicht über die Regiekünste Spielbergs. Das ist eine Menge Minus, doch dafür gelingt es ihm, das Dino-Spektakel zu genau dem zu machen, was John Hammond immer vorschwebte: eine voll durchkommerzialisierte Freizeitparkattraktion. Das kann man zynisch sehen, oder sich darauf einlassen. Auf ein Raptorteam, das Motorräder begleitet, auf eine logische Weiterentwicklung der Dinosaurierzucht und auf ein Spielzeug-Finale, das offensichtlich von den japanischen Godzilla Filmen inspiriert worden ist. Jurassic World ist gewiss kein wichtiger Film und kein so cleverer wie der Lego Movie, aber in Sachen anspruchsloser Unterhaltung ein Heidenspaß.


7 - Terminator Genisys

Diese Platzierung wird vermutlich die meisten Zweifel schüren, doch obgleich Terminator Phyl Collyns kein würdiger Nachfolger des unantastbaren zweiten, oder unantastbaren ersten Teils der Reihe ist, darf er dem wunderbar unterhaltsamen dritten auf die Schulter klopfen. Nach dem elendig tristen vierten, der größtenteils nur langweilig statt packend war, entschied man sich für einen eher lockeren Ton. Das schmerzte sicherlich jeden, der einen völlig ernsten Film erwartete; aus Sicht eines Terminator 2 ist Genisys somit bei gleicher Messlatte unzumutbarer Quark, klar. Wer sich aber davon lösen kann, und sämtliche Promomaterialien legten einem nahe, das zu tun, erlebt einen spielfreudigen Arnold in seinem vermutlich letzten Hurra, und eine unterhaltsame, wenn auch blödsinnige Handlung, die allerdings nie einen Hehl daraus macht, was anderes als leichte Kost zu sein. Eine Attitüde, die Filme wie Jupiter Ascending oder Transformers 4 dringend bräuchten. Hätte man sich den Twist zudem für den Film aufgespart, hätte er noch ein ganzes Stück positiver gewirkt.


6 - Shaun das Schaf - Der Film
Kein Flachs, der verdammte Shaun das Schaf Film gehört zu den besten Titeln des Jahres. Mag dran liegen, dass Stop-Moption Shaun nicht wirklich mit vermeintlich ähnlichen Kollegen wie Spongebob oder Bernd das Brot zu vergleichen ist, und überdies von den Machern der Wallace & Gromit Filme stammt. Statt unverständlicher Kinderalberei ist der Knetfigurenfilm herrlich dezenter Slapstick mit vielen subtilen Anspielungen, sodass er gleichermaßen niedlicher Quatsch für Kinder, wie auch ansprechend erwachsener Humor ist.


5 - Furious 7
Fast & Furious 6 landete 2013 nicht einmal in meiner Top 10, nur unter den weiteren Erwähnungen - das, obwohl der Film genau genommen genau so hervorragend ist wie dieser siebte jetzt. Letztes Jahr gab es keinen Furious, aber auch da wären sie nicht unter den letzten 10 gelandet. Lässt sich also schließen, dass dieses Jahr mal nicht ganz so stark war wie die beiden davor. Zum Film: mit Furious 7 gab es nach vier Mal Justin Lin neue Regie mit dem Saw-Macher James Wan, und der konnte sich vortrefflich eingliedern. Auch 7 versteht es, den kitschigen Familienzusammenhalt ansprechend beizubehalten und toll eingeleitete, spaßige, gewaltige Actionszenen zu bieten. Allein die Szene mit dem Angriff auf den Bus, mit dem Fallschirmsprung mit den Autos, der vereinten Attacke in Formation, dem Kampf zwischen Tony Jaa (der nach Ong Bak aus dem Jahr 2003 jetzt endlich mal in einer US-Produktion zu sehen war) und Paul Walker schlug alles, was im Bond zu sehen war. Eine so tumbe Actionreihe hätte das eigentlich nicht verdient, doch das Fast Team hat seit Teil 5 einen so unaufhaltsam unterhaltsamen Gang eingelegt, dass auch der mürrischste Tuninghater baff mitlachen muss. Werden sie das noch lange aufrecht halten können? Unwahrscheinlich, aber jetzt hat der Blitz schon dreimal hintereinander an der fast gleichen Stelle eingeschlagen. Gerne öfter!



