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41

Donnerstag, 10. Mai 2018, 22:36

Jetzt machen wir wirklich ein Fass auf. Aber das habe ja insbesondere ich auch angestoßen und ich denke, dass das bei so einem Gespräch über eine nationale Filmkultur nicht schaden kann. *Insbesondere* bei China. Denn warum sonst wirft man, in diesem Fall Butch, so einen Ländernamen als gewollte Grenze zur Filmauswahl in den Ring? Es macht keinen Sinn über eine nationale Filmkultur zu sprechen, ohne sich auch der Nation als solche zu nähern; ihren politischen/geographischen Grenzen, ihrer Geschichte, ihrer Kultur etc. Natürlich müssen wir hier kein fünfwöchiges Seminar über Geschichte, Politik und Kultur Chinas abhalten, aber eine knappe Bewusstmachung kann nicht schaden. Und so was spielt auch bei den Filmen eine Rolle, sogar bei den vermeintlich unpolitischen Actionfilmen.
Wie gesagt, die "Alle unter einem Himmel" Botschaft aus "Hero" wirkt nicht deshalb so #problematisch, da der Eroberungskrieg der Qing Dynastie legitimiert wird, sondern da über diese Botschaft das moderne China seine politische Macht und Herrschaftsgewalt über eben solche "Territorialstaaten" o.Ä. wie Hongkong, Taiwan und Tibet unterstreicht.

Die Frage ist, ob wirs anders herum übel nehmen würden, würde ein Chinese Deutschland, Bayern, die Niederlande, Mallorca und Österreich in einen Topf werfen? (ich nicht)
Das kann man ja wohl 0,0%-gar-nicht miteinander vergleichen. U.a. weil niemand der Genannten einen politischen Machtanspruch über "fremde" Gebiete hat bzw. ausübt. (Auch wenn es bestimmt ein paar bayrische Verschwörungstheoretiker/Reichsbüger gibt, die sich von Deutschland "besetzt" fühlen. Aber das führt jetzt zu weit weg.)
Fangen wir nur mal bei Basics an, z.B. bei Hongkong. Die Briten war seit dem frühen 18. Jahrhundert in Hongkong unterwegs und Hongkong selbst seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderte britisch besetzt, im 2. Weltkrieg von Japan besetzt und im Anschluss daran von Briten und Chinesen brutal umkämpft. Die Volksrepublik China wurde btw. erst 1949 ausgerufen - offiziell ohne Hongkong. Erst Ende der 1980er wurde die "Rückgabe" Hongkongs beschlossen, erst 1997 trat sie in Kraft, Mao ist lange tot und China hat sich in den rund 200 Jahren, in denen Hongkong besetzt war, ca. drei Dutzen mal neu er- und gefunden. Und selbst heute gilt für Hongkong noch das bekannte Schlagwort "Ein Land, zwei Systeme" für HK als Sonderverwaltungszone(*). Also in Kurzform: Erst 1997 hat sich Großbritannien offiziell aus Hongkong zurückgezogen. Von wann genau sind all die bekannten Hongkong Actionfilme? :check:

Die Sache mit Taiwan ist sogar noch komplizierte, u.a. mit Chiang Kai-sheks antagonistischer Reaktion auf Mao. Das kann ich hier auf die Schnelle gar nicht aufdröseln, verlinke daher ganz naiv einfach zu Wiki. Und ich denke, wie kompliziert die Tibet-Frage ist, haben wir alle (zumindest wer jetzt etwa Mitte 20 ist) in den letzten zehn Jahre deutlich genug aufgeschnappt. Wir kennen zwar vielleicht nicht die Details, warum es dazu kam, aber dass es mehr als kompliziert ist, sollte feststehen. (Allerdings fällt Tibet als Filmproduktionsland ja auch so gut wie komplett raus.)

(*)Hongkongs "Autonomie" als Sonderverwaltungszone endet 2046. Um zu Filmen zurückzukehren: U.a. darauf spielt Wong Kar-wais Film "2046" ein, der eine lose Fortsetzung von "Days of being Wild" und "In the Mood for Love" ist.
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- Janet

Butch

Amity Freischwimmer

  • »Butch« ist der Autor dieses Themas

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42

Freitag, 11. Mai 2018, 02:18

Die Frage ist, ob wirs anders herum übel nehmen würden, würde ein Chinese Deutschland, Bayern, die Niederlande, Mallorca und Österreich in einen Topf werfen? (ich nicht)


Darüber würden sich wohl nur Horst Seehofer und einige Spanier aufregen :ugly:

Chinesen die nicht in Europa leben werfen uns wahrscheinlich auch alle in einen Topf und von der Mentalität und Kultur her sind wir doch auch alle in einem Topf, ich seh da jedenfalls keine großen Unterschiede und wäre niemals beleidigt würde ein Chinese zu mir sagen das Amsterdam und Wien zwei schöne deutsche Städte seien die er gerne mal besichtigen würde... in Thailand sind sogar ALLE weißen in einem Topf Australier, Amerikaner, Engländer, Franzosen, Russen, Deutsche... usw. wir sind da alle Farangs, ein Begriff der für alle weißen Ausländer gilt ohne abwertend oder rassistisch gemeint zu sein, die Thais sehen einfach keinen großen Unterschied zwischen unseren Nationalitäten deswegen sind wir da keine Deutschen oder Europäer wir sind einfach nur Farangs :D
Würde mich wundern wenn die anderen Asiaten da mehr unterscheiden würden, die wenigen Chinesen die ich in meiner Zeit in Bangkok kennen gelernt habe waren da sogar noch etwas Weltfremder als die Thais aber dafür genau so wie alle Asiaten die ich bisher kennen gelernt habe, viel lockerer und cooler sich selbst betreffend, was solche Themen angeht als wir Deutschen...

