FAST GEDREHTE FILME
Teil 2
von
Christian Westhus
>Verlorene
Filme Teil 1 - Schwarzenegger bis Stallone
>Verlorene
Filme Teil 2 - Coppola bis Kubrick
Nachdem sich der erste Teil des
>Specials (Link) primär mit potentiellen Projekten bekannter Darsteller beschäftigte, werfen wir im zweiten Teil einen Blick auf Regie-Projekte, auf lange gehegte Traumprojekte von Autoren, Regisseuren und Filmemachern, die aus unterschiedlichsten Gründen nie das Licht der Welt erblickt haben.

Den Anfang macht ein Projekt, welches für Fans und besonders für die Macher besonders frustrierend verlief, aktuell aber einem neuen Versuch entgegen steuert. Terry Gilliam, der Ex Monty Python mit dem Faible für wilde Ideen und absurde Fantasy-Sequenzen, machte sich Anno 2000 daran, Miguel de Cervantes’ spanisches Nationalepos „Don Quijote“ zu verfilmen. Natürlich in der noch verrückteren Terry Gilliam-Version.
Die Geschichte eines alten, verarmten Ex-Landadligen, der nicht mitbekommen hat, dass die Ritterzeit passé ist und mit selbst gezimmerter Rüstung und klapprigem Gaul zu Felde zieht und von den amüsierten und verschreckten Leuten zumeist kräftig auf’s Maul bekommt. Gilliam erweiterte und veränderte Cervantes’ Geschichte natürlich und konzentrierte sich mit Wonne auf die Fantasy-Sequenzen, die eigentlich nur Hirngespinste der tatterigen Hauptfigur sind.
Johnny Depp war involviert, die Produktion startete, Kostüme wurden entworfen, Kulissen gebaut und es ging sogar für einige Tage vor die Kamera. Hauptdarsteller Jean Rochefort ließ jedoch erst auf sich warten und wurde dann rasch krank. So krank, dass ihm
Reiten höllische Schmerzen verschaffte, was für die Rolle des Don Quijote mit die ungünstigste Voraussetzung ist. Es folgten Verzögerungen, die bekanntlich Geld kosten und urplötzlich kam es im spanischen Sommer zu sintflutartigen Regenfällen, die Teile der Sets zerstörten, den Drehort ruinierten und das Fortschreiten der Dreharbeiten erneut verzögerten.
Nach einem schrecklichen Hin und Her mit Geldgebern und Produktionsleitern wurde das Projekt schließlich für beendet erklärt. Die Dokumentation „Lost in La Mancha“
(>Trailer) dokumentiert den frustrierenden Niedergang
des Traumprojekts sehr anschaulich. Der Versicherungsschaden belief sich auf über 15 Millionen Dollar und die Rechte am Drehbuch wurden erst Jahre später an Gilliam zurückgegeben, der in bewundernswerter Art verkündete, einen zweiten Versuch zu starten. Ohne Johnny Depp, ohne Jean Rochefort, dafür wohl mit Ewan McGregor und Robert Duvall.
Die Geschichte des „Don Quijote de la Mancha“ scheint ohnehin verflucht. Orson Welles, das Hollywood-Wunderkind der 1940er, 50er und 60er Jahre, wollte sich dem Projekt ebenfalls annehmen. Ungefähr ab 1955 drehte der stets um die Finanzierung kämpfende Starregisseur immer mal wieder in Italien, Spanien und Mexiko. Francisco Reiguera spielte für einige Aufnahmen, die meist nur – sehr Detail versessene – Testaufnahmen waren, die Titelrolle. Welles wollte den Stoff ins moderne Spanien verlegen, musste wegen Geldknappheit aber immer wieder pausieren. Nach einer längeren Pause wurde in den 70ern wieder vermehrt gedreht. Insgesamt sollen angeblich mehr als 90 Kilometer Filmmaterial zusammen gekommen sein. 1992, Welles war 1985 gestorben, setzte sich der Spanier Jess Franco daran und präsentierte mit „Don Quixote de Orson Welles“ einen Mix aus Rekonstruktion und Dokumentation des Welles’schen Vorhaben. (>Impressionen)

Welles konnte, trotz seines gewaltigen Status, selten finanziell aus dem Vollen schöpfen. Er war anerkannt, auch wenn seine progressiven Ideen sich nicht immer mit dem eher konservativem Studiosystem vereinbaren ließen. Außerdem hatte er unter dem Eindruck zu leiden, mit seinem Debütfilm „Citizen Kane“ zu früh sein persönliches Meisterwerk abgeliefert zu haben.
