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Tyler Durden

Weltraumaffe

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Dienstag, 15. November 2011, 21:24

Garp und wie er die Welt sah von John Irving

Zitat

Der Roman um das Leben des Schriftstellers T. S. Garp und seine feministische Mutter Jenny Fields wurde ein Weltbestseller und begründete den anhaltenden Erfolg des Autors John Irving, der sich hier als einer der großen zeitgenössischen Erzähler Amerikas bewies.


Ich fand das Buch aber schwach. Es ist zwar ganz gut geschrieben, aber Irving schweift zu sehr ab, die Charaktere waren mir unsympathisch und der Autor wirkt selbstbewundernd, wenn er die Genialität von Garps (Irvings Alter Ego) Geschichten hervorhebt. Dabei fand ich die eine Geschichte "Die Pension Grillpatzer" (die hier vollständig abgedruckt wurde) nur mittelmäßig, die anderen Sachen sogar noch schlechter. Die sind zwar vom fiktiven Garp, aber in Wirklichkeit natürlich von John Irving; er feiert also seine eigenen Geschichten als "Meisterwerke". Irving schreibt über den Schriftsteller Garp, der über einen anderen Schriftsteller schreibt. Kann sein, dass er das selbstironisch meinte, aber ich bin mir da nicht so sicher.
Die Mischung aus Tragik und Komik fand ich hier nicht gelungen.

3/10

Da_Shnig

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Montag, 5. Dezember 2011, 12:26

Zuletzt Nemesis von Philip Roth. Inhaltlich gehts um einen Sportlehrer, in dessen Ort während der Sommerferien die Kinderlähmung ausbricht, dieser daraufhin zu seiner Freundin in ein Feriencamp "flüchtet" und auch dort nach kurzer Zeit die Polio Seuche ausbricht.

Das Buch ist kurz und prägnant, soll heißen es wird nicht lange um die Haupthandlung herum geredet. Diese liest sich spannend, mitfühlend und am Ende gar erschreckend.

Von mir gibt es 7/10 Punkte.
Ich möchte schlafend sterben wie mein Opa, nicht kreischend und schreiend wie sein Beifahrer

Punisher

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Montag, 5. Dezember 2011, 12:43

B. Traven - Die Baumwollpflücker

Hab ich zufällig mal in der Bahn gefunden, und da es im guten Zustand war und nicht stank, gleich mit angefangen. :ugly:
Die Baumwollpflücker ist ein richtig leicht zu lesendes, kurzweiliges Buch über einen Mann, der als Tagelöhner im mittelamerikanischen Raum allerlei Arbeit annimmt, sich teilweise fast zu Tode schuftet aber nie das Menschliche verliert. Der Protagonist erlebt dafür, dass das Buch recht dünn ist, doch ziemlich viel, und immer geben einem die Geschichten, die er erlebt, etwas mit. Dazu werden die Menschen und Orte mit einer Präzision, aber auch Wärme beschrieben, die seinesgleichen sucht. Auch wieder so ein Buch, dass einem erst nach dem Lesen nach und nach die Genialität offenlegt.
'You don't know what's out there..' - 'That's why I would go..'

Tyler Durden

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Montag, 5. Dezember 2011, 18:09

Letzte Ausfahrt Brooklyn von Hubert Selby

Kann man wohl als Episodenroman bezeichnen. Es sind 6 Geschichten, die durch Örtlichkeiten (beim Griechen oder bei Willie, aber vor allem in Brooklyn) und Figuren miteinander verknüpft sind.

