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Revolvermann

Goodfella

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Samstag, 10. Dezember 2016, 16:16

In den Tiefen des Infernos ~ Werner Herzog

Eine Dokumentation über Vulkane von Werner Herzog aus dem Jahr 2016.

Ich muss sagen, dass dieser Film mich ziemlich weggeblasen hat. Wie man bei dem Regisseur vermuten könnte, vermittelt er eine Sichtweise die nichts mit trockenen Naturdokus gemein hat.
Der Vulkan wird als Symbol der Naturgewalten beleuchtet. Als Gott, der Leben entstehen lässt und es auch wieder nimmt. So werden kleine Stämme gezeigt, die den Vulkan tatsächlich als ihren Gott sehen. Oder auch welchen Einfluss Vulkane auf ganz aktuelle Staaten, wie z.B. Nordkorea haben.
Es werden Bilder, wie z.B. die von der Vulkaninsel Island gezeigt, in der gewaltige Ausbrüche ganze Städte unter sich bergraben haben. Mit wunderschönen Aufnahmen, die so beeindruckend und so apokalyptisch anmuten, als stammen sie direkt von einer mittelalterlichen Abbildung der Hölle. Auf der anderen Seite verfolgt man die Arbeit von Archäologen in Äthiopien, die Knochen der ersten Menschen ausgraben. Knochen die sich nur dank dem Vulkangestein dort bergen lassen und das auch nur zufällig in genau der heutigen Epoche. Wahrscheinlich wegen eines gigantishcen Ausbruches, der unsere komplette Art vor Jahrtausenden fast ausgerottet hätte. Heute können wir nur deshalb erkennen, woher wir stammen. Diese unglaublich lebensfeindliche Zerstörung, gibt uns einen Wink woher wir kommen. Wer wir sind.
Grandiose Bilder, interessante Fakten und viel Platz zum sinnieren und staunen. Herzog hat es mal wieder geschafft und zeigt unter anderem auch mal wieder, was für ein lieblos zusammengeschusterter, pseudowissenschaftlicher Verschwörungsscheiß, nachts auf N24 als Dokumentaion durchgeht. Natürlich nicht nur und nicht nur dort aber das hier ist "Filme machen".

9/10

Dank an Argento, der mich nachdrücklich auf diese Netflix Produktion aufmerksam gemacht hat.
"People die at their dinner tables. They die in their beds. They die squatting over their chamber pots. Everybody dies sooner or later. And don't worry about your death. Worry about your life. Take charge of your life for as long as it lasts." — Petyr Baelish aka the Little Finger

Valar Morghulis

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Revolvermann« (10. Dezember 2016, 16:24)


TheReelGuy

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Samstag, 10. Dezember 2016, 16:24

Ich finde es im Film besonders bemerkenswert, wie der Wandel von einer Vulkandokumentation fließend in ein Porträt Nordkoreas und wieder zurück gelingt. Dazu dann noch die beruhigende "Lehrer"-Stimme von Herzog und man hat schlicht einen Film, der in seinem Informationsgehalt, nur vom Unterhaltungsfaktor übertroffen wird.
+++ Witness Me!" +++

Mestizo

Got Balls of Steel

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Samstag, 10. Dezember 2016, 16:28

Moderiert Herzog den auch in der deutschen Fassung? Finde sein derben Akzent im Englischen eher anstrengend, als beruhigend.

Revolvermann

Goodfella

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4

Samstag, 10. Dezember 2016, 16:32

@ Mestizo
Er moderiert auch in der deutschen Fassung. Auf deutsch.

@ TheReelGuy
Absolut. Erinnerte mich kurzzeitig an die ebenfalls bei Netflix vorhandene Doku "The Propaganda Game" über Nordkorea, die ich vor kurzem sah. Von einem Spanier, falls ich mich nicht täusche. Nicht so gut wie die hier aber trotzdem sehenswert.
Herzogs Stimme ist anfangs immer etwas gewöhnungsbedürftig, finde ich. Allerdings nicht zu verwechseln mit "langweilig". Im Gegenteil. Nach einer gewissen Eingewöhungsphase entwickelt sich sogar eine Art Sog.
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Valar Morghulis

Mestizo

Got Balls of Steel

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Samstag, 10. Dezember 2016, 17:30

Deswegen sage ich ja explizit anstrengend. Trotzdem ne sehr gute Doku.

Deathrider

The Dude

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Samstag, 10. Dezember 2016, 17:45

Ist soeben auf meine Watchlist gewandert.
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Argento

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7

Sonntag, 11. Dezember 2016, 14:22

Ich kann Revolvermann nur zustimmen.