Ein anderes gescheitertes Welles Projekt ist eine Adaption von Joseph Conrads Roman „Heart of Darkness“. Richtig, genau davon inspiriert drehte ein gewisser Francis Ford Coppola Jahre später sein „Apocalypse Now“ (1979), der selbst eine enorm schwierige Produktion war. Welles legte seine Ideen zum Roman, in dem es eigentlich um einen englischen Soldaten im ausklingenden 19. Jahrhundert im Kongo geht, RKO Pictures vor. Das Problem? Eines von vielen sicherlich, dass es noch 1939 war und wir erinnern uns, dass „Citizien Kane“ erst 1941 die Filmwelt veränderte. Welles brachte nur die Anerkennung seiner „Krieg der Welten“ Radioaktion mit zu RKO, die unter David O. Selznick groß wurden, der aber mittlerweile unabhängig produzierte und z.B. Alfred Hitchcock (zu dem später) in die USA holte, und, ebenfalls 1939, mit „Gone with the Wind“
(Vom Winde werweht) groß abräumte. RKO war zunächst interessiert, auch wenn Welles plante, große Teile des Films nur mit der subjektiven Kamera, die Bewegungen und Blick der Hauptfigur nachstellt, zu erzählen. Als dann aber das Budget berechnet wurde, musste kapituliert werden.
Und apropos Francis Ford Coppola, der übrigens eine Zeit lang überlegte, die legendäre Marlon Brando Rolle des Col. Kurtz mit Orson Welles zu besetzen.
Selbst ein Gigant wie er, der allein durch die ersten beiden „Der Pate“ Filmen eigentlich – so könnte man denken – jegliche Freiheiten genießen müsste, musste Rückschläge hinnehmen. Die hat er sich jedoch mehr oder weniger selbst verschafft, denn sein Science-Fiction Projekt „Megalopolis“ soll natürlich einen ganzen Batzen Kohle kosten, die Coppola möglichst selbst aufbringen will, um die Kontrolle über sein eigenes Script zu behalten. Seit den 90ern gibt es immer wieder Ankündigungen und Andeutungen über das Projekt, in dem es um einen Architekten gehen soll, der das zeitgenössische New York in ein futuristisches Utopia verwandeln will. Auch einige Darsteller wurden schon angesprochen, darunter natürlich Größen wie Robert de Niro oder auch Coppolas Neffe Nicolas Cage. Ein weiterer Grund für das stagnierende ambitionierte Projekt ist allerdings auch der 11. September. Nicht nur veränderten die Anschläge auf die World Trade Center das Bild New Yorks, auch fühlt sich Coppola – verständlich – noch unwohl, einen Film zu drehen, in dem das Stadtbild New Yorks umgewalzt wird.

Kommen wir zu einer anderen Größe der Filmgeschichte, der für seine pedantische Art und sein zeitintensives Arbeiten berühmt und berüchtigt war. Stanley Kubrick hatte ebenfalls gleich mehrere Projekte, die er gerne machen wollte, die aber aus dem einen oder anderen Grund nie – oder nicht in der beabsichtigten Form – entstanden sind. Wer anderthalb Jahre an einem Film wie „Eyes Wide Shut“ dreht (nur dreht!) hatte wohl stets Besseres zu tun. Besonders bekannt dürfte der Fall „A.I.: Artificial Intelligence“ sein, den Kubrick 1999/2000 nach „EWS“ machen wollte. Es war, wie so oft, ein lange aufgespartes Projekt, welches Kubrick vorher nie in Angriff nahm, da ihm die Technik noch nicht in der Lage schien, das Projekt zu seiner Zufriedenheit (und bis die erreicht ist, können Jahre vergehen) umzusetzen. Inzwischen aber, durch Filme wie „Jurassic Park“ und den damals anstehenden „The Matrix“, schien Kubrick optimistisch und begann intensiver am Projekt zu arbeiten. Bis zu seinem Tod im März 1999 stand Kubrick mit Steven Spielberg in stetem Kontakt.