Zum zweiten Mal gelesen. Am besten finde ich "Tralala" und "Eine Großfürstin stirbt", aber die anderen sind auch nicht schlecht. Mir gefällt die Atmosphäre, die Hubert Selby hier schafft. Seine Figuren sind teilweise Antihelden und Sozialfälle, deren Verzweiflung er sehr intensiv rüberbringt. Das Buch kam ja noch vor "Requiem for a Dream" raus, und so wie dort werden die Lebenssituationen auch hier schonungslos und deprimierend (gilt aber für so ziemlich alles, was Selby geschrieben hat - ist in diesem Fall aber positiv gemeint) beschrieben. Manche Stellen sind relativ hart, aber nicht im Sinne von Splatter, sondern inhaltlich.
Der Schreibstil ist originell, aber gewöhnungsbedürftig. Dadurch, dass der Autor meistens sehr lange Sätze schreibt und die Interpunktion beliebig einsetzt (z.B. sind die Dialoge als solche nicht gekennzeichnet, die Figuren reden in der selben Zeile. Meistens ist aber sofort erkennbar, wer was sagt), erzeugt er eine besondere Wirkung. Anfangs hatte ich auch meine Probleme damit, aber nach einer gewissen Zeit gewöhnte ich mich daran und mochte es. Diese Sätze wirken am besten, wenn man sie schnell liest.
An "Requiem for a Dream" kommt das Buch zwar nicht heran, ist aber trotzdem sehr gut.

8/10


Edgar Allan Poe, Band II (Arabesken und Detektivgeschichten)

Die meisten kannte ich schon, aber das Lesen hat trotzdem Spaß gemacht. Am besten gefallen mir (in diesem Band) "Die Maske des Roten Todes" und "Hopp-Frosch". Und natürlich "Die Morde in der Rue Morgue".

Freue mich schon auf den Poe-Film mit John Cusack.

7,5/10


Dirac von Dietmar Dath

Paul Dirac war ein britischer Physiker, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebte und sich mit der Quantenphysik beschäftigte. Neben ihm tauchen auch andere berühmte Persönlichkeiten auf (Oppenheimer, Bohr, Einstein), aber die Handlung ist fiktiv - so wie zum Beispiel Nicola Tesla in "Prestige".
"Dirac" besteht aus mehreren Handlungssträngen, die nicht chronologisch strukturiert sind. In dem einen geht es um Dirac und die Wissenschaft 1920-1950, den Nobelpreis, Roswell. In dem anderen um eine Gruppe von jungen Menschen in den 80ern und in unserer Zeit.

Es ist schon ziemlich wirr. Dietmar Dath kann gut schreiben, aber mir ging es hier zu weit in Richtung Quantenphysik und Metaphysik. Eine wirkliche Auflösung gab es am Ende nicht, ja nicht einmal eine mehr oder weniger verständliche Andeutung, was das Ganze eigentlich sollte. Und dann diese Roswell-Sache... Wenn ich es richtig verstanden habe, sollen es diesmal

Spoiler Spoiler

geistig Behinderte und japanische Kriegsgefangene gewesen sein, die als Testpiloten eingesetzt und nach dem Absturz mit Außerirdischen verwechselt worden sein sollen

Dafür gab es aber auf der anderen Seite auch interessantere Theorien.
Die Frau mit dem Krokodil fand ich anfangs auch interessant, aber die Auflösung dieses Handlungsstranges fand ich schwach. Außerdem war mir das Buch an manchen Stellen zu politisch.

Insgesamt hat mich das Buch nicht wirklich überzeugt, da es nichts Ganzes und nichts Halbes ist und die wenigen Auflösungen einen unzufrieden zurücklassen. Aber man kann es ein Mal lesen.

5/10

Wendtslaw

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Mittwoch, 7. Dezember 2011, 14:38

Der Schwarm von Frank Schätzing

Hab ich jetzt zum zweiten Mal gelesen und bin nach wie vor begeistert. Nur leider finde ich auch nach wie vor, dass das Buch zum Ende hin immer schwächer wird. Nicht schlecht, aber schwächer.
Und im großen und ganze finde ich, dass das ganze relativ realistisch beschrieben wurde und man wirklich meinen könnte, dass so etwas möglich ist.

Dafür gibt´s 8 / 10 Punkten.

Von kommenden Tagen von H.G. Wells

Nettes Buch mit schönen Zukunftsvisionen. Finde es allerdings schwächer als Die Zeitmaschine, welchen er viel viel früher geschrieben hat und wo die von ihm beschriebene Zukunft noch weiter in der Ferne lag.In meinen Augen ist es aber schön, dass er sich scheinbar treu bleibt und er immernoch beschreibt, dass die Arbeitergesellschafft eher "unter der Erde" lebt, während die Reichen darüber wohnen.