4 - Foxcatcher
Comedystar Steve Carell als Ringer-Trainer mit lustiger Gumminase, der Magic Mike Channing Tatum und den Hulk Mark Ruffalo stöhnend ausbildet? Klingt nach einer Komödie, oder nach absurdem Quatsch Marke Quentin Dupieux, doch hinter dem Fuchsfänger verbirgt sich eine außerordentlich fesselnde und finstere Charakterstudie, die man nicht vergessen kann.


3 - Herz aus Stahl
Panzer fahren mit Shia LaBeouf und Brad Pitt. David Ayers beklemmender Kriegsfilm stopft den erzwungenen Zusammenhalt unterschiedlichster Kameraden in einen fahrenden Stahlsarg und lässt eine ganze Armada an Spannungsmomenten drauf einprasseln - und doch ist die Szene mit der höchsten Intensität ein vermeintlich lasches Mittagessen, bei dem Moral, Menschlichkeit, Freundschaft, Loyalität und Mut auf die Probe gestellt werden. Ein starker Film, der wohl leider erst in einigen Jahren mehr geschätzt werden wird.


2 - Whiplash
Genau mein Tempo. Der Trommlerfilm mit Miles Teller und JK Simmons ist kein gewöhnlicher Musikererfolgsstreifen, und nicht einmal ein besonders musikliebender Film an sich. Hier geht es kaum um Passion, Musik zu machen, sondern fast ausschließlich darum, Bedeutung zu erreichen. Fletcher ist zum Monster geworden, weil er der Entdecker des nächsten Genies sein will, wissend, dass er selbst musikalisch nicht gut genug ist um selbst eins zu sein. Und dann trifft er auf den selbstzerstörerishen Neyman, der langsam seine Sympathie wie eine alte abgenutzte Haut ablegt, um blutschwitzend über Leichen gehen zu können. Eine ungemein faszinierende Beobachtung zweier Exzentriker, die sich perfekt aufeinander einspielen. Großartig in Szene gesetzt, ist es unmöglich, nicht gepackt zu sein.


1 - Mad Max Fury Road

Angesichts der weitläufigen Präsenz auf Spitzenplätzen vermutlich eine denkbar unoriginelle Wahl, doch Millers simpler Actioner ist halt der beste Film des Jahres, Punkt. Der Plot mag simpel sein und hinsichtlich der drei anderen Vorgänger nicht viel Neues bieten, keiner der Schauspieler wird zu Höchstleistungen motiviert und sonderlich bewegend ist da auch nichts, doch was hier geboten wird, ist eine brillante Inszenierung. Keine Minute wirkt überflüssig oder schwächer als die anderen, und man schafft den unmöglichen Drahtseilakt, konsistent spannend, amüsant, aufregend oder interessant zu sein, mit immer neuen Highlightmomenten.

Action muss nicht immer beinhalten, mit Autos aus Flugzeugen zu springen, Martial Arts auf Bruce Lee Niveau zu bieten oder ganze Planeten sprengen zu lassen. Das kann alles unterhaltsam sein, doch die Inszenierung an sich, die Bedeutung für die beteiligten Charaktere, die Platzierung der Action innerhalb der Story ermöglichen korrekt gesetzt so viel mehr Intensität, machen das Gesamtbild einfach runder. Der 70jährige (!) Miller lässt hier halb so alte Regisseure vor Neid erblassen, ausgerechnet mit einem Film über einen wortkargen Dreckfresser, der sich mit verrückten, halbnackten Autofanatikern anlegt. Die Tatsache, dass er das mit so einem Nichts an Grundlage besser hinbekommt als beispielsweise alle bisherigen X-Men Filme mit ihrem gewaltigen Fundus an Historie und Geschichten, zeigt einmal mehr, das doch noch oftmals Luft nach oben bleibt. Luft, in der sich Miller nun für alle Zeiten ein Denkmal gemeißelt hat.

Weitere herzliche Empfehlungen: Kung Fury, Alles steht Kopf, It Follows, Avengers: Age of Ultron, Sicario, Wir sind jung, wir sind stark, Mission Impossible: Rogue Nation, Steve Jobs. James Bond: Spectre, Crimson Peak, Der große Trip: Wild, The Imitation Game, Baymax, Birdman, The Interview, Chappie, Still Alice, Kingsman: The Secret Service, Ex Machina, Der Babadook, Pitch Perfect 2, Victoria, Minions, Ant-Man, Magic Mike XXL, Gefühlt Mitte Zwanzig, Crimson Peak, Macbeth, Bridge of Spies, The Look of Silence, Carol

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