Neben fachsimpeln übers Filmemachen soll Kubrick auch schon einige Skizzen und Ideen zu „A.I.“ präsentiert und zu Spielberg gesagt haben, das Projekt wäre eigentlich eher was für ihn. Der übernahm es dann auch, als Zeichen der Ehrerweisung für seinen Freund und Mentor. Was genau nun Kubrick, was Spielberg in „A.I.“
ist, ist kaum mit Sicherheit zu sagen und bedarf genauerer Analysen der Filmographien, Stile und ist selbst dann nur eine Theorie. So wie auch die Vorstellung von Kubricks „A.I.“ nur eine Theorie bleibt. Bekannt ist, dass er Spielberg quasi dazu verpflichtete, Richard Strauss’ Walzer „Der Rosenkavalier“ zu verwenden. Außerdem kann man davon ausgehen, dass die reichlich sexuelle Architektur in ‚Rouge City’ wohl nicht Spielbergs Idee war. Für ein PG-13 Rating soll auch, so heißt es, ein zu phallisches Gebäude entfernt worden sein. Auch das rührselige Kitsch-Ende hängt man schnell Spielberg an, doch mit Sicherheit kann man das nicht sagen.
Ein Kubrick-Projekt von ganz anderen Ausmaßen ist jedoch sein legendäres Vorhaben, einen „Napoleon“ Film auf die Beine zu stellen. Es war das Jahr 1968, als der Plan konkreter wurde. Kubrick war von Napoleon besessen, soll nahezu jedes Buch über den französischen Feldherren gelesen haben, das ihm in die Finger kam. Von über 500 Büchern ist die Rede, dazu eine enge Zusammenarbeit mit einem Geschichtsprofessor aus Oxford. Es heißt, für Kubrick war Napoleon der größte (großartigste) Mensch, der je gelebt hat, trotz seiner kriegerischen Natur. Drei Stunden sollte der Film (mindestens) dauern, den Bogen spannend von Napoleons Geburt, bis zu seinem Tod. Und kein geringerer als Jack Nicholson (ganz genau!) sollte die Hauptrolle spielen. Wie akribisch die Rekonstruktion von Uniformen, Waffen und Schlachtabläufen gewesen sein muss, kann nur erahnt werden. 50.000 Statisten wurden eingeplant. Kubrick arbeitete zwei Jahre an dem Projekt, ohne wirklich Nennenswertes zu drehen. Er arbeitete am Kamera- und Linsensystem, ähnlich wie ein paar Jahre später bei „Barry Lyndon“. Letztendlich wurde das Projekt aufgegeben. 1971, so weit fortgeschritten war die Zeit inzwischen, waren drei andere Napoleon Filme an den Kinokassen gescheitert. Hauptgrund war aber wie gewohnt das Geld, denn das Budget überstieg die kühnsten Erwartungen von MGM.
Also – und jetzt kommt der Hammer – widmete sich Kubrick einem massentauglicherem bzw. finanziell sichererem Projekt: „A Clockwork Orange“(1971), der mit dem legendären X-Rating in die US-Kinos kam.

Die Faszination von Napoleon hat fast etwas vom weiter verbreiteten Alexander-Kult. Alexander von Makedonien wird häufig als größte sterbliche Persönlichkeit beschrieben, die je auf dieser Welt wandelte. Wir springen in die Neuzeit, ins 21. Jahrhundert, als in Hollywood mal wieder zwei Filme gleicher Bauart in Produktion gehen. „Deep Impact“ vs. „Armageddon“, „Volcano“ vs. „Dante’s Peak“. 2001 und in den folgenden Jahren entstanden zwei Projekte zu Alexander dem Großen. Während Oliver Stones’ (mittelprächtig bis enttäuschender) Film 2004 erschien, musste Baz Luhrman, Regisseur u.a. von „Moulin Rouge!“, die Segel streichen.