Aufjedenfall nicht das letzte Buch, dass ich von Wells lesen werde.

Trotzdem nur 6.5 / 10 Punkten. Es konnte mich einfach nicht so sehr mitreißen. (Die Zeitmaschine hat mich total in ihren Bann gezogen)

Tyler Durden

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Montag, 12. Dezember 2011, 21:02

Gargantua und Pantagruel von Francois Rabelais

Besteht aus 5 Teilen, die in der Mitte des 16. Jahrhunderts erschienen. Gargantua und Pantagruel sind zwei Riesen (Vater und Sohn), die verschiedene Abenteuer erleben. Wobei in den Teilen 3-5 eher Panurge (Gefolge von Pantagruel) im Vordergrund steht. Das Ganze ist eine religiöse Satire, die sich über die Kirche (und den Papst) lustigt macht und sehr viele Anspielungen auf altgriechische Mythologie und Philosophie (und Homer) beinhaltet. Es kritisiert und verspottet die Enthaltsamkeit, die die Kirche den Mönchen und normalen Bürgern (z.B. Fasten) vorschreibt. Hier wird gegessen, gesoffen und miteinandergeschlafen, was das Zeug hält.

Ja, stellenweise wird das recht "unanständig", sag ich mal. Manchmal nur Anspielungen, aber manchmal auch mehr oder weniger deutliche Worte. Schmutzige "Gags", teilweise auch Fäkalhumor. Ist schon amüsant und mutig vom Autor, wenn man bedenkt, in welcher Zeit die Bücher entstanden. Da war die Inquisition, aber er hatte wohl gute Kontakte als Arzt von Adeligen und wurde verschont. In den späteren Teilen (3-5) wurde er auch zurückhaltender mit der Kritik, war weniger bissig.
Die erwähnten Anspielungen auf Homer und andere Griechen waren gut. Zum Beispiel wenn in einer Schlacht die Verletzungen und Verstümmelungen detailverliebt beschrieben werden. Was ich ebenfalls gelungen fand, waren die Wortspielereien, die sich manchmal über mehrere Seiten zogen.

Teile 1+2 fand ich besser als die drei späteren, aber insgesamt fand ich die Reihe gut. Kann es nicht so recht bewerten, aber ich würde sagen, so 7-8/10.

Aber für manche wird das Buch wohl zu obszön sein. Allein schon wenn ich an die Geschichte denke,

Spoiler Spoiler

als jemand davon träumt, dass ihm jemand einen Ring gibt und sagt: "Solange du diesen Ring trägst, kannst du dir sicher sein, dass deine Frau dir nicht fremdgeht." Und jetzt ratet mal, wo sein Finger steckt, als er neben seiner Frau aufwacht.

:nedu:
Empfehlenswert.

j.@.c.K

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Montag, 12. Dezember 2011, 22:34

Homefront - Die Stimme der Freiheit von John Milius und Raymond Bensen

Inhalt: Naja, Homefront halt. Die USA werden in naher Zukunft vom vereinten Korea überrollt und besetzt. Doch es gibt Widerstand.

-------

Im Spiel kriegt man die Entstehung, wie es zu der Besetzung kam als Intro am Anfang in 2 Minuten um die Ohren gehauen. Hier wird nun sehr viel näher drauf eingegangen. Das Buch ist jetzt allerdings nicht das Spiel in Papierform, sondern eine ganz andere Geschichte im gleichen Universum, die sich aber auch mit der aus dem Spiel hin und wieder überschneidet. Soll heissen, man trifft altbekannte Charaktere und Schauplätze wieder.
Hier im Buch bekommt man das ganze aus der Sicht von Ben Walker, der späteren Stimme aus dem Radio, der Stimme der Freiheit, erzählt. Auch in Buchform kommt das ganze gut rüber. Herrliche Endzeitstimmung.
Allerdings hat das Buch natürlich so seine Macken. So merkt man doch leider allzuoft, dass Milius mehr als nur ein kleiner Patriot ist und einen ziemlichen Waffenfetisch (die NRA lässt grüßen) hat. Und das wird leider zu oft zu sehr ausgebaut. Hier wäre manchmal weniger mehr gewesen.