Knappe Aufarbeitung:
Werner Herzog ist einer der Künstler, die mich schon mein ganzes Leben begleiten und mein Leben bereichern. Aus der Außenpersepektive betrachtet wahrscheinlich viel zu früh gesehen, da zu jung, gehören AGUIRRE und FITZCARRALDO zu den wichtigsten und prägenden Filmen meiner filmischen Sozialisation. Die Herzog'sche Getriebenheit, seine Leidenschaft, sein Mut, sein Wahnsinn und die Notwendigkeit, die seinen Werken inhärent ist, beeindrucken mich zutiefst. Sein Werk erstaunt, beglückt und verwirrt mich. Er selbst sieht sich übrigens gar nicht als Künstler; nennt sich selbst immer schlicht einen Soldaten.

Dasjenige, was er abseits seiner Spielfilme schöpft, wird gemeinhin oft als Dokumentation bezeichnet. Der Einfachheit halber spricht natürlich nichts dagegen, dergleichen so zu handhaben, aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass Herzog selbst diese Einordnung strikt ablehnt. Denn das, was oft als Dokumentation bezeichnet wird, ist eben - bei genauer Betrachtung - niemals eine solche und erfüllt auch nicht deren Anforderungen. Herzog selbst betont immer wieder, dass seine "Dokumentationen" immer mit einem starken Stilisierungs- und Gestaltungswillen einhergehen. Demzufolge ist in jenen Filmen immer auch sehr viel inszeniert.

Nun zu INTO THE INFERNO:
Die Herzog'sche Inszenierung ist - wie immer - elektrisierend. Die harmonische Beziehung, die Musik, Bilder und Kommentar eingehen entfalten nicht selten eine Sogwirkung. Herzog - dergleichen braucht man kaum betonen - kommentiert seinen Film selbst. Wie immer ist seine Tonalität und dasjenige, was er sagt, im besten Sinne hypnotisch.

Herzogs Werk ist auch nur auf den ersten Blick ein Film über Vulkane. Es ist - wie Revolvermann sehr richtig anmerkt - ein Film über die Menschheit. Ein Film über den Menschen. Kurz: Ein Film über uns, der uns viel über uns selbst erzählen kann.

Ich sah INTO THE INFERNO umgehend, nachdem dieser veröffentlicht wurde. Er hallt noch immer nach.
"Ich spiele lieber fünf Minuten eine interessante Rolle in einem schlechten Film als 90 Minuten eine banale Rolle in einem guten Film."

Michel Serrault

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Shins

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Sonntag, 11. Dezember 2016, 14:43

Heißt der wirklich "In den Tiefen den Infernos"? :ugly: Hat das was mit Herzogs Dialekt zu tun?
Meine Kurzfilme, Musikclips und andere Videoprojekte: https://www.youtube.com/channel/UCfq8sD3GrgPEqoIvBZeQAsA

TheGreatGonzo

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Sonntag, 11. Dezember 2016, 15:37

Herzogs Akzent ist Beste! Hab dem bisherigen Konsens hier außerdem glaube ich kaum nach was hinzuzufügen, der Film ist wirklich super. Schreibe vielleicht noch mal ein paar Sätze dazu, wenns an die Jahresbestenlisten geht. ^^ Bis dahin: Kann Revolvermanns und Argentos Beiträgen nur schwerstens beipflichten.
C’mon, you might even have fun.
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Mestizo

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Sonntag, 11. Dezember 2016, 15:39

Habs ja verstanden, jeder steht auf Herzogs Akzent außer meiner Wenigkeit. :D

Shins

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Sonntag, 11. Dezember 2016, 16:29

Herzogs Akzent ist hammer. Großartig auch bei Jack Reacher gewesen!
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TheGreatGonzo

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Sonntag, 11. Dezember 2016, 16:34

Habs ja verstanden, jeder steht auf Herzogs Akzent außer meiner Wenigkeit. :D

Da hilft nur Konfrontationstherapie. Ich empfehle das knapp 2 stündige Interview mit Herzog aus Marc Marons WTF-Podcast (Kann man aber auch so hören, weil gut). :D
C’mon, you might even have fun.
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Diego de la Vega

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13

Sonntag, 11. Dezember 2016, 17:00

Will ich auch unbedingt noch sehen. Und natürlich ist Herzogs Akzent großartig. Keine Frage.
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Mestizo

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Sonntag, 11. Dezember 2016, 17:49

Unverkennbar ist er in jedem Fall. Bei Ricky & Morty ist er mir auch sofort aufgefallen.

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