Ich glaube Woodstock hat sich nicht daran gestört das ich China, Taiwan, Hongkong und Tibet in einen Topf geworfen habe (wenn der Post ernst gemeint war), denn das habe ich ja nicht, in einen Topf werfen heißt für mich zu behaupten alle wären gleich, ich hab nur alle zu China gezählt und soweit ich weiß gehören Tibet, Taiwan und Hongkong sowieso nunmal zu China... Ob sie wollen oder nich... Als wir Spanien als Thema hatten da hat doch auch keiner gefragt ob Filme aus Katalonien dazu gehören... wir sind in einem Film Forum und wenn wir über Filme aus anderen Ländern reden wollen dann müssen wir uns doch nicht ernsthaft erst über die politische Lage, Minderheiten oder autonome Regionen unterhalten, nicht das mich das nicht auch interessieren würde, warum Hongkong heute nicht zu China gezählt werden sollte, könnte, dürfte is mir bis jetzt ehrlich gesagt trotz Joel's kurzer historischen zusammenfassung immernoch ein Rätsel und würde ich gerne erfahren aber hier sollte es eigentlich um Filme gehen.


Oder wie wir das überhaupt zusortieren. Was heißt, aus China? In China gedreht? Wie Die Mumie 3?
Von ausschließlich chinesischer Produktionsfirma? Tiger & Dragon wurde u.a. von Columbia Pictures produziert, die nicht chinesisch sind. Also gilt der nicht?
Mit chinesischen Hauptdarstellern? Also ist Rush Hour 2 mit Jackie Chan und Zhang Ziyi chinesisch?
Was, wenn er nicht auf Chinesisch produziert wurde?
Was ist mit Resident Evil 1? Japanische Marke, von deutscher Produktionsfirma in Deutschland gedreht, auf Englisch von einem englischen Regisseur, mit Hauptdarstellern aus der Ukraine, Texas und England.
The Meg ist primär eine chinesische Produktion, aber auf Englisch mit Statham, gedreht in Neuseeland?


Ja... also... ähh... mmh... Keine Ahunung :ugly:
Es gibt natürlich Filme die haben nicht nur ein Produktionsland und die kann mann nicht 100 Prozentig einem Land zu ordnen. Welche Kriterien ein Film erfüllen muss um genau einem Land zu geordnet werden zu dürfen kann und will ich hier nicht festlegen, darauf müsste man sich einfach grob einigen, grade wenn wir mal Länder wie England oder Frankreich durchnehmen wird es wohl extrem kompliziert mit den ganzen Co-Produktionen und Regisseuren werden.
Für mich ist ein Film einem Land zu zuordnen wenn der Großteil der Produktionskosten und, oder der kreativen Verantwortlichen aus diesem kommen, in welchem Land der Film gedreht wurde, welche nationalität der Regisseur, der Hauptdarsteller oder der Drehbuchautor hat ist meiner Ansicht nach nicht entscheidend. Ballermann 6 ist jawohl kein spanischer Film nur weil Tom Gerhardt auf Mallorca rumprollt oder? Inglorious Basterd wurde in Berlin gedreht hatte deutsche Schauspieler und sogar viele deutsche Dialoge... Regisseur und Drehbuchautor war aber ein Amerikaner und die Kohle für den Film kam auch aus Amerika also für mich 0 % ein deutscher Film. Independence Day hatte einen deutschen Regisseur, Drehbuchautor und sogar die Effekte und das Geld für den Film kamen, wenn ich mich richtig errinere zum Teil aus Deutschland aber die Hauptverantwotlichen die diesen Film überhaupt ermöglicht haben und am meisten Geld reingesteckt haben waren Amerikaner, deshalb ist Independence Day ganz klar doch wohl kein deutscher Film. Also für mich is das Geld dann wohl doch schon ein wichtiges Kriterium... The Mag wäre für mich klar ein Chinesischer Film wenn der Film von Chinesen zum Großteil finanziert und in Auftrag gegeben wurde, Tiger and Dragon ist für mich tatsächlich eher ein US Film wenn eine Amerikanische Produktionsfirma Hauptverantwotlich war und Rush Hour 2 ist doch ganz klar ein Hollywood Film. Wen man Resident Evil in die Schuhe schieben darf ist natürlich nicht ganz so einfach, wenn der Film zum Großteil von Bernd Eichinger Finanziert wurde und das wurde er glaube ich, dann auch noch in Deutschland gedreht wurde dann ist das leider schon ein Debakel was eine deutsche Produktionsfirma zu verantworten hat, da kann man dann auch nicht zur ausrede nehmen das die Vorlage aus Japan kommt, Drehbuchautoren und Regisseure aus England und internationale Darsteller im Film hauptsächlich zu sehen sind, Resident Evil haben dann doch eher die deutschen verbrochen...

Für diesen Thread will man ja Filme suchen, die aus einem bestimmten Kulturkreis kommen. Man kann sich also am besten an der Nationalität eines Filmemachers orientieren.


Das finde ich ehrlich gesagt garnicht gut. Es gibt zu viele gute Regisseure die viele Filme in Europa und auch in Amerika gedreht haben, z. B Roman Polanski, viele Filme in den USA und Frankreich gemacht, kommt aber eigentlich aus Polen... den kann man keinem Land klar zuordnen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Butch« (11. Mai 2018, 02:26)


43

Freitag, 11. Mai 2018, 12:38

Ja da hast du Recht, da habe ich etwas kurz gedacht. Gibt ja genügend Exil-Regisseure, wo das nicht mehr passt.

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