Aber sonst kann man das geschriebene einwandfrei so stehen lassen. Es liest sich sehr flott und Langeweile kommt gar nicht auf. Selbst ruhigere Passagen, in denen nur der Zerfall und die Einöde der zu Grunde gehenen Staaten beschrieben wird sind sehr interessant gestaltet.

Jeder der mit Homefront (was nicht viele sein dürften) oder mit Endzeitszenarien was anfangen können, können getrost mal einen Blick riskieren.

7/10
"The blind leading the blind!"
"Against the grain should be a way of life!"

Wendtslaw

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Dienstag, 13. Dezember 2011, 13:34

Das letzte Protokoll von Chuck Palahniuk

Zitat

von amazon.de
Mistys alte Kinderzeichnungen waren Wirklichkeit geworden. Peter Wilmot, von den Studentinnen der Kunstakademie nur „Peter, der Rammler“ genannt, hatte seiner Kommilitonin einen Heiratsantrag gemacht. Zwar war er als merkwürdiger und unbeliebter Künstlerkauz verschrieen, aber die Sehnsucht der einsamen Misty nach einem Nest war zu übermächtig. Bald darauf waren sie ins noble Wilmot-Haus auf Waytansea Island gezogen, wo die Stammbäume der exklusiven Inselfamilien bis zur Mayflower-Verfassung zurückreichten. Den neuen Bewohnern sollte ein kürzeres Leben beschieden sein.
„21. Juni – Dreiviertelmond: Heute ist der längste Tag des Jahres – aber das ist ja heutzutage jeder.“ – Diesen Seufzer und eine halbe Ehehölle später liegt Peter nach missglücktem Selbstmordversuch im Koma. Misty durfte im Inselhotel schuften, tagsüber traktiert von nörgelnden Edelurlaubern, abends von ihrer halsstarrigen 12-jährigen Tochter Tabbi und Peters giftiger Mutter. Die geldgierige Alte drängt Misty, ihre alte Leidenschaft, das Malen, wieder aufzunehmen. Doch in Misty haben längst furchtbarere Bilder und der Alkohol das Sagen. Wütend und verzweifelt beginnt sie, ihr verkümmertes Dasein einem Tagebuch anzuvertrauen. Zum endgültigen Protokoll des Wahnsinns wird es, als in Waytanseas Häusern ganze Wände verschwinden und ungeheure Inschriften zum Vorschein kommen! Peters grauenvolles Vermächtnis!
Gefiel mir eigentlich ganz gut.
Es wirkt zwar teilweise ein wenig wie ein Aufguss der anderen Bücher, aber am Ende war es ja irgendwie doch eine komplett neue Geschichte.
Das Ende war leider etwas (aber nicht ganz) vorhersehbarer als in den anderen Büchern, aber trotzdem konnte es mich wenigstens ein wenig noch überraschen.

Solide 6.5/10

Tyler Durden

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Sonntag, 18. Dezember 2011, 09:56

Speed / Kentucky Ham von William S. Burroughs Jr.