„MR“ war gerade in den Kinos und damit hatte Luhrman die „Red Curtain Trilogy“, bestehend aus „Strictly Ballroom“, „Romeo + Juliet“ und eben „Moulin Rouge!“, beendet und wollte sich einem neuen Dreierpack annehmen. Er wollte historische Epen erzählen, eines in Australien, eines in Russland und eines zu Alexander. Mit Produzent Dino de Laurentiis tourte Luhrman bereits durch Marokko, machte einen Deal mit dem dortigen König und wollte Leonardo diCaprio und Nicole Kidman für die Hauptrollen. Mit dem US-Einmarsch in den Irak und dem Fortschreiten des Oliver Stone Projektes, war Luhrmans Alexander zunächst gescheitert, auch wenn de Laurentiis 2005 verkündete, Alexander drehen zu wollen. Gedreht wurde stattdessen „Australia“, der wohl zur neuen Trilogie gehört und zumindest die Wahrscheinlichkeit offen lässt, dass es irgendwann zu Alexander kommt. Wie dieser Film ausgesehen hätte ist reine Spekulation.
Die Hektik, die Farben, der Pomp und Bombast aus „Moulin Rouge!“ waren ja schon in „Australia“ nicht mehr zu finden, dafür eine bewusst künstliche Technicolor-Optik und eine außergewöhnliche strukturierte Handlung.
Leonardo diCaprio führt uns zum nächsten Projekt. Der spielte 2004 in Martin Scorseses „The Aviator“ den Öl-Erben, Flugpionier und Filmmogul Howard Hughes und das recht überzeugend. Parallel hatte noch jemand das Vorhaben, Hughes’ Leben auf die Leinwand zu bringen. Christopher Nolan, vor „Batman Begins“ und „The Dark Knight“, hatte nach „Insomnia“ ein Drehbuch über Hughes geschrieben, von dem er selbst gesagt haben soll, es sei mit das beste, was er je geschrieben hätte. Es sollte teilweise auf Richard Hacks Buch „Hughes: The Private Diaries, Letters and Memos“ basieren. Die Hauptrolle: Jim Carrey! Nolan zeigte sich in ein paar Aussagen absolut begeistert von Carrey, der der ideale Howard Hughes (der übrigens eine Zeit lang bei RKO Pictures das Sagen hatte (siehe oben)) sein sollte. Das diCaprio Projekt lag angeblich noch eine Weile bei Michael Mann, ehe Scorsese übernahm, der Film ins Rollen kam und Nolan sich zurückzog, ohne Ankündigungen, es in absehbarer Zeit erneut zu versuchen.

Wir springen noch einmal zurück, zu drei sehr speziellen und abseitigen Filmen, die uns vorenthalten wurden. Angefangen beim „harmlosesten“ Projekt, Alfred Hitchcocks „Kaleidoscope“. Es ist nicht das einzige Vorhaben, welches Hitchcock nie umsetzen konnte, aber vielleicht das interessanteste. Mitte/Ende der 60er musste sich Hitch von ein paar Flops (z.B. „Marnie“) erholen und plante einen radikalen und experimentellen Serienkillerfilm. Aus der Sicht des Täters erzählt, sollte es angeblich um einen schwulen Bodybuilder gehen, der scheinbar wahllos Frauen erst tötet, dann vergewaltigt(!). Hitch wollte mit natürlichem Licht, realen Schauplätzen und Handkamera experimentieren; Mechanismen, die zur damaligen Zeit noch als unüblich galten. Er selbst fand die Handlung aber etwas zu gewagt und das Studio hielt die Hauptfigur für derart abscheulich und unzumutbar, dass der Film keine Finanzierung fand. Ob Hitchcock mit Provokationen seiner Karriere einen neuen Schub verleihen wollte? Einige Ideen wanderten jedenfalls in den Serienkiller-Film „Frenzy“, der aber im Vergleich mit dem Kopfkino, was durch die wenigen Details von „Kaleidoscope“ entsteht, harmlos ist.