Die beiden autobiografischen Kurzromane vom Sohn des berühmt-berüchtigten Kult-Autoren der Beat Generation. Im ersten beschreibt er, wie er als Jugendlicher für ein paar Monate nach New York abhaute und sie dort im ständigen Drogenrausch, begleitet Paranoia-Anfällen verbrachte. Dazu lernte er auch die NYPD näher kennen. Im zweiten geht es um seinen Aufenthalt in einer Entzugsklinik und seine spätere Arbeit (eine Art Beschäftigungs-Therapie) in Alaska.
Der Autor ist dabei sehr sebstironisch und hat einen lockeren Schreibstil. Der Drogenkonsum wird keinesfalls verherrlicht oder verharmlost. Im Gegenteil, er schreibt sehr ehrlich auch über die peinlichsten Seiten seines Daseins als Junkie, was auf jeden gesunden Menschenverstand abschreckend wirkt. Wenn man seine "Vorgeschichte" so liest (Mutter hat während der Schwangerschaft viele Drogen konsumiert; Vater ebenfalls, und hat auch noch Bücher darüber geschrieben, war eine Kultfigur der Beatniks und der 60er-Bewegung, und als vierjähriger war er Zeuge gewesen, wie sein Vater aus Versehen seine Mutter erschoss. Und dazu noch die 60er, wo fast jeder Jugendlicher rebellierte und irgendwelche Drogen konsumierte), erklärt sich so Einiges. Wobei er nicht bei seinem Vater, sondern bei den Großeltern aufwuchs. Mit Burroughs Senior hatte er aber manche Begegnungen, die er hier beschreibt. Als er ihn in Tanger besuchte, sah ich Burroughs plötzlich aus einer neuen Perspektive - als jemanden, der nach dem "Unfall-Tod" seiner Frau in ein anderes Land flüchtet. Das erklärt auch seinen Wandel vom Realismus wie in "Junkie" und "Queer" zu dem bizarren Surrealismus in "Naked Lunch" und fast allen nachfolgenden Büchern; zeitlich würde das passen. Bisher sah ich ihn nämlich nur als eine zwilichtige Gestalt, die mir zumindest wegen mancher Passagen in den Büchern suspekt vorkam. Wobei er hier auch als verantwortungslos gezeigt wird - durch ihn kommt der 14-jährige Junior zu seinem ersten Joint.
Außerdem taucht auch Allen Ginsberg ein paar Mal in "Speed" auf, um ihn vor dem Knast zu retten.
"Speed" ist wie "Junkie", nur eine Generation später. Was mir aber nicht gefallen hat, waren die gelegentlichen paranoiden Passagen, in denen der Autor überall Verfolger, Verschwörungen, Experimente etc. sieht. Da ist der jahrelange Drogenkonsum wohl nicht ohne Nebenwirkungen verlaufen.

6/10

Wendtslaw

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Mittwoch, 28. Dezember 2011, 15:43

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson

Zitat

Allan Karlsson hat keine Lust auf seine Geburtstagsfeier im Altenheim. Obwohl der Bürgermeister und die Presse auf den 100jährigen Jubilar warten, steigt Allan kurzerhand aus dem Fenster und verduftet. Bald schon sucht ganz Schweden nach dem kauzigen Alten, doch der ist es gewohnt, das Weltgeschehen durcheinander zu bringen und sich immer wieder aus dem Staub zu machen.
Viele stellen hier den Vergleich zu Forrest Gump und auch ich will mir das nicht ganz sparen. Allan Karlsson hatte ein langes Leben und ist viel in der Weltgeschichte rumgekommen. Meiner Meinung nach, aber eher in Geschehnissen, die mir eher unbekannt waren. Vielleicht bin ich auch einfach zu Jung...
Dadurch hat man zwar auch einiges eventuell dazugelernt, allerdings ist es, wenn man sich da nicht auskennt, schwer zwischen Fiktion und Wahrheit zu unterscheiden.

Die Geschichte besteht ca. zu 2/3 aus seinen erlebnissen in der Vergangenheit und ca. 1/3 begebenheiten, die er erlebt, nachdem er aus dem Fenster geklettert ist.
Mir gefiel der "heute"-Teil besser als der Vergangenheits-Teil.

Einige beschweren sich ja auch, dass das Buch zu sehr Fiktion ist, allerdings dürften diese Leute Forrest Gump dann auch nicht mögen.

Also für jeden der sich etwas besser in Geschichte auskennt und auch alle, die keine Probleme damit haben, wenn es etwas Geschichtslastiger wird (Man muss sich nicht auskennen, um zu verstehen was geschieht, aber es macht alles etwas einfacher (und auch einfach witziger))

Meine Wertung ist:
6.5 / 10

Tyler Durden

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Mittwoch, 28. Dezember 2011, 20:36

Sterntagebücher von Stanislaw Lem

"Reiseberichte" und andere Geschichten des Raumpiloten Ijon Tichy. Ungefähr so schräg wie die Anhalter-Reihe von Douglas Adams, wobei Lem das Buch einige Jahre früher schrieb (1971). Und die Story mit den Kisten gehört wohl zu den Vorreitern von Matrix. Inklusive Déjà Vu als "Fehler im System".
Die schrägen Ideen haben mir gefallen, war größtenteils unterhaltsam und amüsant. Nur wiederholt sich der Autor manchmal. Zum Beispiel die Zeitschleifen oder die verwirrten Männer, die ihm von ihrer neuesten Erfindung berichten. Es gab einige Anspielungen auf die Bibel (wobei meistens die Menschen als Schöpfer auftreten).

7/10


Die Grasharfe von Truman Capote

Es geht um einen Jungen, der bei zwei Tanten aufwächst. Nach einem Streit flüchtet er mit einer von ihnen sowie ihrer Dienerin in ein Baumhaus. Schon bald bekommen sie unerwartete Unterstützung von einem Richter und einem Jäger. Ist ein früher (1951) Kurzroman von Capote mit Südstaaten-Flair.

War angenehm zu lesen und unterhaltsam. Sehr guter Schreibstil und interessante Figuren, absolut kurzweiliges Buch.

7/10

PlanetSoap

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Mittwoch, 28. Dezember 2011, 21:48

@Tyler und jetzt musst du noch den futurologischen kongress lesen =)

Tyler Durden

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Freitag, 30. Dezember 2011, 09:03

Dann lieber gleich tot von Kurt Vonnegut

Der Untertitel "Eine autobiografische Collage der 80er Jahre" spricht für sich, worum es sich hier handelt. Das sind größtenteils (autobiografische) Essays, Reportagen und Reden, die er in den 80ern verfasst und/oder gehalten hat. Ist quasi eine Fortsetzung von "Das Nudelwerk".

Für mich als Vonnegut-Fan war es interessant, aber ich weiß nicht, ob es auch jemandem gefallen würde, der noch kein Buch von Vonnegut gelesen hat. Wahrscheinlich weniger als mir. Gewohnt gut geschrieben, viel Ironie und schwarzer Humor, Religions-, Polit- und Sozialkritik. Auch wenn ich die meisten seiner Ansichten schon in der einen oder anderen Form aus seinen anderen Büchern kannte.
Es gibt auch einige lustige Anekdoten und Sprüche, die mich zum Lachen oder Schmunzeln gebracht haben. Zum Beispiel sowas

Zitat

Mein nächster Nachbar, Robert Dash, ist Maler und mächtig stolz auf seine dichten Hecken, die ihn vor allem abschirmen, was außerhalb seines Grundstücks ist. (Aber nicht vor Geräuschen. Truman Capote saß mal nachmittags bei mir im Garten und erzählte, und Dash gewann den Eindruck, ich hätte eine zänkische alte Tante zu Gast gehabt.)

Zitat

Während des Vietnamkriegs war Stallone übrigens Sportlehrer in einem schweizer Mädchenpensionat. Ein Blick in seine Spaniel-Augen zeigt Ihnen, wie innig er lieben wollte, eh er anfing, schlitzäugige Sozis und Kommis zu töten.

Ich wurde gut unterhalten.

6,5/10

@PlanetSoap: ich habe noch "Der Unbesiegbare" hier liegen, wird aber dauern, bis ich es lese und mir den futurologischen Kongress hole ;)

PlanetSoap

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Freitag, 30. Dezember 2011, 13:01

der unbesiegbare ist im vergleich zu tychis reisen ein eher düsteres aber auch spannendes und wissenschaftliches buch.

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Freitag, 30. Dezember 2011, 14:49

Hölle von Will Elliott

Also das war mal abgedreht. Echt schräges Buch, aber nicht schlecht.
Die Hölle ist ein Zirkus, geleitet von einem Werwolf ? Dinosaurier? :ugly: oder sowas in der Art.
Der Hauptdarsteller wird dorthin entführt und muss selber zu einem Teil des Ganzen werden,
um zu überleben.