Der nächste Regisseur ist für seine Experimentierfreude bekannt und von Fans geliebt. David Lynch hat einen unverkennbaren, einzigartigen Stil, der in der richtigen Umgebung wunderbar funktioniert. Im Laufe seiner Karriere plante er sogar eine Verfilmung von Franz Kafkas „Die Verwandlung“. Eine nahe liegende Paarung, die sicher wunderbar funktioniert hätte. Da der Film aber technisch anspruchsvoll werden würde, musste Geld her und da kam Lynchs 45 Millionen Flop namens „Dune“ sicherlich nicht gelegen. Vielleicht noch interessanter ist ein Originalscript namens „Ronnie Rocket“. „Eraserhead“ war 1976 erschienen und verstörte das (geringe) Publikum weltweit. Tatsächlich sprach der Film George Lucas an, der Lynch anbot, „The Return of the Jedi“
(Die Rückkehr der Jedi Ritter) zu machen. True Story. Etwa seit „Eraserhead“ spricht Lynch jedoch immer mal wieder von „Ronnie Rocket“, einem ähnlich avantgardistisch-kryptischen Wirr-Film, in dem es um einen etwa einen Meter großen Jungen mit körperlichen Problemen geht. Lynch erwähnte die Idee häufiger, aber meist in ähnlich kryptischer Form, wie seine Filme. „I've been writing it for ten years, since I finished Eraserhead. It's an absurd mystery of the strange forces of existence. It's about electricity.“, sagt er. Oder auch: „It's an absurd comedy, the story of a midget with red hair and physical problems. It's the absurd mystery of the strange forces of existence.” Und am liebsten würde Lynch seine Industriestadt selbst bauen und mit Darstellern und Crew darin leben, um die Story wirken und gedeihen zu lassen. Das kostet, wie üblich, Geld, das, wie üblich, nicht da ist.
Und als krönenden Abschluss das wahrscheinlich irrste Gaga-Psycho-Werk, das man sich vorstellen kann, obwohl man es sich wahrscheinlich nicht mal im Ansatz wirklich vorstellen kann. Lynch ist schon eine wirklich schräge Type. Sein „Dune“ ist seine – mehr oder minder große – Anpassung an die Massen. „Dune“ sollte aber auch das Projekt von Alejandro Jodorowsky sein. Der chilenische Experimentalfilmer, der sich in den letzten Jahren im Comicbereich aufgehalten hat, plante selbst eine Verfilmung von Frank Herberts Weltraumsaga um den Wüstenplaneten, die Droge Spice und die Fehde zwischen den Häusern Harkonnen und Atreides. Jodorowsky war auf der Höhe seines Schaffens – und wahrscheinlich im Beisein gewisser Pilze und ähnlichem Zeug – als er etwa 1975 seine Pläne zu einer „Dune“ Verfilmung vorlegte. Wer „El Topo“, „Montana Sacra“, „Fando y Lis“ oder „Santa Sangre“ gesehen hat, kann sich vielleicht ausmalen (kann man genau genommen nicht, aber es hilft sicherlich, es zu versuchen), wie Jodorowsky das Projekt angegangen wäre. Und das Vorhaben klingt gleichermaßen spektakulär wie irre.
Absolut total ‚batshit crazy’, im besten Sinne. Für die folgende Auflistung angeblich beteiligter Personen gibt es nicht genügend Ausrufungszeichen: Die Hauptrollen sollten an Orson Welles (s.o.), Mick Jagger und Surrealkünstler Salvador Dalí gehen. Dalí sollte dabei den Herrscher des Universums spielen, der auf einem goldenen Klo-Sperma-Thron in Form verschlungener Delphine sitzt. Für Designs, Kostüme etc. dabei: der Comickünstler Moebius, der Science-Fiction Zeichner Chris Foss und der Schweizer Künstler HR Giger, der etwas später das Alien in einem gewissen Ridley Scott Film entwerfen sollte. Musik, quasi als I-Tüpfelchen, sollte von der Psychedelic Band Pink Floyd stammen. Außerdem, auch wenn das in dem ganzen surrealen, genialen und fantastösen Irrsinn nur eine Randnotiz ist, sollte der Film ca. 10 Stunden lang sein. Ganz genau.

Das muss man sich mal reinziehen! Es ist verdammt schade, aber natürlich ist es nie dazu gekommen, weil so ein abgefahrenes Zeug natürlich nicht billig ist, 90% der Kinozuschauer aber zutiefst verstören würde. Stattdessen wurde Lynch engagiert und das amerikanische Science-Fiction Kino entwickelte sich durch „Star Wars“, „Star Trek“ und Konsorten in die bekannte Richtung. Zum Guten oder zum Schlechten. Von Jodorowskys überambitioniertem Projekt sind seine Aufzeichnungen erhalten, dazu Zeichnungen von Moebius, Foss und besonders Giger, dessen sexuell-mechanischer Düsterlook sich in Frank Herberts Welt, die dann sicherlich Alejandro Jodorowskys Welt gewesen wäre, bestimmt gut gemacht hätte.
Teil 3 folgt... |