Wer es abgedreht und brutal mag (vor allem am Ende) dem kann ich das Buch empfehlen!! :thumbup:
Rah rah ah-ah-ah!
Ro mah ro-mah-mah
Gaga oh-la-la!

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Montag, 2. Januar 2012, 21:03

Aufzeichnungen aus einem Totenhaus von Fjödor Dostojewski

Das Buch handelt von einem politischen Gefangenen, der in einem Arbeitslager in Sibirien inmitten von Mördern und anderen schweren Verbrechern lebt. Die Hauptfigur ist zwar fiktiv, hat aber deutliche autobiografische Züge - Dostojewski war 4 Jahre lang in einem solchen Lager. Wegen eines vorgetragenen Textes wurde er zum Tode verurteilt und erst kurz vor der Hinrichtung vom Zaren begnadigt, man verbannte ihn nach Sibirien. Dieses Erlebnis prägte ihn als Menschen und als Schriftsteller.

Hat mir sehr gut gefallen. Der Autor zeigt den Menschen mit seiner ganzen Komplexität, die Charaktere sind stark und vielschichtig und zeugen von großer Beobachtungsgabe. Er drückt sich sehr präzise aus, kann einen noch so komplexen Gedanken verständlich rüberbringen. Aber ich weiß nicht, wie die deutschen Übersetzungen sind. Was aber definitiv bei der Übersetzung verloren gehen wird, ist der Knast-Slang, der hier stellenweise in den Dialogen vorkommt. Ich fands herrlich.
Auch inhaltlich sehr interessant. Ich musste staunen, wie viele Sachen, die man heute über die ungeschriebenen Knast-Regeln oder Schmuggel-Tricks und bestimmten Abläufen weißt, schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts mitten an solchen abgelegenen Orten so praktiziert wurden. Manche Zustände wirken heute sehr hart, auch wenn es in vielen Ländern immer noch nicht viel humaner läuft.
Interessant fand ich auch, dass der Autor aus einem großem Abstand seine eigenen Erfahrungen beschreibt, indem er nicht nur die fiktive Hauptfigur und die Rahmenhandlung mit dem Finder des Manuskriptes einführt, sondern seine Erlebnisse von Anfang an rückblickend betrachtet. Zum Beispiel erwähnt er schon in den ersten Kapiteln Sachen, die er erst später erfahren hatte, als Leser weiß man, dass er die erste Seite erst nach seiner Freilassung aufgeschrieben hat. Dadurch schafft er Distanz und Objektivität, analysiert möglichst unbefangen die Situationen und Menschen.

An "Schuld und Sühne" und "Die Brüder Karamasow" kommt das Buch zwar nicht ganz heran, gehört aber definitiv zu den besten von Dostojewski.

9/10

37

Mittwoch, 4. Januar 2012, 10:38

The Shadow of the Wind - Carlos Ruiz Zafon


Hab irgendwo hier im Forum über das Buch gelesen und schnell auf amazon festgestellt, dass man das Buch eigentlich kennen muss.
Hab das dann entsprechend schnell nachgeholt und mir das Buch für meinen Kindle gekauft.
Bin jetzt nach Weihnachten auch endlich mal dazu gekommen, etwas mehr zu lesen.
"The Shadow of the Wind" hat definitiv meine Erwartungen erfüllt und ist seinem guten Ruf gerecht geworden. Die Story war nie zu platt oder linear oder im großen Schema auch nicht leicht vorhersehbar. Sicherlich konnte man die ein oder andere Sache erahnen, aber wie die Fäden nachher zusammenführten hat mich schon überrascht.
Zafon's Schreibstil ist absolut fantasievoll und voller Bilder, was das das Lesen für jemanden wie mich, der sonst eher im Fantasy-Genre unterwegs ist wirklich angenehm gemacht hat.
Einzig ein wenig enttäuscht hat mich das Ende, das war mir ein klein wenig zu dick aufgetragen.

Spoiler Spoiler

Daniel's Story hat mich dann doch ein wenig zu sehr an Julian's erinnert als herauskam, das Bea schwanger ist. Übrigens, wieviel Zeit ist denn zwischen der "Empfängnis" und der Diagnose vergangen? Dachte mir es waren höchstens 2 Wochen, da kann man doch noch keine Schwangerschaft feststellen, oder?
Außerdem bin ich so viel "Happy End" nicht gewöhnt. Hätte eher damit gerechnet, dass entweder Daniel oder Bea sterben, oder zumindest Fermin und/oder Julian.


Alles in allem hat das Buch trotzdem 9/10 Punkten verdient.

The reward for our work ist not what we get,
but what we become.

Revolvermann

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Mittwoch, 4. Januar 2012, 22:35

Stephen King - Zwischen Nacht und Dunkel (OT: Full Dark, no Stars)

Wie der Titel schon erahnen lässt führt uns King dieses mal in die dunkelsten Abgründe des Menschseins.
Das tut er mit Hilfe von 4 Kurzgeschichten.
Tatsächlich gibt es gerade in Geschichte 1 und 2 einige Stellen die sehr hart sind und im Gegensatz zu anderen "harten" Begebenheiten in King Romanen nichts mit Monstern oder Vampieren zu tun haben. Es geht um das Monster in uns allen.
Alle vier Geschichten sind meiner Meinung nach gelungen. Wobei das Buch zum Ende hin ein wenig abfällt.

Teil 1 : 7/10
Teil 2 : 6,5/10
Teil 3 : 4/10
Teil 4: 6/10

Eine Schwäche in meinen Augen ist das die Charakterzeichnung, die ich bei Stephen King immer so herausragend finde, dieses mal natürlich etwas auf der Strecke bleibt. Es handelt sich halt um Kurzgeschichten. Der ein oder andere mag das sogar als Vorteil sehen.
"People die at their dinner tables. They die in their beds. They die squatting over their chamber pots. Everybody dies sooner or later. And don't worry about your death. Worry about your life. Take charge of your life for as long as it lasts." — Petyr Baelish aka the Little Finger

Valar Morghulis

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Donnerstag, 5. Januar 2012, 09:30

Aber nur eine von den vieren würde ich als Kurzgeschichte bezeichnen, die anderen sind Novellen oder Kurzromane ;)

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Donnerstag, 5. Januar 2012, 15:38

Die Tribute von Panem 1. Tödliche Spiele von Suzanne Collins

Zitat

In einem Nordamerika der fernen Zukunft regiert das Kapitol mit eiserner Hand. Die meisten Menschen in den unterjochten zwölf Distrikten kämpfen tagtäglich ums Überleben. So auch die sechzehnjährige Katniss. Sie sorgt dafür, dass ihre kleine Schwester Prim und ihre Mutter nicht verhungern, indem sie unerlaubterweise hinter dem Zaun des Distrikts auf die Jagd geht. Doch der Hunger ist nicht die größte Bedrohung: Jedes Jahr werden die žHungerspiele ausgetragen, eine Art Gladiatorenkampf. Aus jedem Distrikt werden dafür ein Mädchen und ein Junge zwischen zwölf und sechzehn Jahren ausgelost. Und dieses Jahr trifft es Prim. Doch Katniss geht für ihre Schwester in den grausamen Kampf, der so lange dauert, bis nur noch einer von den vierundzwanzig žSpielern am Leben ist. Das ist furchtbar genug, doch zu allem Überfluss ist einer von Katniss Gegnern ausgerechnet Peeta, der ihr schon einmal das Leben gerettet hat ...


Die Story an sich war zwar in Ordnung (Battle Royale für Kinder/Jugendliche), allerdings war alles ziemlich vorhersehbar, was das ganze ein wenig unspannend gemacht hat.
Lesenswert, aber keine definitiv Pflicht.

6.5/10

Habs auch eben beendet, war recht angetan vom ersten Teil. Story hat mir gefallen und die Welt drum herum wurder mMn gut Konstruiert und erklärt. Einige sachen waren schon recht vorhersehbar. Aber alles in allem bin ich sehr zufrieden, dass ich mir die Triologie gekauft habe, mal schauen wie 2 und 3 werden.



Punkte wie immer keine

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